Als neulich der Wahlausschuss in Wachenheim tagte, hatte er zu entscheiden, ob eine neue Gruppierung unter dem Namen Wachenheimer Bürgerliste bei der Kommunalwahl am 25. Mai antreten darf, oder ob die Verwechslungsgefahr mit der Wachenheimer Liste zu groß ist und daher der Name nicht zugelassen werden kann. Die Vertreter der Wachenheimer Liste warfen bei der Sitzung denen der Bürgerliste vor, den verwechslungsträchtigen Namen mit Bedacht gewählt zu haben, um vom Image der Wachenheimer Liste und falsch platzierten Kreuzchen zu profitieren. Das Ganze ging dann so aus, dass die „Neuen“ jetzt als Wachenheimer Bürgerliste 2014 an den Wahlen teilnehmen können. Ihr stellvertretender Vorsitzender Wolfgang Hick sagte in der Sitzung: „Wenn uns die Leute dann noch verwechseln, halte ich sie für dumm.“

Gestern verteilte ein Schüler eine Wahlinformation der Bürgerliste. Die Nachbarn, die für ein Schwätzchen zusammen standen, nahmen ihre Exemplare und sagten: „Ah, die Wachenheimer Liste. Da steht ja auch der Herr Mehlmer drauf.“ Ich wies dann darauf hin, dass es sich um Druckwerk der Wachenheimer Bürgerliste handele. Damit kenne ich jetzt also schon ein paar Menschen, die ich sehr schätze, die Wolfgang Hick jedoch für dumm hält.

Ohne über das Motiv der Bürgerliste bei der Namenswahl zu spekulieren: die Verwechslung mit der WL ist Realität. Daran ändert auch der Zusatz 2014 nichts.
Bis ins Logo hat er es ohnehin nicht geschafft. Und auch der Slogan „sei hell, wähl‘ WBL 2014“ lässt zwei Schlüsse zu. ENTWEDER der Zusatz soll nicht deutlich werden ODER der Texter ist ein lausiger Dichter, denn hell reimt sich nicht auf 2014. Zugegeben, einen Reim auf 2014 zu finden, ist keine leichte Aufgabe.

Doch zu den Zielen der WBL 2014: Wie alle hätten sie gerne schnelleres Internet und bessere Mobilfunkabdeckung. Tatsächlich hat die Telekom Wachenheim bisher vernachlässigt. Wie Bürgermeister Bechtel beim Frühlingsempfang der Stadt meldete, wird sich das schon in Bälde ändern, wenn jenseits der Bahn (bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es am alten Galgen oder am Bauhof war) ein Mobilfunkmast auch mit entsprechender Gerätschaft der Telekom bestückt wird. Ansonsten ist es übrigens nicht so, dass ganz Wachenheim noch in der 56k-Modem Zeit darben muss, wie es die Wahl-Pamphlete bisweilen vermuten lassen. Auf der Höhe steht mindestens 16.000er DSL zur Verfügung, einige Nachbarn empfangen auch Fernsehen in guter Qualität übers Netz der Telekom.  Im Sinne der Sache kann die WBL 2014 also schon einmal gut gelaunt einen Punkt von ihrer Liste nehmen.

Wie alle anderen Wahlkampfgruppen fordert auch die WBL 2014 eine Belebung der Innenstadt. Geschenkt, denn es hängt ja nicht von Forderungen ab, sondern von vielen Kunden, die auch dort kaufen.

Kinder- und seniorengerechtes Wohnen… ist, wie mir scheint, nichts, was eine Stadtratsfraktion in Spe regeln kann, außer durch Ausweisung von Baugebieten. Was es für Familien und Senioren potenziell schwierig macht, in Wachenheim zu wohnen, sind die dank der Niedrigzinsen an der Weinstraße absurd in die Höhe geschnellten Immobilien- und Grunsstückspreise. Und da bestimmt wohl Angebot und Nachfrage die Entwicklung.

Mehr Sicherheit im Verkehr ist mal eine sinnvolle Forderung. Unsere Ampelkreuzung ist eine Aufgabe, die bisher nicht ernsthaft angegangen wurde. Für Kinderwagen und Rollatoren ein Risikoparcour. Die Forderung nach mehr Kontrollen des Ordnungsamts ist nachvollziehbar. Da das Ordnungsamt aber nur den ruhenden Verkehr überwacht, und das nur wochentags vor 18 Uhr und auch nur dann, wenn eventuelle Falschparker sicher nicht Kunden eines Gewerbetreibenden sind, darf man gespannt sein, ob der Wunsch die Realität verändern kann.

Veränderte politische Kultur fordert die WBL 2014. Die ist selbstredend in Wachenheim nötig. Wolfgang Hick versprühte allerdings bei der Sitzung des Wahlausschuss‘ weder in Wort noch in Körpersprache Anzeichen von großer Offenheit.

Ob häufigere Polizeipräsenz die Einbruchszahlen senken können, sei dahin gestellt. Wie viele Streifenwagen müssten ständig durch Wachenheim rotieren, um da gut organisierte Einbrecher abzuhalten?

Die WBL 2014 fordert Vieles, was auch die anderen fordern. Doch wie schon im Beitrag zum Wahlblatt der FWG: Auch, wenn alle im Stadtrat vertretenen Gruppen sich in den Zielen einig wären, wäre ein kooperatives Miteinander wohl ein naiver Traum. Einige WBL 2014 Mitglieder sind auch bei den Bürgern für Wachenheim aktiv, und die haben sich nun wirklich nicht durch Offenheit hervorgetan, als es ihnen um ein Verhindern eines zusätzlichen Einkaufsmarktes im Bischofsgarten ging. Doch vielleicht stellt sich mit der Erweiterung des Themenspektrums auch mehr Gemeinsinn ein.

 

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