Ein Wagnis war es schon: Weil der Verein nicht mit den Pächtern der Wachenheimer Stadthalle einig wurde, verlegte der FC Bächel seine diesjährigen Veranstaltungen nach Gönnheim, in die Festhalle des TV Frohsinn. Die bange Frage vor Beginn der heutigen Kinderfastnacht: Würden auch die Wachenheimer Eltern mit Ihrem Nachwuchs den Weg in den übernächsten Ort finden?

Sie fanden ihn, und es hat sich gelohnt. Die Karnevalsabteilung des FC Bächel setzte ihr Motto „Kinder in den Vordergrund“ wieder mit einer sehr gelungenen Veranstaltung um. Die jungen Fastnachtsfans konnten sieben verschiedene Gruppen beim karnevalistischen Tanz erleben. Zwischendurch hatten die Prinzessinnen und Cowboys, Pipi Langstrumpfs und Polizisten viel Zeit, selbst zu Stimmungsmusik zu hopsen. Besonders laut wurde es immer, wenn Sitzungspräsidentin Petra Heberlein und andere Aktive mit Körben auf die Bühne traten und die „Helau“-Rufe der Gäste mit Bonbonregen belohnten.

Mir hat ja schon die erste Kinderfastnacht des FC Bächel sehr gut gefallen. Dieses Jahr bin ich noch ein Stück mehr beeindruckt von dem Engagement der Aktiven. Die Bühne hatten sie passend zum Wildwest-Motto der Session in einen Saloon verwandelt. Alle Garden – von den Minis bis zur Ü15 – zeigten tolle Auftritte. Besonders begeistert hat mich das junge Tanzpaar. Lewin (10) habe ich ja das erste Mal 2013 gesehen. Seit knapp einem Jahr tanzt er mit Melina (8), und ich habe echt gestaunt über die Harmonie und den Spaß, der bei ihrem Auftritt rüberkam. Mit der Begeisterung bin ich nicht allein: Sie sind amtierende Vize-Pfalz-Meister und haben sich die Qualifikation zu den Süddeutschen Meisterschaften in Stuttgart ertanzt. Dort starten sie am 20. Februar – ich werde ihnen die Daumen drücken.

Der Gönnheimer Turnverein „Frohsinn“ unterstützte die Bächel-Fastnacht nicht nur als Gastgeber – zum Beispiel durch sehr netten Service und faire Getränkepreise – sondern verstärkte auch das Männerballett der Wachenheimer. Als Cowboys und Salontänzerinnen rockten sie die Bühne. Die Zuschauer verlangten begeistern nach einem Encore – mussten jedoch verzichten.  „Die Zugabe ist nicht ganz jugendfrei“ erklärte Petra Heberlein. Sie wurde am Vorabend bei der Prunksitzung den Erwachsenen gezeigt.

Zum gr0ßen Finale kamen alle Beteiligten noch einmal auf die Bühne. Tänzer und Tänzerinnen, Trainerinnen, Confroncier und Präsidentin – da konnte man sehen, wie viele engagierte Menschen hinter so einem schönen Nachmittag stecken.

Chapeau, Danke und auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

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„Kinder in den Vordergrund“ – so lautet das Motto des neuen Wachenheimer Karnevalsvereins, oder genauer gesagt der Abteilung Karneval des FC Bächel. Getreu diesem Anspruch haben die Fasnachter in der ersten Session ihres Bestehens nicht nur eine Prunksitzung, sondern auch eine Kinderfasnacht auf die Beine gestellt. Und damit ist ihnen eine ganz wunderbare Veranstaltung gelungen.

Als meine Jüngste und ich in die Stadthalle kamen, waren schon eine Menge Kinder da. Im Laufe des Nachmittags füllte sich der Saal weiter mit Prinzessinnen und Feen, Indianerinnen und Cowboys, Rittern und Ninja-Kriegern, Pipi Langstrumpfs und Harry Potters. Die Eltern und Großeltern saßen an langen Tischen, manche komplett verkleidet, andere zu meiner Erleichterung (schließlich war mein Versuch einer 10-Minuten-Hippie-Verkleidung-mit-wintertauglichen-Bordmitteln nicht wirklich als solcher erkennbar) aber auch „in Zivil“.

Pünktlich um 14:11 Uhr startete das Programm. Präsidentin Petra Heberlein ließ die Garden einmarschieren. Und damit die Gäste gleich sehen konnten, dass Karneval nicht nur etwas für die Großen ist, startete das Kindertanzpaar Valerie (4) und Lewin (7), gefolgt von Tanzmariechen Jasmin. Die tollen Darbietungen ließen keineswegs vermuten, dass der Karnevalsverein erst seit weniger als einem Jahr besteht.

Zwischen den Tanznummern gab es immer wieder genug Zeit, in der die jungen Gäste sich in dem großzügigen Freiraum vor der Bühne selbst zur Fastnachstmusik austoben konnten. So tanzten die Kids ausdauernd zu „Cowboy und Indianer“, „Biene Maja“ und „So a schöner Tag“ (was auch ein passendes Motto für den Nachmittag in der Stadthalle war) . Und wer sich noch nicht so ganz allein traute, den luden die netten Gardemädels in die Polonaise ein. Hungrig und durstig musste auch niemand bleiben – zu sehr fairen Preisen gab es zum Beispiel leckere Kuchen und liebevoll dekorierte Muffins.

Und kaum saßen wir mit einer frisch gebackenen Waffel am Tisch, kam schon die nächste Tanznummer. Ich bin bestimmt keine Expertin für Gardetanz, aber schon die Juniorengarde (bis 14 Jahre) fand ich super mit ihrer Mischung aus Gelenkigkeit und fröhlichem Schwung. Und während die jungen Mädels mit dem Spagat als krönendem Höhepunkt schlossen, bauten die Tänzerinnen der Aktivengarde später dieses Element schon am Anfang ihres beeindruckenden Tanzes ein.

Wie schafft man es, so etwas in weniger als einem Jahr auf die Beine zu stellen? Wie Präsidentin Petra Heberlein mir erklärte, haben die FC-Bächel-Fasnachter nicht von Null anfangen müssen. Die meisten Mädels hatten vorher bei einem Dürkheimer Verein getanzt, waren dort aber nicht glücklich. Die Mütter nahmen die Sache in der Hand und suchten eine neue karnevalistische Heimat für ihren Nachwuchs. Da es familiäre Bande in den Vorstand des 1978 als Theken-Fußballmannschaft gegründeten FC Bächel gab, fragten sie dort an, und die Freizeitkicker waren einverstanden mit einer Abteilung Karneval.

Für die Gäste der Kinderfastnacht ist wahrscheinlich schwer vorstellbar, wie viel Engagement hinter so einer Veranstaltung steht. Da hat es mir gut gefallen, dass am Ende auch die, die im Hintergrund wirken, auf die Bühne gerufen und mit Orden ausgezeichnet wurden: von Trainerinnen Sandra Leibfried (Garden) und Julia Kohler (Kindertanzpaar) über den DJ (danke für Rucki-Zucki, das habe ich ewig nicht gehört!) bis zu den Kuchenbäcker- und Verkäuferinnen und den vielen Helfern bei Auf- und Abbau. Beeindruckend finde ich auch den Einsatz der Mütter für den Verein: Sie haben ehrenamtlich eine Waldgaststätte bewirtschaftet, um die 6.000 Euro für die geschneiderten Gardeuniformen aufzubringen.

Der gelb-rot-schwarze Look war für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, weil er auf mich etwas deutsch-national wirkte (angesichts unserer Geschichte bin ich leider nicht ganz unbefangen im Umgang mit nationalen Symbolen). Ziel der Farbwahl war aber laut Petra Heberlein, dass die Tänzerinnen auffallen. Und wenn Sie sich das Wachenheimer Stadtwappen ansehen und die (wohl aus bayrischer Zeit stammenden) weiß-blauen Rauten wegdenken, welche Farben bleiben da? Richtig, Gelb, Rot und Schwarz.

Als gelb-rot-schwarze Farbenblitze wirbeln die Gardetänzerinnen über die Bühne - den Wachenheimer Kids gefällt's.

Als gelb-rot-schwarze Farbenblitze wirbeln die Gardetänzerinnen über die Bühne – den Wachenheimer Kids gefällt’s.

Nach der Erfahrung mit dem Dürkheimer Verein ist es den FC-Bächel-Fastnachtern besonders wichtig, ihren Karneval auch an den Bedürfnissen der Kinder auszurichten. Das ist ihnen heute hervorragend gelungen. Die ganze Veranstaltung strahlte eine herzliche und liebevolle Atmosphäre aus, die auch uns Eltern sehr gut gefallen hat. Die Präsidentin hatte mit ihren launigen und auch für die Kleinsten gut verständlichen Ansagen die volle Aufmerksamkeit der Kids. Die mit Nachthemd und langer Nachtmütze verkleidete Dame hinter dem Buffet wartete mit Engelsgeduld den komplizerten Kuchen-Auswahlprozess meiner Tochter ab, und ein FC-Bächel-Vorstandsmitglied plünderte die Saaldekoration, damit die Kinder Luftballons zum Tanzen hatten.

Auch der tänzerische Höhepunkt der Kinderfastnacht wurde an die jungen Gäste angepasst. Bevor die Showtanzgruppe auf die Bühne kam, erklärte die Präsidentin den Kindern die Nebelmaschine und bereitete sie auch auf das etwas gruselige Aussehen der Tänzerinnen vor: „Das sind die selben Mädels, die Ihr eben schon auf der Bühne gesehen habt. Wenn die sich nachher waschen, sehen sie wieder ganz normal aus.“ Außerdem hatten die als Zombies gestylten Tänzerinnen bei ihrem Make-Up auf die aufgeschminkten Blutspuren verzichtet, so dass sie nicht so furchterrengend wirkten wie auf Fotos von anderen Auftritten zu sehen. Und so hieß es nach der Darbietung auch: „Hattet Ihr Angst?“ – „Nein!“ – „Hat’s Euch gefallen?“ – „Jaaaa!“ – „Dann sehen wir uns im nächsten Jahr wieder?“ – „Jaaaa!“

Immer an Weiberfastnacht merke ich, dass Rheinland-Pfalz aus dem Rheinland und der Pfalz besteht. Ich bin in Andernach aufgewachsen, ziemlich im Norden von Rheinland-Pfalz, für die Wachenheimer FWG also ein ganz, ganz Fremder. Karnevalistisch ist Andernach sehr von Köln geprägt, am Donnerstag vor Rosenmontag bestimmt daher die Weiberfasnacht das öffentliche Leben. In den Schulen ist an ernsthaften Unterricht nicht zu denken, wer bei einem Amt anruft, erntet Sprüche und Gelächter, wenn überhaupt jemand ran geht. Die Kneipen sind ab morgens um 11 voll, die Kundschaft wenig später. Abgesehen vom zwanghaften Druckbetanken der Jugend ist die Atmosphäre meist locker.

Etwa so, wie hier bei den Weinfesten. Das wiederum können die Rheinländer nicht. Karneval in der Pfalz wirkt dagegen auf mich so spontan wie der Wiener Opernball. Nicht so in Wachenheim natürlich. Hier gibt es Kappensitzungen das ganze Jahr und die Qualität ist so hoch, dass letztlich auch der lokale Frohsinnsverein, die Stoppezieher, kapitulierten und die Selbstauflösung beschlossen. Wie soll ein Verein einen Saal füllen, wenn die Leute alle paar Wochen karnevalistische Perlen geboten bekommen.

Auch unter dem neuen Sitzungspräsidenten Bechtel gehen den Narren die Einfälle nicht aus. Da ist zum Beispiel das Duo „Die Duellanten“, die sich auch in dieser Session, die man hier auch Legislaturperiode nennt, ihre traditionellen Wortgefechte ohne Raumgewinn liefern. Auch der „Ewige Schweiger“ schweigt weiter, konterkariert vom „Eloquenten Vielbabbler“.  „Der Professor“ bringt die weite Welt ins Spiel, „Der Detaillist“ findet das Haar in jeder Suppe. Wen wundert es, dass bei so viel komödiantischen Urgestein der Nachwuchs eher verhalten vom Recht auf eigenen Redebeiträge Gebrauch macht. Atmosphärisch könnte die ein oder andere Sitzung auch als Stunk-Sitzung bezeichnet werden, der Name ist aber schon vergeben. Zwar beschränkt sich der neue Sitzungspräsident auf die Moderation und legendäre Nummer wie „Die Matrix“ oder „Die vorgezogene Bürgerbeteiligung“ gab es nun schon seit einer Weile nicht mehr. Wenn es aber fürs Publikum der Wachenheimer Kappensitzungen außer erstklassiger Unterhaltung auch noch Wein und Salzstängchen gäbe, könnte „Mainz wie es singt und lacht“ sich schon mal von seinem Sendeplatz verabschieden.

Und so ist auch der Rheinländer mit dem hiesigen Fasching der lokalen Ausprägung versöhnt und kann auf spontanen Straßenkarneval und Bützchen verzichten.