Die erste Impression, die sich dieses Jahr auf dem Wurstmarkt manifestierte, war eine Gruppe Dortmunder Jungs. Die Jungs hatten Trolleys dabei und betraten den WUMA über die gleiche Schneise, wie ich, d.h. vom Kurpark kommend, liefen wir an den Markständen vorbei, die allerlei Sinnvolles und weniger Sinnvolles für den Haushalt veräußern.

Vorm Bürstenstand fiel einem, schon etwas alkoholschawangeren, Dortmunder Jung auf, daß er noch einen Bedarf für zu Hause hätte:“Ich brauch noch ne Bürste, um meinen Hasenstall sauber zu machen!“ Sofort wurde mir wieder bewusst, aus welchem historischen Hintergrund, diese so schöne Kirmes entstanden ist. Das hat nichts mit Wein oder sonstigem zu tun, sondern eine profane Haushaltsmesse. Amazon fing ja schließlich auch mal mit Büchern an.

Beim Genuss meiner ersten Schorle, oder meines ersten Schorles, das ist auch so eine Sache, die ich nie verstehen werde, vielleicht kann da ein Leser aufklärend wirken, saß ich bei den Zäpplern, oder Schubkärchlern, einem Mann aus Forst gegenüber, der seinem offenen pfälzer Naturell entsprechend, sofort ein Gespräch mit mir anfing, von dem nicht zu ahnen war, in welche politische Dimension dieses führen würde.
Es fing locker damit an, daß er auf seinen ‚Schatz‘ wartete, mit dem er schon seit 17 Jahren unverheiratet zusammenlebt. Seine erste Verlobte bekam von ihm den Laufpass, nachdem er auf sie warten musste. Ich war durchaus gespannt, ob ich noch live an einer Trennung teilhaben konnte, aber diese Spannung hat sich dann zum Glück als unberechtigt herausgestellt.
Nachdem der gute Mann von mir erfahren hatte, dass ich Wachenheimer bin, erläuterte er mir den Unterschied zwischen Wachenheimer und Forster.

20 Minuten.

Also die Erläuterung dauerte keine 20 Minuten, sondern der Fußweg auf den WUMA von Forst aus sei eben 20 Minuten länger und dies sei das einzig wahre Unterscheidungsmerkmal des Wachenheimers zum Forster. Mein Einwand, daß die Wachenheimer ja mit dem Zug fahren können, da sie einen Bahnhof haben, brachte dann meinen Gesprächspartner so richtig in Fahrt, auch ohne Zug und Bahnhof. Alternative Trassenverläufe auf einer Serviette skizzierend, kamen Schimpftiraden über die Forster Kommunalpolitiker, die vor vielen Jahren zugelassen haben, daß Forst nicht an die Bahn angegliedert wurde. Er sprach dann in salbungsvoller Wurstmarkt-Sprache von ahnungslosen Feierabend-Politikern, die sich von irgendwelchen Lobbyisten den Kopf verdrehen liessen und die Zukunft Forsts versaubeutelt hätten. Dann kam die ultimative Argumentenkeule.

„Ihr habt ja genau diese Politiker. Die Scheiße mit dem Supermarkt ist auch unendlich.“

Ich trank meine Schorle leer, verabschiedete mich höflich. Und ging an den Bürstenstand.

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