St. Nimmerlein ist augenscheinlich der Schutzheilige der Bischofsgarten-Blockadefront FWG/SPD. Was ihnen im Wachenheimer Stadtrat als Minderheit nicht gelingen kann, nämlich die von der Mehrheit der Ratsmitglieder (CDU und WL) und der Bürger favorisierte Ansiedlung eines Lebensmittelmarkts in der Nachbarschaft von Gewerbegebiet und Stadion zu torpedieren, das versuchen sie starrsinnig mit ihrer Mehrheit im Verbandsgemeinderat. Der muss nämlich über die Änderung des Flächennutzungsplans entscheiden. Macht er aber partout nicht, zum x-ten Mal, wie am Dienstag wieder.

Wer bei dem Reizthema Marktstandort überhaupt noch durchblickt, dem wurde da offenbar, auf welcher Seite die Blockierer sitzen. Uneinsichtig, mutwillig, kompromissunfähig bis borniert arbeiteten FWG/SPD darauf hin, dass die Planänderung weiter in Richtung Jüngstes Gericht geschoben wird.

Obwohl der nur dem Regelwerk verpflichtete, in seiner Sachkunde unübertreffliche Bauamtsleiter unmissverständlich dargelegt hat, dass der VG-Rat zuallererst den Flächennutzungsplan ändern und sich auf EINEN Standort festlegen muss – und das kann nach Wachenheimer Beschlusslage nur der Bischofsgarten sein. Ansonsten wird die Genehmigungsbehörde SGD das Prüfverfahren, ob der ausgewählte Marktstandort von den Zielen der Raumordnung – Innenentwicklung vor Außenentwicklung – abweichen darf, nicht fortführen. Selbst die von der SGD gebaute goldene Brücke, dass die VG Wachenheim den Standort Bischofsgarten als Sonderbaufläche großflächiger Einzelhandel in das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes aufnimmt, „sofern das Zielabweichungsverfahren zu diesem Standort seitens der SGD positiv beschieden wird“, wollten die Blockierer nicht beschreiten.

Das also haben sie am Dienstag mit knappster Mehrheit erreicht: Stillstand. Sie dürfen weiter ihr persönliches Beleidigtsein darüber pflegen, dass die meisten Wachenheimer weder das stadtmauernahe Pfortenstück noch das der Schule benachbarte Oberstnest als Marktstandort gewünscht haben beziehungsweise wünschen.

Doch es glüht noch ein Hoffnungsfunken: Drei SPD-Ratsmitglieder aus den Unterliegergemeinden (darunter bezeichnenderweise zwei Frauen, die der Hahnenkämpfe offenbar überdrüssig sind) wollten sich wohl nicht länger von ihren Wachenheimer Genossen als Mehrheitsbeschaffer in die Arena führen lassen und haben sich bei der Abstimmung über den Absetzungsantrag enthalten. Dieses Vermögen zur Selbstbesinnung hat der Erste Beigeordnete Helmut Rentz (SPD) vermissen lassen. Der amtierende Ratsvorsitzende hat mit aller Macht auf eine Absetzung des Antrags hingearbeitet statt einen Kompromiss zu formulieren und die unselige Blockade in der Wachenheimer Marktfrage aufzubrechen.

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