Im Wochentakt landen derzeit sehr geduldige Papiere in den Wachenheimer Briefkästen. Besonders mitteilsam ist dabei die FWG. Würde sie sich dabei beschränken, für eigene Positionen zu werben, wäre das mal eine willkommene Abwechslung. Statt dessen zeigt sich auch in den jüngsten beiden Schriften wieder ein sehr weit gefasster Realitätsbegriff, der offensichtlich auch Parallel-Universen mit einschließt. Wie anders ist es zu erklären, dass die FWG behauptet, Konzepte und Ideen anderer Parteien zur Entwicklung der Innenstadt lägen nicht vor? Tatsächlich haben alle Gruppen, die zur Wahl antreten, besonders zu diesem Punkt ihr jeweiliges Konzept.

Die FWG will die Weinstraße also für LKW sperren. Ja, warum nicht. Finde ich gut. Natürlich findet dann auch kein Zulieferverkehr mehr auf der Weinstraße statt. Falls mal jemand an der Weinstraße ein neues Sofa braucht, kann er es dann ja an der Friedelsheimer Straße abholen.

Ein gutes Verkehrskonzept muss wirklich her. Da hat die FWG in den 30 Jahren, die sie den Bürgermeister stellte, nichts geliefert, und die letzten fünf Jahre nach Kräften Fortschritte verhindert. Aber gut, plötzlich ist wohl ein Konzept da. Weniger Durchgangsverkehr – viel weniger – ist die Grundvorraussetzung für eine Entwicklung der Innenstadt. Würde man an einem Tag mit mittlerem Verkehrsaufkommen in den Arkaden mal die Feinstaubbelastung messen, wäre ich auf die Ergebnisse gespannt. An einem Wochenende mit schönem Wetter würde bei solchen Feinstaubmessungen sicher die Sraße für motorisierten Verkehr gesperrt werden müssen.

Das Parkchaos auf der Weinstraße, meist vor der Apotheke, wirft nicht die Frage nach mehr Parkplätzen auf. Meist parken hier Wachenheimer, die a) genau wissen, dass es ein paar Meter weiter legale Parkplätze gibt, und die b) eventuell auch hätten zu Fuß gehen können, denn hier ist ja das, was die FWG für fußläufig hält.

Markttag auf Samstag verlegen: Ich habe mich auch schon gefragt, warum man den Markt nicht samstags auf dem Marktplatz, also vor der Georgskirche, abhalten kann. Die Antwort ist einfach: Für die Marktbeschicker gibt es am Samstag wesentlich lukrativere Märkte in größeren Orten. Gegen diese Märkte müsste sich der neue Markt behaupten. Und da ja dann wieder keiner zu Fuß zum Markt will… Mit einer stundenweisen Sperrung der Weinstraße, wie die FWG sie vorschlägt, würden also Kunden abgehalten. Die Parkplätze auf dem Rathhausplatz gibt es ja dann nach der Fotomontage der FWG auch nicht mehr. Denn das Ensemble aus Granithäusern der Bretagne auf diesem Bild macht nur Sinn, wenn der Platz davor nicht als Parkplatz den Eindruck stört.

Die Ringstraße bietet Möglichkeiten, aber da muss mit der Eigentümerin geplant werden.

Die Aula und Mensa: In Wachenheim gibt es die Klassenstufen 5 und 6 der IGS. Dazu die Grundschule, an der die Schülerzahlen, wie an vielen Grundschulen, stark zurück gegangen sind. Ob hier langfristig ein dringender Bedarf besteht, scheint mir hier eher politisch beantwortet zu sein.

Die 7-Tage-Kinderbetreuung hatte ich ja schon mal erwähnt. Schön, aber wer soll es bezahlen?

Beim schnellen mobilen Datennetz hat erstens die FWG dem neuen Sendemast im Bauhof nicht geschlossen zugestimmt und zweitens beeindruckt es die Telekommunikationsunternehmen sicher mäßig, wenn eine Partei eines nicht mal 5000 Einwohner starken Ortes schnelleres Netz fordert.

Renatunierung Burgtal: Ja, der Weiher geht schöner. Vielleicht sogar wieder badefähig?

Elektroladestationen für E-Autos: Ja, bitte. Ich habe keins, aber dass sich diese Autos nicht durchsetzen liegt auch daran, dass das Netz an Ladestationen sehr weitmaschig ist. Aber dann bitte Strom aus Solarmodulen. Extra gekennzeichnete Parkplätze in den Neubaugebieten bringt eher wenig. In unserem Neubaugebiet ist die totale Parkanarchie ausgebrochen, da hier abends etwa fünf mal mehr Autos als markierte Parkflächen abgestellt werden, auch so, dass die Feuerwehr es im Zweifelsfall schwer haben könnte. Ist dem Ordnungsamt bekannt, aber egal. Aber nur, dass es nicht untergeht. Die Forderung finde ich gut.

Der Hammer ist allerdings die Behauptung rund um den Gewerbepark. Wenn ich es nicht ganz falsch verstanden habe, hat die FWG im Verbandsgemeinderat eine Koalition der Unwilligen geschmiedet, die die Erweiterung des Wachenheimer Gewerbegebiets seit Jahren verhindert, um damit den Supermarkt im Bischofsgarten zu verhindern. Dass Gewerbe abwandert oder sich nicht ansiedelt, nimmt die FWG also billigend in Kauf, um den Supermarkt zu verhindern. Jetzt das Fehlen der Gewerbeflächen anzuprangern, ist schon ein starkes Stück.

Das kann so eigentlich nur aus einem Parallel-Universum kommen.

 

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