Es scheint der Herbst entwickelt sich irgendwie zu einem literarischen Herbst auf dem Wachtenblog. Erst Max mit seinem Gedicht, nun ein hölderlinsches Fragment, das irgendwie sehr gut zu unserer Wachenheimer Politik passt. Vielleicht werden dadurch auch die anderen Blogger und einige Leser animiert, etwas zum Besten zu geben:

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So kam ich unter die Deutschen.Ich forderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden.Demütig kam ich, wie der Heimatlose blinde Ödipus zum Tore von Athen, wo Ihn Götterhain empfing und schöne Seelen ihm begegneten.

Wie anders ging es mir!

Barbaren von Alters her, durch Fleiss und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tief unfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede geartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes – das, mein Bellarmin, waren meine Tröster.

Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ich's, weil es Wahrheit ist:

Ich kann kein Volk mir denken, das zerissner wäre wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen. Denker, aber keine Menschen. Priester, aber keine Menschen. Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und Glieder zerstückelt aufeinander liegen, indessen das vergossne Lebensblut im Sande zerinnt?

Ein jeder treibt das Seine, wirst du sagen und ich sag es auch.

Nur muss er es mit ganzer Seele treiben, muss nicht jede Kraft in sich ersticken, wenn sie nicht gerade zu seinem Titel passt, muss nicht mit dieser kargen Angst, buchstäblich heuchlerisch das, was er heisst, nur sein, mit Ernst, mit Liebe muss er das sein, was er ist, so lebt sein Geist in seinem Tun, und ist er in ein Fach gedrückt, wo gar der Geist nicht leben darf, so stoss er's mit Verachtung weg und lerne pflügen.

Deine Deutschen aber bleiben gerne beim Notwendigsten und darum ist bei ihnen auch so viele Stümperarbeit und so wenig Freies, Echterfreuliches. Doch das wäre zu verschmerzen, müssten solche Menschen nur nicht fühllos sein für alles schöne Leben, ruhte nur nicht überall der Fluch der gottverlassnen Unnatur auf solchem Volke.

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