Ich habe lange mit mir gekämpft, genau gesagt drei Tage, ob ich diesen Artikel schreiben soll oder nicht. Einen Artikel über eine Wachenheimer Institution, die lange vor Internet, Facebook und Co. eine ausserparlamentarische Opposition darstellte und mit spitzer Feder die Finger in Wachenheimer Wunden legte, Wachenheimer Augen öffnete, oder dafür sorgte, dass jene nicht verschlossen wurden.

Nach der Lektüre der letzten beiden „Amtsblätter des Hexennachtkomitées Wachenheim/Weinstrasse“, immerhin # 32 und 33, ist mir das vergnügliche Grinsen und manchmal auch schadenfrohe Lachen mehr oder minder im Hals stecken geblieben.
Von den eigenen Ansprüchen hat sich das Hexen-Komitée weit entfernt. Leitlinien wie ’nicht unter die Gürtellinie zu gehen‘ und nicht politisch zu sein wurden locker gerissen. Wie in der letzten Ausgabe eine erkrankte Mitarbeiterin der Gemeinde doof und plump anzugehen, ist schon fast unterirdisch und die kruden Äusserungen zu Asybewerbern und Flüchtlingen sind einfach beschämend und abstossend.Hinzu kommt ein Timbre der Gestrigkeit bei dem immer wieder auf ‚Alte Zeiten‘, ‚Alte Verdienste‘ und ‚Alte Fehden‘ verwiesen wird, mit dem Höhepunkt der Unterscheidung in Alt- und Neubürger Wachenheims. Hier werden Gräben bearbeitet, die es schon lange nicht mehr gibt, bzw. dafür gesorgt, dass Gräben nicht geschlossen werden, die schon längst geschlossen sein sollten(auch ich bin Neubürger und gewählter Stadtrat). Ein gewisser Selbstzweck der Hexen ist hier wohl schwer von der Hand zu weisen, man möchte sich ja nicht selbst überflüssig machen. 
Der Zauberstab ist gebrochen und statt glühender Funken, die auf der Haut brennen kann man nur noch die Geräusche des lauen Lüftchens hören, die aus dem Stumpf dringen und zwischen den Zeilen die gebrochenen Träume der Autoren und Autorinnen wahrnehmen.
Insofern ist das ‚Hexenblatt‘ in der vorliegenden Form für mich ein Anachronismus auf den ich in Zukunft beim Kaffeetrinken an künftigen Maifeiertagen gerne verzichten könnte. 
Umso mehr wäre es mir aber eine Riesenfreude, sollte es den Autoren und Autorinnen gelingen, die eigenen Ansprüche umzusetzen, um wirklich wieder zu werden, was das Hexebleddel mal war.

Ein Quell der ironischen und sarkastischen Kritik, ein Pranger der Wachenheimer Eitelkeiten und, vor allem anderen, ein vergnüglicher Wachenheimer Jahresrückblick.

Seit zwei Jahren gibt es die Facebook-Gruppe „VG Wachenheim-Forum“, die Bürgern der VG Wachenheim die Möglichkeit bietet, alles mögliche über unsere VG zu posten. Ob Veranstaltungen, Hinweise, News, fast alles ist erlaubt und gewünscht. 

Die Gruppe hat mittlerweile 329 Mitglieder(!) und entwickelt sich langsam zu einer Plattform, die mehr und mehr von der Öffentlichkeit angenommen und auch bekannter wird!

Einfach vorbeischauen!

Man freut sich auf jede(n) einzelne(n) und die informativen Beiträge und Meinungen!

Seit geraumer Zeit engagiere ich mich in der kommunalen Politik.

So bin ich Mitglied des Wachenheimer Stadtrates und Mitglied einiger Ausschüsse, wie z.B. des Haupt- und Finanzausschusses, oder des Rechnungsprüfungsausschusses. Ebenso bin ich durch das Ausscheiden von Herrn Lothar Sturm mittlerweile Vorsitzender der Fraktion der WL, der Wachenheimer Liste.

Bevor ich mich politisch zu betätigen begann, bloggte ich hier, dass eine meiner Hauptmotivationen das Kennenlernen des inneren Ablaufes der Politik sei. Und ich darüber bloggen wolle.

Dies habe ich bisher nicht getan.

Dieses Nicht-Tun lag in dem Umstand begründet, dass ich es für wichtig halte, politische Ämter die man begleitet, von der Person zu trennen. Ich wollte und will den Wachtenblog nicht als „Partei-Organ“ einer politischen Vereinigung missbrauchen, bzw. von politischen andersmeinigen Mitstreitern diskreditiert wissen.

Dieses Prinzip breche ich auch weiterhin nicht, da ich nicht über politische Themen bloggen werde, die im Stadtrat der Stadt Wachenheim anhängig sind. Sondern ich werde zum einen über meine realen Erfahrungen schreiben und über meine Meinung, wie ich zur Zeit den Ablauf der ‚grossen‘ Politik im Zusammenhang sehe und werte. Nicht über konkrete politische Vorgänge in Wachenheim.

Nun vor allem bin ich von der Komplexität aller politischen Vorgänge überrascht. Zu allem gibt es ein Gesetz, eine Vorschrift, eine Verfahrensweise die einzuhalten ist. Das geht leider soweit, dass im Rat gefasste Beschlüsse durch Formalien und Formalitäten einfach schon per se verwaltungstechnisch Zeit brauchen um umgesetzt werden zu können. Hinzu kommen dann noch die politisch motivierten Verzögerungen, Verschleppungen und Blockaden… Was zum einen sehr interessant ist, aber auch zu einer gewissen Frustration bei den Stadträten und damit auch bei den Wählern jedweder Couleur führen kann, da sich oftmals der Eindruck bilden kann es gehe nichts voran. Dies sind jedoch nur die stadtinternen Hindernisse. Über die Möglichkeiten und Manöver, die sich auf übergeordneter Ebene bieten, Verbandsgemeinde, Kreis, Land etc. hier zu schreiben, bräche den Rahmen des Artikels. Ist aber noch unbefriedigender, da ja bereits gefasste Entschlüsse des Stadtrates blockiert werden können.

Auch gibt es dem Stadtrat zuarbeitende Gremien. Die von mir o.g. Ausschüsse. In diesen werden Themen vordiskutiert und vorberaten. Die Ergebnisse der Ausschussarbeit werden dann dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt. Dies dient zum einen der Entlastung des Stadtrates, da dieser nicht die gesamte Detailarbeit leisten kann. Allerdings ist es auch so, dass der Stadtrat und somit die Stadträte nicht den Empfehlungen der Ausschüsse folgen muss. Diese sind auch nicht ausschliesslich mit Stadträten besetzt, sondern von den Parteien gibt es eine Mindestanzahl an Räten, die im Ausschuss sein müssen und es gibt, ernannte Mitglieder, die aber nicht zwingend Mitglied des Rates sein müssen. Das können dann in den jeweiligen themenbesetzten Ausschüssen Menschen mit spezifischer Erfahrung sein, aber auch Menschen mit spezifischen Interessen. Hier beginnt eine Politik, die von gewählten Vertretern eines Stadtparlaments gemacht wird, und dem Agieren von Interessensgruppen, die definitiv aus nicht gewählten Vertretern bestehen.

Dies kann dann zu einer Politik der Hinterzimer führen, die ich als politisch interessierter Mensch ablehne, da ich den Stadtrat als das entscheidende Gremium gerade für den politischen Diskurs sehe. Auch die Öffnung der Ausschüsse für den Bürger mit dem neuen Transparenzgesetz reicht hier nicht aus, da die Trägheit des Bürgers, die es aufzubrechen gilt, diesem Transparenzprinzip entgegensteht. So gibt es zum Teil Ratssitzungen bei denen kein einziger Bürger teilnimmt, um sich über das politische Geschehen in Wachenheim zu informieren. Der Schritt in einen der Ausschüsse ist noch ein grösserer, da die öffentliche Wahrnehmung eine noch geringere ist. Die einzige Öffentlichkeit ist ab und an die Presse bzw. eine Zeitung, die ab und an anwesend ist, wenn öffentlichkeitswirksame Themen vorgestellt werden.

Daher muss es meines Erachtens im Interesse aller in Wachenheim aktiven politischen Gruppierungen sein, die Bürger zu motivieren und zu aktivieren, da nur informierte Bürger eine reflektierte Meinung haben können und nicht den populistischen Schlagworten folgen, die von modernen Rattenfängern geflötet werden.

Wie ist es Bürgern, denen es schon auf der untersten kommunalen Stufe extrem schwer fällt, möglich die Stufe zum politisch informierten Bürger zu nehmen, da sie auch auf Grund der Komplexität der politischen Vorgänge überfordert und frustriert sind? Wie ist es für einen ‚Normalbürger‘ möglich hinter die Schlagworte zu schauen, die ihm täglich präsentiert werden?

Und wie ist es dem Bürger möglich hinter die Masken von Politikern zu schauen, die einen Instinkt für die Themen der Bürger haben, diese eben in schöne Schlagworte und Parolen packen, und dem Bürger vorgaukeln schnelle einfache Lösungen zu haben, jedoch nur die Reaktivierung von eigentlich längst überwundenen spalterischen nationalistischen Ansichten haben, die in Europa letztendlich immer nur zu einem geführt haben?

Zum Krieg.

Einfache Lösungen wie Sündenböcke für das ‚Elend‘ in Deutschland zu finden. Die Ausländer, die Flüchtlinge, die Moslems, die Linken. Worte wie Volk, völkisch und Patriotismus(der im übelsten Sinne) werden wieder salonfähig. „Man wird doch mal sagen dürfen“, ist da eine gern genommene Variante. Es wird Symbolpolitik der übelsten Sorte propagiert, mit Flagge, Hymne und selbst die ‚Deutsche Frau‘ wird als Mittel zum Zweck eingesetzt.

Man ersetzt individuelles Recht durch pauschalisiertes Diskriminieren.

Selbst politisch demokratisch Andersdenkenden wird der Patriotismus, der doch so herrlich rechtskonservativ besetzt ist, abgesprochen, es werden Parolen herausgeholt, die seit 40 – 90 Jahren als überwunden galten. Gewachsene Demokratische Parteien werden diskrediert und als Gefahr für die Freiheit stigmatisiert. Und diese Haltungen sind auf allen politischen Ebenen zu finden, in jedem Dorf, in jeder Stadt überall.

Mittlerweile weltweit in den ältesten Demokratien der Welt. In fast allen europäischen Demokratien, was ich als besonders tragisch empfinde, da ‚Europa‘ mit diesen alten Mitteln und Ansichten im Laufe der Geschichte unendliches Leid über die Welt gebracht hat.

Das sind die Pfade, die ein Trump, eine LePen, ein Orban, und wie die mächtigen alle heissen, beschritten haben. Diese Pfade werden aber nicht nur von vermeintlichen kallstädtern Weltpolitikern beschritten. Sondern auch von nicht ganz so grossen.

Diese Folgen, nochmals, können entstehen weil der Bürger sich nicht informiert. Sich nicht politisch bildet. Sich abhalten lässt von Formalismen und Formalien, von komplexen Sachverhalten.

So beginnen die Trumplepfade langsam und klammheimlich in unserem schönen Wachenheim und in jeder anderen kleinen Gemeinde der Welt.

Dort wo es kaum einer denkt, kaum einer wahrnimmt, und dort, wo es am einfachsten zu vermeiden wäre.

Dagegen angehen funktioniert nur mit Engagement.

Mit Engagement des Bürgers und aller bürgerlichen Gruppen.

Und mit Engagement der Politik, die heraustreten muss aus den Hinterzimmern der Parlamente in Wachenheim, in Berlin, in Brüssel, in Sonstirgendwo.

Nach dem gestrigen Anschlag in Berlin gilt mein Mitgefühl den Toten und Verletzten, ihren Angehörigen und Freunden. Meine Besorgnis gilt gleichzeitig vielen Reaktionen auf den Anschlag: Die Gewalttat, die wahrscheinlich von Hass gespeist wurde, ruft weiteren Hass hervor. Überall lese ich Schuldzuweisungen, oft in sehr harscher Form. Wenn Terroristen hinter der Tat stecken, dann passiert jetzt genau das, was sie bezwecken. Unsere Gesellschaft wird weiter gespalten. Ich beobachte die Polarisierung schon in unserem kleinen Wachenheim, da entstehen kleine Risse in Freundschaften. Ein viel größerer Riss geht durch Deutschland, durch ganz Europa. Natürlich muss man über den Umgang mit dem Terrorismus debattieren  – und ihn auch im Kontext der Flüchtlingsbewegungen sehen. Aber wir sind nicht mehr im Dialog, immer mehr schreien wir aus unserer eigenen Filterblase auf die vermeintliche Gegenseite ein. Das löst keine Probleme, das schwächt unsere Gesellschaft. Und genau das wollen terroristische Organisationen mit Gewalttaten erreichen.
Wie wäre es, wenn wir dagegen aufstehen – und zusammenstehen? Wie wäre es, wenn wir am 23. Dezember alle gemeinsam auf die Weihnachtsmärkte gehen? Christen, Moslems, Juden, Buddhisten, Hindus, Atheisten. Seit-Generationen-Hier-Wohnende, Zugereiste, Flüchtlinge. Wie wäre es, wenn wir uns darauf besinnen, dass uns vielleicht einiges trennt, aber viel mehr vereint? Respekt, Menschlichkeit und die Sehnsucht nach Frieden.
Ich habe da einen Traum, aber vielleicht träume ich ihn nicht allein. #Zusammenstehen #Menschlichkeit #23Dezember

Welches Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, also Deutschlands, eignet sich besser für eine Betrachtung des Zustands der Integration von Gastarbeitern, Steuerzahlern und Verbrauchern als unser beschauliches so geliebtes Wachenheim an der Teutschen Weinstrasse?

Metropol-Region des Deutschen Gedankens, Hambach ist nicht weit, und doch eher durch Auswandererwellen als Zuwandererwellen in vergangenen Zeiten geprägt, sind die Laborbedingungen für eine weitreichende Betrachtung in unserer so geliebten Heimat erhalten geblieben.

Zugewandert sind meistens junge teutsche hoffnungsvolle Familien aus anderen Regionen teutscher Siedlungsgebiete, da sie in Zeiten der beruflichen Mobilität, Ihrer Führungsaufgabe bei großen Unternehmen in der Region nachgehen und somit ihre bürgerlich-teutschen Verpflichtungen dem deutschen Volk gegenüber mit Kraft und Freude erfüllen. Beseelt vom römisch-christlichen Weltbild gepaart mit dem Erbe nordischer Tugenden, pflegen diese die Werte der teutschen Familie, indem sie die klassische teutsche Familienordnung gegen widrige Umstände aufrecht erhalten. Das Weibe ist der Leuchtturm der Familie, der die inneren Werte und die innere Stärke vermittelt, und nach aussen strahlt. Die Orientierung in dieser so orientierungslosen Zeit. Auf Basis dieser Werte, denkt die Gau-Verwaltung darüber nach, die Betreuung durch Kindergarten und Hort, diesen Brutstätten bolschewikischen Gedankengutes, abzuschaffen, da die familiären Werte dort vermittelt werden, wo sie vermittelt werden müssen. Im Schoße der Familie.

In diesem Schoße fühlt sich auch der Herr im Haus sehr wohl, daher auch der Kinderreichtum in unserem so geliebten Wachenheim. Durch die vielfältigen Schoßaktivitäten von Vater und Mutter, von Weib und Gatten, und die besondere Zusammensetzung der so geliebten Wachenheimer Luft, ist der Bestand des Teutschen in unserem so geliebten Wachenheim gesichert.

Diesen urteutschen Tugenden in unserem so geliebten Wachenheim wird nun aber von höchster Stelle entgegengearbeitet. Es muss „integriert“ werden. Warum wollen die Vertreter dieser korrupten, selbstherrlichen und vom internationalen, so genannten „europäischem“ Gedanken durchseuchten Regierung in unserem, so geliebten Wachenheim integrieren?

Bei uns, in unserem, so geliebten, Wachenheim haben wir keinen Integrationsbedarf. Folgende Fakten sind zur Kenntnis zu nehmen:

Die Gefahr einer Durchrassung durch Integration unserer slawischen Gäste ist nicht gegeben. Die von unseren Winzern bezahlten Löhne für unsere slawischen, u.a. aus dem Protektorat Böhmen und Mähren, Ostpreussen und sonstigen aus dem deutschen Osten stammenden, Freunde sind so gestaltet, dass ein dauerhaftes Leben in unserem so geliebten Wachenheim, für diese Freunde nicht möglich ist. Die klassischen Siedlungsgebiete befinden sich u.a. in Richtung Bad Dürkheim, auch der anderen herrschenden sozialen Struktur in Bad Dürkheim verdankend. Für unser so geliebtes Wachenheim von Vorteil ist auch die geographische Nähe Bad Dürkheims und die billigen Fahrräder, die dort erworben werden können.

Da das in unserem so geliebten Wachenheim eingesetzte Hauspersonal eben aus unseren östlichen ehemaligen Siedlungsgebieten kommt und damit auch die gleichen Löhne wie die Freunde im Wingert bekommt, fließen die hier eingesparten Mittel, deutsches Hauspersonal ist teuer und es ist unwürdig für eine deutsche Frau zu putzen, zudem viel zu anstrengend, das gefährdet die Gebärfähigkeit, wiederum direkt in die heimische Weinindustrie, die damit einen herausragenden Beitrag zur Stabilität der Folkswirtschaft leistet. Auch die damit eingesparten Steuern werden wieder in Weinkonsum investiert. Ein wirklich ausgefeiltes System, da auch die Vertreter der Folksgesundheit hier den wirtschaftlichen Erfolg finden, indem sie Medikamente zur Leberregeneration zur Verfügung stellen.
Zudem ist es unseren Freunden, die in den Wingerten und Haushalten arbeiten, möglich Ihre Rechnungen beim Arzt privat zu bezahlen und somit die bestmögliche Gesundheitsversorgung zu erhalten, die Ihr Gastgeberland zu bieten hat, da sie nicht diese ganzen so komplizierten Karten haben, die sie gar nicht lesen können und mit denen man lediglich die Basisversorgung bekommt. Einige unserer engagiertesten Mediziner bieten mittlerweile sogar schon eine Ratenzahlung für unsere Gäste an, damit diese ganz ohne Versicherung auskommenden Gäste, auch noch den letzten Pfennig wieder in unsere Folkswirtschaft pumpen.

Also, Integration ist doch ein Thema von gestern!!

Wer in Metropolen wie Berlin oder München lebt, hat jede Woche die Wahl zwischen einer Vielzahl kultureller Veranstaltungen (und macht nicht unbedingt Gebrauch davon, wie ich mal zwei Monate lang in Berlin festgestellt habe). Je kleiner die Stadt, desto übersichtlicher wird das Angebot. Nun ist Wachenheim eine sehr kleine Stadt, doch wir haben großes Glück: Engagierte Vereine organisieren hier immer wieder Auftritte von tollen Künstlern, für die man sonst weit fahren müsste.

Dieses Wochenende gab es in Wachenheim ein richtig volles Musikprogramm: Freitag brachte der Kulturverein den weltbekannten Pianisten Justus Frantz für zwei Konzerte in die Kulturscheune. Samstag gastierten die Ensembles 4nmore.de und newlife-quartet.de auf Einladung der Stadt Wachenheim in der Stadthalle. Sie sangen Barbershop – vierstimmige A-Capella-Musik, die ihren Ursprung in den USA hat. Und für den Sonntagnachmittag hat der Badehaisel-Verein alpenländische Weltmusik mit Fei Scho an den Weiher geholt. Immerhin zur Hälfte der Konzerte haben wir es geschafft.

Mit Justus Frantz hat der Kulturverein wieder einmal einen Künstler mit großem Namen für Wachenheim gewonnen – wie auch schon Christian Ehring, der im Frühjahr eine Vorpremiere seines neuen Programms in der Lutherischen Kirche gegeben hat. Wie schafft man das? „Ich habe einfach bei seinem Büro angerufen,“ erzählte der Vorsitzende Martin Pfeiffer. Eine gute Location braucht es natürlich auch. Die Kulturscheune des Weinguts Bürklin Wolf hat Justus Frantz so gut gefallen, dass er sie glatt in das von ihm gegründete Schleswig-Holstein-Musikfestival integrieren würde, wenn sie weiter nördlich stünde.

Justus Frantz‘ Anliegen ist es immer noch, klassische Musik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. So war es ihm wichtig, vor dem Klavierabend ein Kinderkonzert zu geben.  Hier spielte er nicht nur für die jungen Zuhörer, sondern bat auch die Wachenheimer Nachwuchsmusiker auf die Bühne. Da fast jedes Kind im Publikum selbst Klavier spielt, trauten sich einige an den Konzerflügel und konnten erleben, wie es sich anfühlt, vor 150 Menschen zu spielen.

Beim Klavierabend haben wir Justus Frantz erlebt. Auch hier ging es ihm um Zugänglichkeit: Zum einen hatte er von seinen „Stammkomponisten“ Mozart, Beethoven und Chopin bekannte und eingängige Werke ausgewählt. Zum anderen beschränkte er sich nicht aufs Musizieren, sondern gab in seinen Ansagen auch spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichten der Stücke. Zu Mozarts Sonate in A-Dur etwa erzählte er von der Hoffnung des Komponisten, dass sein Werk auf eine gute Resonanz treffen und ihm so eine Anstellung als Hofkomponist verschaffen könnte.

Sehr nahbar zeigte sich Justus Frantz auch in der Pause. Statt sich in der Abgeschiedenheit seiner Garderobe auf den zweiten Teil seines Auftritts vorzubereiten, stand er im Hof und plauderte mit den Gästen. Als er nach der Pause die ersten Takte von Beethovens Mondschein-Sonate spielte, gingen wohlige Seufzer durchs Publikum. Auch mir hat dieser Teil des Programms am besten gefallen – und das obwohl ich zwar ein Fan von klassischer Musik, nicht aber von diesem Komponisten bin. Entweder hat meine Mutter Recht, die vor gut 20 Jahren mal meinte, für Beethoven müsse man erst alt genug werden. Oder Justus Frantz war auch bei mir mit dem Näherbringen erfolgreich.

Das zweite Konzert haben wir heute im Badehaisl erlebt. „Fei Scho“ ist eine fünfköpfige Band aus dem Münchner Raum. Sie nennen ihre Musikrichtung alpine Weltmusik. Tatsächlich ist sie hörbar verwurzelt in den Traditionen des Alpenraums – von Instrumenten wie Akkordeon, Tuba und auch mal Hackbrett bis hin zu musikalischen Formen wie Landler, Walzer und Jodler. Mit großer Kreativität und Spielfreude kombinieren Fei Scho das mit einer Vielfalt von anderen Einflüssen: böhmische Harmonien, Bossa-Nova-Rhythmen und jazzige Improvisationen.

Fast jedes Stück erzählt eine Geschichte – manchmal im Text, oft erfahren wir sie in der Ansage der Instrumentalstücke. So wurde zum Beispiel die „Polka15Suppenslalom“ inspiriert von der Tochter von Bassistin Anschi Hacklinger, die beim Suppe-Essen mühsam die Gemüsestücke auf den Tellerrand schob. „Astromat“ ist der Soundtrack einer Autowerbung für einen futuristischen fliegenden Teppich, den sich die Söhne des Akkordeon-Spielers Helmut Sinz ausgedacht haben.

Der Spaß beim Zuhören wird noch dadurch gesteigert, dass da richtig tolle Musiker auf der Bühne stehen. Als Gitarristen-Frau schaue ich immer zuerst auf die Person an den sechs Saiten. Das akzentuierte Spiel von Martin Lidl, der seine Jazzgitarre auch mal richtig rocken lässt,  hat mir sehr gut gefallen – genauso wie die gute Stimmung, die er von der Bühne ins Publikum gibt. Helmut Sinz zeigte eine beeindruckende Bandbreite am Akkordeon. Robert Alonso steuerte entweder mit der Tuba die Basstöne bei, oder er brillierte an der Trompete. Anschi Hacklinger machte mir eine besondere Freude, als sie nach tollem Spiel an Kontrabass und Melodika für ein Stück zum Hackbrett griff. Wenn man dieses Instrument mal aus der Musikanten-Stadl-Atmosphäre herauslöst, klingt es wunderschön. Die meisten Instrumente an diesem Nachmittag hat wohl Percussionist Schorsch Karrer gespielt, da waren auch mal Conga und Glockenspiel dabei – und er sorgte immer für einen spannenden, auf-den-Punkt-wirbelnden Abschluss der Stücke.

Ich finde es toll, dass der Badehaisel-Verein immer wieder so ungewöhnliche und virtuose Bands nach Wachenheim holt. Schade war, dass die schlechte Wettervorhersage wohl einige Musikfans abgeschreckt hat. Wer gekommen war, hatte umso mehr Spaß. Und bekam von der Band den Auftrag, den Feiglingen zu erzählen, was sie verpasst haben – was ich hiermit erledigt habe :-).

Wachenheims Wasserball steckt in einer Krise. Wer sich mit den Gründen für den desolaten Zustand der aquatischen Sportart vor Ort beschäftigt, sieht hier die Hauptursache. Wachenheims zentrales Trainingsbecken droht vollends zu verlanden. Gerade mal 15% der Sportstätte sind tief genug, um den Männern und Frauen mit den aparten Badekappen zufriedenstellende Übungsbedingungen zu bieten. Vor dem diesseitigen Tor auf diesem Bild können inzwischen Bachstelzen stelzen, wie unmittelbar bevor diese Aufnahme gemacht wurde. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden, soll nicht ein neuer Tiefstand bei der Mitgliederzahl erreicht werden. Wachenheims Wasserballer verdienen besseres – wie sonst könnte dereinst Spandau Berlin herausgefordert werden.WP_20160623_09_26_41_Pro[1]