Seit ich politisch interessiert und aktiv bin, lese ich von Zeit zu Zeit Bücher von Politikern oder über Politiker. Politiker aller Richtungen und Überzeugungen, einfach um ein weites Bild über deren Motivationen und Denkweisen zu erhalten.

Ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat, ist das Buch „Profiles in courage“ von John F. Kennedy, für das er den Pulitzer Preis erhielt. Ein Buch über den Mut von Menschen zu ihren Überzeugungen zu stehen und die in entscheidenden Augenblicken ihres Lebens Zivilcourage zeigten, das auch der deutsche Titel des Buches „Zivilcourage“.

Ein Buch, das in heutigen Zeiten mehr denn je Pflichtlektüre für einen jeden demokratisch politischen Menschen sein sollte, unabhängig davon, in welchen politischen Sphären er sich bewegt und welche politischen Ansichten er vertritt. Gerade in einer Ratsarbeit, wie z.B. aber nicht nur, in „kleinen Stadträten“ „kleiner Städte“ mit „kleinen Kommunalpolitikern“ sollte diese Courage und Unabhängigkeit die Regel und nicht die Ausnahme sein. Die führe m.E. zu einer wiedererstarkenden Akzeptanz in der Bevölkerung und zu einer regeren öffentlichen Beteiligung in der politischen Diskussion und Teilnahme an den Ratssitzungen durch eine erhöhte Authenzität der politisch agierenden Menschen.

Ein paar Auszüge aus dem Vorwort, die vielleicht dazu führen, daß sich der ein oder andere politische Bürger dieses Buch besorgt und liest. Es ist es wert!

Ähnlichkeiten zu lebenden Personen und Situationen sind rein zufällig, aber nicht minder interessant und künftige Veränderungen und Einflüsse wären erwünscht und nicht rein zufällig!

Ich wünsche allen ein schönes schneereiches Wochenende!

Auszüge aus dem Buch:

… Vor ein paar Jahren schrieb ein vielgelesener Kolumnist:

„Die Leute scheren sich überhaupt nicht darum, was ein Senator oder Abgeordneter redet; und der Grund dafür ist, daß sie wissen, daß 99% all dessen, was im Kongress zu hören ist, albernes Geschwätz, Unverstand und Demagogie ist, worauf man sich nicht verlassen darf…“. Vorher schon hatte ein Regierungsmitglied in seinem Tagebuch aufgezeichnet:

Ich zögere an die vollkommene Verkommenheit des Senats zu glauben, noch weniger kann ich mich darauf verlassen, daß auch nur eingroßer Teil der Senatoren ehrlich und vertrauenswürdig sei. Viele sind geistig unbedeutend, charakterschwach und für ein hohes Amt vollkommen ungeeignet. Einige sind gemeine Demagogen und andere nichts als reiche Leute, die ihre Stellung erkauft haben. Andere wiederum Männer von eng begrenztem Horizont, beschränkter Auffassungsgabe und niedrigen parteiischen Vorurteilen.“

Früher noch hielt ein Senator seinen Kollegen vor:

„Das Volk entzieht uns sein Vertrauen, weil wir unbegreiflicherweise das Handeln hinauszögern.“

Der Senat weiß, daß heute viele Amerikaner diese Ansichten teilen. Man sagt, Senatoren seien nichts als Politiker und es käme ihnen nur drauf an, Wählerstimmen zu ergattern; staatsmännische Haltung und politischer Mut sei ihnen dagegen völlig fremd. Mütter mögen sich noch immer danach sehnen, daß ihr Lieblingssohn zum Präsidenten gewählt werde, aber eine von Professor Gallup durchgeführte Meinungsumfrage hat vor einigen Jahren gezeigt. Daß sie nicht möchten, daß er auf dem Weg dorthin sich mit Politik befassen muss. Bedeutet nun die gegenwärtige ablehnende Haltung und Mißachtung, daß der Senat an Achtung eingebüsst hat? Keineswegs! Denn von den drei oben zitierten Bemerkungen stammt nur die erste aus dem 20. Jahrhundert, die zweite aus dem 19. und die dritte aus dem 18.- als der noch kaum konstituierte Senat über den Standort des Kapitols stritt.

Bedeutet diese Stimmung, daß der Senat sich keiner mutigen Männer rühmen kann?

Walter Lippmann ist nach fast einem halben Jahrhundert sorfältiger Beobachtung in seinem jüngsten Buch zu einem harten Urteil sowohl über Politiker als auch über Wähler gelangt.

„Abgesehen von Ausnahmen, die ebenso selten wie Naturwunder vorkommen, sind erfolgreiche Politiker in einer Demokratie unsichere und eingeschüchterte Geschöpfe. Ihr politischer Fortschritt wird nur dadurch ermöglicht, daß sie faule Zugeständnisse machen, bestechen, verführen, schwindeln oder sonst irgendwie die fordernenden und bedrohenden Elemente unter ihren Wählern zu manipulieren versuchen. Entscheiden ist gar nicht mehr, ob ein Vorschlag gut ist, also nicht ob er sich bewähren, sondern vielmehr, ob die aktive und beredte Wählerschaft ihn sofort gut heissen wird.“

… Jene Aufforderung, mit allen zu marschieren, ohne aus der Reihe zu tanzen, beinhaltet auch andere Versuchungen – nämlich in Bezug auf die Belohnungen, die sich einstellen, wenn der Parlamentarier der Pflicht, der auch von ihm gewählten Parteiführung in allen zu folgen, nachkommt.Jedem von uns im Kongress wird eingeschärft, wie wichtig die Einheit der Partei ist(in deren Namen schon viele Sünden begangen wurden) und wie sehr ihm jedes aufrührerische Verhalten in den nächsten Wahlen schaden könnte. … Sogar die Durchsetzungvon Anträgen, an denen er interessiert ist, hängt zu einem nicht geringen Teil von der Unterstützung ab, die ihm für seine treue Gefolgschaft von Seiten der Parteiführung zuteil wird. Schließlich wird ein Senator, der nur seinem Gewissen folgt, entdecken, daß er nicht nur die Abneigung seiner Kollegenund Parteifreunde, sondern auch die der höchstwichtigen Gönner seines Wahlfonds geerntet hat.

Die Forderung nach politischer Zivilcourage erhebt sich heute mehr gebieterisch denn je zuvor. Unser Leben steht dermaßen unter dem einfluss der Massenmedien, daß jede unpopuläre oder ungewöhnliche Handlung Proteststürme hervorruft, wie sie sich John Quincy Adams, der 1807 heftige Angriffe über sich ergehen lassen musste, niemals vorgestellt hatte. Die ungleich kompliziertere Maschinerie unseres politischen Lebens wird heute mit einem derartigen Aufwand betrieben und so stark von politischen Managern und Propagandisten beherrscht, daß der Idealistrecht rauh aus seinen Träumen geweckt wird durch die Anforderungen, die der Kampf ums Mandatund um sein Vorwärtskommen an ih stellen.

Sicherlich würde es viel leichter sein, in den traditionellen Denkformen zu verharren: als Liberale oder Konservative, als Republikaner oder Demokraten, …, als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, als Produzenten oder Konsumenten und in anderen ähnlich engen Kategorien. Und es wäre bequemer, weiterhin in kleinen Gruppen vorzugehen und abzustimmen und sich immer jenen Kollegen anzuschliessen, die sich von zeitbedingten Parolen, von den aktuellen Vorurteilen und Strömungen im Volke unterjochen lassen. Aber heute kann sich unser Volk – was die Politik angeht – nicht den Luxuseiner derartigen Gedankenlosigkeit und Trägheit leisten. Nur aus der Fähigkeit, ein unabhängiges Urteil zu finden, und aus dem Vermögen, individuell – ja auch ausgefallen und exzentrisch – zu denken, erwachsen Standhaftigkeit, Erfolg und friedliche Veränderungen, mit deren Hilfe es uns gelingt, jene „fremde Ideologie“ zu überwinden, die freies Denken weit mehr als Wasserstoffbomben fürchtet.

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