November 2015


Kaum ist die neu überarbeitete „Geschichte der Stadt Wachenheim“ erschienen, hat der Wachenheimer Stadtrat einen Beschluss gefasst, der in der nächsten Auflage der Chronik landen könnte: Heute wurde das Sanierungsprogramm „Historische Stadtbereiche“ beschlossen.

Damit können nun Fördermittel für die Sanierung historischer Bausubstanz im Stadtkern beantragt werden. „Eine historische Chance für Wachenheim“, so Bechtel. Gefördert werden können:

  • Erhaltung und Sanierung von Gebäuden
  • Instandsetzung und Wiedernutzung von leerstehenden Gebäuden
  • Umgestaltung öffentlicher Flächen und Wege

Vor allem Privatleute sollen in Genuss der Förderung kommen. Dabei besteht Aussicht auf:

  • Finanzielle Zuschüsse zu Sanierungsmaßnahmen
  • Steuerliche Vorteile durch bessere Abschreibungsmöglichkeiten
  • Vereinfachtes Genehmigungsverfahren

Seit dem Jahr 2010 hat der Stadtrat unter Führung von Bürgermeister Torsten Bechtel darauf hingearbeitet, diese Förderung anbieten zu können. Erster wichtiger Meilenstein war die Aufnahme von Wachenheim in das Förderprogramm „Historische Stadtbereiche – Städtebaulicher Denkmalschutz“ des Landes Rheinland-Pfalz im Jahr 2013. Dass der Startschuss für die Fördermaßnahmen erst zwei Jahre später fallen kann, liegt ausnahmsweise mal nicht an der typischen Zerstrittenheit des Stadtrates. Vielmehr mussten Ratsmitglieder, Verwaltung und das beratende Planungsbüro Deubert eine ganze Reihe von Hausaufgaben machen.

So wurde ein integriertes Entwicklungskonzept erarbeitet. Dabei haben Fachleute den Handlungsbedarf im Wachenheimer Stadtkern analysiert. Die wichtigsten Befunde stellte Thorsten Seifert vom Planungsbüro in der heutigen Stadtratssitzung vor:

  • Im historischen Stadtkern gibt es ca, 160 Gebäude mit baulichen Mängeln. Schwerpunkte sind der nördliche Teil der Weinstraße, die Bereiche rund um die St. Georgs Kirche, Enten-, Lang- und Hintergasse
  • Bei der baulichen Gestaltung wurden laut Seifert „hier anders als in anderen Gemeinden keine groben Sünden begangen“
  • Elf Gebäude stehen derzeit leer, bei zwei weiteren ist das Erdgeschoss ungenutzt
  • Die Stadtmauer ist in weiten Teilen sanierungsbedürftig
  • Die Straßen sind überwiegend sehr eng, oft fehlt es an Bürgersteigen und auch Parkplätzen
  • Öffentlich zugängliche Grünflächen sind kaum vorhanden

Als durch diese Untersuchung der Sanierungsbedarf in Wachenheim ausreichend belegt war, wurde die Bevölkerung gehört, darauf folgte die Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Dabei wurde auch das Sanierungsgebiet festgelegt. Es ist 14,7 Hektar groß und entspricht ungefähr dem Arreal, das von der Stadtmauer umschlossen ist.

Sanierungsgebiet

Das Sanierungsgebiet mussten sich die Stadträte übrigens heute ganz genau ansehen, bevor sie zur Abstimmung schritten. Wenn ein Stadtrat entweder selbst Besitz in dem Gebiet hat – oder ein enges Familienmitglied – dann gilt der Stadtrat als befangen und darf nicht mit abstimmen. Nach einer kurzen, launigen Spekulation über Besitzverhältnisse („Du bist doch auch befangen“ – „Nein, dass Haus meiner Mutter liegt genau außerhalb der Grenze“) rückten fünf Ratsmitglieder vom Tisch zurück. Der Rest stimmte dem Sanierungssatzung und Modernisierungskonzept in allen Punkten zu – bei einer Enthaltung durch Rainer Lukas (FWG).

„Jetzt geht’s richtig los“ freute sich Bauamtsleiter Stefan Schneider nach der Abstimmung. Zur Förderung von Sanierungsmaßnahmen stehen jetzt 5,9 Millionen Euro als Zuschüsse zur Verfügung. Sie können bis zum Jahr 2023 fließen; steuerliche Vorteile kann man sogar bis 2026 in Anspruch nehmen.

Das Sanierungskonzept soll nun der Öffentlichkeit präsentiert werden. In einem separaten Termin sollen auch die Ergebnisse des extra erstellten Verkehrsgutachtens vorgestellt werden. Auch aus dieser Untersuchung lässt sich Handlungsbedarf ableiten: Von den 4040 Fahrzeugen, die täglich durch Wachenheim fahren, sind 52% Durchgangsverkehr – obwohl es mit der B 271 eine gut ausgebaute Umgehung gibt. Die Gutachter sehen die Möglichkeit, 1600 Fahrzeuge pro Tag aus dem Ort heraus auf die Umgehungsstraße zu verlagern. Dazu müsste die Durchfahrt durch Wachenheim unattraktiver werden. Bislang sind hier alle Ideen am Landesbetrieb Mobilität gescheitert, doch nun sind weitere Maßnahmen im Sanierungskonzept aufgenommen.

Eine Sanierungsbroschüre ist auch in Vorbereitung. Wer sich jetzt schon detailliert informieren möchte, kann das online tun. Wachenheim ist nämlich jetzt auch an das elektronische Ratsinformationssystem angeschlossen. Hier können nicht nur Ratsmitglieder die Sitzungsunterlagen online abrufen, sondern auch jeder Bürger hat Zugriff auf die Informationen aus dem öffentlichen Teil. Das freut natürlich auch die Wachtenbloggerin!

Die Dokumente der heutigen Sitzung kann man sich hier herunterladen (im Kalender den 11.11.2015 suchen und diese Sitzung anklicken).

Diesen Sonntag, ab 17 Uhr steigt in der Protestantischen Kirche ein Benefizkonzert zugunsten der Flüchtlingshilfe in Wachenheim.

 

Sechs Musikgruppen mit unterschiedlichen Musikrichtungen sind dabei:

– The Bathhouse Band, Jazz/Jam Session Hausband des Badehaisel

– Theater Oliv: „Komm ein bisschen mit nach Italien“

– Ani & Alanna: 2 Stimmen und 2 Gitarren

– Sunny Site Quintet: Jazz, Swing und Latin

– Axel Müller: Pop und mehr für Gitarre und Stimme

– Musikgruppe inTakt: Spritzige Lieder, Popsongs, melancholische Melodien aus aller Welt und mit einem christlichen Touch

 

Moderieren wird den Abend Sebastian Barth.

Der Eintritt ist frei, Spenden jedoch willkommen. Wer nicht dabei sein kann oder möchte – für die Metalfraktion mag das Programm ja nicht so verfangen –  aber trotzdem etwas spenden möchte:

Prot. Kirchengemeinde Wachenheim – Spendenkonto DE26 5465 1240 0000 0000 42; Sparkasse Rhein-Haardt, Kennwort „Musik hilft“).

 

In der Verbandsgemeinde Wachenheim leben inzwischen etwa 150 Flüchtlinge. Wenn die Menschen es soweit geschafft haben, besitzen sie meist nur noch ihr Telefon, das unentbehrliche Werkzeug, um die Flucht zu organisieren und Kontakt mit der Familie zu halten, und ein paar Klamotten. Über die Kosten einer Flucht kann man hier einen Erfahrungsbericht lesen. Die Flüchtlingshilfe hier wird von engagierten Ehrenamtlichen gestemmt. Die Hilfs- und Spendenbereitschaft ist groß. Doch natürlich kostet vieles Geld. Nur ein Beispiel: wenn gespendete Fahrräder eine längere Zeit zuvor nicht mehr im Einsatz waren, ist aus Sicherheitsgründen eine fachmännische Wartung sinnvoll, die kostet halt Geld. Ich hatte selbst vor ein paar Wochen einen jungen Syrer in Neustadt vor dem Auto liegen, weil seine alte Fahrradgurke nicht überholt wurde, bevor sie ihm zur Verfügung gestellt wurde. Er konnte bergab einfach nicht bremsen, rauschte an der roten Ampel vorbei und sprang ab, um nicht in den Verkehr der Hauptstraße zu schießen. Glücklicherweise hatte ich ihn schon aus dem Augenwinkel gesehen und konnte bremsen, denn er kugelte natürlich trotzdem mitten auf die Fahrbahn vor mir. Dabei ist ihm nichts passiert. Aber etwas wackelig meinte er dann: „The brakes are not good.“

Spenden lohnt sich also.

 

Ich habe mich lange mit dem Gedanken schwanger gertragen, einen Artikel zu dem alles beherrschenden Thema Asylpolitik zu schreiben. Ich tat mir reichlich schwer und war zerissen, ähnlich wie die Meinungen, die quer durch die Republik so unterschiedlich sind, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten.
Schon bei meinem Versuch, die Denkweisen durch einen kleinen Artikel auf unserem noch kleineren Blog auszutesten, siehe im Archiv unter ‚Alter Winzergenossenschaft‘, ist mir einiges entgegengeschlagen. Entgegengeschlagen von Menschen, die meinten dieses Asylthema sei nicht satirefähig, entgegengeschlagen von Menschen, die sich in Ihrem Engagement missachtet fühlten, entgegengeschlagen von Menschen, die sich von den Asylbewerbern bedroht fühlten, entgegengeschlagen von Menschen, die sich in ihrem Wohlstand bedroht fühlten.

Ich bin sozusagen in die Polarisierfalle getappt. Es gibt, wiederum gefühlt, wie so oft bei diesem Thema, in der öffentlichen Wahrnehmung nur schwarz und weiss, gut und böse, richtig oder falsch. Dies ist meines Erachtens aber nur im Märchen der Fall, Hänsel und Gretel gut, Hexe böse! Wobei dieses Märchen gerade zu geniale Ansätze zur Interpretation der momentanen politischen und gesellschaftlichen Krise bietet.

Zwei hilflose Menschen werden von dritten, dem Vater und der Stiefmutter in grosse Not gebracht. In eben dieser Not gelangen Sie an einen Ort, der alles im Überfluss bietet und werden dort in noch grössere Not gebracht, indem man ihnen nach dem Leben trachtet. Sie beenden diese Not, indem sie ihre Peinigerin, die alleine und hasserfüllt und gierig in dem Ort des Überflusses lebte, ins Feuer stiessen.

Die Bilder, die sich jetzt gebildet haben, überlasse ich kurz ihrem Kopfkino.

Jedoch denke ich, dass wir durchaus in der Lage sind und sein müssen, dieses Katastrophenszenario nicht vom Märchen in die Wirklichkeit gelangen zu lassen, wobei ich die Befürchtung habe, dass wir auf einen Showdown zu driften, den wir alle nicht wollen, da es eben ja nur gut und böse gibt..

Die armen Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben zu uns kommen, sind Geknechtete und Entrechtete, denen das Leben von ‚ihren eigenen‘ politischen Machthabern zur Hölle gemacht wurde. Hier haben wir sowohl Hänsel und Gretel, als auch den Vater, wie z.B. Assad, IS, Taliban, sonstige Gruppierungen von denen hier keiner so genau weiss, was sie wollen und was sie tun.

Interessierte dritte haben diesen Vater aus ökonomischen Gründen motiviert und manipuliert. Hier haben wir die Stiefmutter wie z.B. Deutschland, EU, USA, Russland etc…, die das brauchen und ausnutzen wollen, was der Vater hat. Öl, Gas, Bodenschätze und… böse Kinder, die gezüchtigt werden müssen, das geht am besten mit Waffen.
Wir denken jedoch, warum bleiben die nicht in der Nähe ihres Vaters? Da ist doch das Elternhaus und wenn die böse Alte weg ist müssen die doch wieder dahin zurück wollen! Dort ist doch auch schon Lebkuchen. Richtig! Der Lebkuchen dort ist aber nicht so süss und nicht so reichlich. Und wenn Hänsel und Gretel schon satt werden wollen, suchen sie doch das Lebkuchenhaus, was ihnen am leckersten für sich erscheint. Das haben doch auch schon Urgrossvater Hänsel und Urgrossmutter Gretel getan.
Die hatten Erfolg und haben sich ein Lebkuchen Weltreich gebaut. Das heisst heute u.a. Vereinigte Staaten von Amerika, Agentinien, Kanada, Australien etc…

Auch die Stiefmütter hatten zwischenzeitlich grossen Erfolg mit Lebkuchen, allerdings in ihrem eigenen Haus, das sie mit Lebkuchen aus fernen Ländern verkleidet haben. Diesen Lebkuchen nennt man Öl, Gas und Bodenschätze, oder geostrategisch sinnvoll. Hier insbesondere zu nennen England, USA, Frankreich…

Seltsamerweise sind diese Länder auch jetzt ganz vorne dabei, wenn es darum geht ihren ‚verdienten‘ Lebkuchen zu schützen. Stiefmütter aus dem Märchen eben.

Fehlen in der Beurteilung noch die beiden Protagonisten. Diese beiden stossen die Hexe in ihrem eigenen Haus ins Feuer. Dies tun sie, nachdem sie zwar von dieser aufgenommen wurden, jedoch sie waren keine Gäste, sondern Gefangene und durften nur niedere Arbeiten verrichten, wie z.B. putzen, bedienen, aufräumen. Und wurden für diese Dienste noch nicht einmal bezahlt, sondern misshandelt und ausgebeutet. Und einer wurde gemästet  um gefressen zu werden… Heute könnte das z.B. Orangenpflücken in Italien, Olivenernte in Spanien, Feldarbeit in Deutschland sein. Hänsel und Gretel waren ganz schön sauer deswegen und unzufrieden, und taten alles, um auch im vermeintlichen Haus der Rettung zu überleben. Und darin hatten sie Erfahrung, im Überleben. Nicht wie die Hexe, die sich ziemlich dekadent von ihrem Lebkuchen ernährte und vergessen hatte, was es hiess kämpfen zu müssen. Nein diese beiden hatten es drauf, sie waren von ihrem Vater um ein Leben betrogen worden und auf Veranlassung ihrer Schwiegermutter in den vermeintlichen Tod geschickt worden. Waren lange Zeit durch den Wald geirrt, ohne Nahrung, Licht und Wärme.
Diese beiden sind doch von einer dekadenten Hexe nicht unterzukriegen, ab in Feuer mit ihr!

Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie alle noch heute.  Bis auf die Hexe übrigens.

Ich habe die Hoffnung, dass einer oder eine diesen Hexenkreis durchbrechen kann.
Vielleicht der Vater, der sich der Bedürfnisse seiner Kinder bewusst ist und nicht nur die Stiefmutter vögeln möchte.
Vielleicht die Stiefmutter, der bewusst wird, dass sie für das Wohl ihrer Stiefkinder mitverantwortlich ist und nicht das Erbe dieser erschleichen möchte, sondern sich ihrer historischen Verantwortung bewusst und ehrlich stellt.
Vielleicht die Hexe, die einsieht, dass sie genügend Lebkuchen hat, um den armen Kindern über die Not hinweg zu helfen und nicht Gefahr läuft, ihren Lebkuchen zu verlieren und deswegen die Kinder zu mästen und zu verspeisen.
Vielleicht Hänsel und Gretel, die erkennen müssen, dass es nicht nur Stiefmütter und Hexen gibt, die Lebkuchen zu verteilen haben, und die, wenn sie alt genug sind, Ihrem Vater mal so richtig dahin treten müssen, wo es weh tut. Beziehungsweise eine gute Fee finden, die ihnen beim Treten hilft, wirklich hilft.

Aber all dies ist eine andere Geschichte, und diese beginnt mit den Worten:

Es war einmal…in einer fernen Zukunft.