Vorbei ist er, der Wahlkampfspuk. Heulend pfeift der Wind durch die Gassen und weht einzelne Plakate davon. Wir haben ein Ergebnis. Ein Ergebnis für das viele Wahlhelfer am Wahltag noch bis spät in die Nacht zählen mussten.

Als ich in der Nacht des Wahlsonntags um halb 1 die Stadthalle betrat, schaute ich in viele müde Gesichter. Gesichter von Menschen, die selbst eine Stunde später immer noch nicht die Ergebnisse in der Hand haben durften, wie man in Cordelias Artikel nachlesen kann.

Aber ein müdes Gesicht ist mir besonders aufgefallen. Das Gesicht, das ich auch schon um Mitternacht am Cafe Schellak kurz erblicken konnte. Das unseres wiedergewählten Bürgermeisters Torsten Bechtel.

Am frühen Abend schon hatte sich unser kleiner Freundeskreis im Schellack hingesetzt, um vielleicht die ein oder andere Wahlparty mitzubekommen. Aber außer, dass wir ein paar Kandidaten der Wachenheimer Liste (dank Cordelias Berichterstattung) mitteilen konnte, dass Torsten Bechtel wiedergewählt wurde, war überhaupt nichts los. Bis dann die Geisterstunde näher rückte und plötzlich mehrere Sektflaschen nach draußen getragen wurden. Ein Flüstern ging durch das Cafe Schellak: „Der Bürgermeister kommt.“

Also haben auch wir unsere Füße nach draußen bewegt, wo man eine große Runde sitzen sah, die größtenteils aus CDUlern und WLern bestand. Und da kam er, Torsten Bechtel. Aber in seinen Augen sah ich nicht wirklich den Triumph, den ich erwartet habe, wenn man mit so einem Ergebnis bei einer Wahl gewinnt.

Nein, ich sah Erschöpfung. Es war natürlich eine gewisse Zufriedenheit dabei, aber da war noch viel mehr.

Zum Beispiel sah man, dass die letzten Wochen doch sehr an ihm genagt hatten. Damit meine ich nicht den eigentlich Wahlkampf, sondern eher die Angriffe, die er ertragen musste. Angriffe in Form von Wahlbroschüren, in Form von Facebookseiten und wie ich hören musste sogar Angriffe schlimmerer Art, die ihn zum Rücktritt von der Wahl zwingen sollten. (Aber hier begebe ich mich natürlich auf den Pfad der Gerüchteküche, da ich dies nur um 5 Ecken gehört habe. Deshalb gehe ich auch nicht näher auf diese „Angriffe“ ein.)

Und trotz allem brachte er ein Lächeln zustande. Ein Lächeln, das den Spuk der letzten Wochen vertreiben sollte. Und direkt nachdem er mit allen angestoßen hatte, hat es ihn wieder zu Stadthalle gezogen, um die Menschen zu unterstützen, die die Briefwahlstimmen auszählten. Und auch wenn ich es nicht bis zum Ende der Auszählung ausgehalten habe, bin ich mir sicher: Er hat es.

Vorbei ist er, der Wahlkampfspuk. Und ich könnte schwören, dass Torsten Bechtel auf den Wahlkampfplakaten, auf denen jetzt ein großes „Danke“ prangt, doch etwas breiter grinst als vorher.

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