Nach dem gestrigen Anschlag in Berlin gilt mein Mitgefühl den Toten und Verletzten, ihren Angehörigen und Freunden. Meine Besorgnis gilt gleichzeitig vielen Reaktionen auf den Anschlag: Die Gewalttat, die wahrscheinlich von Hass gespeist wurde, ruft weiteren Hass hervor. Überall lese ich Schuldzuweisungen, oft in sehr harscher Form. Wenn Terroristen hinter der Tat stecken, dann passiert jetzt genau das, was sie bezwecken. Unsere Gesellschaft wird weiter gespalten. Ich beobachte die Polarisierung schon in unserem kleinen Wachenheim, da entstehen kleine Risse in Freundschaften. Ein viel größerer Riss geht durch Deutschland, durch ganz Europa. Natürlich muss man über den Umgang mit dem Terrorismus debattieren  – und ihn auch im Kontext der Flüchtlingsbewegungen sehen. Aber wir sind nicht mehr im Dialog, immer mehr schreien wir aus unserer eigenen Filterblase auf die vermeintliche Gegenseite ein. Das löst keine Probleme, das schwächt unsere Gesellschaft. Und genau das wollen terroristische Organisationen mit Gewalttaten erreichen.
Wie wäre es, wenn wir dagegen aufstehen – und zusammenstehen? Wie wäre es, wenn wir am 23. Dezember alle gemeinsam auf die Weihnachtsmärkte gehen? Christen, Moslems, Juden, Buddhisten, Hindus, Atheisten. Seit-Generationen-Hier-Wohnende, Zugereiste, Flüchtlinge. Wie wäre es, wenn wir uns darauf besinnen, dass uns vielleicht einiges trennt, aber viel mehr vereint? Respekt, Menschlichkeit und die Sehnsucht nach Frieden.
Ich habe da einen Traum, aber vielleicht träume ich ihn nicht allein. #Zusammenstehen #Menschlichkeit #23Dezember
Advertisements

Wer in Metropolen wie Berlin oder München lebt, hat jede Woche die Wahl zwischen einer Vielzahl kultureller Veranstaltungen (und macht nicht unbedingt Gebrauch davon, wie ich mal zwei Monate lang in Berlin festgestellt habe). Je kleiner die Stadt, desto übersichtlicher wird das Angebot. Nun ist Wachenheim eine sehr kleine Stadt, doch wir haben großes Glück: Engagierte Vereine organisieren hier immer wieder Auftritte von tollen Künstlern, für die man sonst weit fahren müsste.

Dieses Wochenende gab es in Wachenheim ein richtig volles Musikprogramm: Freitag brachte der Kulturverein den weltbekannten Pianisten Justus Frantz für zwei Konzerte in die Kulturscheune. Samstag gastierten die Ensembles 4nmore.de und newlife-quartet.de auf Einladung der Stadt Wachenheim in der Stadthalle. Sie sangen Barbershop – vierstimmige A-Capella-Musik, die ihren Ursprung in den USA hat. Und für den Sonntagnachmittag hat der Badehaisel-Verein alpenländische Weltmusik mit Fei Scho an den Weiher geholt. Immerhin zur Hälfte der Konzerte haben wir es geschafft.

Mit Justus Frantz hat der Kulturverein wieder einmal einen Künstler mit großem Namen für Wachenheim gewonnen – wie auch schon Christian Ehring, der im Frühjahr eine Vorpremiere seines neuen Programms in der Lutherischen Kirche gegeben hat. Wie schafft man das? „Ich habe einfach bei seinem Büro angerufen,“ erzählte der Vorsitzende Martin Pfeiffer. Eine gute Location braucht es natürlich auch. Die Kulturscheune des Weinguts Bürklin Wolf hat Justus Frantz so gut gefallen, dass er sie glatt in das von ihm gegründete Schleswig-Holstein-Musikfestival integrieren würde, wenn sie weiter nördlich stünde.

Justus Frantz‘ Anliegen ist es immer noch, klassische Musik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. So war es ihm wichtig, vor dem Klavierabend ein Kinderkonzert zu geben.  Hier spielte er nicht nur für die jungen Zuhörer, sondern bat auch die Wachenheimer Nachwuchsmusiker auf die Bühne. Da fast jedes Kind im Publikum selbst Klavier spielt, trauten sich einige an den Konzerflügel und konnten erleben, wie es sich anfühlt, vor 150 Menschen zu spielen.

Beim Klavierabend haben wir Justus Frantz erlebt. Auch hier ging es ihm um Zugänglichkeit: Zum einen hatte er von seinen „Stammkomponisten“ Mozart, Beethoven und Chopin bekannte und eingängige Werke ausgewählt. Zum anderen beschränkte er sich nicht aufs Musizieren, sondern gab in seinen Ansagen auch spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichten der Stücke. Zu Mozarts Sonate in A-Dur etwa erzählte er von der Hoffnung des Komponisten, dass sein Werk auf eine gute Resonanz treffen und ihm so eine Anstellung als Hofkomponist verschaffen könnte.

Sehr nahbar zeigte sich Justus Frantz auch in der Pause. Statt sich in der Abgeschiedenheit seiner Garderobe auf den zweiten Teil seines Auftritts vorzubereiten, stand er im Hof und plauderte mit den Gästen. Als er nach der Pause die ersten Takte von Beethovens Mondschein-Sonate spielte, gingen wohlige Seufzer durchs Publikum. Auch mir hat dieser Teil des Programms am besten gefallen – und das obwohl ich zwar ein Fan von klassischer Musik, nicht aber von diesem Komponisten bin. Entweder hat meine Mutter Recht, die vor gut 20 Jahren mal meinte, für Beethoven müsse man erst alt genug werden. Oder Justus Frantz war auch bei mir mit dem Näherbringen erfolgreich.

Das zweite Konzert haben wir heute im Badehaisl erlebt. „Fei Scho“ ist eine fünfköpfige Band aus dem Münchner Raum. Sie nennen ihre Musikrichtung alpine Weltmusik. Tatsächlich ist sie hörbar verwurzelt in den Traditionen des Alpenraums – von Instrumenten wie Akkordeon, Tuba und auch mal Hackbrett bis hin zu musikalischen Formen wie Landler, Walzer und Jodler. Mit großer Kreativität und Spielfreude kombinieren Fei Scho das mit einer Vielfalt von anderen Einflüssen: böhmische Harmonien, Bossa-Nova-Rhythmen und jazzige Improvisationen.

Fast jedes Stück erzählt eine Geschichte – manchmal im Text, oft erfahren wir sie in der Ansage der Instrumentalstücke. So wurde zum Beispiel die „Polka15Suppenslalom“ inspiriert von der Tochter von Bassistin Anschi Hacklinger, die beim Suppe-Essen mühsam die Gemüsestücke auf den Tellerrand schob. „Astromat“ ist der Soundtrack einer Autowerbung für einen futuristischen fliegenden Teppich, den sich die Söhne des Akkordeon-Spielers Helmut Sinz ausgedacht haben.

Der Spaß beim Zuhören wird noch dadurch gesteigert, dass da richtig tolle Musiker auf der Bühne stehen. Als Gitarristen-Frau schaue ich immer zuerst auf die Person an den sechs Saiten. Das akzentuierte Spiel von Martin Lidl, der seine Jazzgitarre auch mal richtig rocken lässt,  hat mir sehr gut gefallen – genauso wie die gute Stimmung, die er von der Bühne ins Publikum gibt. Helmut Sinz zeigte eine beeindruckende Bandbreite am Akkordeon. Robert Alonso steuerte entweder mit der Tuba die Basstöne bei, oder er brillierte an der Trompete. Anschi Hacklinger machte mir eine besondere Freude, als sie nach tollem Spiel an Kontrabass und Melodika für ein Stück zum Hackbrett griff. Wenn man dieses Instrument mal aus der Musikanten-Stadl-Atmosphäre herauslöst, klingt es wunderschön. Die meisten Instrumente an diesem Nachmittag hat wohl Percussionist Schorsch Karrer gespielt, da waren auch mal Conga und Glockenspiel dabei – und er sorgte immer für einen spannenden, auf-den-Punkt-wirbelnden Abschluss der Stücke.

Ich finde es toll, dass der Badehaisel-Verein immer wieder so ungewöhnliche und virtuose Bands nach Wachenheim holt. Schade war, dass die schlechte Wettervorhersage wohl einige Musikfans abgeschreckt hat. Wer gekommen war, hatte umso mehr Spaß. Und bekam von der Band den Auftrag, den Feiglingen zu erzählen, was sie verpasst haben – was ich hiermit erledigt habe :-).

Die Dämmerung senkt sich über Wachenheim. Auf dem Marktplatz erklingen Lieder aus vergangenen Jahrhunderten. Von Mainächten wird gesungen, von einer Feuersbrunst und von der Liebe. Gut 150 Zuschauer sind gekommen. Geführt von einem Mann in weißer Perücke und altertümlichem Gewand, schlendern wir zum Stadtmauerpfad. Hier lauschen wir dem Grimmschen Märchen vom Gevatter Tod. Tänzerinnen kommen heran,  ihre fließenden Bewegungen passen gut zu den zarten Klängen von Laute und Harfe. Weiter geht’s zum Diebesturm. Ein Text wird rezitiert. Es geht um Spuren  – die aus der Vergangenheit, von Kriegen und friedlichen Zeiten, aber auch um unsere eigenen Spuren. Die Scheinwerfer im Gras werfen die Schatten der Tänzerinnen an den Diebesturm.

Gevatter Tod

Hendrik Hoffmann liest das Märchen vom Gevatter Tod

So begann gestern ein berührender Abend voller Zauber und Poesie. Unter dem Titel „Tanzspuren“ hat Angela Foid mit ihrer Modern Dance Company und befreundeten Künstlern zum Wachenheimer Stadtjubiläum eine ungewöhnliche Reise zusammengestellt. Vom Marktplatz entlang der Stadtmauer bis zum historischen Zehnthof, durch die Jahrhunderte und zu den immerwährenden Themen Liebe, Tod, Schönheit und Kunst. Heute, am Samstag, 21. Mai, kann man ab 21 Uhr das Programm nochmal erleben.

Tanz Stadtmauer

Die Modern Dance Company vor der illuminierten Stadtmauer

Die ausdrucksvollen Tänze der Modern Dance Company stehen im Mittelpunkt des Abends. Vor der Stadtmauer gegenüber des Bürgerspitals tanzt das Ensemble zur Musik „Chevalier de Sangreal“, die Hans Zimmer für den Film „Da Vince Code“ geschrieben hat. Als Teil der Performance zaubert Nelson Paixao  eine Light Show an das historische Gemäuer. Kaum endet die Darbietung, kommen aus dem Dunkel die jüngsten Schülerinnen von Angela Foids Raum für Bewegung. Mit bunten Lampions bewegen sich die Mädchen im freien Tanz über die Wiese, Glühwürmchen gleich, zart und harmonisch.

Glühwürmchen

Der Glühwürmchentanz der Schülerinnen von Angela Foid

Zum Abschluss des Abends führt der historisch gewandete Pierre Amblard die Gäste in die Mittelgasse. Hier hat Arnhild Grünagel den historischen Zehnthof für die Tanzspuren geöffnet. Feuerschalen und Fackeln erleuchten den verwunschenen Garten. Für müde Besucher stehen Stuhlreihenbereit. Die Gruppe Patapan spielt mittelalterliche Musik mit Drehleier und Laute , das Ensemble um Anna Auclair singt „Spinn, Spinn, meine liebe Tochter“ – dazu surrt ein echtes Spinnrad. Auch Hendrik Hoffmann von der Kulturey ist wieder dabei, der schon die Lesungen entlang der Stadtmauer gestaltet hat.

Das tänzerische Finale eröffnen die Kinder mit ihrem Geistertanz. Die abwechslungsreiche Choreografie passt wunderbar zum „Danse Macabre“ von Camille Saint-Saens. Genauso poetisch setzt dann die Modern Dance Company Claude Debussys symphonische Dichtung „L’apres Midi d’un Faun“ um. Dynamisch wird es noch einmal zum Abschluss mit dem Hexentanz zur Musik der samischen Sängerin Mari Boine.

Die begeisterten Zuschauer im Zehnthof-Garten waren sich einig, dass Angela Foid hier mit ihrem künstlerischen Netzwerk ein ganz besonderes Erlebnis geschaffen hat. Mit der Verbindung von historischen Gemäuern, musikalischer Zeitreise und zeitlosen künstlerischen Themen sind die Tanzspuren ein toller Beitrag zum Wachenheimer Stadtjubiläum.

Wer sich das Da Capo heute Abend nicht entgehen lassen möchte: Die Tanzspuren starten um 21 Uhr auf dem Marktplatz an der St. Georgs-Kirche, das Ende ist gegen 23 Uhr im Zehnthof. Der Eintritt ist frei, Spenden für Künstler und Technik sind willkommen.

Tanzspuren

Ein Wagnis war es schon: Weil der Verein nicht mit den Pächtern der Wachenheimer Stadthalle einig wurde, verlegte der FC Bächel seine diesjährigen Veranstaltungen nach Gönnheim, in die Festhalle des TV Frohsinn. Die bange Frage vor Beginn der heutigen Kinderfastnacht: Würden auch die Wachenheimer Eltern mit Ihrem Nachwuchs den Weg in den übernächsten Ort finden?

Sie fanden ihn, und es hat sich gelohnt. Die Karnevalsabteilung des FC Bächel setzte ihr Motto „Kinder in den Vordergrund“ wieder mit einer sehr gelungenen Veranstaltung um. Die jungen Fastnachtsfans konnten sieben verschiedene Gruppen beim karnevalistischen Tanz erleben. Zwischendurch hatten die Prinzessinnen und Cowboys, Pipi Langstrumpfs und Polizisten viel Zeit, selbst zu Stimmungsmusik zu hopsen. Besonders laut wurde es immer, wenn Sitzungspräsidentin Petra Heberlein und andere Aktive mit Körben auf die Bühne traten und die „Helau“-Rufe der Gäste mit Bonbonregen belohnten.

Mir hat ja schon die erste Kinderfastnacht des FC Bächel sehr gut gefallen. Dieses Jahr bin ich noch ein Stück mehr beeindruckt von dem Engagement der Aktiven. Die Bühne hatten sie passend zum Wildwest-Motto der Session in einen Saloon verwandelt. Alle Garden – von den Minis bis zur Ü15 – zeigten tolle Auftritte. Besonders begeistert hat mich das junge Tanzpaar. Lewin (10) habe ich ja das erste Mal 2013 gesehen. Seit knapp einem Jahr tanzt er mit Melina (8), und ich habe echt gestaunt über die Harmonie und den Spaß, der bei ihrem Auftritt rüberkam. Mit der Begeisterung bin ich nicht allein: Sie sind amtierende Vize-Pfalz-Meister und haben sich die Qualifikation zu den Süddeutschen Meisterschaften in Stuttgart ertanzt. Dort starten sie am 20. Februar – ich werde ihnen die Daumen drücken.

Der Gönnheimer Turnverein „Frohsinn“ unterstützte die Bächel-Fastnacht nicht nur als Gastgeber – zum Beispiel durch sehr netten Service und faire Getränkepreise – sondern verstärkte auch das Männerballett der Wachenheimer. Als Cowboys und Salontänzerinnen rockten sie die Bühne. Die Zuschauer verlangten begeistern nach einem Encore – mussten jedoch verzichten.  „Die Zugabe ist nicht ganz jugendfrei“ erklärte Petra Heberlein. Sie wurde am Vorabend bei der Prunksitzung den Erwachsenen gezeigt.

Zum gr0ßen Finale kamen alle Beteiligten noch einmal auf die Bühne. Tänzer und Tänzerinnen, Trainerinnen, Confroncier und Präsidentin – da konnte man sehen, wie viele engagierte Menschen hinter so einem schönen Nachmittag stecken.

Chapeau, Danke und auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

Kinderfastnacht_2016_2_cut

Kaum ist die neu überarbeitete „Geschichte der Stadt Wachenheim“ erschienen, hat der Wachenheimer Stadtrat einen Beschluss gefasst, der in der nächsten Auflage der Chronik landen könnte: Heute wurde das Sanierungsprogramm „Historische Stadtbereiche“ beschlossen.

Damit können nun Fördermittel für die Sanierung historischer Bausubstanz im Stadtkern beantragt werden. „Eine historische Chance für Wachenheim“, so Bechtel. Gefördert werden können:

  • Erhaltung und Sanierung von Gebäuden
  • Instandsetzung und Wiedernutzung von leerstehenden Gebäuden
  • Umgestaltung öffentlicher Flächen und Wege

Vor allem Privatleute sollen in Genuss der Förderung kommen. Dabei besteht Aussicht auf:

  • Finanzielle Zuschüsse zu Sanierungsmaßnahmen
  • Steuerliche Vorteile durch bessere Abschreibungsmöglichkeiten
  • Vereinfachtes Genehmigungsverfahren

Seit dem Jahr 2010 hat der Stadtrat unter Führung von Bürgermeister Torsten Bechtel darauf hingearbeitet, diese Förderung anbieten zu können. Erster wichtiger Meilenstein war die Aufnahme von Wachenheim in das Förderprogramm „Historische Stadtbereiche – Städtebaulicher Denkmalschutz“ des Landes Rheinland-Pfalz im Jahr 2013. Dass der Startschuss für die Fördermaßnahmen erst zwei Jahre später fallen kann, liegt ausnahmsweise mal nicht an der typischen Zerstrittenheit des Stadtrates. Vielmehr mussten Ratsmitglieder, Verwaltung und das beratende Planungsbüro Deubert eine ganze Reihe von Hausaufgaben machen.

So wurde ein integriertes Entwicklungskonzept erarbeitet. Dabei haben Fachleute den Handlungsbedarf im Wachenheimer Stadtkern analysiert. Die wichtigsten Befunde stellte Thorsten Seifert vom Planungsbüro in der heutigen Stadtratssitzung vor:

  • Im historischen Stadtkern gibt es ca, 160 Gebäude mit baulichen Mängeln. Schwerpunkte sind der nördliche Teil der Weinstraße, die Bereiche rund um die St. Georgs Kirche, Enten-, Lang- und Hintergasse
  • Bei der baulichen Gestaltung wurden laut Seifert „hier anders als in anderen Gemeinden keine groben Sünden begangen“
  • Elf Gebäude stehen derzeit leer, bei zwei weiteren ist das Erdgeschoss ungenutzt
  • Die Stadtmauer ist in weiten Teilen sanierungsbedürftig
  • Die Straßen sind überwiegend sehr eng, oft fehlt es an Bürgersteigen und auch Parkplätzen
  • Öffentlich zugängliche Grünflächen sind kaum vorhanden

Als durch diese Untersuchung der Sanierungsbedarf in Wachenheim ausreichend belegt war, wurde die Bevölkerung gehört, darauf folgte die Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Dabei wurde auch das Sanierungsgebiet festgelegt. Es ist 14,7 Hektar groß und entspricht ungefähr dem Arreal, das von der Stadtmauer umschlossen ist.

Sanierungsgebiet

Das Sanierungsgebiet mussten sich die Stadträte übrigens heute ganz genau ansehen, bevor sie zur Abstimmung schritten. Wenn ein Stadtrat entweder selbst Besitz in dem Gebiet hat – oder ein enges Familienmitglied – dann gilt der Stadtrat als befangen und darf nicht mit abstimmen. Nach einer kurzen, launigen Spekulation über Besitzverhältnisse („Du bist doch auch befangen“ – „Nein, dass Haus meiner Mutter liegt genau außerhalb der Grenze“) rückten fünf Ratsmitglieder vom Tisch zurück. Der Rest stimmte dem Sanierungssatzung und Modernisierungskonzept in allen Punkten zu – bei einer Enthaltung durch Rainer Lukas (FWG).

„Jetzt geht’s richtig los“ freute sich Bauamtsleiter Stefan Schneider nach der Abstimmung. Zur Förderung von Sanierungsmaßnahmen stehen jetzt 5,9 Millionen Euro als Zuschüsse zur Verfügung. Sie können bis zum Jahr 2023 fließen; steuerliche Vorteile kann man sogar bis 2026 in Anspruch nehmen.

Das Sanierungskonzept soll nun der Öffentlichkeit präsentiert werden. In einem separaten Termin sollen auch die Ergebnisse des extra erstellten Verkehrsgutachtens vorgestellt werden. Auch aus dieser Untersuchung lässt sich Handlungsbedarf ableiten: Von den 4040 Fahrzeugen, die täglich durch Wachenheim fahren, sind 52% Durchgangsverkehr – obwohl es mit der B 271 eine gut ausgebaute Umgehung gibt. Die Gutachter sehen die Möglichkeit, 1600 Fahrzeuge pro Tag aus dem Ort heraus auf die Umgehungsstraße zu verlagern. Dazu müsste die Durchfahrt durch Wachenheim unattraktiver werden. Bislang sind hier alle Ideen am Landesbetrieb Mobilität gescheitert, doch nun sind weitere Maßnahmen im Sanierungskonzept aufgenommen.

Eine Sanierungsbroschüre ist auch in Vorbereitung. Wer sich jetzt schon detailliert informieren möchte, kann das online tun. Wachenheim ist nämlich jetzt auch an das elektronische Ratsinformationssystem angeschlossen. Hier können nicht nur Ratsmitglieder die Sitzungsunterlagen online abrufen, sondern auch jeder Bürger hat Zugriff auf die Informationen aus dem öffentlichen Teil. Das freut natürlich auch die Wachtenbloggerin!

Die Dokumente der heutigen Sitzung kann man sich hier herunterladen (im Kalender den 11.11.2015 suchen und diese Sitzung anklicken).

Heute Abend kam Hoffnung auf im Wachenheimer Verbandsgemeinderat: Um bei der Planung der Supermärkte in Wachenheim und Friedelsheim/Gönnheim endlich voran zu kommen, hatten sich die gegnerischen Fraktionen im Rat angenähert. Vorab hatte Verbandsbürgermeister Torsten Bechtel (CDU) alle Gruppierungen zum interfraktionellen Gespräch geladen. Dort hatten die Fraktionsführer über einen Antrag beraten, mit dem endlich die lange diskutierten Zielabweichungsverfahren für die Supermarktstandorte in Wachenheim und Friedelsheim/Gönnheim angestoßen werden sollten. Es wurde um Worte gerungen, eine Aussage zugunsten eines Supermarkt im Wachenheimer Bischofsgarten wurde leicht abgeschwächt, dann war man sich einig. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

In der heutigen Sitzung des Verbandsgemeinderats lobten dann auch Redner aller Fraktionen Ergebnis und Atmosphäre des interfraktionellen Gesprächs. Allerdings brachten Vertreter von SPD und FWG neue Bedenken gegen den gemeinsam beratenen Antrag vor. Klaus Huter (SPD) hatte in seinen Unterlagen zur Supermarktdiskussion ein Schreiben von der Genehmigungsbehörde SGD Süd gefunden, in dem eine raumordnerische Prüfung angefordert wird. „Darüber haben wir noch gar nicht geredet“, so Huter. Arnold Nagel (FWG) forderte ein, dass zunächst die Einzelhandelskonzepte für die betroffenen Gemeinden, die seit einigen Jahren vorliegen, erst abschließend beraten und beschlossen würden, bevor über das Einleiten des Zielabweichungsverfahrens beschlossen werde.

Peter Fleischer als Fraktionsvorsitzender der FWG gab an, dass zwar ihm im interfraktionellen Gespräch detailierte Informationen gegeben worden, die Verwaltung die umfangreichen Unterlagen dann aber so spät an ihn geschickt habe, dass seine Fraktionskollegen sie zu kurz vor der Sitzung erhalten hätten. Gerade neu hinzugekommene Ratsmitglieder, die frühere Diskussionen nicht miterlebt hätten, wüssten so nicht genau, worüber sie abstimmen sollten.“Hier ist ein handwerklicher Fehler gemacht worden“, so Fleischer.

Die Kritik am späten Versenden der Unterlagen nahm Verbandsbürgermeister Torsten Bechtel an. Allerdings sollten die allermeisten Inhalte bereits bekannt sein. „Das Einzelhandelsgutachten ist hier im Verbandsgemeinderat bereits dreimal in Anwesenheit des Planers beraten worden“, so Bechtel. Die Forderungen, vor dem Zielabweichungsverfahren zunächst eine raumordnerische Prüfung oder die Verabschiedung der Einzelhandelskonzepte zu setzen, widersprechen laut Bechtel den Ansagen,die die Verbandsgemeinde von der SGD Süd bekommen habe. „Die weitere Behandlung des Einzelhandelskonzepts wäre auszusetzen, bis das Zielabweichungsverfahren abgeschlossen ist und seine Ergebnisse in das Einzelhandelskonzept eingearbeitet werden können“, so zitierte Bechtel ein Schreiben der SGD Süd, das später datiert sei als das von Huter aufgefundene. „Die SGD hat sich sehr klar ausgedrückt“, so Bechtel. „Sie wird nicht aktiv werden, bevor nicht die Ortsgemeinden und der Verbandsgemeinderat geschlossen auf sie zugehen.“

Marcus Scholz (CDU) wies darauf hin, dass man sich mit dem Anstoßen des Zielabweichungsverfahren noch nicht auf Standorte festlegen würde. Es gäbe dann viele Gelegenheiten, bei denen die Ratsmitglieder sich einbringen könnten. „Sie vergeben sich nichts, wenn Sie diesen ersten Schritt jetzt mitgehen und nicht weiter vertagen“, warb Scholz für eine Entscheidung.

Auffallend war, das anders als in früheren Debatten keine polemischen Angriffe geführt wurden. Auch die Ratsmitglieder, die im Konfliktfall zur scharfzüngigen Attacke neigen, hielten sich merklich im Zaum. Der Stil ist auf jeden Fall ein Fortschritt gegenüber bisherigen Debatten zum Thema Supermarkt.

Geholfen hat das alles heute leider nicht: Abgestimmt wurde zunächst über den Antrag, die Entscheidung zu vertagen. Er wurde angenommen – denkbar knapp mit 13 (SPD und FWG) zu 12 (CDU und FDP) Stimmen.

Das waren also zwei Schritte nach vorne (konstrutives interfraktionelles Gespräch im Vorfeld und sachliche Debatte) und zwei Schritte zurück (Suche nach Bedenken und Bestehen auf Vertagung). Beim Tanzen mag so eine Schrittfolge gut aussehen. Im politischen Ergebnis bedeutet das weiteren Stillstand bei der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Verbandsgemeinde.

Sehr schade.

Immerhin bemühten sich die Parteien um Schadensbegrenzung: „Da wir ja grundsätzlich im guten Einvernehmen waren, hoffe ich, dass wir zu einer Entscheidung kommen“, sagte Bechtel. Arnold Nagel bat, die nächste Sitzung möglichst bald anszusetzen. Vielleicht kann an dem Termin auch Bauamtsleiter Stefan Schneider teilnehmen. Er hat mit seiner ruhigen, kompetenten Art schon häufiger Klarheit in spitzfindige Verfahrensdiskussionen bringen können. Auf jeden Fall sollte es den Ratsmitgliedern bis zur nächsten Sitzung gelingen, die verschiedenen Schreiben und Aussagen der SGD in die korrekte zeitliche Reihenfolge zu bringen. Ob sie daraus auch dieselben Schlüsse ziehen? Wir werden es sehen.

Heute tagte der Rat der Verbandsgemeinde Wachenheim zum ersten Mal regulär unter dem frisch gewählten Verbandsbürgermeister Torsten Bechtel. Es war ein relativ ruhiger Einstieg, was auch an den wenig brisanten Themen lag. Zwar gab es kleine Nicklichkeiten durch Mitglieder von SPD und FWG. Es wurden dann aber alle wesentlichen Anträge ohne Gegenstimme beschlossen. Und der Bericht des Bürgermeisters zeigte auf, dass die Verbandsgemeinde für Aufgaben gefragt ist, die unsere kleinen Streitigkeiten noch absurder erscheinen lassen.

Die Nicklichkeiten starteten gleich zu Beginn: Hans-Jürgen Häfner (SPD) schlug vor, dass über die Dienstaufwandsentschädigung für den Verbandsbürgermeister nicht in der heutigen Sitzung beschlossen würde, sondern das Thema zunächst im Haupt- und Finanzausschuss behandelt würde. Der 1. Beigeordnete Helmut Rentz (auch SPD) entgegnete, er habe beim Ansetzen dieses Themas keinen zusätzlichen Diskussionsbedarf gesehen – schließlich habe Udo Kittelberger, Bechtels Vorgänge im Amt, denselben Höchstbeitrag erhalten wie er jetzt vorgeschlagen sei. Marcus Scholz (CDU) plädierte dafür, im Sinne einer schlanken Verwaltung das Thema jetzt ohne zusätzlichen Aufwand zu entscheiden.

Worum es bei der Diskussion ging? Die Dienstaufwandsentschädigung ist eine zusätzliche Zahlung an den hauptberuflichen Bürgermeister, die Aufwände zum Beispiel für die Teilnahme an Veranstaltungen ausgleichen soll. Zur Diskussion stand ein Betrag von 196,85 Euro pro Monat. Über die Fähigkeit – oder Willigkeit – des Rates, über diese Summe ohne Ausschluss-Behandlung zu entscheiden, wurde abgestimmt. CDU (ohne den bei dieser Frage befangenen Torsten Bechtel) und FDP lagen mit 10:9 Stimmen vor SPD und FWG.

Wenn also nicht im Finanz- und Hauptausschuss über die Dienstaufwandsentschädigung beraten werden konnte – gab es dann eine intensive Aussprache im Verbandsgemeinderat? Nö. Es gab keinen Redebeitrag, die Aufwandsentschädigung wurde bei drei Enthaltungen einstimmig angenommen. Torsten Bechtel, der wegen Befangenheit die Sitzungsleitung an Helmut Rentz übergeben hatte, hatte sich kaum in die Zuschauerränge gesetzt, als er schon wieder nach vorne gehen konnte.

Nach diesem missglückten Versuch einer Machtdemonstration von SPD und FWG ging es deutlich einmütiger weiter. Einstimming angenommen wurden:

  • die Erhöhung der Aufwandsentschädigung für die freiwilligen Feuerwehrleute um 3,3%
  • die Betreuungsordnung der betreuenden Grundschulen
  • eine 300-Euro-Spende der Sparkasse Rhein-Haardt für das Außengelände der Grundschule Friedelsheim-Gönnheim

Diskussionen gab es zum Antrag der Wachenheimer Grundschule, den Namen der Bildungseinrichtung von Kurpfalzschule (der Name galt früher für die Grund- und die weiterführende Schule, die jetzt unter IGS Wachenheim-Deidesheim firmiert) zu ändern in „Grundschule an der Wachtenburg“. Wolfram Meinhardt (FWG) beklagte eine Namensverwirrung: Mit dem Namen „Kurpfalzschule“ würden Kinder nichts verbinden (er hatte das mit seinem eigenen Nachwuchs getestet), und es fehle ein Name für das Gebäude, das beide Schularten beherberge. Klaus Huter sah in dem vorgeschlagenen Namen ein „phonetisches Problem“. Die Grundschule, so der SPD-Politiker, läge gar nicht an der Wachtenburg, sondern ein gutes Stück davon entfernt.

Arnold Nagel (FWG) stellte den Bezug des bisherigen Namens zum historischen Hintergrund dar – und betonte gleichzeitig, dass ihm die hohe Qualität der Schule viel wichtiger sei als der Name. Auch Marcus Scholz (CDU) wies darauf hin, dass Wachenheim anders als andere Pfälzer Gemeinden Teil der Kurpfalz war. Diese Bemerkungen haben mich neugierig gemacht. Als Zugezogene habe ich den Begriff Kurpfalz kennengelernt als Bezeichung für die Gegend rund um Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen. Wachenheim habe ich nicht diesem Landstrich zugeordnet, sondern der „echten Pfalz“. Angeregt durch die heutige Diskussion habe ich jetzt mit Wikipedia gelernt, dass der Begriff Kurpfalz im historischen Sinne die kurfürstliche Pfalzgrafschaft bezeichnet – einen bis 1803 existierenden Teil des heiligen Römischen Reichs. Dies war keine zusammenhängende Region, sondern ein Verbund von kleineren Territorien. Dazu gehörte sogar die Oberpfalz, die im Nordosten des heutigen Bayern liegt. Der Wortteil „Kur“ kommt daher, dass der oberste Herrscher der Kurpfalz, der Pfalzgraf, ein Kurfürsten war und damit an der Wahl des römisch-deutschen Kaisers teilnehmen durfe.

Für historische interessierte Erwachsene bietet also der Name Kurpfalz-Schule tatsächlich interessante Anknüpfungspunkte. Aber für Grundschüler? Um deren Interessen ging es Schulrektorin Claudia König, als die die Initiative zur Namensänderung startete. Sie wolle nicht die historischen Tatsachen negieren, die auch nach wie vor im Unterricht vermittelt würden. Die Schule wünsche sich jedoch „einen Namen, unter dem die Kinder sich etwas vorstellen können“. In der Diskussion mit Elternvertretern, Lehrkräfen und Schülern habe sich da eben die überall im Ort präsente Wachtenburg ergeben. Wie greifbar dieser Begriff für die Kinder ist, wird man auch merken, wenn über verschiedene Logo-Vorschläge für die Schule abgestimmt werden wird. Für die „Grundschule an der Wachtenburg“ kann man Mauern und Turm, Ritter und Burgfäulein zeichnen. Wie bitte setzt man „Kurpfalz“ grafisch so um, dass es Kinder verstehen?

Die Abstimmung verlief dann wieder eindeutig: die Initiative zur Namensänderung würde ohne Gegenstimmen angenommen, bei vier Enthaltungen. Ich freue mich über die Namensänderung, und meine achtjährige Tochter jubelte begeistert über die Nachricht, dass sie demnächst auf die Grundschule an der Wachtenburg“ geht.

Wo wir schon bei historischen Bezügen sind: Ich habe neulich durch eine Hausarbeit meiner großen Tochter gelernt, dass die Pfalz im 17. und 18. Jahrhundert ein Auswanderungsland war. Eine kleine Minderheit der Auswanderer wurden in der Pfälzer Heimat politisch verfolgt, z. B. weil sie am Hambacher Fest teilgenommen hatte. In überwiegender Mehrheit waren die Auswanderer jedoch verarmte Kleinbauern und Tagelöhner, die man heute vielleicht Wirtschaftsflüchtlinge nenne würde. Sie wanderten vor allem nach Amerika und Russland aus. In dieser Zeit gab es einen von Ex-Pfälzern behwohnten Ort namens Kandel in der Nähe von Odessa, und die deutschen Einwohner wurden in Teilen der vereinigten Staaten nach der zahlenmäßig vorherrschenden Volksgruppe „Palatines“ genannt.

Wer diesen Teil der Pfälzer Geschichte kennt, der hörte vielleicht etwas genauer zu, als Torsten Bechtel in seinem „Bericht des Bürgermeisters“ das Thema Flüchtlinge ansprach. Zunächst äußerte er sich kritisch über die Politik auf Bundesebene: 50 % der Flüchtlinge kämen vom Balkan, bei wiederum nur 1 % von ihnen würde das Asylgesuch anerkannt. Trotzdem würden alle erst einmal auf die Gemeinden verteilt. „Die Kommunen werden hier allein gelassen“, klagte der Verbandsbürgermeister. „Nichts desto trotz heißen wir die Flüchtlnge hier willkommen“, hob er gleich darauf hervor. Bechtel lobte das Engagement von ehrenamtlichen Flüchtlingebetreuern, die es zum Beispiel in Ellerstadt und Wachenheim gebe.

Engagement und Unterstützung sei mehr denn je gefragt, denn im Laufe des Jahres wird die Verbandsgemeinde noch 63 Flüchtlinge aufnehmen. Es folgte ein dringender Appell, Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Neben Wohnungen seien auch Gewerbeimmobilien denkbar. Die Kommune könnte auch dabei helfen, ältere Immobilien in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. „Bisher ist es bei uns aufgegangen mit dem Wohnraum“, sagte Bechtel. „Jetzt wird es aber eng, und wir müssen schon über Containerlösungen nachdenken.“

Angesichts der gewaltigen und nicht einfach wegzupolemisierenden Aufgabe, den Flüchtlingen ein würdiges Leben bei uns zu ermöglichen, erscheinen die Nicklichkeiten im Verbandsgemeinderat kleingeistig und absurd. Gut dass sie die Ausnahme blieben in einer sonst sachlichen Diskussion. So bedankte sich Torsten Bechtel auch am Ende des öffentlichen Teils „für den Verlauf der Sitzung“.

Liebe Verbandsgemeinderats-Mitglieder aller Parteien, machen sie konstruktiv weiter und konzentrieren sie sich auf das Gemeinwohl und die Aufgaben, die es zu lösen gilt.