April 2014


Nachdem ich neulich über die Namenspiraten geschrieben habe, liefert das aktuelle Amtsblatt auf Seite 12 einen Nachtrag zu diesem Thema. Bei der öffentlichen Bekanntmachung zu den Kommunalwahlen werden die Kandidaten amtlich veröffentlicht. Zwischen Liste Nr. 4 und Liste Nr. 6 fehlt allerdings der gesamte Kopf von Liste Nr. 5, der Wachenheimer Liste. Nicht genug damit, auch die ersten sechs Listenplätze fielen auf irgendeine Art und Weise vor der Drucklegung einer Schere zum Opfer.

So macht es nun für alle, die sich nicht ernster mit der Materie beschäftigen, als trete die FWG dieses mal mit 13 Kandidaten mehr als mit den üblichen 20 an, die Wachenheimer Liste aber gar nicht.

Wie diese Enthauptung zu Stande kam, ob durch Kopflosigkeit oder unkontrollierte Nachlässigkeit, ist reine Spekulation. Fest steht, dass diese Art der Bekanntmachung das Verwechslungsrisiko zwischen WL und WBL 2014 erheblich reduziert.

Es gibt viele Orte in Wachenheim, die man als schön bezeichnen kann. Wenn man aber den Ausblick auf die Rheinebene genießen möchte, muss man doch etwas höher hinaus.

Die meisten Wachenheimer und auch eine Menge Touristen wählen hierfür meistens die Wachtenburg. Will man es aber etwas ruhiger, gibt es in der Wachenheimer Bevölkerung den Geheimtipp „Mittelberg“.

Gerade von der jüngeren Bevölkerungsgruppe wird dieser Ort öfters aufgesucht, um ein paar gemütliche Stunden bei einer sehr schönen Aussicht zu verbringen.

Bis hier hin spricht auch absolut nichts dagegen. Dort oben steht extra eine Holzbank, die nicht nur zum Anschauen gedacht ist. Auch wurden in der Vergangenheit dort oben schon Feiern ausgetragen und an der nicht angelegten Feuerstelle gegrillt. (Die wahrscheinlich ursprünglich entstand, als einer der anliegenden Winzer Reben verbrannte.)

Die anliegenden Winzer duldeten dies, solange aufgeräumt und natürlich die Reben nicht beschädigt wurden. Es gab in der Vergangenheit zwar auch schon Zwischenfälle bei denen ein paar Halbstarke nicht aufräumten, aber nie gab es so viele negative Zwischenfälle wie aktuell.

Anscheinend hat der Platz so an Popularität gewonnen, dass nun regelmäßig Gruppen ihre abendlichen Stunden auf dem Mittelberg verbringen.  Nur haben diese Menschen erstens keinerlei Manieren, wissen zweitens den Mittelberg mit seiner Abgeschiedenheit nicht zu schätzen und zeigen drittens keinerlei Respekt gegenüber den anliegenden Winzern und ihrem Eigentum.

So kommt es jetzt seit einiger Zeit vor, dass Pflöcke von Reben, Teile der Bank und auch von den Winzern gepflanzte Bäume zerstört oder verbrannt werden. Zusätzlich werden große Mengen an Prospekten/Zeitungen ins Feuer geworfen, die der Wind dann – bevor sie vollständig verbrannt sind – in die Reben weht.

Die Winzer, die auch öfters in der Vergangenheit Flaschen aus ihren Wingerten sammeln mussten und Müll rund um die Bank entfernten, sind dementsprechend ziemlich verärgert und sprechen davon die Polizei einzuschalten.

 

Liebe Menschen,

seit Generationen (und nein, das ist nicht übertrieben) ist der Mittelberg der Geheimtipp der jüngeren Wachenheimer Bevölkerung.

Er wurde genutzt um Geburtstage zu feiern, gemeinsam zu grillen oder einfach eine Schorle an einem lauen Sommerabend zu genießen. Aber all die Jahre wurde nie so respektlos mit dem Eigentum der Winzer umgegangen.

Also bitte haltet euch beim Besuch des Mittelbergs an folgende Regeln:

  1. Hinterlasst den Mittelberg schöner als ihr in angetroffen habt. Das Einstecken von Kronkorken und das Mitnehmen eines Müllsacks sind nur zwei kleine Tipps, aber ein guter Anfang.
  2. Wenn ihr Feuer macht, bringt euer eigenes Holz mit. Einer eurer Freunde hat sicher einen Kamin zu Hause und kann dann etwas mitbringen. Alternativ hilft auch Grillkohle, falls ihr Grillen wollt. Außerdem ist der nächste Wald nicht weit entfernt in dem man heruntergefallenes Holz sammeln kann. Aber auch hier gilt, dass nicht verbranntes Holz wieder weggeräumt und nicht liegen gelassen werden soll.
  3. Macht das Eigentum der Winzer nicht kaputt. Sie stecken dort sehr viel Arbeit in die Reben.

Es ist nicht schwierig. Wirklich nicht.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Verantwortlichen bei mir melden würden. Ich persönlich habe nämlich keine Lust, wenn ich das nächste Mal auf den Mittelberg gehe, der Polizei Rede und Antwort stehen zu müssen.

Das Osterfest ist vorbei und wir bewegen uns auf Pfingsten zu. Politisch gesehen eine sehr spannende Zeit. Europawahlen, Kommunalwahlen, Wahlen über Wahlen. Die hohe Zeit des Homo politicus, der wir alle sind, ob wir wollen oder nicht!

Auf Grund dieser Tatsache, ob wir wollen oder nicht, werden wir von den politischen Parteien über die Inhalte Ihrer Wahlprogramme mannigfaltig informiert. Internet, TV, Presse und auch per Flugblatt, neudeutsch Flyer.

Nun, als engagierter Mensch in der WL, Wachenheimer Liste OHNE Zusatz, ist nun auch für mich die Zeit angebrochen SIE zu informieren und mich den spannenden Diskussionen mit potentiellen Wählern und Nicht-Wählern und Nichtwählern zu stellen.

Dies tue ich nicht über den Wachtenblog, was den Grundsätzen dieses Mediums widerspräche, sondern über den ersten Schritt, die Flyer, die ich in diesen Tagen in den Briefkästen meiner Nachbarschaft und erweiterten Nachbarschaft verteilen werde. Und ich bin natürlich auch schon von den politischen Mitbewerbern über den gleichen Weg informiert worden.

So habe ich diese Tage die schon erhaltenen Flyer, ein fürchterliches Wort, von FWG, Wachenheimer Bürgerliste 2014 und WL nebeneinandergelegt, und sah das Wahlplakat der CDU vor meinem geistigen Auge, und da fiel mir eine Sache auf, die hoffentlich keine Rückschlüsse auf die politischen Inhalte der Parteien, Vereine und Listen zulässt.

Alle, wirklich alle genannten Parteien haben als eine Grundfarbe die Farbe Orange in ihren Wurfzetteln. Mal sehr orange, mal etwas gedeckter, aber massiv Orange.

Ich frage mich, wie dieses Phänomen zu Stande gekommen ist und wieso ausgerechnet Orange. Mir wird da mulmig zu Mute. Es gab mal eine Orange Revolution in einem Land, das zur Zeit ein potentieller Gefahrenherd für einen europäischen Krieg ist. Da ist mir die Farbe orange in dieser geballten und für Wachenheim so ungewohnten Einheit mehr als unheimlich.

Vielleicht ist es gerade deswegen jetzt wieder so wichtig Position zu beziehen und sachlich und respektvoll für die eigenen politischen Positionen einzustehen. Um von diesen Pseudo-Konsensi zu einer konstruktiven, durchaus streitbaren und streitwertigen politischen Kultur zu kommen, wie es sich für demokratische Parteien gehört.

Nämlich den Willen des Wählers bestmöglich einzubringen und umzusetzen. Und der Wähler und dessen Wille sind nicht generell orange!

In diesem Sinne wünsche ich allen Parteien und Bürgern einen offenen, fairen und konstruktiv spannenden Wahlkampf, der nach der Wahl zu eben solchen Parlamenten führt.

Als neulich der Wahlausschuss in Wachenheim tagte, hatte er zu entscheiden, ob eine neue Gruppierung unter dem Namen Wachenheimer Bürgerliste bei der Kommunalwahl am 25. Mai antreten darf, oder ob die Verwechslungsgefahr mit der Wachenheimer Liste zu groß ist und daher der Name nicht zugelassen werden kann. Die Vertreter der Wachenheimer Liste warfen bei der Sitzung denen der Bürgerliste vor, den verwechslungsträchtigen Namen mit Bedacht gewählt zu haben, um vom Image der Wachenheimer Liste und falsch platzierten Kreuzchen zu profitieren. Das Ganze ging dann so aus, dass die „Neuen“ jetzt als Wachenheimer Bürgerliste 2014 an den Wahlen teilnehmen können. Ihr stellvertretender Vorsitzender Wolfgang Hick sagte in der Sitzung: „Wenn uns die Leute dann noch verwechseln, halte ich sie für dumm.“

Gestern verteilte ein Schüler eine Wahlinformation der Bürgerliste. Die Nachbarn, die für ein Schwätzchen zusammen standen, nahmen ihre Exemplare und sagten: „Ah, die Wachenheimer Liste. Da steht ja auch der Herr Mehlmer drauf.“ Ich wies dann darauf hin, dass es sich um Druckwerk der Wachenheimer Bürgerliste handele. Damit kenne ich jetzt also schon ein paar Menschen, die ich sehr schätze, die Wolfgang Hick jedoch für dumm hält.

Ohne über das Motiv der Bürgerliste bei der Namenswahl zu spekulieren: die Verwechslung mit der WL ist Realität. Daran ändert auch der Zusatz 2014 nichts.
Bis ins Logo hat er es ohnehin nicht geschafft. Und auch der Slogan „sei hell, wähl‘ WBL 2014“ lässt zwei Schlüsse zu. ENTWEDER der Zusatz soll nicht deutlich werden ODER der Texter ist ein lausiger Dichter, denn hell reimt sich nicht auf 2014. Zugegeben, einen Reim auf 2014 zu finden, ist keine leichte Aufgabe.

Doch zu den Zielen der WBL 2014: Wie alle hätten sie gerne schnelleres Internet und bessere Mobilfunkabdeckung. Tatsächlich hat die Telekom Wachenheim bisher vernachlässigt. Wie Bürgermeister Bechtel beim Frühlingsempfang der Stadt meldete, wird sich das schon in Bälde ändern, wenn jenseits der Bahn (bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es am alten Galgen oder am Bauhof war) ein Mobilfunkmast auch mit entsprechender Gerätschaft der Telekom bestückt wird. Ansonsten ist es übrigens nicht so, dass ganz Wachenheim noch in der 56k-Modem Zeit darben muss, wie es die Wahl-Pamphlete bisweilen vermuten lassen. Auf der Höhe steht mindestens 16.000er DSL zur Verfügung, einige Nachbarn empfangen auch Fernsehen in guter Qualität übers Netz der Telekom.  Im Sinne der Sache kann die WBL 2014 also schon einmal gut gelaunt einen Punkt von ihrer Liste nehmen.

Wie alle anderen Wahlkampfgruppen fordert auch die WBL 2014 eine Belebung der Innenstadt. Geschenkt, denn es hängt ja nicht von Forderungen ab, sondern von vielen Kunden, die auch dort kaufen.

Kinder- und seniorengerechtes Wohnen… ist, wie mir scheint, nichts, was eine Stadtratsfraktion in Spe regeln kann, außer durch Ausweisung von Baugebieten. Was es für Familien und Senioren potenziell schwierig macht, in Wachenheim zu wohnen, sind die dank der Niedrigzinsen an der Weinstraße absurd in die Höhe geschnellten Immobilien- und Grunsstückspreise. Und da bestimmt wohl Angebot und Nachfrage die Entwicklung.

Mehr Sicherheit im Verkehr ist mal eine sinnvolle Forderung. Unsere Ampelkreuzung ist eine Aufgabe, die bisher nicht ernsthaft angegangen wurde. Für Kinderwagen und Rollatoren ein Risikoparcour. Die Forderung nach mehr Kontrollen des Ordnungsamts ist nachvollziehbar. Da das Ordnungsamt aber nur den ruhenden Verkehr überwacht, und das nur wochentags vor 18 Uhr und auch nur dann, wenn eventuelle Falschparker sicher nicht Kunden eines Gewerbetreibenden sind, darf man gespannt sein, ob der Wunsch die Realität verändern kann.

Veränderte politische Kultur fordert die WBL 2014. Die ist selbstredend in Wachenheim nötig. Wolfgang Hick versprühte allerdings bei der Sitzung des Wahlausschuss‘ weder in Wort noch in Körpersprache Anzeichen von großer Offenheit.

Ob häufigere Polizeipräsenz die Einbruchszahlen senken können, sei dahin gestellt. Wie viele Streifenwagen müssten ständig durch Wachenheim rotieren, um da gut organisierte Einbrecher abzuhalten?

Die WBL 2014 fordert Vieles, was auch die anderen fordern. Doch wie schon im Beitrag zum Wahlblatt der FWG: Auch, wenn alle im Stadtrat vertretenen Gruppen sich in den Zielen einig wären, wäre ein kooperatives Miteinander wohl ein naiver Traum. Einige WBL 2014 Mitglieder sind auch bei den Bürgern für Wachenheim aktiv, und die haben sich nun wirklich nicht durch Offenheit hervorgetan, als es ihnen um ein Verhindern eines zusätzlichen Einkaufsmarktes im Bischofsgarten ging. Doch vielleicht stellt sich mit der Erweiterung des Themenspektrums auch mehr Gemeinsinn ein.

 

„Ein modernes Bildungswesen – ein Erfolg der FWG“. Dieses Bonmot ziert die neue Broschüre der FWG. Da kann man mal sehen, wie wir diesen Verein unterschätzt haben. Da haben die so mir nichts dir nichts die vierjährige Grundschule, das inzwischen eher zweigliedrige Schulsystem plus Gesamtschule, die Fachhochschule, die Berufsschule und die Universität aus dem Boden gestampft, und wir dachten, das hätten diverse Kultusminister seit 1949 zusammen geklöppelt. So kann man sich täuschen.

Doch es ist ja Wahlkampf. Da darf man zum einen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, zum anderen muss man ja für jeden Satz mit Inhalt dankbar sein. Im Neubaugebiet hat die FWG dann auch schon mal heftig plakatiert. Mein Favorit ist der junge Mann, der mit dem Notebook auf der Parkbank sitzt – darunter ein Satz, der schnelle Datennetze fordert. Nun, da der Herr seine mobilen Daten wohl per UMTS abruft, wird ihm in diesem Moment die Übertragungsgeschwindigkeit in den umliegenden Gebäuden wohl reichlich egal sein. Soweit zur Technik-Kompetenz der FWG.

Das Thema schnelles Internet hat es, so zeichnet es sich ab, bei allen Gruppierungen auf den Zielekatalog geschafft. Bei so viel Einigkeit muss dann ja nach der Kommunalwahl Einstimmigkeit bei der Forderung nach einem schnelleren Internet herrschen. Davon wird es zwar nicht schneller, aber die Forderung ist modern, frisch, zeitgemäß…Und wer weiß, vielleicht bemerkt ja einer der großen Anbieter, welch gigantischer Merkt da in Wachenheim brach liegt.

Die 7-Tage-Kinderbetreuung ist ein weiteres Ziel der FWG. Da könnte es bei der Finanzierung und der personellen Ausstattung möglicherweise schwerer werden als bei der kernigen Formulierung. Ist bestimmt eine tolle Sache, keine Frage. Klingt einfach teuer.

Beim Thema Altstadtsanierung fragt die FWG, worauf man wartet. Da sei die Gegenfrage gestattet, worauf die FWG bis vor 5 Jahren gewartet hat. Zu Zeiten der FWG-Regentschaft sind einige schöne, alte Anwesen (Weingut Kuhn) durch weniger schöne neue Gebäude oder uneben asphaltierte Parkplätze (hinner der Kerch) ersetzt worden. Das war nicht gut fürs Stadtbild. Auch bei der Unterstützung der letzten großen Baumaßnahme der Burg war die FWG im Stadtrat nicht so enthusiastisch, wenn ich mich recht erinnere. Die Gründung der Wachenheimer Liste geht ja, wenn ich es richtig verstanden habe, darauf zurück, dass die Agenda ein ausgearbeitetes Konzept zur Gestaltung der Weinstraße als Vorschlag eingereicht hat, das der damalige Bürgermeister von der FWG schlicht ignoriert hat, weil Hallen und Supermärkte damals wichtiger waren. Nichts desto trotz, wenn nun auch die FWG die Verschönerung der Weinstraße fordert, dann gibt es ein weiteres gemeinsames Ziel des Stadtrates.

Besonders beim Punkt Stadtplatz herrscht auf den vorliegenden Werbeschreiben viel Einigkeit: Er muss schöner werden. Dumm nur, dass „schön“ ja im Auge des Betrachters liegt, weshalb trotz gleicher Ziele nicht davon auszugehen ist, dass der Stadtrat sich in den Armen liegen wird, um einstimmig ein Konzept zu verabschieden und umzusetzen.

Einkaufen im Stadtkern ist auch eine Forderung, die von allen Gruppen kommt. Wie sie die Wachenheimer dann aber dazu bringen wollen, auch in Wachenheim einzukaufen, sei dahin gestellt. Der Buntstift war ein gutes Beispiel: Gutes Angebot (Schreibwaren, Geschenkartikel, Postkarten, Wäscherei, Brot, Bücher, Paketannahme), gute Lage in der Altstadt, freundlicher Service – aber einfach nicht genug Kunden. Das lag übrigens nicht an den Parkplätzen – die Leute sind nicht bereit, weiter als 10 Meter zu gehen, wie sich um die Apotheke zeigt – da stapeln sich die Autos, 50 Meter weiter sind hinner der Kerch Plätze frei. Es sei also die Frage gestattet, was außer einer Apotheke oder einer Bäckerei an der Weinstraße ganzjährig bestehen kann, wenn Ladenmieten zu erwirtschaften sind? Es reicht nicht, die Belebung zu fordern. Solange die Weinstraße so stark befahren ist, die Luft meist so schlecht ist, gehen dort einfach nicht genug Leute gerne einkaufen.

Einen  der zehn Punkte der FWG auf deren Flugpostille unterstütze ich inzwischen: „9. Ratssitzungen live im Web“. Wir vom Wachtenblog würden solche Übertragungen sicher bewerben. Denn den Unterhaltungswert einer durchschnittlichen Wachenheimer Stadtratssitzung schlagen allenfalls ein paar Katzenvideos auf Youtube. Man könnte sich das Spektakel gemütlich von zu Hause aus ansehen, ohne dass man fürchten müsste, mit dem Chipsgeknistere die Ernsthaftigkeit der Sitzung zu stören. Es gäbe endlich auch für die Zuschauer was zu trinken – ja, sogar von auswärts könnte man das Treiben verfolgen. Andererseits … solche Übertragungen könnten die allgemeine Politikverdrossenheit immens steigern.

Mein Vater betont immer in seinem unnachahmlichen Lokalpatriotismus, daß der Pfälzer und die Pfälzerin das Höchste sind, was ein Mensch werden kann.

In meinem Herzen stimme ich ihm natürlich zu, mein Verstand meldete sich bisher aber immer prompt zu Wort und negierte diese populär-trivial-humoristisch-wissenschaftliche Einschätzung.

Bis heute!

In einem Anatomie-Kurs setze ich mich zur Zeit mit den menschlichen Knochen auseinander. Oberschenkel, Unterarm, Füsse und der gesamte Kanon der Skelett-Teile muss erkannt, zugeordnet und innerviert werden. Ich weiss schon gar nicht mehr wohin mit den Knochen, Muskeln, Nerven, Bändern usw. usw.!

Seit heute hat dieses Lernen aber eine neue Dimension erreicht.

Beim Schädel mit seinen gefühlten tausend Knochen angekommen und sich mit den lateinischen Namen plagend gibt es nun die Struktur des Gaumenbeins. Bein deshalb, da Bein die gleiche alte Wortwurzel wie im englischen ‚bone‘ hat, bedeutet also Knochen, Gaumenknochen. Dieses Gaumenbein sitzt mitten im Schädel und trägt zur Begrenzung der Mundhöhle bei und hat damit eine sehr große Bedeutung für das Sprechen und die Nahrungsaufnahme.
Sprache ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu Tieren und Essen und Trinken bringen bekanntlicherweise Treibstoff in den Körper und damit auch Freude und Befriedigung, da Essen und Trinken mit (gutem) Geschmack einhergehen!

Als Pfälzer denke ich natürlich sofort an Leberknödel, Saumagen, Fleeschknepp, ein Wort das ich nicht auf Hochdeutsch schreiben will und kann, Riesling Spätlese, und all die leckeren Speisen und Getränke, die sich noch so auf der kulinarischen Hitliste befinden und über die Mundhöhle, also mit dem Gaumen, den Weg in meinen Körper und meine Seele finden.

Ich fasse zusammen:

Nahrung
Geschmack
Genuss
Freude
Befriedigung

Gaumen!

Ach ja. Die lateinische Version des Gaumenbeins heisst

Os palatinum, der pfälzische Knochen.

Also doch, eine Krone der Schöpfung, die den Menschen vom Tier unterscheidet!!!

Oder haben Sie mal von einem os badensis gehört, oder einem saarländischen Knochen?

Heute Abend wird in der ARD der Film Frauchen gesendet. Hauptdarstellerin Daniela Katzenberger löst einen schwierigen Kriminalfall in der Region.

Es werden einige viele Bad Dürkheimer und Wachenheimer als Komparsen zu sehen sein.

Ich bin gespannt, wen Sie erkennen werden…

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