Wer in Metropolen wie Berlin oder München lebt, hat jede Woche die Wahl zwischen einer Vielzahl kultureller Veranstaltungen (und macht nicht unbedingt Gebrauch davon, wie ich mal zwei Monate lang in Berlin festgestellt habe). Je kleiner die Stadt, desto übersichtlicher wird das Angebot. Nun ist Wachenheim eine sehr kleine Stadt, doch wir haben großes Glück: Engagierte Vereine organisieren hier immer wieder Auftritte von tollen Künstlern, für die man sonst weit fahren müsste.

Dieses Wochenende gab es in Wachenheim ein richtig volles Musikprogramm: Freitag brachte der Kulturverein den weltbekannten Pianisten Justus Frantz für zwei Konzerte in die Kulturscheune. Samstag gastierten die Ensembles 4nmore.de und newlife-quartet.de auf Einladung der Stadt Wachenheim in der Stadthalle. Sie sangen Barbershop – vierstimmige A-Capella-Musik, die ihren Ursprung in den USA hat. Und für den Sonntagnachmittag hat der Badehaisel-Verein alpenländische Weltmusik mit Fei Scho an den Weiher geholt. Immerhin zur Hälfte der Konzerte haben wir es geschafft.

Mit Justus Frantz hat der Kulturverein wieder einmal einen Künstler mit großem Namen für Wachenheim gewonnen – wie auch schon Christian Ehring, der im Frühjahr eine Vorpremiere seines neuen Programms in der Lutherischen Kirche gegeben hat. Wie schafft man das? „Ich habe einfach bei seinem Büro angerufen,“ erzählte der Vorsitzende Martin Pfeiffer. Eine gute Location braucht es natürlich auch. Die Kulturscheune des Weinguts Bürklin Wolf hat Justus Frantz so gut gefallen, dass er sie glatt in das von ihm gegründete Schleswig-Holstein-Musikfestival integrieren würde, wenn sie weiter nördlich stünde.

Justus Frantz‘ Anliegen ist es immer noch, klassische Musik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. So war es ihm wichtig, vor dem Klavierabend ein Kinderkonzert zu geben.  Hier spielte er nicht nur für die jungen Zuhörer, sondern bat auch die Wachenheimer Nachwuchsmusiker auf die Bühne. Da fast jedes Kind im Publikum selbst Klavier spielt, trauten sich einige an den Konzerflügel und konnten erleben, wie es sich anfühlt, vor 150 Menschen zu spielen.

Beim Klavierabend haben wir Justus Frantz erlebt. Auch hier ging es ihm um Zugänglichkeit: Zum einen hatte er von seinen „Stammkomponisten“ Mozart, Beethoven und Chopin bekannte und eingängige Werke ausgewählt. Zum anderen beschränkte er sich nicht aufs Musizieren, sondern gab in seinen Ansagen auch spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichten der Stücke. Zu Mozarts Sonate in A-Dur etwa erzählte er von der Hoffnung des Komponisten, dass sein Werk auf eine gute Resonanz treffen und ihm so eine Anstellung als Hofkomponist verschaffen könnte.

Sehr nahbar zeigte sich Justus Frantz auch in der Pause. Statt sich in der Abgeschiedenheit seiner Garderobe auf den zweiten Teil seines Auftritts vorzubereiten, stand er im Hof und plauderte mit den Gästen. Als er nach der Pause die ersten Takte von Beethovens Mondschein-Sonate spielte, gingen wohlige Seufzer durchs Publikum. Auch mir hat dieser Teil des Programms am besten gefallen – und das obwohl ich zwar ein Fan von klassischer Musik, nicht aber von diesem Komponisten bin. Entweder hat meine Mutter Recht, die vor gut 20 Jahren mal meinte, für Beethoven müsse man erst alt genug werden. Oder Justus Frantz war auch bei mir mit dem Näherbringen erfolgreich.

Das zweite Konzert haben wir heute im Badehaisl erlebt. „Fei Scho“ ist eine fünfköpfige Band aus dem Münchner Raum. Sie nennen ihre Musikrichtung alpine Weltmusik. Tatsächlich ist sie hörbar verwurzelt in den Traditionen des Alpenraums – von Instrumenten wie Akkordeon, Tuba und auch mal Hackbrett bis hin zu musikalischen Formen wie Landler, Walzer und Jodler. Mit großer Kreativität und Spielfreude kombinieren Fei Scho das mit einer Vielfalt von anderen Einflüssen: böhmische Harmonien, Bossa-Nova-Rhythmen und jazzige Improvisationen.

Fast jedes Stück erzählt eine Geschichte – manchmal im Text, oft erfahren wir sie in der Ansage der Instrumentalstücke. So wurde zum Beispiel die „Polka15Suppenslalom“ inspiriert von der Tochter von Bassistin Anschi Hacklinger, die beim Suppe-Essen mühsam die Gemüsestücke auf den Tellerrand schob. „Astromat“ ist der Soundtrack einer Autowerbung für einen futuristischen fliegenden Teppich, den sich die Söhne des Akkordeon-Spielers Helmut Sinz ausgedacht haben.

Der Spaß beim Zuhören wird noch dadurch gesteigert, dass da richtig tolle Musiker auf der Bühne stehen. Als Gitarristen-Frau schaue ich immer zuerst auf die Person an den sechs Saiten. Das akzentuierte Spiel von Martin Lidl, der seine Jazzgitarre auch mal richtig rocken lässt,  hat mir sehr gut gefallen – genauso wie die gute Stimmung, die er von der Bühne ins Publikum gibt. Helmut Sinz zeigte eine beeindruckende Bandbreite am Akkordeon. Robert Alonso steuerte entweder mit der Tuba die Basstöne bei, oder er brillierte an der Trompete. Anschi Hacklinger machte mir eine besondere Freude, als sie nach tollem Spiel an Kontrabass und Melodika für ein Stück zum Hackbrett griff. Wenn man dieses Instrument mal aus der Musikanten-Stadl-Atmosphäre herauslöst, klingt es wunderschön. Die meisten Instrumente an diesem Nachmittag hat wohl Percussionist Schorsch Karrer gespielt, da waren auch mal Conga und Glockenspiel dabei – und er sorgte immer für einen spannenden, auf-den-Punkt-wirbelnden Abschluss der Stücke.

Ich finde es toll, dass der Badehaisel-Verein immer wieder so ungewöhnliche und virtuose Bands nach Wachenheim holt. Schade war, dass die schlechte Wettervorhersage wohl einige Musikfans abgeschreckt hat. Wer gekommen war, hatte umso mehr Spaß. Und bekam von der Band den Auftrag, den Feiglingen zu erzählen, was sie verpasst haben – was ich hiermit erledigt habe :-).

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Die Dämmerung senkt sich über Wachenheim. Auf dem Marktplatz erklingen Lieder aus vergangenen Jahrhunderten. Von Mainächten wird gesungen, von einer Feuersbrunst und von der Liebe. Gut 150 Zuschauer sind gekommen. Geführt von einem Mann in weißer Perücke und altertümlichem Gewand, schlendern wir zum Stadtmauerpfad. Hier lauschen wir dem Grimmschen Märchen vom Gevatter Tod. Tänzerinnen kommen heran,  ihre fließenden Bewegungen passen gut zu den zarten Klängen von Laute und Harfe. Weiter geht’s zum Diebesturm. Ein Text wird rezitiert. Es geht um Spuren  – die aus der Vergangenheit, von Kriegen und friedlichen Zeiten, aber auch um unsere eigenen Spuren. Die Scheinwerfer im Gras werfen die Schatten der Tänzerinnen an den Diebesturm.

Gevatter Tod

Hendrik Hoffmann liest das Märchen vom Gevatter Tod

So begann gestern ein berührender Abend voller Zauber und Poesie. Unter dem Titel „Tanzspuren“ hat Angela Foid mit ihrer Modern Dance Company und befreundeten Künstlern zum Wachenheimer Stadtjubiläum eine ungewöhnliche Reise zusammengestellt. Vom Marktplatz entlang der Stadtmauer bis zum historischen Zehnthof, durch die Jahrhunderte und zu den immerwährenden Themen Liebe, Tod, Schönheit und Kunst. Heute, am Samstag, 21. Mai, kann man ab 21 Uhr das Programm nochmal erleben.

Tanz Stadtmauer

Die Modern Dance Company vor der illuminierten Stadtmauer

Die ausdrucksvollen Tänze der Modern Dance Company stehen im Mittelpunkt des Abends. Vor der Stadtmauer gegenüber des Bürgerspitals tanzt das Ensemble zur Musik „Chevalier de Sangreal“, die Hans Zimmer für den Film „Da Vince Code“ geschrieben hat. Als Teil der Performance zaubert Nelson Paixao  eine Light Show an das historische Gemäuer. Kaum endet die Darbietung, kommen aus dem Dunkel die jüngsten Schülerinnen von Angela Foids Raum für Bewegung. Mit bunten Lampions bewegen sich die Mädchen im freien Tanz über die Wiese, Glühwürmchen gleich, zart und harmonisch.

Glühwürmchen

Der Glühwürmchentanz der Schülerinnen von Angela Foid

Zum Abschluss des Abends führt der historisch gewandete Pierre Amblard die Gäste in die Mittelgasse. Hier hat Arnhild Grünagel den historischen Zehnthof für die Tanzspuren geöffnet. Feuerschalen und Fackeln erleuchten den verwunschenen Garten. Für müde Besucher stehen Stuhlreihenbereit. Die Gruppe Patapan spielt mittelalterliche Musik mit Drehleier und Laute , das Ensemble um Anna Auclair singt „Spinn, Spinn, meine liebe Tochter“ – dazu surrt ein echtes Spinnrad. Auch Hendrik Hoffmann von der Kulturey ist wieder dabei, der schon die Lesungen entlang der Stadtmauer gestaltet hat.

Das tänzerische Finale eröffnen die Kinder mit ihrem Geistertanz. Die abwechslungsreiche Choreografie passt wunderbar zum „Danse Macabre“ von Camille Saint-Saens. Genauso poetisch setzt dann die Modern Dance Company Claude Debussys symphonische Dichtung „L’apres Midi d’un Faun“ um. Dynamisch wird es noch einmal zum Abschluss mit dem Hexentanz zur Musik der samischen Sängerin Mari Boine.

Die begeisterten Zuschauer im Zehnthof-Garten waren sich einig, dass Angela Foid hier mit ihrem künstlerischen Netzwerk ein ganz besonderes Erlebnis geschaffen hat. Mit der Verbindung von historischen Gemäuern, musikalischer Zeitreise und zeitlosen künstlerischen Themen sind die Tanzspuren ein toller Beitrag zum Wachenheimer Stadtjubiläum.

Wer sich das Da Capo heute Abend nicht entgehen lassen möchte: Die Tanzspuren starten um 21 Uhr auf dem Marktplatz an der St. Georgs-Kirche, das Ende ist gegen 23 Uhr im Zehnthof. Der Eintritt ist frei, Spenden für Künstler und Technik sind willkommen.

Tanzspuren

Damit die Ankündigung nicht in den Kommentaren untergeht, mache ich hier mal einen ganz kurzen Beitrag daraus:

Karoline Ries Sagt:
3. August 2011 at 18:57 e

CantoDelMondo singt am 19.8.2011 um 20.00 Uhr in der Klosterkirche in Seebach. Eintritt frei, Spenden zu Gunsten der Klosterkirche willkommen.

 

Na dann, erst zum Erhalt der Klosterkirche spenden und am nächsten Abend in der Ruine einer Klosterkirche – hätten damals schon mehr Chöre Benefizveranstaltungen abhalten sollen – lachen bei Chako auf der Limburg.

Nach reichlich politischer Kost möchte ich heute mal wieder über etwas schreiben, das nur unter größten Anstrengungen zu Kontroversen führen kann: das kulturelle Leben Wachenheims. Halt, eine Gesamtbetrachtung des kulturellen Treibens böte dann wohl doch wieder Ansatzpunkte der unterschiedlichen Realitätsdeutung. Deshalb beschränke ich mich auf eine Ankündigung.

Wachenheim hat einen neuen Chor, neu jedenfalls für mich. CantoDelMondo. Unter der Leitung von Alexander Wendt hat der gemischte Chor internationale Stücke einstudiert.
Und die wird er am 19. September um 17 Uhr in der Protestantischen Kirche erstmal zum Besten geben. Unsere liebe Freundin Simone, die mitsingt, hat mir versichert, dass es sich lohnt, mit offenen Ohren hinzugehen.

Karten kosten 8 € an der Abendkasse, im Vorverkauf 6 € (im Schellack, in der Eule und im Dürkheimer Buchladen Frank).

Wer CantoDelMundo in Wachenheim verpasst, hat am 3. Oktober, ebenfalls um 17 Uhr, in der Seebacher Klosterkirche Gelegenheit, das Versäumnis aufzuholen.

Sollten Chorsänger oder -sängerinnen unter den Blogrezipienten sein, freuen wir uns über Kommentare mit näheren Informationen.

Liebe Leser, ich sage bewusst nicht Wachenheimer!

Als ich vor ein paar Wochen die Frage stellte, warum sich jeder einzelne von uns als Wachenheimer fühle, war mir das Absurde dieser Frage überhaupt nicht bewusst. Erstens darf ich diese Frage gar nicht stellen. Zweitens ist es so, als ob ich darüber schriebe, wie ich mich als Christ an Weihnachten fühle. Weil ich kann ja gar kein Christ sein. Häh?!

Ich habe in den letzten Tagen gelernt, dass man noch nicht mal Wachenheimer sein kann, wenn man ein von der Mehrheit der Wachenheimer gewählter Bürgermeister ist. Aber auch hier halt. Ist der Bechtel eigentlich legitim, dieser Amtsräuber, der es ja nur geschafft hat, weil alle diese Fremden genau eben diesen Fremden gewählt haben. Diese Typen aus den Neubaugebieten, die sich unter dem Mantel der Demokratie, das System zu Nutze gemacht haben, um es von innen heraus zu zerstören. Jetzt boykottieren diese anderen auch noch den Neubau eines städtischen Monuments für das Wachenheimer Volk. Und der legitime F. oops da wäre mir fast etwas herausgerutscht, Herrscher wird diffamiert, auch unter dem Mantel der demokratischen Streitkultur, Vorwände alles nur Vorwände von diesen Demokraten, die doch tatsächlich eine Mehrheitsmeinung, eine durch demokratische Wahlen bestätigte übrigens, durchsetzen wollen.

Da wird sich seit Jahren auf Bundesebene Gedanken gemacht, das Staatsbürgerrecht zu reformieren, aber hier bei uns, oh Entschuldigung, bei euch in Wachenheim, sind die Sachen noch klar. Es hängt vom Blute ab. Ich frage mich, als Dissident, ob der Neubau der Stadthalle vielleicht nur der erste Schritt ist einen GULAG zu bauen, die Dimensionen hätte er. Und die Sache mit Weihnachten. Ich werfe sofort den Weihnachtsbaum weg und baue die Krippe ab, weil ich darf ja nicht an meinen Gott glauben. Der war ein ein Fremder, mein Gott, der kam aus dem mittleren Osten und hat sich dann von seinen subversiven Jüngern einen europäischen Namen geben lassen, damit er unsere gewachsene germanische Kultur, hoch lebe Odin, von innen heraus verfaulen lassen kann.

Frank Mehlmer

PS

Liebe FWG’ler, die sich für den Inhalt dieses Flugblattes verantwortlich zeichnen. Ich danke Ihnen, dass Sie dies als konstruktive Kritik und eine Satire auffassen.

Sollten sie das nicht tun, habe ich das Gefühl, dass sich einige von Ihnen schämen sollten und ein bisschen an Ihrer demokratischen Kultur, falls vorhanden, feilen sollten. Da FWG ja Freie Wähler Gemeinschaft heisst, habe ich Hoffnung, dass die wirklichen Freigeister, deren geistigen Väter diese Partei auch gründeten, sich mehrheitlich in der Partei bemerkbar machen und diese plumpen, fast Faschistoiden Wachenheimer Gemeinschaftsattacken  auf demokratische Mitbürger unterbinden werden. Aber auf der anderen Seite, wieviele Parteien, die sozialistisch in Ihrem Zuge hatten, waren eben dies auch?! Sie treten mit den Füssen, was diese Freien über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben. Aus verletztem Stolz, der aus einem demokratischen Vorgang resultiert.