Beim Skaterplatz, der in Wachenheim seit Jahren im planerischen Stillstand verharrt, scheint es endlich Bewegung zu geben. Bürgermeister Torsten Bechtel lädt im aktuellen Amtsblatt alle interessierten Skater ein, das Thema im Rahmen der Spielleitplanung anzusprechen. Da die Zielgruppen von Amtsblatt und Skaterplatz nicht unbedingt deckungsgleich sind, hier der Hinweis:

Das Treffen mit Herrn Theodor vom Beratungsbüro Kobra ist am Mittwoch, 15. Mai, um 17:30 Uhr im Rathaus.

Vor drei Jahren gab es schon einmal eine Befragung der Skater, die aber zu keinem greifbaren Ergebnis führte, wie bei Pipere, dem „kleinen Bruder“ des Wachtenblogs, nachzulesen ist. Diesmal sollten aber den Worten auch Taten folgen. Schließlich wurde in der Spielleitplanung bereits im März der Skaterplatz als kurzfristig umsetzbare Maßnahme eingestuft.

Mit Hilfe der Spielleitplaner kann es vielleicht wirklich gelingen, das größte Hindernis auf dem Weg zum Skaterplatz aus dem Weg zu räumen – nämlich einen Standort zu finden, der den Wünschen der Jugendlichen entspricht, ohne den Widerstand von Anwohnern hervorzurufen. Das ist wahrscheinlich ein Beweis dafür, dass ich eine unerschütterliche Optimistin bin – ich glaube wirklich, dass mit Hilfe neutraler Planungsexperten in Wachenheim ein Standort zu finden ist für eine Aktivität, die vielen etwas bringt, wenige aber belasten könnte.

Damit es bei dem Thema wirklich vorangeht, wäre es sicher hilfreich, wenn möglichst viele Skater zu dem Gespräch am Mittwoch kämen. Noch schlauer wäre es vielleicht, die Anwohner von potenziellen Standorten gleich mit einzuladen. So könnte – wieder optimistisch gedacht – statt möglicherweise verhärteter Fronten gleich ein gemeinsames Verständnis entstehen.

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Hier geht es nicht um die miteinander verheirateten Wachtenblogger, sondern ich möchte Sie kurz mal geistig  in die Hauptstadt enführen. So sehr ich in die Pfalz liebe – diese Woche wäre ich liebend gerne in Berlin. Dort findet gerade die re:publica statt, eine Veranstaltung, die sich vom Bloggertreffen zu einer Konferenz über die Wirkung des (Social) Web auf alle gesellschaftlichen Bereiche entwickelt hat. Gestern habe ich da schon einen Vortrag meines Netz-Philosophie-Helden Gunter Dueck verpasst. Dessen re:publica-Premiere zum Thema „Internet als Gesellschafts-Betriebssystem“ habe ich 2011 in Berlin erlebt, die Denkanstöße wirken bis heute nach (das Video ist nach wie vor online).

Eine zentrale Frage, die Dueck 2011 und auch gestern wieder aufgeworfen hat, lautet: „Wie schaffen wir es, dass die Schule unsere Kinder endlich auf die digitale Welt vorbereitet und nicht nur das eintrichtert, was vor 20 Jahren wichtig war?“ Dabei geht es nicht darum, dass die Jugend vor den Gefahren von falschen facebook-Freunden oder Online-Spielsucht gewarnt werden. Die Forderung ist, dass nicht mehr vor allem reproduzierbares Fakten-Wissen vermittelt wird (das sich immer einfacher im Netz nachsehen lässt), sondern dass Recherchieren, Bewerten, Zusammenhänge Erkennen, kritisch Hinterfragen etc. erlernt und gelebt werden.

Heute gab es auf der re:publica noch eine anderen, sehr beeindruckenden Auftritt. der das Thema noch deutlich weiter vorangetrieben hat. Tanja und Johnny Haeusler betraten die Bühne. Sie sind dem Publikum sehr gut bekannt als Blog-Pioniere (ihr 2002 gegründeter Blog „Spreeblick“ zählt zu den einflussreichsten Weblogs in Deutschland) und re.publica-Mitgründer. Angekündigt war, dass das bloggende Ehepaar einen Vortrag über sein Buch „Netzgemüse“ hält. Das Buch kenne ich nicht, aber nach den amazon-Rezensionen scheint es eine sehr lesenswerte, weil angstfreie Einführung für Eltern in die digitale Welt ihrer Kinder zu sein (habe es gerade auf meinen Wunschzettel gesetzt).

Den fertig ausgearbeiteten Vortrag haben die Haeuslers heute früh in die Tonne getreten und stattdessen einen Rant (Web-Slang, englisch für Schimpftirade) von der Bühne losgelassen. Am Anfang mäandern die beiden kurz zwischen kontroversen Themen hin und her (Pränataldiagnostik, Ritalin), aber dann entwickelt der Rant eine Kraft, die nicht nur mir eine Gänsehaut über den Rücken gejagt hat. Hier einige Ausschnitte (Urheberrechte liegen bei Tanja und Johnny Haeusler, die ich hier gemäß ihrer Creative Commons Lizenz und mit großem Respekt zitiere):

Dieser Staat ist wie sein Fernsehprogramm:
Von Alten für Alte gemacht.
Mit erhöhten Bildungsausgaben gewinnt man keine Wahl,
wenn die Wähler seit 50 Jahren
keine Schule mehr von Innen gesehen haben,
und die Stimmen derer, die drin sitzen, nicht zählen.

Das Bildungssystem von heute
basiert auf dem der industriellen Revolution:
Als man so viele Fakten wie möglich
in den kindlichen Kopf schüttete,
weil man nach dem Verlassen der Schule
kaum noch Zugang zu Wissen und Kultur hatte
und deshalb ein Leben lang von dem zehren musste,
was einem der Lehrer eingetrichtert hatte.
Doch wir leben im digitalen Zeitalter der digitalen Revolution.
Wissen ist ständig verfügbar.
Wir brauchen unsere Kinder nicht mit Fakten zuzustopfen,
sondern wir müssen sie lehren,
sich in gigantischen Wissensarchiven zurecht zu finden
und sich zu vernetzen,
damit sie selbst noch gefunden werden.

36 Wochenstunden geballte Faktenfütterung
in überfüllten Räumen,
20 Minuten Pause für Zerkochtes aus der Kelle.
Endlich zuhause: Hausaufgaben,
Am Wochenende: Lernen für Klausuren, üben für Referate.

Wir könnten viel Zeit sparen, würden wir das Bildungssystem von Heute
den Anforderungen des 21. Jahrhunderts anpassen.

Doch der öffentliche Fokus liegt hartnäckig
auf den Gefahren des Kulturraums Internet
und vereitelt den optimistischen Blick
auf die Chancen die er eröffnet.
Statt Netzkultur als Bereicherung zu begrüßen,
leitet man kulturellen Verfall von ihm ab
und warnt vor Gefahren
besonders für die Kinder!

Solange Kinder und Jugendliche als Opfer neuer Medien dargestellt werden,
können wir sie nicht zu Helden der neuen Technologien machen.
Die sie sind.
Und die sie sein müssen.

Die Jugend in Deutschland ist so behütet
wie in kaum einem anderen Land.
Doch kaum eine andere Jugend ist so unglücklich
wie die in unserem Land.

Diese Jugend wünscht sich
Par-ti-zi-pa-tion.

Und sie hätte viel zu bieten,
würde die Öffentlichkeit erkennen:
Das, wofür sie brennen,
ist sinnvoll erspieltes Können.

Lasst sie!
Lasst sie
Die Keller der Alten entrümpeln auf Ebay,
die Website der Kirchengemeinde bauen,
die Geschichte ihres Dorfes im Netz archivieren,
Opas Erinnerung auf YouTube raushaun,
bittet um ihre Hilfe, wenn der Schulserver streikt
und der Lehrer die Präse am Smartboard vergeigt,
zeigt, dass wir sie brauchen
und ihr technisches Können.
Lasst sie teilhaben, teilnehmen.

Aber lasst sie in Ruh.

Lasst ihr die Freiheit,
selbst zu erkennen.

Dass Freiheit die Freiheit des Anderen meint.
Dass Freundschaft Zeit braucht, die Facebook stiehlt.
Dass Liebe nicht das ist, was man in Pornos zeigt.
Dass Games nur Spiele sind, wenn man sie spielt.

Lasst ihr die Freiheit im Netz.

Den kompletten, sehr beeindruckenden Rant können Sie hier lesen oder direkt im Video ansehen.

Gestern, am 24. Juli, wurde der etwas theoretisch daher kommende Begriff Spielleitplanung endlich mit Leben gefüllt. Gestern nämlich gab es eine erste Begehung der zu beplanenden Gemeinde. Zusammen mit Helga Berger vom Ingenieursbüro Stadt und Natur http://www.stadt-und-natur.de/ und Martin Theodor vom Beratungszentrum Kobra http://www.kobra-online.info/siteneu/ machten sich Bürgermeister Torsten Bechtel, Mitglieder des Arbeitskreises zur Spielleitplanung, interessierte Bürger und Kinder auf den Weg, um eine Bestandsaufnahme zu machen.

Besonders das Gebiet um Schulen und Schwimmbad wurde dabei begutachtet. Vor allem rund um die Schulen ruht hier einiges an ungenutztem oder bisher nicht nutzbarem Potenzial: das große Sportgelände hinter Grundschule und IGS ist nicht öffentlich nutzbar – von den Schulen wird es jedoch auch nur selten genutzt. Auf den Ascheflächen sprießt Botanik und die Weitsprunggrube zeigt eine beeindruckende Artenvielfalt heimischer Ruderalvegetation. Auch der Schulhof der Grundschule ist außerhalb der Schulzeiten für Kinder Tabu – das scheint andernorts nicht so geregelt zu sein. Das Kleinspielfeld hinter der Turnhalle ist in städtischen Besitz und theoretisch – außerhalb der Schulzeiten – jedermann zugänglich. Theoretisch. Natürlich ist das Gelände abgeschlossen und Schilder weisen darauf hin, dass das Betreten des Geländes für Unbefugte verboten ist. Dass sich Wachenheimer den Schlüssel zum Tor beim Hausmeister Herrn Bauer oder bei Bürgermeister Bechtel borgen können, wird auf keinem Schild erwähnt.

Oft wird unter Verweis auf den auch in Wachenheim grassierenden Vandalismus die Nutzung öffentlicher Flächen eingeschränkt. Und gerade hier hakt das Konzept der Spielleitplanung ein. Es setzt stark auf die Beteiligung derer, die es angeht: Kinder und Jugendliche und Bürger der Gemeinden. Die Idee ist, dass Anlagen, bei deren Planung man mitreden und mithelfen kann, später nicht schnöde städtische Anlagen sind, sondern dass auch ein gemeinsames Verantwortungsgefühl für den Zustand entsteht.

Insgesamt steht als Zeil der Spielleitplanung ja nicht nur die Verbesserung der Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, sondern insgesamt eine nachhaltige Weiterentwicklung von Gemeinden und die Etablierung von mehr Bürgerbeteilgung.

Frau Berger und Herr Theodor haben sich etliche Notizen und viele Fotos gemacht. Beim nächsten Rundgang, für den allerdings noch kein Termin feststeht, sollen dann die Kinder und Jugendlichen die Führung übernehmen und ihre Wünsche und Vorstellungen einbringen.

Zusammen mit einer Verkehrsleitplanung kann diese Spielleitplanung Wachenheim viel bringen. Jedenfalls, wenn das Thema nicht auch in den Sog der Wachenheimer Parteipolitik mit den altbekannten Fronten gerät. Davon war bei der Begehung gestern erfreulicherweise noch nichts zu spüren.

Die folgenden zwei Texte veröffentliche ich für die Pfadfinder:

Liebe Eltern, liebe Kinder!

Wir werden nach den Sommerferien ein neues Rudel eröffnen und dazu brauchen wir EUCH!
Ihr habt Lust auf Abenteuer, Spaß und Natur? Dann seid ihr hier genau richtig!
Wenn ihr also ca. 7 Jahre alt seid und Lust habt bei den Pfadfindern mal zu „schnuppern“ dann kommt doch einfach mal vorbei, wir würden uns sehr freuen!
Der Elternabend zur Eröffnung des neuen Rudels wird noch bekannt gegeben.

Das Rudel Fledermäuse sucht dringend Nachwuchs im Alter von 8-9 Jahren. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr mal in unserer Rudelstunde (Mittwoch, 17.00h-18.30h) vorbeischaut.
Bei Fragen können sie sich gerne an mich wenden.
Gut Jagd, Sarah Angelmahr

Kontakt:
Sarah Angelmahr (Wölflingsstufe 7 – 9 Jährige)
06322/62222
0176/30486307

Pfadfinder suchen Nachwuchs

Du bist gerne in der Natur?
Möchtest neue Freunde treffen?
Bist zwischen 10 und 11 Jahren alt?

Dann komm zu uns!
Der Stamm Ritter von Dalberg, die Wachenheimer Pfadfinder, suchen Jugendliche im Alter von 10-11 für die Neueröffnung einer Gruppe nach den Sommerferien.

Bei Interesse meldet euch bei

Hennes (Johannes Wolf) (Pfadfinderstufe 10-16 Jährige)
Tel.: 06322/989890
Handy: 0176 32636834

Wir freuen uns auf dich!

Anmerkung des Bloggers: Wenn Interesse besteht, aber das Alter nicht ganz passt, ist das kein Problem. Auch in schon bestehenden Gruppen ist immer noch ein Platz frei und zu spät ist es nie.

Sagt man das überhaupt noch? „Cool“? Oder ist das nur ein Fosil, das ich mit „krass“ und „fett“ aus meiner Jugend mitgeschleppt habe?

Muss ich jetzt auch auf „swag“ wechseln, um „swag“ zu sein? Und welche Wortleichen tragen Sie noch mit sich rum? „Oberaffengeil“? „Dufte“? „Hip“? „Knorke“?

Haben Sie sich als Jugendlicher geschworen nicht wie Ihre Eltern zu werden und für Ihre Kinder mehr ein/e Freund/in zu sein, statt alt und langweilig? Und jetzt versteht man trotzdem kaum noch ein Wort von dem was sie reden.

Dementsprechend habe ich mir vorgenommen hier einmal im Jahr eine Sammlung von Jugendtrends zu veröffentlichen, die Ihnen helfen soll Ihre Kinder besser oder wenigstes ein paar ihrer Witze zu verstehen.

Fangen wir erstmal mit einem musikalischen Trend an: Dubstep

Eine Musikrichtung, die wörtlich übersetzt „Tollpatsch-Schritt“ heißt. Eigentlich ist dieser Name sehr gut gewählt, denn versucht man auf diese Musik zu tanzen, kann man noch froh sein, wenn man überhaupt einen – zum Takt passenden – Schritt hinbekommt.

Das besondere an dieser Musik ist, dass der Takt aufgebrochen wird und dementsprechend ein rhytmisches Tanzen oder auch nur ein einfaches Mitklatschen doch sehr erschwert wird.

Da das Ganze dann doch für eine Erklärung zu kompliziert wird, sind Sie hiermit herzlich eingeladen bei diesem kleinen Karaoke Video laut mitzusingen oder auch zu tanzen. (Bitte warnen Sie Ihre Famile vor!)

Sollten Sie jetzt sagen, dass das gar nichts für Sie ist, verrate ich Ihnen noch ein kleines Geheimnis: Mittlerweile haben sich Elemente von Dubstep auch in die Lieder der Charts geschlichen. Achten Sie mal darauf!

Der nächste erwähnenswerte Trend, den es allerdings schon seit 2010 gibt, ist eine Fernsehserie aus den Niederlanden. New Kids hat es mittlerweile sogar mit zwei Filmen ins Kino geschafft und dafür gesorgt, dass das sprachliche Niveau der Jugendlichen um mehrere Prozent abgenommen hat. Es geht um eine Gruppe von niederländischen Mit-Zwanzigern, die anscheinend außer Biertrinken und Randale machen nicht viel zu tun haben. Das Ganze wird durch eine Sinfonie von Schimpfwörtern fast schon liebevoll begleitet.

Die einzige sprachliche Neuerung, die ich hier sorglos erwähnen kann, ist das Hinzufügen von „Junge!“ hinter jedem Satz. Alle anderen „Wörter“ dürfen Sie mit Hilfe von Youtube gerne selbst herausfinden. Ein Video zu posten, erspare ich Ihnen und mir hier gerne.

Ein neuer Stern am Internet-Künstler-Himmel hat vor 9 Monaten ein Video – unter dem Titel „Umfrage zum Integrationstest (was nicht gesendet wurde)“ – auf Youtube gestellt. Das Video, das unglaublich schnell an Popularität gewann, zeigt einen jungen Mann mit anscheinendem Migrationshintergrund, der beim Beantworten der einfachsten Fragen über Deutschland gewisse Probleme hat. So wird schnell unsere Bundeskanzlerin „Angelo Merte“ genannt und die Hauptstadt von Deutschland heißt Luxemburg. Der eigentliche Witz des Ganzen sind aber Formulierungen wie „Was laberschd du?“ und „Haschd du überhaupt gelernt, alter?“, deren Potenzial der Macher des Videos wahrscheinlich selbst nicht erahnte.

Möchte man nun, als Kenner dieses Videos, seinem Gegenüber im Gespräch mitteilen, dass man nicht seiner Meinung ist, reicht der gezielte Einsatz von einem dieser Sätze und man hat die Lacher auf seiner Seite und nebenbei noch eine Argumentation gewonnen.

Wenn Sie in paar der Redewendungen wieder hören wollen, die manche Ihrer Kinder in letzter Zeit benutzt haben, lassen Sie sich einfach von Tedros Teclebrhan (auf YouTube unter TeddyComedy) in seine interessante Welt der neuen Comedy entführen.

Ich hoffe, dass ich Sie mit diesem Beitrag in Sachen Jugendsprache und -trends etwas erleuchten konnte und Sie beim nächsten „Was laberschd du?“ Ihres Kindes mit einem gekonnten „Haschd du überhaupt gelernt, alter?“ kontern können.

In diesem Sinne starte ich das erneute Sammeln für den nächsten Jugendtrend-Blogbeitrag Anfang 2013.

Liebe Eltern,

in den letzten Tagen häufen sich die Informationen, dass in Wachenheim potentielle Kinderfänger unterwegs sind. Kinder werden angesprochen und es wird versucht, unter fadenscheinigen Begründungen, die Kinder in fremde Autos zu locken.

So wird von einem Fall berichtet, in dem ein Kind in ein Auto gelockt werden sollte, da die Fahrerin so viele süsse kleine Hundewelpen hat, die sie dem Kind zeigen wollte….

Seien Sie aufmerksam und sprechen Sie mit Ihren Kindern.

Es war an einem Sonntagnachmittag im März vor drei Jahren als das Leben dreier Kinder aus Wachenheim zertrümmert wurde.

Zertrümmert wie die Halswirbelsäule ihrer Mutter bei diesem schlimmen Unfall vor drei Jahren, bei dem sich das Auto überschlug, in dem auch noch zwei der Kinder selbst saßen. Zwei Kinder, die sahen, wie Ihre Mutter blutüberströmt eingeklemmt war, wie sie aus dem Wagen herausgeschnitten wurde.

Den dreien wurde dann noch etwas mehr aufgefrachtet. Der Unfall passierte in einem fremden Land, die Mama war fortan vom 4. Halswirbel an querschnittsgelähmt und kämpfte 4 Wochen um Ihr Leben. Die Kinder bekamen mit, wie bei Ihrer Mutter die Lage von Tag zu Tag schlechter wurde. Wie sie mehrfach operiert werden musste. Wie sie einen Lungenschock bekam, wie der Papa immer verzweifelter wurde. Das letzte Bild, das sie von ihrer Mama haben, wird immer das Bild einer Geschundenen sein, die bewegungsunfähig und mit einer Luftröhrenbeatmung in einem Bett einer Intensivstation eines Hospitals im südamerikanischen Niemandsland lag. Und die nur noch flüstern konnte. Das letzte Flüstern was diese Kinder von ihrer Mama hörten, war ‚Ich hab Dich lieb!‘

Nach diesem Flüstern wurden die Kinder weggebracht, nach Deutschland, der Opa holte sie ab, Papa musste bei Mama bleiben. Es war dann zwei Wochen später. Bei den Kindern klingelte das Telefon und Papa war dran. Papa, der seinen Kindern sagen musste, dass ihre Mama gestorben war. Per Telefon. Mama ist tot. Per Telefon.

Als Papa dann wieder zu Hause war, brachte er so eine große Holzkiste mit. Da war die Mama drin. Dieses Gefühl werden diese drei Kinder nie wieder vergessen. Da steht eine Holzkiste und da soll Mama drin sein? Schläft die, wie sieht sie aus? Aber da Mama nicht mehr wie früher aussah, durften die Kinder nicht von Mama Abschied nehmen, zumindest konnten sie sie nicht mehr sehen.

Die Holzkiste, die da aus fernen Landen kam, war nicht sehr schön. Und so begannen die Kinder, ach ja 5, 8 und 11 Jahre alt, die Größe zu zeigen und zu benutzen, die ihre Mutter ihnen mitgegeben hat. Sie gingen in dieses Geschäft in Bad Dürkheim, mit Papa und suchten eine neue Kiste aus. Sie bereiteten dann mit Ihrem Papa das große Abschiednehmen vor. Sie wussten sehr gut, was ihrer Mama gefallen hatte, und so bereiteten sie Ihr das Bett für die Ewigkeit. Der Kleine saß beim Abschiednehmen Papa auf der Schulter, als dieser die Abschiedsworte sprach. Sie gingen dann mit der Holzkiste und Papa zu diesem Erdbett, ohne alle anderen Leute, die bei diesem Abschiednehmen anwesend waren. Sie setzten sich an das Loch. Der große spielte dabei Gitarre und die drei und der Papa sangen Mama dieses Schlaflied in ihrer Muttersprache, das Mama so geliebt hatte. Und  entließen Mama in die Erinnerung.

Da waren die drei nun. Mama war eine Erinnerung. Sie waren von dieser dunklen und furchtbaren Traurigkeit erfüllt. Der Papa, der war auch keine große Stütze. Der war ja genauso traurig. Und der hatte soviel um die Ohren.

Der Kleine der musste dann in die Schule gehen. 1. Klasse. Einschulung. In der Kirche waren alle anderen Schulanfänger. Mit Mama und Papa. Nur er ohne Mama. Das in der Schule, na ja. Er hat nicht so richtig verstanden, warum er ausgerechnet jetzt Lesen, Schreiben und Rechnen lernen sollte. Er wollte doch nur Kind und klein sein. So wie es war, als Mama noch da war. Das war für alle etwas schwierig, insbesondere für die Lehrerin, aber was ist deren Ärger verglichen mit dem Paket, was dieser Bube zu tragen hatte. Dieser Kleine aber hat einen Spitznamen. Dieser Spitznamen ist der Spitzname eines Mannes, der aus dem gleichen Land kam, wie die Mutter des Kleinen. Dieser Spitzname steht für Unbeugsamkeit und Wille. Und manchmal ist ein Nomen doch Omen. Mit dieser Unbeugsamkeit und diesem unglaublichen Willen ist dieser Junge jetzt im Alter von 8 Jahren ein fröhliches und starkes Kind, das zwar noch immer seine Umwelt am laufen hält aber er ist wieder Kind. Ein Kind das 8 Jahre alt ist. Körperlich und geistig.

Die Kleine, die Ihrer Mutter so sehr ähnelt. Das macht sie sehr stolz, aber manchmal nervt sie das auch ein bisschen. Aber sie ist die ganz starke. Ihre Mama ging auf so eine Schule, die ein bisschen anders ist als die normale Schule. Dort gibt es viel Musikunterricht, so eine Art Tanzunterricht, Handarbeit. Sie ist auf so eine Schule gewechselt. Und sie marschiert. Sie hat gelernt Cello zu spielen, sie spielt Basketball. Am Anfang hatte sie Angst einzuschlafen, da musste Sie immer weinen. Aber irgendwann hat Papa angefangen vorzulesen. Geschichten, die mit Kindern zu tun hatten. Kinder deren Mama auch gestorben war, Geschichten in denen Kinder starben, Geschichten aus denen man lernen konnte. Nicht lernen, nicht traurig zu sein. Aber lernen, dass man traurig sein muss, damit die Traurigkeit vorbeigeht. Dass es Tränen gibt, die böse sind und dass es Tränen gibt, die gut sind. Nun sie hat viele gute Tränen geweint, meistens leise, so dass es der Papa nicht sehen und hören sollte. Aber egal. Auch bei Ihr ist der Nomen Omen, und Sie leuchtet wieder wie ein Licht.

Der Große. Hat einen Namen, der genau das bedeutet. Er hatte, da er der Große war und ist, immer viel zu tragen. Da auch sein Papa ihn als groß ansah und manchmal vergaß, dass er erst 11 Jahre alt war. Er musste sich viele Dinge anhören, die nicht so schön waren, aber er wollte das auch. Er wollte wissen. Und er bekam das Wissen. Und er machte seinen Weg auf die eigene Art. Wenn man seinen eigenen Ansprüchen genügt, ist man meist ein glücklicher Mensch. Und der Große setzte und setzt viel Energie ein, um seine Ansprüche zu erfüllen. Manchmal war es für Ihn schwierig über Gefühle zu reden, aber er hat gelernt, sie zuzulassen und zu zeigen. Und zu akzeptieren. Das hat den Kleinen gross gemacht. Aber so groß ist nicht gut für einen noch nicht Großen, weil man muss doch trotzdem ein Kind sein. Und so schnappte er sich die Gitarre, den Fußball, die Schulbücher und ein paar Freunde und machte sich auf den Weg. Und er ist angekommen in seiner Zeit, in seinem Alter.

Seit einiger Zeit hat Papa nun ein neues Leben und somit werden auch die drei Kinder ein ganz neues Leben haben. Und dieses Leben kann nur geführt werden und sein, weil es diese drei Kinder gibt. Die Kinder, die ihren Vater gestützt haben und stützen. Die ihm mit Ihrem Charakter und Ihrer Stärke, die manchmal sehr unangenehm für ihn waren und sind, selbst Stärke vermittelt haben.

Stärke sich als Kapitän einer Mannschaft aus Vieren zu behaupten, die die Vergangenheit im Herzen trägt und die Zukunft optimistisch annimmt.