Die schlechte Nachricht zuerst: Auf der heutigen Sitzung im Wachenheimer Stadtrat ging es – anders als in der heutigen Rheinpfalz angekündigt, nicht um Supermarkt-Standort. Der steht erst morgen beim Verbandsgemeinderat auf der Tagesordnung. Genauer gesagt das Einzelhandels-Gutachten, dessen Inhalt nun endlich Verbandsgemeinde-Bürgermeister Udo Kittelberger gegenüber der Rheinpfalz bekannt gab. Kurzfassung: Es sind jetzt offiziell, nach Beratung mit den übergeordneten Behörden, nur noch drei Standorte für einen Vollsortimenter in der Betrachtung:

  • Oberstnest, wo auch die Planer einräumen, dass es einen Konflikt wegen der Nähe zu Schule, Friedhof und Schwimmbad gibt
  • Neustück Süd, wo allerdings das Neubaugebiet „Am Schwabenbach“ entstehen soll
  • Bischofsgarten, wo ein Standort weiter verfolgt werden kann, wenn keiner der innerörtlichen Standorte umsetzbar ist

Hierzu wird es sicher morgen im Verbandsgemeinderat ausführliche Diskussionen geben. Dazu ganz unten mehr.

Heute im Stadtrat ging es unter anderen um ein weiteres Grundstück, das einmal für den Supermarkt im Gespräch war: Für das Pfortenstück wurde nun der Bebauungsplan vorgestellt, der Wohnhäuser und eine großzügige öffentliche Grünfläche vorsieht. Hier einige Eckpunkte des Planungsentwurfs:

  • Das Gebiet wird als allgemeines Wohngebiet definiert. Daher dürfen sich neben der reinen Wohnnutzung auch Freiberufler wie Steuerberater oder nicht-produzierende Gewerbetreibende wie IT-Unternehmer niederlassen. Ein Cafe oder touristische Nutzung wie z. B. Ferienwohnungen sind nicht erlaubt.
  • Geplant sind 10 freistehenden Einfamilienhäuser und vier Doppelhaushälften.
  • Die Grundstücke sind eher großzügig: Mindestens 400 qm für ein Einzelhaus, mindestens 300 qm für eine Doppelhaushälfte.
  • Die Häuser sollen zwei volle Geschosse haben. Maximale Wandhöhe ist 6,50 m, die maximal Firsthöhe beträgt 9,50 m.
  • Die Häuser ziehen sich entlang der westlichen und nördlichen Grenze des Pfortenstücks – dort verläuft auch eine neue Straße zur Erschließung.
  • Zur Stadtmauer hin bleiben 3.340 qm frei als öffentliche Grünfläche. Zusammen mit den zu dieser Seite liegenden Gärten der Häuser entsteht hier eine Menge Grün.
  • Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass die Wohnhäuser nur Mauern bzw. Zäune von maximal 1,20 m Höhe haben dürfen, die noch dazu von Hecken oder Sträuchern optisch verhüllt sein müssen (Planer Hammer: „wir wollen keine Mauern oder Zäune sehen“). Außerdem muss pro 300 qm Grundstück ein Baum im Garten gepflanzt werden.
  • Trotz des abfallenden Geländes sind Aufschüttungen und Eingrabungen nur sehr eingeschränkt erlaubt, so dass die Topographie oder – wie Herr Hammer es viel schöner ausdrückte – „der städtebaulich gewollte Schwung“ des Geländes erhalten bleibt.
  • Die Entwässerung des abschüssigen Geländes soll nicht über die Privatgrundstücke, sondern über die öffentliche Grünfläche erfolgen. Dazu wird der Boden ausgehoben und eine ca. einen Meter dicke Kiesschicht eingefüllt (oben und unten mit Vließ eingefasst). Darauf kommt wieder Mutterboden, oben wird Gras gesät. Auf dem Gelände können auch Bäume wachsen, und es sind verschiedene Arten der Nutzung denkbar. Zum Beispiel könnte die Fläche Gegenstand der gerade laufenden Spielleit-Planung werden. Das alles ist aber schon viele konkreter, als es ein Bebauungsplan beschreiben muss.

Insgesamt hob Bürgermeister Torsten Bechtel hervor, dass die Planer (Herr Hammer und Herr Niendorf) sehr akribisch gearbeitet und enorm viele Belange berücksichtigt hätten. Obwohl es heute nur darum gehen sollte, den Bebauungsplan offen zu legen und damit den Prozess der Bürgerbeteiligung sowie der Abstimmung mit den Behörden zu starten, entspann sich eine Diskussion um die Punkte, die derzeit gar nicht genau festgelegt werden müssen.

Dabei lag den Stadtratsmitgliedern vor allem die Entwässerung des Pfortenstücks am Herzen. In den Fragen ging es um Details wie die Lage und Art des zuführenden Wasserrohrs oder die Haltbarkeit der Kiesschicht. Angesichts der wortreich vorgetragenen Skepsis merkte Marcus Scholz (CDU) gewohnt süffisant an, es sei doch spannend, wie engagiert jetzt die Entwässerung des Geländes diskutiert werde – sie sei doch sicherlich besser als bei dem einstmals angedachten Supermarktparkplatz. „Wie primitiv“ kam da als Kommentar von zwei Zuschauern, die eindeutig dem Nagel-Lager zuzuordnen sind. Machmal sagt ein Kommentar nicht nur etwas über den Kommentierten, sondern auch über den Kommentierer.

FWG-Fraktionsvorsitzender Arnold Nagel selbst griff auf eine seiter Standard-Taktiken zurück und versuchte, die Entscheidung zu blockieren. Er beklagte sich darüber, dass er die 50-seitigen Unterlagen erst drei Tage vor Sitzungstermin erhalten habe. Er fragte, ob denn noch eine Vorberatung in den Ausschüssen (Finanz und Bau) geplant sei – er fühle sich nicht in der Lage, jetzt abzustimmen.

Endlich einmal kam Gegenwind aus der SPD. Jürgen Bohl widersprach dem Altbürgermeister. Nicht nur seien die Pläne ausführlich im Bauausschuss besprochen worden. Er sei auch positiv überrascht, wie detailliert und durchdacht die Planung jetzt schon sei, und wie gut die Anmerkungen aus der Ausschuss-Diskussion in der nun vorgelegten Fassung aufgenommen worden seien. Rolf Kley (auch SPD) betonte, mit der Offenlegung des Bebauungsplans gehe die Stadt ja nur den ersten, notwendigen Schritt. Man bleibe weiterhin Herr des Verfahrens und könnte die Planung im Einzelnen noch beeinflussen.

Als es zur Abstimmung über die Offenlegung des Bebauungsplans ging, votierten nur Arnold Nagel und Rainer Lucas von der FWG dagegen, Andreas Berger (FDP) enthielt sich. Alle anderen stimmten dafür.

Es ist ein gutes Zeichen, dass die Verneinungs- und Blockade-Front im Wachenheimer Stadtrat bröckelt. Die komplette SPD-Fraktion sowie Nicola Räch und Annette Weber von der FWG stimmten für die Offenlegung.

Auch bei der nachfolgenden Beratung des Wachenheimer Doppel-Haushalts 2013/2014 zeigte sich eine beginnende Isolation Arnold Nagels. Zwar lobte er die Verwaltung für die vorgelegten Planzahlen. Danach bemängelte er aber, die Planung ließe keinen Spielraum, um dem demografischen Wandel gerecht zu werden oder den Tourismus zu fördern. Auch hier widersprach Rolf Kley: Der Haushalt enthalte viele Investitionen in die Zukunft. z. B. für die Küche in der Kindertagesstätte Pusteblume oder die Spielleitplanung. Für die Wiese zwischen Schwimmbad und Kirche – nebenbei wurde klar, dass sie als besonders gefördertes Starter-Projekt in der Spielleitplanung angegangen werden soll – sei ein Generationentreff angedacht. Die historische Stadtentwicklung (von Torsten Bechtel besonders vorangetrieben) trage zur Belebung der Innenstadt bei, von der besonders ältere Mitbürger profitierten. Zum Thema Tourismus hob er hervor, dass jeder Euro für die Wachtenburg eine Investition in den Fremdenverkehr ist. Außerdem plane die Stadt 220.000 Euro für Tourismusförderung – nur für Tourist-Info u.ä., die Investitionen in Wachtenburg und andere historische Gemäuer sind nicht enthalten.

Walter Disteldorf (CDU) schlug dann auch die Brücke zur morgigen Sitzung: Da 85% der Ausgaben in Verbandsgemeinde-Umlage, Personalkosten, Zinsen und andere nicht beeinflussbare Posten flösse – und man bei den Sozialausgaben schon sehr sparsam geplant habe –  könnte man nur über mehr Steuer-Einnahmen zu einem ausgeglichenen Haushalt kommen. „Leider fließt unsere Kaufkraft noch nach Deidesheim und Bad Dürkheim. Wir brauchen hier einen Vollsortimenter, und wir müssen das Gewerbegebiet auf den Weg bringen.“

Morgen wird es also richtig spannend. Auch von der Verbandsgemeinderatssitzung plane ich wieder zu bloggen. Hier schon  eine kurze Prognose:

  • Da die Ringstraße aufgrund städtebaulicher Belange abgelehnt wurde, werden die Verfechter dieses Standortes nun einen Supermarkt am Oberstnest fordern.
  • Ausnahme von dieser Regel wird Wolfgang Hick von der CDU sein. Er wohnt an der Friedelsheimer Straße und hätte vom Standort Oberstnest mehr Verkehr entlang seines Grundstücks zu befürchten.
  • Wenn die Formulierung zum bestehenden Rewe-Standort am Kreisel genauso schwammig ist wie die Zusamenfassung in der Rheinpfalz, werden sich Andreas Berger von der FDP sowie die FWG auf einen Vollsortimenter an diesem Standort fokussieren. Torsten Bechtel wird wieder einmal erklären, dass diese Lösung weder von Rewe noch von den Eigentümern der Immobilie gewollt wird. Daraufhin wird Arnold Nagel ein anders lautendes Schreiben eines der Beteiligten aus den vergangenen Jahrzehnten aus dem Ordner ziehen.
  • Die Bürgermeister von Friedelsheim und Ellerstadt werden behaupten, ein Supermarkt im Bischofsgarten würde das Aus für einen Markt zwischen ihren beiden Orten bedeuten. Eventuell traut sich dann jemand, ihnen zu sagen, dass dieser Markt ein Wunschtraum ist, für das sich seit vielen Jahren kein Investor findet.
  • Da mit Annette Weber eine kritische, nicht automatisch mit Arnold Nagel abstimmende Rätin ausgeschieden ist (warum geben eigentlich immer die Klügeren nach?), wird die FWG geschlossen gegen die Stadt Wachenheim und den Bischofsgarten stimmen.
  • Die große Unbekannte ist für mich die SPD. Heute habe ich erste Anzeichen dafür gesehen, dass sich die Sozialdemokraten von den Freien Wählern emanzipieren und dem Einzelhandelsgutachten zustimmen. Ich würde mich über diese Einsicht jedenfalls sehr freuen.

Insgesamt könnten – passend zu den gerade vergangenen Feiertagen – zwei Dinge passieren:

Option Ostern: Wiederauferstehung der unsäglich absurden Diskussion und folglich eine andauernde Blockade der Wachenheimer Stadtentwicklung

Option Pfingsten: Erleuchtung der VG-Rats-Mehrheit und folglich eine Verkündung des erfolgreich verabschiedeten Einzelhandels-Gutachten.

Und jetzt sind Sie dran, liebe Wachtenblog-Leser. Wie tippen Sie Verlauf und Ausgang der morgigen Sitzung im Verbandsgemeinde-Rat?

Unsere Schwester-Blogger vom Pipere-Blog sind ja nun mal Jugendliche, die völlig frei über Ihre Themen schreiben. Pipere hatte in einem Artikel das Thema Skaterbahn und Wachtenblog-Pipere-Stammleserin Petra Lutz hatte eine gute Idee, um den politischen Druck auf die Politiker seitens der Skater zu erhöhen. Sie schlug vor, dass einige Skater mit dem Skateboard zu einer Stadtrat-Sitzung gehen. Nicht schlecht, aber als betroffener Vater, der schon oft Zoff wegen der Skateboards seiner Kinder hatte, ist das zu zärtlich.

Deswegen hier die Idee, den Wachtenblog, ob der höheren Leserschar, als Forum für einen Aufruf an alle Skater, die eine Bahn in Wachenheim haben wollen, zu benutzen, bzw. den Pipere’s Unterstützung durch den Wachtenblog zukommen zu lassen.

Wir rufen alle interessierten Skater in Wachenheim auf zu einer Demo auf den Rathausplatz zu kommen.

Wir machen das an einem Tag in den Ferien, wenn alle Kinder und Jugendliche frei haben, aber der Bürgermeister arbeiten muss. Dann kommen alle mit ihren Boards zum Rathaus und skaten dort nach Lust und Laune. Vielleicht kann ja jemand von den Printmedien kommen, wenn er diesen Artikel liest, und die Jungs und Mädels so richtig unterstützen!!

Also Ihr alle Jung und Alt!

Damit wir einen Termin für die Demo vereinbaren können, redet, informiert, aktiviert, ladet ein. Mit allen, die Ihr kennt und die Interesse haben.

Ihr wollt die Skaterbahn, so move your butt and straight forward!

Gerade hat Achim mich auf einen Widerspruch im FWG-Blatt aufmerksam gemacht: In dem von mir gerade analysierten Schuldenfallen-Artikel wird der Fehlbetrag im für 2010 geplanten Haushalt ja mit 1.089.178 € angegeben. Das wäre dann wohl, wenn der Plan akkurat war, die Neuverschuldung für 2010.

Eine Seite weiter, im Kommentar zur Bebauung an der Ortseinfahrt, ist von einem ganz andern Betrag die Rede: „Unerfahrenheit, Selbstüberschätzung und Naivität prägen große Teile der Entscheidungsträger dieses Stadtrates und führen zu einer Steigerung der Neuverschuldung um ca. 2 Millionen Euro alleine in diesem Jahr.“

2 Millionen? Da wurde aber sehr großzügig aufgerundet!

Und als Randbemerkung: Welche Teile der Entscheidungsträger sind eigentlich nach Meinung der FWG von Naivität geprägt (der Kopf?) und welche von Selbstüberschätzung (der, ähmm, der Bizeps)? Und reichen diese Unzulänglichkeiten aus, um die reale Neuverschuldung gegenüber dem geplanten Haushalt um 910.822 € zu erhöhen?

Letztendlich musste ich mich in den Flur zurückziehen, um den Artikel zur Schuldenfalle in Ruhe lesen zu können. Wenn die FWG hier Informationen zum Bürger bringen und Schwachstellen offen legen wollte (so Boris Morell in einem Kommentar Anfang der Woche), ist das in diesem Artikel schiefgegangen.

Ich gebe den Inhalt mal so wieder, wie ich ihn verstehe. Grundsätzlich geht es in dem Artikel um den Haushaltsplan für 2010 (also um eingeplante, noch nicht komplett enstandene Schulden). An dem Plan stört die FWG:

  • dass die Gewerbesteuer niedriger geplant wurde als in vorherigen Entwürfen (kann der Wachenheimer Stadtrat jetzt etwas für die Wirtschaftskrise?)
  • dass im Rahmen der Verkehrsberuhigung Weinstraße 220.000 € Einnahmen geplant sind, die als Anteile eines Investors an die Stadt zurückfließen sollten. Dieser Investor sei derjenige, der den Supermarkt am Pfortenstück hätte bauen sollen. Kein Supermarkt, kein Investor, keine zurückfließenden Anteile, also 220.000 Euro zu wenig in der Kasse. Klingt logisch, nachprüfen kann ich es allerdings nicht.
  • dass der Stadtrat ein Gewerbegebiet im Bischofsgarten blockiert habe, wodurch die Gewerbesteuer jetzt niedriger ausfalle. Ich erinnere mich nicht im Detail, aber es gab plausibel klingende Gründe gegen dieses Gewerbegebiet, oder? Darauf lässt auch die Formulierung „überdimensioniert oder nicht“ im Schuldenfallenartikel schließen. Weiß das noch jemand genau und kann aushelfen?
  • dass die Stadt das Haus in der Entengasse gekauft hat, um es zu Gunsten von Parkplätzen abzureißen. Diese Entscheidung sei überstürzt durchgepeitscht worden und müsse jetzt durch Aufnahme von Schulden finanziert werden. Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Wenn das Thema in drei aufeinanderfolgenden Stadtratssitzungenalsals  einziger Tagesordnungspunkt debattiert worden wäre, hätte man der Stadt das Haus dann geschenkt?

Am Ende des Artikels macht die FWG die Rechnung auf, wie aus Erträgen minus Aufwendungen ein Fehlbetrag von 1.089.178€ wird. Ja, das ist viel Geld. Die FWG schreibt übrigens €1.089.178,00 – das sieht dann gleich nach noch mehr aus. Ein großer Anteil geht übrigens in die Baumaßnahmen an der Burg – das bleibt im Artikel unerwähnt. Insgesamt scheint mir im Wirtschaftskrisenjahr 2010 der Fehlbetrag nicht ungewöhnlich hoch zu sein. Hier schlägt meines Erachtens die allgemeine Wirtschaftslage sehr viel stärker zu Buche als Einzelentscheidungen des Stadtrats.

Die Krönung habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Ich zitiere die letzten drei Textabschnitte des FWG-Blatts:

 „Fehleinschätzungen sowie Blockadepolitik der CDU und WL aus den vergangenen Jahren rächen sich nun, gepaart mit einer Selbstbedienung an den Geldern des Steuerzahlers. 12.000 € finden wir auf S. 62 im Haushaltsplan zur Lohnkostenerstattung an das Land für die stundenweise Freistellung des Stadtbürgermeisters. Musste das sein, und wie war das noch mit den Versprechungen zu den letzten Kommunalwahlen.“

Welche Gemeinheit die FWG hier begeht, ist mir erst beim zweiten Lesen aufgefallen. Beim ersten Lesen verstand ich folgende Botschaft: Der Bürgermeister bedient sich an Steuergeldern, streicht 12.000 € Lohnkostenerstattung ein, und dabei tat er doch im Wahlkampf so freundlich und bescheiden. Dabei sagt der Text etwas ganz anderes. Bitte nochmal genau lesen: Die 12.000 € sind als Lohnkostenerstattung an das Land zu zahlen. Dies stellt als Arbeitgeber des Lehrers Torsten Bechtel diesen Mitarbeiter nämlich stundenweise frei, damit er zum Beispiel Donnerstags vormittags eine Bürgersprechstunde abhalten kann. Und darum muss die Lohnkostenerstattung der Stadt an das Land auch sein – und hat mit irgendwelchen Aussagen im Wahlkampf rein gar nichts zu tun.

Ich würde mich wundern, wenn ich als einzige diese Textpassage im Schuldenfallen-Artikel beim ersten Lesen falsch verstanden habe – und wenn dieser Effekt nicht beabsichtigt war.

Es ist ein paar Tage her, dass ich mir das FWG-Blatt angesehen habe. Also gehe ich ziemlich frisch ans Werk. Und beginne einfach mal am Anfang, also auf der Titelseite.

Oben links steht der Titel des Blattes, „FWG im Gespräch“. Klar, das klingt erstmal gut, nach offenem Austausch. Einen Dialog, zum Beispiel ein Interview, findet man im Blatt aber nicht.

Darunter steht die Unterzeile: „FWG, die sympathische Kompetenz“. Nun ja, das wäre nicht meine erste Assoziation zu den drei Buchstaben gewesen.

Auf diese Details achtet aber wahrscheinlich kaum jemand, der die Titelseite des FWG-Blatts sieht. Schließlich gibt es da pure Dramatik zu sehen: Die Uhr steht auf fünf vor zwölf. Darüber liest man „Schulden – Stadtrat ohne Konzept!“, „Im eigenen Finanzdesaster – Die Ablehnung eines Gewerbeparks treibt Wachenheim in die Schulden“ sowie „Einkaufen nur noch in Bad Dürkheim? CDU & WL wollen nicht handeln. Risko für Lebensqualität in Wachenheim“.

Habe ich da was verpasst? Steht der Gerichtsvollzieher schon am Kreisel, um den gesamten Ort zu verpfänden? Hat die Rewe jetzt so lange die falschen Behauptungen der FWG gehört, bis sie es selbst glaubt und den Laden dicht macht?

Governance by fear ist der Fachausdruck für das, was die FWG hier versucht, Herrschaft durch Verbreiten von Angst. Das Schlimme ist: Bei manchen Lesern könnte das funktionieren.

Schade, dass die neue Multifunktionshalle zur Rettung der IGS und der Wachenheimer Vereine noch nicht fertig ist. Sonst könnte sich Wachenheim nämlich um die Ausrichtung des Eurovision Song Contests bewerben und den Stadthaushalt mit einer Veranstaltung sanieren. Die Künstler könnten ja privat untergebracht werden und für die Presse würde sich auf dem defizitären Campingplatz sicher auch ein Plätzchen finden. Falls die baltischen Staaten weiterhin so abgedrehte Gruppen in die Halbfinals schicken, würde ich für eine Gruppe aus Estland, Lettland oder Litauen ein Zelt im Garten aufstellen.

Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Stefan Raab schlägt ja vor, Lena zur Titelverteidigung zu melden. Dann bliebe ja ein weiteres Jahr Zeit, die Planungen anzupassen, zur Not auch die alte Stadthalle Grand Prix tauglich zu machen. Der Frühlingsempfang geht doch auch, da werden ein paar mehr Leute auch unterzubringen sein. Vielleicht könnte dann auch die dringend nötige U-Bahn gebaut werden, die entlegenere Gebiete Wachenheims mit der Innenstadt oder mobilitätseingeschränkte Innenstädter mit den grünen Wiesen jenseits des Horizonts verbinden könnte. Mit den Fernsehgeldern der European Broadcasting Union alles kein Problem. Ohne die Gelder könnte der Bau einer Halle vielleicht eventuell unter Umständen angesichts der monetären Situation der Stadt ein wenig unvernünftig erscheinen. Außer, man plant ein Süßwarenemporium für die Schüler mit ein. Die Stadt stellt Automaten auf, die Vereinigung der kassenärztlichen Zahnärzte und Haribo sponsern das ganze, die Uni Heidelberg startet noch eine schicke Studie zu Fehlernährung bei Minderjährigen…

Mit ein bisschen Nachdenken kommen da doch noch Ideen

Der Haushalt ist beschlossen. Gegen die Stimmen der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG) und einer Stimme der Wachenheimer Liste (WL) bei zwei Enthaltungen. Das mal vorneweg. Wachenheim muss einen Batzen Schulden machen – etwa eine Million €  – und wird am Ende des Jahres mit 4,8 Millionen € in der Kreide stehen.

Hauptkostenfaktor ist in diesem Haushalt die Burg. Das neue Funktionsgebäude und die Sanierung der Vorburg kosten viel. Satte Zuschüsse, die beides überhaupt erst ermöglichen (neben der sensationellen Arbeit des Fördervereins natürlich), gibt es aber nur jetzt. Die Zuschussgeber hatten angedeutet, dass sie eine breite Zustimmung für den Haushalt, in dem die Maßnahmen enthalten sind, erwarten. Bleibt abzuwarten, wie sie die fünf Gegenstimmen werten.

Teuer auch die Sanierung des Friedhofs. Den betrachtet die FWG jedoch als sozialen Treffpunkt,  und sieht das Geld dort gut angelegt. Da sind die Geschmäcker vielleicht verschieden.

Obwohl der Haushalt den finanziellen Rahmen der Wachenheimer Kommunalpolitik in der unmittelbaren Zukunft vorgibt, ging es doch auch noch um die Grabenkämpfe der Vergangenheit. Da wurden etliche Pfeile verschossen, zum Beispiel wurde an die kostspielige Kunstrasensanierung des Sportplatzes ohne Zuschussantrag erinnert. Unerwartet und vielleicht nicht so gemeint auch die Kritik von Andreas Berger an der Haushaltsführung von Bürgermeister Bechtels Vorgänger Nagel. Er bezeichnete den Entwurf des Haushalts als einen Scheideweg: Weiter so oder anders. Er meinte, ein ‚weiter so wie früher‘ führe in den Abgrund – und der Entwurf des Haushalts sei ein weiter so.

Einiges an Kritik erntete auch der städtische Erwerb des Hauses Entengasse 1, um dort Parkplätze zur Belebung der Innenstadt einzurichten. Zugegeben, wenn ich es so schreibe, will sich der Zusammenhang nicht sofort erschließen.

Großes Sorgenkind – gemessen an der Zahl der Wortbeiträge – ist aber das Schwimmbad.  Andreas Berger und Arnold Nagel waren sich einig, dass sich Wachenheim das Schwimmbad so wie es jetzt getragen wird auf Dauer nicht leisten kann. Tatsächlich kann kein noch so heißer Sommer das Defizit deutlich dezimieren. 125.000 € Verlust plant der Haushalt jährlich ein. Mehr Bürgerengagement wurde als Möglichkeit erwähnt. Angesichts der gewaltigen Fehlsumme, die Jahr für Jahr zu Buche schlägt, sind tatsächlich Ideen gefragt. Sicher ausreichend Stoff für einen eigenen Beitrag.

Ein Punkt, den Andreas Berger ansprach, war der Zuschuss der Stadt zum Weinfest in Höhe von 13.000 €. Der sei kaum gerechtfertigt, da kaum noch Wachenheimer das Weinfest beschicken.

Und dann waren da ja noch die Dauerthemen Lebensmittelversorgung und Multifunktionale Wollmilchgebäudesau – diesmal als Kombiplatte fürs Oberstnest als Antrag der SPD. Eine Schokoriegelquelle direkt an die Schule? Auch sollen alternative Standorte für eine Lebensmittelversorgung untersucht werden. Das wäre allerdings mal eine gute Idee, da ja die Matrix, mit der das Pfortenstück als idealer Standort „gefunden“ wurde, etwa so ergebnisoffen war wie ein Prozess gegen einen Drogenhändler in China.

Natürlich gab es noch jede Menge Zahlen, die meisten stellten Verluste und Kosten dar. Tatsächlich erwirtschaften nur zwei Posten im Haushalt Gewinne: Der Bauhof und das Bestattungswesen. Aber wie sagte doch Michael Wendel von der Wachenheimer Liste so schön: “ Ich will nicht hoffen, dass das Bestattungswesen allzu sehr floriert.“

Ach, und eine Skater-Bahn steht wieder im Haushalt. Bürgermeister Bechtel bemerkte, dass die seit Jahren von Haushalt zu Haushalt geschoben wurde, und will jetzt möglichst schnell einen guten Standort dafür ausfindig machen.

Kurios noch: Die Wachenheimer Liste beantragte, im Themenkomplex Verkehrsberuhigung Weinstraße einen Gesamtverkehrsplan wieder in den Haushalt zu nehmen. Der Antrag wurde abgelehnt. Zwei Räte waren dafür, drei dagegen, 15 (!) enthielten sich.