Immer wenn man denkt, der Tiefpunkt einer Debatte sei erreicht, tauchen neue Flugblätter in Wachenheims Briefkästen auf. Oder, wie Mitblogger Frank so schön sagt: „Schlimmer geht’s immer.“

In der Endlosposse um den Supermarktstandort versuchen nun wieder Leute, tote Pferde zu satteln, die sich seltsamerweise „Bürger für Wachenheim“ nennen. Dabei gibt es valide Argumente, warum diese Bürger gegen Wachenheims Interessen hintertreiben. Dass sie jetzt gegen den Bürgermeister polemisieren, drückt von der falschen Seite gegen die Schmerzgrenze. Nun geht es den treibenden Kräften der Initiative vor allem darum, keinen Supermarkt in ihre unmittelbare Nähe gebaut zu bekommen. So weit, so verständlich.

Jetzt aber das Gezackere um den Standort so hinzustellen, als ob der Bürgermeister mit seinem Plan einfach nicht vorankommt, ist sehr seltsam. Auf Gemeindeebene ist die Standortfrage entschieden: der Bischofsgarten wurde gewählt. Dummerweise stellt sich da der Verbandsgemeinderat quer, den ja noch immer die FWG dominiert – und dass der ehemalige Bürgermeister die Schmach des Pfortenstücks nicht verwunden hat, werden nicht viele bestreiten. Auch der Verbandsgemeindebürgermeister gibt sich nur in Wachenheim neutral zu der Frage. In Friedelsheim und Gönnheim gibt er sich kämpferisch für einen Markt zwischen Friedelsheim und Gönnheim. Nun ginge zwar beides – Märkte in Wachenheim und zwischen Gönnheim und Friedelsheim (auch, wenn es da keinen Investor gibt), aber was zählen Fakten gegen Egoismen?

Inzwischen favorisiert der Kreis den Standort oberhalb des Kreisels. Zu Zeiten, als noch der unselige Pfortenstück-Plan auf dem Tisch war, hat der damalige Bürgermeister auch diesen Standort für unmöglich erklärt. Und noch vor kurzem hörte man auch von Herrn Eichner, dem Planer des Kreises, dass der Blick auf den Haardtrand an dieser Stelle unangetastet bleiben muss. Nun gibt es an dieser Stelle nicht viel zu sehen, in Punkto schönster Ortseingang sehe ich den Süden klar vorn, dennoch ist der Sinneswandel erstaunlich.

Die Ringstraße immer wieder ins Spiel zu bringen, ist wenig hilfreich. Hier hat die Eigentümerin klar gemacht, für was das Grundstück nicht zur Verfügung steht. Und beim Oberstnest schätze ich, dass es relativ leicht ist, mehr als 500 Unterschriften dagegen zusammen zu bringen, vielleicht sogar mehr als die 1300 gegen das Pfortenstück.

Tragischerweise bleibt Wachenheims wirtschaftliche Entwicklung bei all dem Streit auf der Strecke. Nachdem im VG-Rat die Supermarktfrage mit der Entwicklung des Gewerbegebiets unsinnigerweise verknüpft worden ist, können sich dort bis auf Weiteres keine Firmen ansiedeln – sie wandern ab oder suchen sich in Dürkheim oder Haßloch Flächen. Hier müsste der VG-Rat doch endlich zur Einsicht kommen und das Thema Gewerbegebiet endlich von der Supermarktfrage abkoppeln. Aber wahrscheinlich geht es da auch wieder darum, dass größeres Gewerbegebiet in Wachenheim wieder die Chancen der anderen Gemeinden auf Gewerbeflächen schmälert. Eine Lage, die intrigant veranlagte Politiker geschickt für ihre Zwecke nutzen können – wie man in den vergangenen Jahren im VG-Rat beobachten konnte.

Bürger für Wachenheim? Der Name ist zumindest anmaßend. Bürger für Eigeninteressen und weniger Verkehr vor der Haustür wäre wohl treffender – aber zugegebenermaßen etwas sperriger.