Kaum ist die neu überarbeitete „Geschichte der Stadt Wachenheim“ erschienen, hat der Wachenheimer Stadtrat einen Beschluss gefasst, der in der nächsten Auflage der Chronik landen könnte: Heute wurde das Sanierungsprogramm „Historische Stadtbereiche“ beschlossen.

Damit können nun Fördermittel für die Sanierung historischer Bausubstanz im Stadtkern beantragt werden. „Eine historische Chance für Wachenheim“, so Bechtel. Gefördert werden können:

  • Erhaltung und Sanierung von Gebäuden
  • Instandsetzung und Wiedernutzung von leerstehenden Gebäuden
  • Umgestaltung öffentlicher Flächen und Wege

Vor allem Privatleute sollen in Genuss der Förderung kommen. Dabei besteht Aussicht auf:

  • Finanzielle Zuschüsse zu Sanierungsmaßnahmen
  • Steuerliche Vorteile durch bessere Abschreibungsmöglichkeiten
  • Vereinfachtes Genehmigungsverfahren

Seit dem Jahr 2010 hat der Stadtrat unter Führung von Bürgermeister Torsten Bechtel darauf hingearbeitet, diese Förderung anbieten zu können. Erster wichtiger Meilenstein war die Aufnahme von Wachenheim in das Förderprogramm „Historische Stadtbereiche – Städtebaulicher Denkmalschutz“ des Landes Rheinland-Pfalz im Jahr 2013. Dass der Startschuss für die Fördermaßnahmen erst zwei Jahre später fallen kann, liegt ausnahmsweise mal nicht an der typischen Zerstrittenheit des Stadtrates. Vielmehr mussten Ratsmitglieder, Verwaltung und das beratende Planungsbüro Deubert eine ganze Reihe von Hausaufgaben machen.

So wurde ein integriertes Entwicklungskonzept erarbeitet. Dabei haben Fachleute den Handlungsbedarf im Wachenheimer Stadtkern analysiert. Die wichtigsten Befunde stellte Thorsten Seifert vom Planungsbüro in der heutigen Stadtratssitzung vor:

  • Im historischen Stadtkern gibt es ca, 160 Gebäude mit baulichen Mängeln. Schwerpunkte sind der nördliche Teil der Weinstraße, die Bereiche rund um die St. Georgs Kirche, Enten-, Lang- und Hintergasse
  • Bei der baulichen Gestaltung wurden laut Seifert „hier anders als in anderen Gemeinden keine groben Sünden begangen“
  • Elf Gebäude stehen derzeit leer, bei zwei weiteren ist das Erdgeschoss ungenutzt
  • Die Stadtmauer ist in weiten Teilen sanierungsbedürftig
  • Die Straßen sind überwiegend sehr eng, oft fehlt es an Bürgersteigen und auch Parkplätzen
  • Öffentlich zugängliche Grünflächen sind kaum vorhanden

Als durch diese Untersuchung der Sanierungsbedarf in Wachenheim ausreichend belegt war, wurde die Bevölkerung gehört, darauf folgte die Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Dabei wurde auch das Sanierungsgebiet festgelegt. Es ist 14,7 Hektar groß und entspricht ungefähr dem Arreal, das von der Stadtmauer umschlossen ist.

Sanierungsgebiet

Das Sanierungsgebiet mussten sich die Stadträte übrigens heute ganz genau ansehen, bevor sie zur Abstimmung schritten. Wenn ein Stadtrat entweder selbst Besitz in dem Gebiet hat – oder ein enges Familienmitglied – dann gilt der Stadtrat als befangen und darf nicht mit abstimmen. Nach einer kurzen, launigen Spekulation über Besitzverhältnisse („Du bist doch auch befangen“ – „Nein, dass Haus meiner Mutter liegt genau außerhalb der Grenze“) rückten fünf Ratsmitglieder vom Tisch zurück. Der Rest stimmte dem Sanierungssatzung und Modernisierungskonzept in allen Punkten zu – bei einer Enthaltung durch Rainer Lukas (FWG).

„Jetzt geht’s richtig los“ freute sich Bauamtsleiter Stefan Schneider nach der Abstimmung. Zur Förderung von Sanierungsmaßnahmen stehen jetzt 5,9 Millionen Euro als Zuschüsse zur Verfügung. Sie können bis zum Jahr 2023 fließen; steuerliche Vorteile kann man sogar bis 2026 in Anspruch nehmen.

Das Sanierungskonzept soll nun der Öffentlichkeit präsentiert werden. In einem separaten Termin sollen auch die Ergebnisse des extra erstellten Verkehrsgutachtens vorgestellt werden. Auch aus dieser Untersuchung lässt sich Handlungsbedarf ableiten: Von den 4040 Fahrzeugen, die täglich durch Wachenheim fahren, sind 52% Durchgangsverkehr – obwohl es mit der B 271 eine gut ausgebaute Umgehung gibt. Die Gutachter sehen die Möglichkeit, 1600 Fahrzeuge pro Tag aus dem Ort heraus auf die Umgehungsstraße zu verlagern. Dazu müsste die Durchfahrt durch Wachenheim unattraktiver werden. Bislang sind hier alle Ideen am Landesbetrieb Mobilität gescheitert, doch nun sind weitere Maßnahmen im Sanierungskonzept aufgenommen.

Eine Sanierungsbroschüre ist auch in Vorbereitung. Wer sich jetzt schon detailliert informieren möchte, kann das online tun. Wachenheim ist nämlich jetzt auch an das elektronische Ratsinformationssystem angeschlossen. Hier können nicht nur Ratsmitglieder die Sitzungsunterlagen online abrufen, sondern auch jeder Bürger hat Zugriff auf die Informationen aus dem öffentlichen Teil. Das freut natürlich auch die Wachtenbloggerin!

Die Dokumente der heutigen Sitzung kann man sich hier herunterladen (im Kalender den 11.11.2015 suchen und diese Sitzung anklicken).

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