Achim Martin ist der Vorsitzende des Kreisrechtsausschusses. Wie der lokalen Presse von heute zu entnehmen ist, hält er den Einspruch eines Anwohners gegen die geplanten 20 Parkplätze am Roten Turm Weg für aussichtslos. Er verweist darauf, dass so ein Parkplatz in einem Mischgebiet (gibt es eigentlich auch Wohngebiete in Wachenheim? Auf der Höhe ist auch nur ein Mischgebiet…) hinzunehmen sei, und dass Parken ja normalerweise nur bis 17 Uhr erlaubt sei. Und sollten doch mal Menschen ihr Fahrzeug länger dort abstellen – Achtung, jetzt kommt die humoristische Passage – müsste das Ordnungsamt einschreiten.

Bitte? Das Ordnungsamt? Nach 17 Uhr? Ich vermute, als Herr Martin das sagte, hat er diabolisch gegrinst, denn er weiß hoffentlich, dass in Wachenheim, sagen wir um 18 Uhr, beim Ordnungsamt niemand mehr zu erreichen ist.

In der Praxis sieht das so aus: Vergangene Woche war ich vor der Haustür eingeparkt.Nach vorne 1 cm zum Eisengitter um das baumartige Kümmergewächs, weil ich dem Nachbarn Platz lassen wollte, nach hinten ließ mir ein Verkehrsteilnehmer vielleicht 10 cm. Nicht genug, um die Heckklappe zu öffnen, ein paar sperrige Sachen einzuladen, und auch nicht genug, um aus der Lücke auszuparken. Beides musste ich tun, um einen Termin wahrnehmen zu können. Bemerkt habe ich das gegen 18 Uhr. Nachdem ich in der erweiterten Nachbarschaft und der Weinstube gegenüber nach dem Parker/der Parkerin erfolglos gesucht hatte, rief ich bei der Polizei Bad Dürkheim an. Hier erteilte man mir wenig hilfreiche Auskünfte: 1. Die Polizei ist nicht zuständig. 2. Das Ordnungsamt Dürkheim wird bestimmt nichts machen. 3. Ich kann auf eigenen Kosten einen Abschleppdienst beauftragen und dann versuchen, die Kosten einzuklagen. Da ich aber kein Notarzt im Einsatz sei, hätte ich damit wohl keine Chance.

Auf meine Frage, ob man in Wachenheim nach Dienstende des Ordnungsamts straffrei überall parken kann, meinte die freundliche Beamtin, dass dem im Prinzip so sei.

Damit erklärt der Wachtenblog den Parkplatz-Notstand in Wachenheim hiermit für beendet. Nach 18 Uhr und an Wochenenden ist ganz Wachenheim Parkplatz.

Die Polizei ist für den ruhenden Verkehr nicht zuständig, das eigene Ordnungsamt hat Feierabend und das Dürkheimer wahrscheinlich andere Sorgen. Um es mit einem Beispiel zu belegen: Parkt ein Anwohner wochentags um die Mittagszeit hinterm Sektschloss ein paar Minuten im Bereich der Einfahrt, kann es passieren, dass er ein Knöllchen bekommt, auch wenn die Ausfahrt nicht blockiert ist. Parken bei der Ü30 Party Autos den Parkverbotsbereich komplett zu, bleiben alle unbehelligt.

Auch vor 18 Uhr an Wochentagen ist natürlich Parkverbot nicht gleich Parkverbot.
Hier scheint nach vielen Gesprächen mit Wachenheimern eine Unterscheidung zwischen Parkern getroffen zu werden, die zwar im Parkverbot stehen, jedoch einem Gewerbetreibenden nützen, und Parkern, die im Parkverbot stehen und dabei einen Gewerbetreibenden behindern.
Wie mir aus einem anderen Ort der VG berichtet wurde, kommt es vor, dass ein Gewerbetreibender selbst gleich mit mehreren Fahrzeugen im Parkverbot vor seinem Betrieb parkt, ohne verwarnt zu werden, ein dazwischen abgestelltes ortsfremdes Fahrzeug aber einen Zettel an die Windschutzscheibe bekommt.

Im vergangenen Jahr hat ein meiner Erinnerung nach Mannheimer Besucher in Weisenheim am Berg sich über einen Strafzettel für Falschparken empört. Die Zeitung zitierte ihn sinngemäß mit: Ich bin hier Gast, ich darf hier Parken wo ich will. Mal ganz davon abgesehen, dass gerade das Mannheimer Ordnungsamt den Besuchern der Neckarstadt nicht mit dieser Haltung entgegen tritt, scheint man in der Verbandsgemeinde Wachenheim geneigt zu sein, sich der Meinung jenes parkimperialistischen Großstädters anzuschließen.

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