In den letzten Jahren wird in Wachenheim viel diskutiert. Vorrangig wegen eines Supermarktes, der mal dahin mal dorthin gebaut werden soll. Diskussion ist vom Prinzip her nichts schlechtes, solange diese zu einem Konsens führt. Tut die Diskussion das nicht, aus welchen Gründen auch immer, ist sie obsolet.

Mittlerweile ist die Diskussion, sofern es noch eine ist, so verworren und verfahren, daß selbst die, die sich in den politischen Gremien damit selbst seit Jahren befassen, nicht mehr durchschauen, was denn gerade abgestimmt oder diskutiert wird. Wachenheim hat dadurch politischen Schaden genommen, da sich von der Sachebene schneller wegbewegt wird, als man das Wort ’sachlich‘ buchstabieren kann.

Wir auf unserem Blog haben ebenso diese Erfahrung gemacht, wie schnell man bei diesem Thema vereinnahmt wird, beschimpft wird. Es wird polemisiert. Es werden Gräben geöffnet. Es gibt juristische Aktionen.

Und warum?

Wegen eines Supermarktes!

Das sollte man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Eine Stadt, d.h. jeder einzelne Bürger, denn aus denen besteht die Stadt, lässt es zu, daß die sozialen und politischen Umgangsformen aus den Fugen geraten. Wegen eines Supermarktes. Wegen einer oder mehrerer im Wettbewerb stehenden Supermarktketten.

Ich habe selten eine solche Luxusdiskussion erlebt.

Schauen wir uns einmal die Infrastruktur unserer schönen kleinen Stadt an.

Wir haben einen Supermarkt.
Wir haben mehrere Bäcker.
Wir haben einen Metzger.
Wir haben Ärzte.
Wir haben eine Apotheke.
Wir haben Kirchen.
Wir haben ein Schwimmbad.
Wir haben eine Grundschule.
Wir haben eine IGS.
Wir haben eine KITA.
Wir haben einen Getränkehandel.
Wir haben Weingüter.
Wir haben einen Bahnhof.
Wir haben Bushaltestellen.
Wir haben eine Postagentur.
Wir haben Restaurants.

Und wir haben Optionen.

Jedoch wird hier eine Diskussion geführt, als stünde der Untergang des römischen Reiches bevor. Wir diskutieren über Fußläufigkeit einer Supermarktlage. Es gibt weder eine Hungersnot in Wachenheim, noch ist die Entfernung zur nächsten Einkaufsmöglichkeit größer als in manchem Stadtteil einer Großstadt.

Es gibt andere Dinge, die ich mir in der Diskussion wünsche. Die Infrastruktur und das Angebot für unsere Kinder und Jugendlichen. Die Infrastruktur und das Angebot für unsere älteren Mitbürger. Kulturelle Angebote.
Es gibt Trottoirs, die sind kaum breiter als eine Kiste Cola. Es gibt Verkehrsgefahrenpunkte für Kinder an Hauptschulwegen. usw. usw..

Bei diesen Dingen wünsche ich mir eine solch leidenschaftliche Diskussion wie bei diesem mittlerweile intellektuell beleidigenden Thema ‚Supermarkt‘.

Wir haben immer noch eine Perle an Stadt, zu der viele, aus den o.g. Gründen, neidisch herüberschauen.

Diese Stärken müssen wir sehen, darauf aufbauen und mal wieder gemeinsam ein bisschen Stolz auf Wachenheim entwickeln. Sozusagen eine Corporate Identity für Wachenheim.

Und wir müssen aufhören, uns von Interessengruppen instrumentalisieren zu lassen, sondern wirklich zu einer gemeinsamen KONSTRUKTIVEN Politik für Wachenheim zurückkommen.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende!

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