„Ein modernes Bildungswesen – ein Erfolg der FWG“. Dieses Bonmot ziert die neue Broschüre der FWG. Da kann man mal sehen, wie wir diesen Verein unterschätzt haben. Da haben die so mir nichts dir nichts die vierjährige Grundschule, das inzwischen eher zweigliedrige Schulsystem plus Gesamtschule, die Fachhochschule, die Berufsschule und die Universität aus dem Boden gestampft, und wir dachten, das hätten diverse Kultusminister seit 1949 zusammen geklöppelt. So kann man sich täuschen.

Doch es ist ja Wahlkampf. Da darf man zum einen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, zum anderen muss man ja für jeden Satz mit Inhalt dankbar sein. Im Neubaugebiet hat die FWG dann auch schon mal heftig plakatiert. Mein Favorit ist der junge Mann, der mit dem Notebook auf der Parkbank sitzt – darunter ein Satz, der schnelle Datennetze fordert. Nun, da der Herr seine mobilen Daten wohl per UMTS abruft, wird ihm in diesem Moment die Übertragungsgeschwindigkeit in den umliegenden Gebäuden wohl reichlich egal sein. Soweit zur Technik-Kompetenz der FWG.

Das Thema schnelles Internet hat es, so zeichnet es sich ab, bei allen Gruppierungen auf den Zielekatalog geschafft. Bei so viel Einigkeit muss dann ja nach der Kommunalwahl Einstimmigkeit bei der Forderung nach einem schnelleren Internet herrschen. Davon wird es zwar nicht schneller, aber die Forderung ist modern, frisch, zeitgemäß…Und wer weiß, vielleicht bemerkt ja einer der großen Anbieter, welch gigantischer Merkt da in Wachenheim brach liegt.

Die 7-Tage-Kinderbetreuung ist ein weiteres Ziel der FWG. Da könnte es bei der Finanzierung und der personellen Ausstattung möglicherweise schwerer werden als bei der kernigen Formulierung. Ist bestimmt eine tolle Sache, keine Frage. Klingt einfach teuer.

Beim Thema Altstadtsanierung fragt die FWG, worauf man wartet. Da sei die Gegenfrage gestattet, worauf die FWG bis vor 5 Jahren gewartet hat. Zu Zeiten der FWG-Regentschaft sind einige schöne, alte Anwesen (Weingut Kuhn) durch weniger schöne neue Gebäude oder uneben asphaltierte Parkplätze (hinner der Kerch) ersetzt worden. Das war nicht gut fürs Stadtbild. Auch bei der Unterstützung der letzten großen Baumaßnahme der Burg war die FWG im Stadtrat nicht so enthusiastisch, wenn ich mich recht erinnere. Die Gründung der Wachenheimer Liste geht ja, wenn ich es richtig verstanden habe, darauf zurück, dass die Agenda ein ausgearbeitetes Konzept zur Gestaltung der Weinstraße als Vorschlag eingereicht hat, das der damalige Bürgermeister von der FWG schlicht ignoriert hat, weil Hallen und Supermärkte damals wichtiger waren. Nichts desto trotz, wenn nun auch die FWG die Verschönerung der Weinstraße fordert, dann gibt es ein weiteres gemeinsames Ziel des Stadtrates.

Besonders beim Punkt Stadtplatz herrscht auf den vorliegenden Werbeschreiben viel Einigkeit: Er muss schöner werden. Dumm nur, dass „schön“ ja im Auge des Betrachters liegt, weshalb trotz gleicher Ziele nicht davon auszugehen ist, dass der Stadtrat sich in den Armen liegen wird, um einstimmig ein Konzept zu verabschieden und umzusetzen.

Einkaufen im Stadtkern ist auch eine Forderung, die von allen Gruppen kommt. Wie sie die Wachenheimer dann aber dazu bringen wollen, auch in Wachenheim einzukaufen, sei dahin gestellt. Der Buntstift war ein gutes Beispiel: Gutes Angebot (Schreibwaren, Geschenkartikel, Postkarten, Wäscherei, Brot, Bücher, Paketannahme), gute Lage in der Altstadt, freundlicher Service – aber einfach nicht genug Kunden. Das lag übrigens nicht an den Parkplätzen – die Leute sind nicht bereit, weiter als 10 Meter zu gehen, wie sich um die Apotheke zeigt – da stapeln sich die Autos, 50 Meter weiter sind hinner der Kerch Plätze frei. Es sei also die Frage gestattet, was außer einer Apotheke oder einer Bäckerei an der Weinstraße ganzjährig bestehen kann, wenn Ladenmieten zu erwirtschaften sind? Es reicht nicht, die Belebung zu fordern. Solange die Weinstraße so stark befahren ist, die Luft meist so schlecht ist, gehen dort einfach nicht genug Leute gerne einkaufen.

Einen  der zehn Punkte der FWG auf deren Flugpostille unterstütze ich inzwischen: „9. Ratssitzungen live im Web“. Wir vom Wachtenblog würden solche Übertragungen sicher bewerben. Denn den Unterhaltungswert einer durchschnittlichen Wachenheimer Stadtratssitzung schlagen allenfalls ein paar Katzenvideos auf Youtube. Man könnte sich das Spektakel gemütlich von zu Hause aus ansehen, ohne dass man fürchten müsste, mit dem Chipsgeknistere die Ernsthaftigkeit der Sitzung zu stören. Es gäbe endlich auch für die Zuschauer was zu trinken – ja, sogar von auswärts könnte man das Treiben verfolgen. Andererseits … solche Übertragungen könnten die allgemeine Politikverdrossenheit immens steigern.

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