Mai 2016


In der Grundschule lernen die Kinder jede Menge praktische Sachen, die sie auch im Alltag anwenden können. Wie die Verwaltung einer Gemeinde funktioniert und was sie überhaupt so tut – hier ist jetzt nicht der Platz für Beamtenwitze (in den Kommentaren vielleicht…) – steht allerdings nicht auf dem Grundschullehrplan. Die dritten Klassen der Grundschule an der Wachtenburg, wie sie ja nun seit kurzem heißt, haben allerdings nicht nur neugierige Kinder, sondern auch neugierige Lehrerinnen. Und so haben sich Frau Hürtgen und Frau Metzinger zu einem Besuch im Wachenheimer Rathaus angemeldet, um zu erfahren, was ein paar Hundert Meter Luftlinie von ihren Klassensälen so passiert.

Im Rathaus erwartete die 3a auch Büroleiterin Ulla Kaiser. Sie hatte eine Führung mit einigen Stationen vorbereitet, an denen die Kinder Einblicke in den Alltag und die Aufgaben der Verwaltung gewinnen konnten. Im Bauamt erklärte ihnen Bauamtsleiter Schneider, wie der Ablauf eines normalen Bauvorhabens aus amtlicher Seite abläuft. Mit normal ist hier eigentlich alles außer dem Bau eines Supermarkts gemeint.


Am Rechner zeigte Schneider den Kleinen, wie ein Luftbild bisweilen seine Arbeit erleichtert, da darauf viele Details zu erkennen sind, die in den amtlichen Plänen nicht eingetragen sind, wie etwa die Überquerungshilfe an der Friedelsheimer Straße zwischen Parkplatz und Friedhof.
Im Bürgerbüro durften jeweils ein Junge und ein Mädchen ihre Fingerabdrücke nehmen lassen (und als Ausdruck mitnehmen). Den Effekt, den wir erleben, wenn wir unsere Fürhrerscheinfotos ansehen (das gilt nur für die von uns, bei denen das Foto nicht aus diesem Jahrhundert stammt), gibt es auch schon bei Drittklässlern. Allgemeines Gelächter bei jedem Bild der Kinder, das auf dem Bildschirm erscheint – schließlich waren alle ja vor drei Jahren noch Babys.
In der Ludwigskapelle erzählte Standesbeamtin Coböke den Schülern und Schülerinnen etwas zum Ablauf der Trauungen dort und klärte die brennende Frage, ob bei einer ihrer Trauungen schon einmal jemand nein gesagt hat.

Schließlich stellte sich Bürgermeister Torsten Bechtel den Fragen der dritten Klassen. Wie wird man Bürgermeister? Hat er Kinder? Wann wollte er zum ersten Mal Bürgermeister werden? Kommt die Skaterbahn auf die große Wiese vorm Schwimmbad? Was macht er in seiner Freizeit? Und obwohl der Bürgermeister mit jeder seiner Antworten gleich ein paar noch nicht gestellte, aber vorbereitete Fragen beantwortete, reckten sich immer mehr Finger. Da aber die 3b die Rathausführung noch vor sich hatte, und die 3a wieder im Schulhaus erwartet wurde, ermunterte Bechtel die Kinder, ihre Fragen aufzuschreiben und an ihn zu schicken.

Dass nicht immer alles gleich beantwortet/umgesetzt/gelöst werden kann – das ist ein wichtiger Eindruck, den die dritten Klassen von ihrem Besuch in der Verwaltung mitnehmen. Und dass das auch daran liegt, dass außer der Wachenheimer Verwaltung noch jede Menge andere Behörden ihren fachlichen Senf oder ihre Zustimmung geben müssen. Ach, und eine schöne Stadtjubiläumstdubbetasse nehmen sie auch mit.

 

Die Dämmerung senkt sich über Wachenheim. Auf dem Marktplatz erklingen Lieder aus vergangenen Jahrhunderten. Von Mainächten wird gesungen, von einer Feuersbrunst und von der Liebe. Gut 150 Zuschauer sind gekommen. Geführt von einem Mann in weißer Perücke und altertümlichem Gewand, schlendern wir zum Stadtmauerpfad. Hier lauschen wir dem Grimmschen Märchen vom Gevatter Tod. Tänzerinnen kommen heran,  ihre fließenden Bewegungen passen gut zu den zarten Klängen von Laute und Harfe. Weiter geht’s zum Diebesturm. Ein Text wird rezitiert. Es geht um Spuren  – die aus der Vergangenheit, von Kriegen und friedlichen Zeiten, aber auch um unsere eigenen Spuren. Die Scheinwerfer im Gras werfen die Schatten der Tänzerinnen an den Diebesturm.

Gevatter Tod

Hendrik Hoffmann liest das Märchen vom Gevatter Tod

So begann gestern ein berührender Abend voller Zauber und Poesie. Unter dem Titel „Tanzspuren“ hat Angela Foid mit ihrer Modern Dance Company und befreundeten Künstlern zum Wachenheimer Stadtjubiläum eine ungewöhnliche Reise zusammengestellt. Vom Marktplatz entlang der Stadtmauer bis zum historischen Zehnthof, durch die Jahrhunderte und zu den immerwährenden Themen Liebe, Tod, Schönheit und Kunst. Heute, am Samstag, 21. Mai, kann man ab 21 Uhr das Programm nochmal erleben.

Tanz Stadtmauer

Die Modern Dance Company vor der illuminierten Stadtmauer

Die ausdrucksvollen Tänze der Modern Dance Company stehen im Mittelpunkt des Abends. Vor der Stadtmauer gegenüber des Bürgerspitals tanzt das Ensemble zur Musik „Chevalier de Sangreal“, die Hans Zimmer für den Film „Da Vince Code“ geschrieben hat. Als Teil der Performance zaubert Nelson Paixao  eine Light Show an das historische Gemäuer. Kaum endet die Darbietung, kommen aus dem Dunkel die jüngsten Schülerinnen von Angela Foids Raum für Bewegung. Mit bunten Lampions bewegen sich die Mädchen im freien Tanz über die Wiese, Glühwürmchen gleich, zart und harmonisch.

Glühwürmchen

Der Glühwürmchentanz der Schülerinnen von Angela Foid

Zum Abschluss des Abends führt der historisch gewandete Pierre Amblard die Gäste in die Mittelgasse. Hier hat Arnhild Grünagel den historischen Zehnthof für die Tanzspuren geöffnet. Feuerschalen und Fackeln erleuchten den verwunschenen Garten. Für müde Besucher stehen Stuhlreihenbereit. Die Gruppe Patapan spielt mittelalterliche Musik mit Drehleier und Laute , das Ensemble um Anna Auclair singt „Spinn, Spinn, meine liebe Tochter“ – dazu surrt ein echtes Spinnrad. Auch Hendrik Hoffmann von der Kulturey ist wieder dabei, der schon die Lesungen entlang der Stadtmauer gestaltet hat.

Das tänzerische Finale eröffnen die Kinder mit ihrem Geistertanz. Die abwechslungsreiche Choreografie passt wunderbar zum „Danse Macabre“ von Camille Saint-Saens. Genauso poetisch setzt dann die Modern Dance Company Claude Debussys symphonische Dichtung „L’apres Midi d’un Faun“ um. Dynamisch wird es noch einmal zum Abschluss mit dem Hexentanz zur Musik der samischen Sängerin Mari Boine.

Die begeisterten Zuschauer im Zehnthof-Garten waren sich einig, dass Angela Foid hier mit ihrem künstlerischen Netzwerk ein ganz besonderes Erlebnis geschaffen hat. Mit der Verbindung von historischen Gemäuern, musikalischer Zeitreise und zeitlosen künstlerischen Themen sind die Tanzspuren ein toller Beitrag zum Wachenheimer Stadtjubiläum.

Wer sich das Da Capo heute Abend nicht entgehen lassen möchte: Die Tanzspuren starten um 21 Uhr auf dem Marktplatz an der St. Georgs-Kirche, das Ende ist gegen 23 Uhr im Zehnthof. Der Eintritt ist frei, Spenden für Künstler und Technik sind willkommen.

Tanzspuren