Persönliches


Entwurf für Drehbuch:

Darsteller:

Bruce Willis. Held meiner Spätpubertät. Pfälzer durch Geburt. Star. Weltstar.

Frank Mehlmer. Im Urlaub. Spätpubertierend. Pfälzer durch Geburt. Kein Weltstar. Provinzpolitiker.

Peter Spengler. Im Sommermodus. Schlecht recherchierend. Pfälzer durch Geburt. Provinzjournalist.

Bürgermeister Wachenheims. Nicht im Sommermodus. Immer bei der Arbeit. Pfälzer durch Geburt. Provinzpolitiker.

Rheinpfalz-Redakteur(e). Im Sommermodus. Sucht leichte Unterhaltung. Gut recherchiert. Hoffentlich Pfälzer durch Geburt. Provinzpresse.

Statisten. Familienmitglieder. Freunde. Humorvolle Menschen. Teilweise Pfälzer durch Geburt.

Mister X. Im Urlaub. Nachtragend. Verbissen. Kein Humor. Pfälzer durch Geburt. Provinziell.

Unbekannter Verfasser. Held meiner letzten zwei Tage. Kreativer Kopf. Schreibt über Travestie eine Fake News. Hoffentlich Pfälzer durch Geburt.

Der Plot:

1. Szene:

Frank Mehlmer surft im Internet und schaut sich Posts einiger Freunde auf Facebook an.
Er entdeckt eine Meldung, die besagt, daß Olivia Jones sich als OB – Kandidat(in??) in Ludwigshafen bewerben wird. Amüsiert klickt er auf den Link der Meldung und des vermeintlichen Nachrichtenportals und sieht die Meldung: „Kreire deine eigenen Fake News! Veräpple deine Freunde auf FB!“

2. Szene:
Frank Mehlmer macht mit einem der Statisten Brainstorming welche lustige Nachricht für sein Heimatstädtchen unterhaltsam wäre und wie man die Wirkung und den Mechanismus einer Fake News erproben und satirisch darstellen könne. Der Statist, eventuell sein Sohn, erwähnt Hollywood Stars, die in Deutschland geboren wurden. Der Name Bruce Willis und das Wort Pfalz fallen. Strike.

3. Szene:
Frank Mehlmer setzt sich an sein Ipad und wird kreativ tätig. Spätpubertär entwickelt er eine Fake News, die nicht ganz leicht, aber ganz schnell als solche zu erkennen ist.
Kopiert den Text, fügt Ihn auf dem Fake-Nachrichtenportal ein, sucht ein schönes Foto seines Helden der Spätpubertät im Netz, fügt auch dieses ein. Artikel scharf machen. Auf FB hochladen. Kommentar auf FB „Unglaublich!“ Einfügen. Fertig.

4.Szene:
Erste Reaktionen von Statisten folgen nach Minuten. Eventuell Freunde aus Wachenheim und ein FB befreundeter Rheinpfalzredakteur sind die ersten. Freund aus Wachenheim postet sofort den Link der Fake-Seite, der alles aufklärt. RP Redakteur lässt sich auf lustiges Wortscharmützel über Fake News und Mainstream Media ein.

5. Szene:
Ca. 5 Stunden später. Eine Zwinker-Smiley-SMS des Bürgermeisters erreicht Frank Mehlmer. Er antwortet mit zwei Tränen lachenden Smileys, da der Grund wohl nur sein kann, daß der Bürgermeister die Fake-News gelesen hat.

6.Szene:
Weitere Kommentare in den sozialen Medien folgen. Statisten, eventuell pubertierende Familienmitglieder, reden ihren Vater, Frank Mehlmer an, daß ihre Freunde sich über die Fake News im Netz unterhalten. Lob der Pubertierenden an den Spätpubertierenden.

7. Szene:
Offene Kommentare werden auf FB durch Frank Mehlmer mit Freunden ausgetauscht aus denen deutlich hervorgeht, daß es eine Spaßmeldung ist.

8. Szene:
Ein Redakteur der Sommerredaktion der RP meldet sich bei Frank Mehlmer. Und fragt an, ob man sich auf dem FB Messenger befreunden könnte. Frank Mehlmer bejaht. Der Redakteur fragt, ob Frank Mehlmer der Verfasser der Bruce Willis Fake News sei. Frank Mehlmer bejaht. Der Redakteur fragt nach einem Interview, da der Fake Artikel in der Redaktion für kurze Zeit für Schnappatmung gesorgt hätte. Frank Mehlmer bejaht und merkt warum der Bürgermeister den Zwinkersmiley schickte. Um 16.00 des 25.07. verabredet man sich zu einem FB Messenger-Interview.

9. Szene:
16.00 Uhr. Das Interview startet mit der Frage, ob Frank Mehlmer wüsste, dass Dieter Bohlen eine Musikschule in Wachenheim eröffnen möchte. Frank Mehlmer bejaht und damit ist die Richtung des Interviews, das in einer freundschaftlichen Atmosphäre stattfindet und von gegenseitigem Humor und Respekt geprägt ist, vorgegeben.

10. Szene:
Während des Interviews wird von Frank Mehlmer deutlichst und in aller Offenheit der Hintergrund der Fake Meldung dargelegt. Man verabschiedet sich höflich und bedankt sich. Der Redakteur schickt sogleich den Link zum Online Portal der RP.

11. Szene:
Frank Mehlmer verlinkt den Online Artikel der Rheinpfalz auf dem Wachtenblog. Setzt zwei Kommentare dazu fertig.

12. Szene:
Diverse Statisten posten auf FB Kommentare, die zu 99% freundlich und humorvoll sind. Weitere diverse Statisten unterhalten sich persönlich und tiefschürfend mit Frank Mehlmer über Fake News und deren Wirkung bei Riesling, Weissburgunder und Häppchen.

13. Szene:
Frank Mehlmer hält die Aktion für abgeschlossen.

14. Szene:
Am Samstag 29.07.2017 steht Frank Mehlmer auf, trinkt einen Kaffee und liest Nachrichten. Sein Ipad meldet eine Messenger-Nachricht eines Statisten. Inhalt: Ui, was hast du dem Spengler getan?!

15. Szene:
Frank Mehlmer geht an den Briefkasten und holt die RP raus. Sucht, findet und liest den Artikel. Erster Gedanke: Was soll der Scheiss? Er regt sich auf, daß Peter Spengler einen solchen Artikel raushaut, ohne überhaupt mit ihm selbst gesprochen zu haben. Nach kurzer Zeit wandelt sich der Zorn in ehrliche Dankbarkeit und Frank Mehlmer entschliesst sich Peter Spengler und der RP einen Leserbrief zu schreiben.

16. Szene:
Frank Mehlmer sinniert über den gesamten Vorgang und fängt an im Rahmen seiner spätpubertären Fähigkeiten den Vorgang pseudointellektuell zu beleuchten. Er entschliesst für sich, auf Grund der vorliegenden Informationen, daß einige Gespräche stattgefunden haben müssen, die mit der Verwaltung der Stadt Wachenheim zu tun haben müssen. Er spekuliert wild. Ein Mister X hat Peter Spengler wohl ein paar Takte zur politischen Arbeit Frank Mehlmers erzählt und Mister X und Peter Spengler haben beschlossen, mal so richtig unjournalistisch und unter der Gürtellinie einen rauszuhauen. Sie vermischen persönliches und politisches und Peter Spengler und Mister X lassen ihrer Wut über den anmassenden spätpubertären Humor, die Fake News der sie aufgesessen sind, der ungenügenden Kommunikation im eigenen Hause, die vielleicht politischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre etc. etc., so richtig freien Lauf. Frank Mehlmer entwickelt eine Verschwörungstheorie.

17. Szene:
Beim Schreiben eines Artikels für den Wachtenblog erscheint im Wohnzimmer Frank Mehlmers ein Licht und ein Nebel. Das Licht wird immer heller, der Nebel lichtet sich und Bruce Willis schreitet aus dem Nebel heraus. Er ist verschwitzt und verblutet. Er ist barfuss, trägt zerrissene Jeans und ein Herrenunterhemd. In der Hand hält er ein Funkgerät und ein Maschinengewehr. Er schaut Frank Mehlmer verständnisvoll und mitleidig an und sagt die Worte, die unseren spätpubertierenden Fake News-Verbreiter mit Freude erfüllen und ihm Hoffnung für all das geben, was noch so kommen mag:

„YIPPIE KAY YAY MOTHERFUCKER“

„YIPPIE EY YEAH SCHWEINEBACKE!“

ABSPANN MIT GETRAGENER MUSIK. ENDE.

Advertisements

In den letzten Monaten habe ich mich relativ rar gemacht auf dem Blog. Der Hauptgrund dafür ist, dass ich ein üppiges Pensum Radtraining durchgezogen habe. Das wiederum war nötig, um einen Radmarathon vernünftig bestreiten zu können, nämlich La Marmotte. La Marmotte gilt neben dem Ötztaler Radmarathon als eines der härtesten Radrennen, das offen für alle ist, die ihre Fitness dafür von einem Arzt attestiert bekommen. In diesem Jahr waren dabei der Col du Glandon, die Lacets de Montvernier, der Col du Mollard, der Col de la Croix de Fer und der legendäre Anstieg von Alpe D’Huez zu bewältigen – über 5100 Höhenmeter auf schließlich 181 km.

Minuten vor dem Start.

Minuten vor dem Start.

Das Profil der Radtour.

Das Profil der Radtour.

7500 Teilnehmer – von vielen Menschen auch Verrückte genannt – starten zwischen 7 und 8 Uhr morgens und gut 4600 (in diesem Jahr) kommen zwischen 13 und 22 Uhr im Ziel an. 47 der Ankommer kommen aus Deutschland (zum Vergleich 1230 aus Dänemark), davon zwei aus Wachenheim.

Drei vom „Team Wachenheim“, Martin Conrad, Christoph Jost und der Schreiber dieser Zeilen standen am Start. Christoph bekam allerdings auf dem Gipfel des ersten Anstiegs, dem Col de Glandon, solche Magenprobleme, dass er umdrehen musste. Da wir eine Wohnung im Zielort gemietet hatte, musste er trotzdem noch nach Alpe D’Huez hochfahren, kam also auch locker auf mindestens 2200 Höhenmeter  bei knapp 80 km. Doch von Anfang an.

Als wir am späten Donnerstagabend unsere Wohnung in Alpe D’Huez bezogen hatten, sind wir noch auf einen Kaffee rausgegangen. Oben im Ort wimmelte es von Marmotte-Teilnehmern – scheinbar alle aus Dänemark, England oder Holland. Und alle in Feierlaune mit Bier und extrem guter Laune. Am Freitag war die Stimmung im Dorf dann komplett anders. Am Tag vor dem Rennen – die Vorhersage wahnwitziger Hitze war inzwischen recht akkurat – stand dem meisten die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Auf dem Platz vor der Halle, in der wir unsere Startnummer abholten, hatten alle namhaften Hersteller rund um den Radsport ihre Stände aufgebaut. Während sich am Donnerstag die Trikot- und Felgenhersteller besonders viel Zuspruch hatten, umlagerten große Schwärme von Radlern und Radlerinnen am Freitag den Powerbar Stand. Powerbar bietet alle möglichen Riegel, Pülverchen und Gels, die Ausdauersportler mit legaler Energie und essentiellen Salzen versorgen. Natürlich haben alle, die bei Marmotte mitmachen, ausreichend dieser Produkte dabei. Doch am Tag vor dem Ereignis scheint alle die Panik zu erfassen und mit dieser Angst macht Powerbar gute Geschäfte. Ich habe zwei Gels gekauft.

Die Lacets de Montvernier von oben.

Die Lacets de Montvernier von oben.

Das Rennen selbst – es gibt eine Zeitnahme, doch die nehmen nur wenige wirklich ernst an diesem Tag – wird eine

Die Lacets von unten.

Die Lacets von unten.

Hitzeschlacht. Die Nachrichten hatten am Abend zuvor die Hitzewelle thematisiert, die am Samstag auch die Alpen voll im Griff haben würde. Der Rat der französischen Fernseharztes war, wenn überhaupt, Sport nur in den frühen Morgenstunden zu betreiben. Als wir am frühen Mittag bei fast 40 Grad unterhalb der zweiten Steigung des Tages standen, wussten wir, dass es ein guter Rat war. Später, auf dem Col du Mollard, war es auf 1630 m noch 33 Grad. Schatten gab es eigentlich keinen, Wasserstellen viel zu wenige. Glücklicherweise waren die Leute unglaublich hilfsbereit: Viele standen mit Gartenschläuchen vor den Türen und haben uns geduscht oder mit Wasser versorgt. Schon am frühen Nachmittag ging es für Martin und mich nicht mehr um irgendeine Zeit, sondern nur noch ums Ankommen im Zeitlimit, und auch das Zeitlimit am Fuß von Alpe D’Huez rückte irgendwann hinter „gesund“ ankommen in den Hintergrund (wir haben das Zeitlimit beide auf den letzten Drücker geschafft).

Ich erinnere mich nicht, jemals so viele Menschen gesehen zu haben, die sich am Straßenrand übergeben haben – und ich bin Rheinländer und habe dort an Rosenmontagen teilgenommen. Krämpfe plagten so richtig viele Teilnehmer, immer wieder schrien Leute, wenn sie Oberschenkelkrämpfe bekamen. Mit Martin hatte ich einen Trink-Kommissar an meiner Seite, der mich in regelmäßigen Abständen ans Trinken erinnerte. Ich schätze, dass ich über den Tag verteilt mindestens zehn Liter Flüssigkeit mit isotonischen Pulvern versetzt getrunken habe. Abends, nach dem Siegerbier, dem Pfalzstoff der Gebrüder Meyer aus Ludwigshafen, konnte ich dann sogar wieder pinkeln. Den Rest der Flüssigkeit habe ich tagsüber ausgeschwitzt.

Diese Gels und Pülverchen halten einen nicht nur länger leistungsfähig, sie bringen den Verdauungstrakt auch gehörig durcheinander. So gehören zu einer solchen Massenveranstaltung nicht nur ein sehr würziger Duft auf der Straße und Fliegenschwärme über langsamen Radlern im Anstieg, sondern auch ein Geräuschpegel wie aus einem Scherzartikellager. Man stelle sich eine vierte Klasse ohne Lehrkörper in der Furzkissenabteilung vor, dann hat man eine recht gute Vorstellung, welche Geräusche sich zu dem Schnaufen und Fluchen der Radler gesellten. Sorgten röhrende Rülpser und Flatulenz in fortissimo am ersten Berg noch für Kommentare und Gelächter, waren sie ab dem zweiten Berg so allgemein verbreitet, dass sie zu einer Art Hintergrundrauschen. Und olfaktorisch? Schwer zu sagen, wir waren ja immer in Bewegung.

Am kommenden Morgen, als wir wieder alle im Bus saßen, kam uns beim Rennen zur Alpe hoch (13 km und fast 1200 Höhenmeter) kam uns die Dreierspitzengruppe entgegen – einer davon war Christoph Fuhrbach aus Neustadt. Den Weltrekordhalter im Höhenmeterfahrer habe ich beinahe jedes Mal, wenn ich an der Kalmit war, dort getroffen. Er wurde schließlich Dritter, ein paar Sekunden hinter dem Sieger.

Jetzt erholen wir uns und hoffen, dass unsere Immunsysteme nicht allzu sehr angegriffen sind. Vor fünf Jahren, als Martin und ich schon einmal – aber bei weniger extremer Hitze – teilgenommen haben, bin ich anschließend heftig krank geworden. Um das zu verhindern, habe ich diemal mehr trainiert und konnte deshalb weniger schreiben, was uns wieder an den Ausgangspunkt dieser Erzählung führt.

Gewimmel am Start.

Gewimmel am Start.

 

 

Heute kamen die ersten Möbel und die nächsten Liefertermine stehen an. Den bissel Kram den wir mitnehmen, karre ich mit nem Hänger rüber.

Es ist schon ein geiles Gefühl, so einen „Neustart“ durch zu ziehen, bin ja nicht mehr der Jüngste. Aber wenn man dann sieht, wie sich jeder einzelne (Lebens) Raum so neu entwickelt und völlig andere Formen annimmt, als das was man seit einer gefühlten Ewigkeit im Gesichtsfeld hatte, wird die Entscheidung immer richtiger. Man lernt „los lassen“ und befreit sich von einigem Ballast des letzten viertel Jahrhunderts. Es ist eine neue Dimension des Denkens und der Perspektiven für mich und der Start ins letzte Viertel des Lebens.

Los lassen; was sich in über 58 Jahren so in Kellern und Garagen und wohl auch besonders im Kopf so angesammelt hat, davon fast 25 Jahre in Wachenheim. Los lassen, auch von Gewohnheiten und völlig banalen Automatismen. Neu denken, fühlen und begreifen; Erinnerungen aber wertschätzen und behalten. Auch das ist Teil der neuen Orientierung.

Sentimentalität kann, nüchtern betrachtet – welch Widerspruch – sehr befreiend sein, weshalb ich diesen kleinen Beitrag hier auch schreibe.

Ich werde dem Blog und den Wachtenbloggern, die ich sehr schätze, immer verbunden sein und auch weiterhin, ab und an, meinen Senf dazu geben. Aus einer anderen Perspektive…..

…..die eines Ruppertsbergers.

*g Wir werden ja eh bald Verbandsgemeindestrukturpolitisch wieder in einem Bett schlafen.