Mal ehrlich, ideales Fahrradwetter war das gestern nicht. Immer mal wieder ein Schauer und böiger Wind – das sind nicht zwingend die Bedingungen, die des Radlers Herz lachen lassen. Aber hat wirklich nur das Wetter dafür gesorgt, dass statt der rund 350.000 Leute in den vergangenen Jahren gestern nur 200.000 kamen?

Oder ist es vielleicht so, dass die Teilnehmerzahl gleich bleibt, bloß immer weniger als Radler, dafür aber immer mehr als Ausschenker teilnehmen? Hier in Wachenheim gilt vielen der Weinstraßentag als eine prima Alternative zum Weinfest: geringe Gebühren, nur für 8 Stunden (plus Auf- und Abbau) Leute motivieren, und jede Menge durstige und hungrige Kundschaft.

Ja, ja, ich löse es gleich auf, es handelt sich um eine satirische Übertreibung. Aber Tatsache ist, dass aus der Idee der autofreien Weinstraße (in diesem Jahr gab es meiner Wahrnehmung nach ziemlich viele Autofahrer, die sich trotzdem an den nicht immer schwer zu umfahrenden Absperrungen auf die Weinstraße geschlichen haben) ein 85 km langes Weinfest geworden ist. Auch eine feine Sache. Aber der Schwerpunkt scheint sich vom Streckenradeln wegzuverlagern.

Oder droht die Veranstaltung an ihrem Erfolg zu ersticken? Im den letzten Jahren war an manchen Stellen so viel los, dass es bisweilen krachte. Ich bin in den vergangenen Jahren ein paar Mal an Radlern vorbeigekommen, die bei einer Kontrolle sicher eine Weile getrennt von ihren Führerscheinen hätten leben müssen. Das lädt nicht zu einem entspannten Radausflug mit den Kindern ein.

Uns diesmal jedenfalls nicht. Statt dessen sind wir zu Fuß über die Weinstrasse gezogen. Denn da gab es ja mehr Ausschankstellen als beim Weinfest, und ähnlich viele Freunde zu treffen – die auch zu Fuß unterwegs waren oder selber hinter einem Tresen standen. Kaffee beim Bella Bici, Waffel beim Altersheim und dann keine Schorle am Marktplatz, weil das Wetter zickte und es außerdem schon sechs Uhr geworden war, bis wir uns soweit vorgearbeitet hatten.

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