Ein Wahlaufruf auf dem Wachtenblog hieße die sprichwörtlichen Eulen nach Athen tragen. Es ist wohl davon auszugehen, dass alle, die uns in den letzten Wochen ungeahnte Zugriffszahlen bescherten (im Mai waren es heute kurz vor 10 schon fast 7500), morgen ihre Kreuze machen oder bereits gemacht haben.

Die Wahlwerbungen der Parteien und Vereine waren bei der politischen Meinungsbildung diesmal völlig redundant – bis auf den Daueraufreger Supermarkt wollen alle mehr oder weniger ähnliche Ziele verfolgen.

Eben der Supermarkt und die Standortfrage scheint einige Gemüter so sehr zu bewegen, dass sie darüber das Gemeinwohl, die Realität und ihre Kinderstube gänzlich vergessen. So sehr, dass schließlich sogar REWE per Anzeige seine Absichten klar stellte. Das Zielabweichungsverfahren wird irgendwann in Bälde klären, ob im Bischofsgarten gebaut werden kann. Bei einem Nein ist der Fall erledigt, bei einem Ja muss die FWG im VG-Rat ihre Koalition der Gegner zusammenhalten.

Die Schlammschlacht um den zusätzlichen Standort Bischofsgarten(erwartungsgemäß griffen hier die Gegner beherzt zu) verkennt, dass auch Gemeinden ganz ohne Märkte nicht verhungern und in einigen Jahren auch Lebensmittel verstärkt übers Internet bestellt werden bzw. Supermärkte Lieferdienste einrichten, wie es in vielen Ländern schon heute üblich ist. Und ein Supermarkt als sozial Begegnungsstätte? Ist das nicht irgendwie ein bisschen armselig? Sollte ein Ort nicht einen gemütlicheren Treffpunkt bieten als das Förderband an der REWE-Kasse?

Alle sorgen sich um die Entwicklung der Innenstadt. Mit Recht. Doch einen praktikablen Lösungsvorschlag für das Weinstraßen-Dilemma Auto gegen Aufenthalt gibt es nicht. In den Arkaden ist die Luft jeden Tag so rußig (die verputzten Wände dokumentieren es mit einem grauen Film), dass ein Spaziergang hier sicher nicht gesünder ist als neben der A650 bei Berufsverkehr. Ob all die Autos nun auf Asphalt oder Pflaster Benzin und Diesel verbrennen, macht keinen großen Unterschied. Doch eine Alternative für den Durchgangsverkehr gibt es nur mit radikalen Ideen (Einbahnstraßen Weinstraße und Raiffeisenstraße) – und da macht der Landesbetrieb Mobilität sicher nicht mit. Ganz zu schweigen von den Anwohnern, die dann viel mehr Autos ertragen müssten. Und so können alle Parteien und Vereine schöne Bilder machen, unrealistisches Versprechen (LKW-Verbot) – eine wirkliche Verbesserung der Situation an der Weinstraße ist eine – vorsichtig ausgedrückt – extrem schwierige Aufgabe. Dass nach der Wahl vielleicht eine Gruppe mehr im Rat sitzt, die im Wahlkampf nicht einen nicht eben zimperlichen Umgang mit der Realität an den Tag legte, und die sicher nicht für mehr Harmonie im Rat sorgen würde, macht die Hoffnung auf den großen Wurf unrealistischer.

Und beschweren darf sich hinterher nur, wer gewählt hat. Doch ein Wahlaufruf auf dem Blog hieße ja…

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