Ab dem dritten Mal wird etwas Tradition, so sagt man. Und damit ist heute mein Wachtenblog-Wunsch vom 23. Dezember 2012 („Vorweihnachtliche Begegung – das darf gerne zur Tradition werden“) in Erfüllung gegangen. Das Wachenheimer Adventsleuchten, das damals begann und im vergangenen Jahr fortgesetzt wurde, fand heute zum dritten Mal statt. Und wenn man die fröhlichen Gesichter und angeregten Gespräche auf dem Marktplatz gesehen hat, zweifelt man nicht daran, dass diese Begegnung unter den Sternenbäumen auch die kommenden Jahre zur Wachenheimer Weihnacht dazugehören wird.

Wie beschreibt man das Adventsleuchten für Nicht-Wachenheimer – oder für solche Einheimische, die noch nicht dabei waren? Stellen sie sich vor, Sie wollten sich mit all Ihren Freunden und guten Bekannten aus dem Ort vor Weihnachten noch einmal treffen. Ganz in Ruhe, also ohne Ablenkung durch Weihnachtseinkäufe oder andere Geschäftigkeit. Bei einem Glühwein, einer Schorle und für die Kleinen einem Kinderpunsch beisammen sein, vielleicht eine Kleinigkeit essen, etwas Musik dazu hören und vor allem sich gut miteiander unterhalten. Wenn Ihr Bekanntenkreis nicht allzu klein ist, kann das eine aufwendige Angelegenheit werden. Oder Sie haben das Glück, in Wachenheim zu wohnen, und können all das am Nachmittag des vierten Advent auf dem Marktplatz tun.

Ein Indiz für die Beliebtheit der Veranstaltung ist, dass sie jedes Jahr ein wenig früher anfing. Heute startete sie schon um 15 Uhr. Als wir gut eine Stunde später eintrafen, war der Marktplatz schon sehr gut gefüllt, und wir haben jede Menge bekannte Gesichter entdeckt. Wachenheimer zumeist, aber auch „Exilanten“ von weiter südlich der Weinstraße oder aus dem tiefen Pfälzer Wald, die es am vierten Advent in die alte Heimat zurückzieht.

Wie so oft in Wachenheim lässt sich hier der leibliche Genuss mit einem guten Zweck verbinden. Alle Erlöse kommen der Sanierung der Kirche St. Georg zu Gute. Nachdem in den vergangenen Jahren Geld für die Sanierung des Dachstuhls gesammelt wurde, ist dieses Jahr der Kirchturm an der Reihe. Wie für jedes gute Anliegen in Wachenheim – sei es die Unterstützung der verschiedenen Bildungseinrichtungen oder die Erhaltung der Burg – gibt es auch für die Kirche einen rührigen Förderverein. Dessen Mitglieder schenkten heute den ganzen Nachmittag und frühen Abend Glühwein und Kinderpunsch aus.

Für den Glühwein hatte ein Kirchenheimer (wie passend….) Weingut, dessen Kellermeister aus Wachenheim stammt, 250 Liter Rotwein gespendet.Sehr lobenswert – und sehr lecker, was der Förderverein daraus gemacht hatte. Manch einer wunderte sich vielleicht über stolze 4 Euro Tassenpfand. Aber wahrscheinlich sind die Tassen, die mit nettem Weihnachtsmotiv und Hinweis auf den guten Zweck bedruckt sind, nicht nur beliebt zum Mitnehmen, sondern auch wegen Kleinauflage teuer in der Herstellung (wir sprechen hier ja nicht vom Nürnberger Christkindlesmarkt). Der Inhalt lohnte die Investition auf jeden Fall.

Der Pfälzerwaldverein unterstützte das Adventsleuchten mit einem Waffelstand, der gut umlagert war. Die Bratwürste der Pfadfinder waren so gut nachgefragt, dass sie schon gegen 18 Uhr ausverkauft waren. Für die musikalische Untermalung sorgten vier Turmbläser St. Georg sowie als Solist mit Gitarre Tim Jonanssen. Die Kirche selbst trat auch in Erscheinung – man konnte den zur Sanierung anstehenden Turm besteigen, und um 17 Uhr teilte Pfarrer Storck Textblätter fürs gemeinsame Adventssingen aus.

Ob seine kurze Freiluft-Predigt von vielen der schätzungsweise 200 Besuchern aufmerksam verfolgt wurde, vermag ich nicht zu sagen. Eine Aufforderung ist aber bei mir hängen geblieben: Versuchen Sie Weihnachten nicht perfektionistisch anzugehen. Dazu passt wiederum das Geschehen auf dem Marktplatz heute Nachmittag: Bei all den Gesprächen, die ich mitbekommen habe, ging es nicht um das perfekt inszenierte Weihnachtsmenü, um aufwendige Geschenke, um den geschmackvollst dekorierten Weihnachtsbaum. Es ging darum, mal ein paar Schritte herauszutreten aus der vorweihnachtlichen Hektik und sich Zeit zu nehmen für den Austausch mit Menschen, die einem wichtig sind. Diese Art von Geschenk ist für mich der eigentliche Geist von Weinhachten, und mit großer Freude über dieses Geschenk sind wir heute vom Wachenheimer Martplatz wieder nach Hause gegangen.

Ich wünsche allen Wachtenblog-Lesern ein frohes Weihnachtsfest mit viel Zeit und Muße für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

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