September 2012


So oder ähnlich sagte die Frau, die Harry und Sally im Restaurant beim Essen zusah, als Sally gerade einen sexuellen Höhepunkt der Extraklasse vortäuschte.

Wenn man so gegen 11.00 Uhr vormittags durch Deidesheim fährt, kann einem als Wachenheimer genau das Gefühl beschleichen, das die Frau am Nebentisch im Restaurant hatte. Sie wusste natürlich nicht, daß der Climax ein Fake war.

In Deidesheim ist Leben in der Bude, es gibt einen florierenden Einzelhandel, das Stadtbild ist einheitlich, der Kern der Weinstraße ist pittoresk gepflastert. Jeder stöhnt sozusagen erregt im noblen und tollen Deidesheim, und hat genügend erstklassige Restaurants, in denen man zum Stöhnen kommen kann, sowohl ob der tollen Qualität als auch der Preise wegen. Ist man gesättigt legt man sich in eines der sehr guten Hotels oder geht ins Freibad die Pfunde abschwimmen. Über den Weihnachtsmarkt und das Weinfest fange ich gar nicht an und über die Supermärkte auch nicht.

Aber stop. Wie ist da mit den Schulden? Da war doch was, was zur Vermeidung der Fusion der beiden haardt’schen Kleinode geführt hat. Schulden, massive Deidesheimer Schulden. Wie das in Zukunft abzuarbeiten ist, bleibt sehr spannend.

Ein bisschen reizende Wäsche ist nicht schlecht. Aber der Höhepunkt, der sollte echt sein.

Ansonsten könnte es irgendwann zu der folgenden Unterhaltung kommen.

Die Deidesheimerin zum Wachenheimer:“Meine Orgasmen der letzten 20 Jahre mit Dir waren alle vorgetäuscht!!“ Er zu Ihr: „Meine auch!!“

Schönes Wochenende!

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Unser kleiner Blog erfreut sich allen Unkenrufen zum Trotz weiterhin ungebrochener, den Zahlen nach sogar steigender Beliebtheit. Und da wir inzwischen über 97.000 Zugriffe haben (unsere eigenen werden nicht mitgezählt, sonst wären es sicher schon über 200.000), könnten wir schon mal überlegen, ob wir den 100.000sten Zugriff nicht in irgendeiner Weise feiern sollten.

Wie heißt es in einem Song der Spielgemeinschaft Mittelhart? Ich brauch zum Feiern einen bess’ren Grund als Freitag. 100.000 Zugriffe wären schon mal ein Grund für einen Tasse Wein oder einen Fingerhut Bier. Eine Wachtenblog-Fete?

In der Nacht von Freitag auf Samstag fiel in Wachenheim von ca. 0.35 Uhr bis 0.40 Uhr der Strom aus, zumindest in der Gegend von Bahnhof und Gewerbegebiet. Sowohl die Strassenbeleuchtung als auch die Wohnhäuser waren völlig im Dunkeln.

Die erste Impression, die sich dieses Jahr auf dem Wurstmarkt manifestierte, war eine Gruppe Dortmunder Jungs. Die Jungs hatten Trolleys dabei und betraten den WUMA über die gleiche Schneise, wie ich, d.h. vom Kurpark kommend, liefen wir an den Markständen vorbei, die allerlei Sinnvolles und weniger Sinnvolles für den Haushalt veräußern.

Vorm Bürstenstand fiel einem, schon etwas alkoholschawangeren, Dortmunder Jung auf, daß er noch einen Bedarf für zu Hause hätte:“Ich brauch noch ne Bürste, um meinen Hasenstall sauber zu machen!“ Sofort wurde mir wieder bewusst, aus welchem historischen Hintergrund, diese so schöne Kirmes entstanden ist. Das hat nichts mit Wein oder sonstigem zu tun, sondern eine profane Haushaltsmesse. Amazon fing ja schließlich auch mal mit Büchern an.

Beim Genuss meiner ersten Schorle, oder meines ersten Schorles, das ist auch so eine Sache, die ich nie verstehen werde, vielleicht kann da ein Leser aufklärend wirken, saß ich bei den Zäpplern, oder Schubkärchlern, einem Mann aus Forst gegenüber, der seinem offenen pfälzer Naturell entsprechend, sofort ein Gespräch mit mir anfing, von dem nicht zu ahnen war, in welche politische Dimension dieses führen würde.
Es fing locker damit an, daß er auf seinen ‚Schatz‘ wartete, mit dem er schon seit 17 Jahren unverheiratet zusammenlebt. Seine erste Verlobte bekam von ihm den Laufpass, nachdem er auf sie warten musste. Ich war durchaus gespannt, ob ich noch live an einer Trennung teilhaben konnte, aber diese Spannung hat sich dann zum Glück als unberechtigt herausgestellt.
Nachdem der gute Mann von mir erfahren hatte, dass ich Wachenheimer bin, erläuterte er mir den Unterschied zwischen Wachenheimer und Forster.

20 Minuten.

Also die Erläuterung dauerte keine 20 Minuten, sondern der Fußweg auf den WUMA von Forst aus sei eben 20 Minuten länger und dies sei das einzig wahre Unterscheidungsmerkmal des Wachenheimers zum Forster. Mein Einwand, daß die Wachenheimer ja mit dem Zug fahren können, da sie einen Bahnhof haben, brachte dann meinen Gesprächspartner so richtig in Fahrt, auch ohne Zug und Bahnhof. Alternative Trassenverläufe auf einer Serviette skizzierend, kamen Schimpftiraden über die Forster Kommunalpolitiker, die vor vielen Jahren zugelassen haben, daß Forst nicht an die Bahn angegliedert wurde. Er sprach dann in salbungsvoller Wurstmarkt-Sprache von ahnungslosen Feierabend-Politikern, die sich von irgendwelchen Lobbyisten den Kopf verdrehen liessen und die Zukunft Forsts versaubeutelt hätten. Dann kam die ultimative Argumentenkeule.

„Ihr habt ja genau diese Politiker. Die Scheiße mit dem Supermarkt ist auch unendlich.“

Ich trank meine Schorle leer, verabschiedete mich höflich. Und ging an den Bürstenstand.

In Wachenheim kann man nicht nur wunderbar heiraten und feiern, nein, jeden Donnerstag kann man auch auf dem Markt Markfrisches einkaufen. Und an jedem ersten Donnerstag im Monat muss man dazu nicht mal vorher frühstücken. Aufs feinste belegte Brötchen (vielleicht Waffeln – ohne Gewähr), Kaffee, frisch gepresster Orangensaft und – wir reden von Wachenheim – natürlich auch Sekt heimischer Provenienz gibt es zu wahrlich bodenständigen Preisen beim Wachenheimer Marktfrühstück von 8:30 an.

Diesen Donnerstag, 6. September ist es wieder so weit. Diesen Donnerstag besuchen aber auch die Nutznießer das Frühstück – die Wachenheimer Waldameisen, also die Waldgruppe des Kindergartens. Die Einnahmen der Marktfrüstücke kommen ihrer Gruppenkasse zu Gute, aus der zum Beispiel Brennholz für den Winter oder Bastelmaterial angeschafft werden kann.

Die Waldameisen, derzeit sind es zwölf Kinder zwischen drei und fünf, kommen natürlich nicht nur, um sich die Bäuche voll zu schlagen. Sie werden auch ein paar Liedchen singen, um sich bei den Marktbeschickern und Frühstückern zu bedanken. Den Hauptteil der Zutaten spenden nämlich die Standbetreiber. Also: Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, wie Kinder aussehen, die jeden Morgen der Woche bei Wind und Wetter fast fünf Stunden den Pfälzer Wald mit allen Sinnen erleben, und dabei ein Käsebrötchen in der einen Hand, ein Sektglas in der anderen und eine Kaffeetasse in der dritten halten wollten, dann ist der kommende Donnerstag die Gelegenheit.

Vor Monaten hat Cordelia die Möglichkeiten aufgezeigt, wie Wachenheim eine Hochzeits-Hochburg werden könnte. Böse Zungen behaupten, der Entschluss meiner Frau und mir selbst, gründe auf diesem Artikel, was aber natürlich nicht der Wahrheit entspricht.

Die Liebe wars, die uns am letzten Wochenende, das ‚Ja‘ hat sagen lassen.

Jedoch haben wir, ganz bewusst, eine weitgehend Wachenheimer Hochzeit gehabt. Das Wenige was nicht aus Wachenheim kam, war das leckere Essen vom Catering Service, aber der war immerhin aus Bad Dürkheim und zwei Rotweine. Der Reihe nach.

Die eigentliche Trauung fand am Freitag in der Ludwigskapelle statt und wurde von Frau Nürck locker und fröhlich beurkundet. Die Kapelle hat einfach den Charme eines Kirchengebäudes obwohl sie ’nur’Standesamt ist, und die Lage mitten am Marktplatz ist einfach toll. Als Mensch, der mit Kirche nicht sehr viel am Hut hat, ist diese Atmosphäre trotzdem sehr schön und hat berührt.

Vor der Kapelle haben wir nach der Trauung lecker Sekt getrunken, natürlich vom Wachenheimer Weingut Bürklin- Wolf und standen mit unseren Freunden und unserer Familie frisch vermählt mitten im Herzen unseres geliebten und gelebten Wachenheims.

Da die Traunung zur Mittagszeit statt fand, hatte die geladene Gästeschar irgendwann Hunger, und wir kehrten in der Gerümpelstube ein.

Ein tolles Ambiente.

Zum Auftakt im Hof gab es eine sommerliche Bowle mit Melone, dazu Häppchen mit Pfälzer Blutwurst oder mit Roastbeef.

Als Vorspeise im Gastraum hatten wir einen sommerlichen Salat mit Riesengamba, marinierten Pilzen und Parmesanspänen. Als Hauptspeise folgte eine Barbarie-Entenbrust mit Steinpilzwirsingstrudel und Portweinfeigensoße. Dessert war eine Mousse von der Valrhonaschokolade mit Himbeersorbet. Begleitet wurden die Speisen von einem 2011 Wachenheimer Gerümpel vom Weingut Zimmermann und einem, ‚Ausrutscher‘ Kalkmergel Spätburgunder vom Weingut Bernhart in Schweigen.

Tolles Ambiente, nettester unaufdringlicher Service und eine TOP Qualität. Die Entenbrust muss man einfach probiert haben auf den Punkt Rosa, zart, ein Gedicht. Dies aber nur als Beispiel, die anderen Speisen standen dem in Nichts nach. Wem das Essen trotz der mageren Ente doch zu fettig war, zuviel gegessen hatte oder einfach nur wollte, konnte dann aus reichlich Digestives auswählen und etwas gegen seine Nöte tun. Chapeau.

Die große Fete stieg dann am nächsten Abend im Park der Villa Wolf. Die netten Leute, das einzigartige Ambiente im Park mit den alten Segovias war eine Traum-Location zudem das Wetter voll mitspielte. Das Buffet kam von der Firma Ester in Bad Dürkheim, da Wachenheim keinen eigenen Cateringservice hat, ausser Familie Hambel, die leider schon ausgebucht war, und war ohne Fehl und Tadel. Die Organisation und Ausrüstung wurde von Ester reibungslos und unauffällig durchgezogen und das Essen war ebenso hohes Niveau wie am Tage zuvor. Der weisse Wein kam vom Weingut J.L. Wolf, ein toller Riesling. Der rote ‚Ausrutscher‘, s.o., kam aus Argentinien.

Die Musik kam auch aus Wachenheimer Herzen. Die ‚Spielgemeinschaft Mittelhart‘ hatte Ihren ersten Auftritt und so wie die Weißweine in Wachenheim gemacht wurden, sind die Lieder der Band auch in Wachenheim handgemacht.

Resumée: Eigentlich müsste dieser Artikel eine Liebeserklärung an Wachenheim sein. Ist er auch.
Aber ohne meine Frau und unsere Kinder hätte dies alles nicht stattgefunden, ohne unsere Freunde und Familien wäre das Fest nicht so rauschend und beschwingt gewesen.

Und unser Wachenheim legte sich um uns wie eine wärmende Decke und kraulte uns den Rücken.