Vom Stress um Kinder und Beruf genervt, sprich also wir waren urlaubsreif, haben sich die Mehlmers, das Ehepaar, eine verspätete Hochzeitsreise gegönnt.

Da wir im Alltag wenig Zeit haben, auch um zu schlafen, zog es uns in die Stadt, die niemals schläft. The Big Apple. NYC. New York.

Keine Angst, ich rede nicht über Hotels, Shopping, GroundZero, Empire State Building…

Ich rede über New Yorker Metzger. Profane Metzger. Und Fleischverpacker. Und obwohl ich ausgesprochener Grillfan bin, geht es auch nicht um die mir eigene Fleischeslust.

Sondern es geht um Stadtentwicklung und hier ist also der Bezugspunkt zu Wachenheim.

Der Stadtteil Chelsea war früher das Zentrum des Fleischhandels in New York. Viele Fleischereien waren dort ansässig, haben geschlachtet und ihre Waren von eben dort aus verteilt. Der Spitzname des Stadtteil rührt noch aus dieser Zeit.

‚Meat Packing District‘

Dieser Meat Packing District hat in den letzten Jahren einen enormen Wandel erfahren. Er ist innerhalb kürzester Zeit zu einem In-Viertel geworden. Restaurants, Designerläden, Galerien, Cafés, Bistro usw, usw, und das alles auf höchstem Niveau. Als einer der Höhepunkte gilt die High Line. Eine stillgelegte Hochtrasse der Bahn, die zu einer Flaniermeile umgebaut und begrünt wurde.

Kürzeste Zeit heisst hier ca. 10 Jahre, insgesamt der vollen Infrastruktur!

Jetzt schauen wir uns im Vergleich zu den Fleischern, die ja nicht gerade im Ruf stehen progressiv zu sein, die Traubensammler an, die hier in Wachenheim, von der Einwohner Zahl ca. 2000 mal kleiner als NYC, was die aus Ihren alten Wine Packing District machen, bzw. gemacht haben. Es gibt noch nicht mal eine neue Fleischtheke(ausser bei unserem Metzger mit seinem Saumagen Bistro!!!) im Supermarkt, der vielleicht irgendwann entsteht.

Woran kann diese durchaus unterschiedliche Pace im Städtebau liegen? In NYC gibt es bestimmt mehr Interessensgruppen als in Wachenheim. Es gibt bestimmt mehr städtebauliche Aspekte zu berücksichtigen, usw., usw.

Ich glaube es liegt an der Mentalität der Gesellschaft. In NYC, in den USA will man vorwärtskommen, man hat erkannt dass Stillstand Rückschritt ist. Das ist kein Hohelied auf die USA, das ist Kritik an unserer politischen Struktur und Kultur, die zum Großteil noch immer auf den Idealen des preussischen Beamtentums, des typisch deutschen Vereinswesens und der Vorschriftenreiterei aufgebaut ist.

Selbst im kleinen Wachenheim. Mit 5000 Einwohnern und ca. 150 politisch aktiven Menschen.

So jetzt hole ich mir ein Steak, noch schön verpackt, aus dem Kühlschrank und wünsche allen Lesern eine schöne kommende Woche!

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