Stell Dir vor, es ist Stadtratssitzung, und kein Wachtenblogger geht hin. Das ist leider heute der Fall: Achim hat einen beruflichen Termin, und die anderen Wachtenblogger hüten Kinder – und schauen (Frank, Du ja bestimmt auch) das Argentinien-Spiel.

Dabei wäre die heutige Stadtratssitzung bestimmt spannend gewesen. Auf der Tagesordnung des öffentlichen Teils standen laut Amtsblatt und Rheinpfalz:

  • Änderung des Flächnnutzungsplans: Das Neubaugebiet „Auf der Höhe“ soll bis an die Bahnlinie ausgedehnt werden. Das Gewerbegebiet am Alten Galgen soll ebenfalls erweitert werden, dort geht es um Grundstücke hinter dem Sportplatz.
  • Zusätzliches Personal für die „Pusteblume“: Die Kindertagesstätte braucht wohl eine weitere Mitarbeiterin. Grund sind die vielen Kinder, die Sprachauffälligkeiten haben (40), in ergotherapeuthischer Behandlung sind (12) oder als Windelkinder besonders viel Hilfe brauchen. Wow, 40 Kinder mit Sprachauffälligkeiten, das ist mehr als ein Viertel der (laut Pusteblume-Homepage) 151 Kinder! Kann das sein?
  • Mal wieder Multifunktionshalle: Hier fragt die Verbandsgemeinde nach dem aktuellen Stand. Sie will das Projekt wohl finanziell unterstützen, wenn die Halle auch der Schule zu Gute kommt. Da habe ich ein Verständnisproblem: Welche Schule? Es kann sich ja nur um die Grundschule handeln, denn die IGS geht ja gerade in die Trägerschaft des Kreises über. Braucht die Grundschule jetzt eine Multifunktionshalle?

Da wir nicht dabei sein konnten, warten wir gespannt auf den Bericht in der Rheinpfalz. Oder können Sie aushelfen, liebe Leser? Wenn jemand heute dabei war, würden wir uns über einen Kommentar freuen!

Schade, dass die neue Multifunktionshalle zur Rettung der IGS und der Wachenheimer Vereine noch nicht fertig ist. Sonst könnte sich Wachenheim nämlich um die Ausrichtung des Eurovision Song Contests bewerben und den Stadthaushalt mit einer Veranstaltung sanieren. Die Künstler könnten ja privat untergebracht werden und für die Presse würde sich auf dem defizitären Campingplatz sicher auch ein Plätzchen finden. Falls die baltischen Staaten weiterhin so abgedrehte Gruppen in die Halbfinals schicken, würde ich für eine Gruppe aus Estland, Lettland oder Litauen ein Zelt im Garten aufstellen.

Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Stefan Raab schlägt ja vor, Lena zur Titelverteidigung zu melden. Dann bliebe ja ein weiteres Jahr Zeit, die Planungen anzupassen, zur Not auch die alte Stadthalle Grand Prix tauglich zu machen. Der Frühlingsempfang geht doch auch, da werden ein paar mehr Leute auch unterzubringen sein. Vielleicht könnte dann auch die dringend nötige U-Bahn gebaut werden, die entlegenere Gebiete Wachenheims mit der Innenstadt oder mobilitätseingeschränkte Innenstädter mit den grünen Wiesen jenseits des Horizonts verbinden könnte. Mit den Fernsehgeldern der European Broadcasting Union alles kein Problem. Ohne die Gelder könnte der Bau einer Halle vielleicht eventuell unter Umständen angesichts der monetären Situation der Stadt ein wenig unvernünftig erscheinen. Außer, man plant ein Süßwarenemporium für die Schüler mit ein. Die Stadt stellt Automaten auf, die Vereinigung der kassenärztlichen Zahnärzte und Haribo sponsern das ganze, die Uni Heidelberg startet noch eine schicke Studie zu Fehlernährung bei Minderjährigen…

Mit ein bisschen Nachdenken kommen da doch noch Ideen

Im Themengemenge Supermarkt-Stadthallensanierung-Mehrzweckhalle hat sich, wie die RHEINPFALZ heute berichtet, die SPD mit einem Vorschlag gemeldet. Sie schlägt vor, statt dem unter Wachenheimern mehrheitlich ungeliebten Supermarkt im Pfortenstück und dem per Bürgerentscheid deutlich abgelehnten Pfalzauditorium im Oberstnest einen Einkaufsmarkt mit städtischen Räumen eben dort zu errichten.

Ein Supermarkt neben der Schule? Da wäre ja schon einmal ein Aufenthaltsraum für die Sechstklässler geschaffen. Man darf gespant sein,was da Frau Hüttner für die Grundschule und Herr Dumont für die IGS zu sagen haben.

Satire mal schweren Herzens beiseite geschoben, muss die Frage erlaubt sein: Braucht Wachenheim einen zweiten REWE, wie auch immer er dann heißt? Der städtische Haushalt ist pleite und wenn die Bundesregierung nicht zu Vernunft kommt, wird sich das in den kommenden Jahren nicht ändern. Muss sich die Stadt da ohne Not ein teures Projekt ans Bein heften?

Ob die Sanierung der alten Halle uneingeschränkt sinnvoll ist, sei dahin gestellt. Doch wenn ich richtig informiert bin, sind bislang alle Zuschussanträge der Stadt für einen Hallenneubau abgelehnt worden. Warum soll sich dass ändern, wenn das Land weniger Geld zu verteilen hat?

Gibt es nicht in Wachenheim noch irgendwo Räume, die man für Veranstaltungen und Vereine nutzbar machen kann? Die Kulturscheune etwa könnte räumlich sicher einen Neujahrsempfang (wann gibt es den eigentlich?) unterbringen. Chöre könnten dort auch auftreten. Auch im Sektschloss kriegt man eine schöne Bühne unter. In den vergangenen Jahren gab es jetzt nicht sooo viele Veranstaltungen in der alten Stadthalle.

Und Räume für die Vereine? Weiß jemand eigentlich, wie viele Vereine einen Raum benötigen? Wäre dankbar für einen Kommentar. Für ein paar Millionen Euro, die jede der in keinem Raum stehenden Varianten kosten würde, kann man als Stadt eine ganze Menge Zimmer eine ganz schön lange Zeit anmieten.

Oder man könnte das Postgebäude mal auf seine Tauglichkeit für Vereinsräume überprüfen. Macht der Raumbedarf für Vereine einen Neubau angesichts der Kassenlage wirklich notwendig?

Und den Bedarf der IGS hat Herr Dumont, ihr Leiter, ja inzwischen öffentlich gerade gerückt.

Bin auf die Diskussion im Stadtrat gespannt. Ich hoffe, dass Konzept wird dort erläutert.

Ach ja, im Stadtrat wird es wohl auch in Zukunft Abstimmungen geben. Dass immer noch, wie in den vergangenen Jahren, nach Mehrheiten, statt nach Konsens gesucht wird, hatte  SDP-Vorsitzender Jürgen Rohr bemängelt. Vielleicht habe ich im Sozialkundeunterricht zu oft blau gemacht, aber ging es nicht in der Demokratie um Mehrheitsentscheidungen?

Liebe Leser!

Zu unserer Freude als Wachtenblogger begann der Februar mit einem, von unserer Sicht aus gesehenen, Paukenschlag. Bisher gab es keinen Tag mit einer höheren Zugriffsquote auf unsere Seite als den Gestrigen.  Die Quote bewegte sich im hohen Hunderterbereich und das ist für eine solch kleine Seite und ein solch kleines Team eine riesige Freude, daß das, was uns Freude bereitet, nämlich über unser Gemeinleben zu schreiben und zu berichten, einen solchen Anklang bei Ihnen findet. Anklang nicht im Sinne von ungeteilter Zustimmung zu unseren Inhalten, aber Anklang im Sinne von Interesse an den Themen, egal aus welchem Blickwinkel.

Wir freuen uns sehr!

Eigentlich kennt man das ja seit frühster Kindheit: In jeder Kindergartengruppe gibt es mindestens einen Rabauken, jedes Dorf braucht einen Dorfdepp, jede Schulklasse hat ihren Klassenkasper. Und in Wachenheim haben wir halt die Flugblatt-Autoren der FWG. Deren George-Bush-Rhetorik (es wird etwas Schreckliches passieren, wenn wir uns nicht sofort in ein schwer zu rechtfertigendes, aber unglaublich teures Projekt stürzen) hat jetzt Kathrin Keller in einem wundervollen Rheinpfalz-Artikel auseinander genommen.

Für alle, die morgens nicht die Nase in die Tageszeitung stecken: Das FWG-Pamphlet hatte argumentiert, dass Wachenheim die Multifunktionshalle braucht, um nicht den Wettbewerb gegen Deidesheim um die Oberstufe der Integrierten Gesamtschule (IGS) zu verlieren. Katrin Keller hat bei IGS-Leiter Georg Dumont nachgefragt, und der verwahrt sich gegen eine ganze Reihe falscher Behauptungen in der FWG-Broschüre.  Angefangen damit, dass es gar keinen Wettbewerb gibt – dass alle Klassen ab der 7. nach Deidesheim kommen, ist schon längst entschieden. Mehr zum FWG-Flugblatt haben wir schon im Dezember gebloggt.

Dass die FWG mit falschen Behauptungen Ängste weckt, um strittige Bauprojekte durchzusetzen, sind wir ja inzwischen gewohnt. Mit der IGS-Diskussion ist das Wachenheimer Schmierentheater aber nun über die Stadtgrenze hinaus gegangen. Und da hört der Spaß auf. Wollen wir wirklich im ganzen Landkreis als der Ort dastehen, in dem sich nicht nur der Karnevalsverein wegen nicht beizulegender Streitigkeiten auflöst, sondern auch jede politische Auseinandersetzung eine karnevalistisch-kafkaeske Form mit bissig-scharfen Untertönen annimmt?

Wer hat denn außer mir das neue Kampfblatt der FWG gelesen? Glauben die, dass das außerhalb der FWG jemand ernst nimmt?

Nimmt der Stadtrat der IGS die Zukunft? Kann er ja erst mal nicht, weil die Stadt gar nicht Schulträger der IGS ist. Das wäre dann wohl die VG Wachenheim, oder? Wie nähme der Stadtrat der IGS die Zukunft, wenn er da was zu sagen hätte? Nach Meinung der FWG, weil die multifunktionale Halle nicht gebaut werden soll. Schön, dazu gibt es zwar noch gar keine Ratsentscheidung, aber behauptet ist das ja schon mal schnell.

Neu ist, dass die FWG jetzt mahnt, dass ohne die Halle die Schule bald komplett nach Deidesheim wandert und mit der Halle die gesamte IGS vielleicht nach Wachenheim komme. Wie denn das? Mal ganz abgesehen von längst oberhalb von Wachenheim gefallenen Entscheidungen (in Wachenheim bleibt die Orientierungsstufe, alles andere wie gehabt in Deidesheim) müssten dann flott ein paar Klassenräume her. Bisher war davon ja nie die Rede, nur von einer Aula und einer Mensa.

Wie viele Klassenräume bräuchte ein solches Gebäude? Die IGS ist für 120 Schüler pro Stufe genehmigt, also für vier Klassen zu je 30 Schülern. Falls das vielnamige Gebäude also für alle Klassen 7 bis 13  bieten soll, wie im Konzept der FWG, müssten im Plan dazu für die Mittelstufe 16 Klassensäle plus 5 oder 6 für die Oberstufe (da wären dann Fachräume für Chemie oder Physik noch nicht drin, ebensowenig Aufenthaltsräume) enthalten sein. Dazu noch ein Saal, eine Bibliothek und ein paar Räume für Vereine? Ein Saal und gut 25 Räume beachtlicher Größe. Das wäre ein gewaltiges Gebäude, mit dem die FWG die IGS nach Wachenheim ziehen will und so die Stadt retten. Das alles war in der Planung drin, die der Stadtrat angeblich abgelehnt hat? Den Plan hätte ich gerne mal gesehen.

Und das würde bezuschusst werden, behauptet die FWG. Und zwar mit 1,5 Mio Euro. Die Anträge für die alte Planung wurden mehrfach abgelehnt. Für Postgebäude und alte, unsanierte Stadthalle sollen 500.000 Euro  laut Kostenplanung der FWG erzielt werden . Das wird bestimmt nicht einfach. Ist es nicht vielleicht auch ein wenig unseriös, diese Summe (und nicht bewilligte, bei früheren Anträgen abgelehnte) Zuschüsse einzurechnen und dann zu behaupten, der Neubau käme die Stadt billiger als die Sanierung der Stadthalle? Wie kommt man auf sowas? „Wein als Identität der FWG“ schreibt jemand vom Verein. Das erklärt natürlich einiges.

Aber mal im Ernst. Gruselig sind die Worte an den Bürgermeister. Das sollte zitiert werden für alle die, die das Blatt ungelesen entsorgt haben: „Mit diesem politisch motivierten Angriff auf unsere Schule befürchten wir, dass das Amt des Bürgermeisters Schaden nimmt und Sie ein Fremder in unserem Ort bleiben.“ Ein Fremder! Was ist das denn für eine Wortwahl? Wir Fremde sind aus verschiedenen Gründen nach Wachenheim gekommen und uns gefällt es hier. Wir bringen uns auch gern ein und engagieren uns. Fremde? Klingt wahnsinnig integrativ und gastlich. Befremdliche Wortwahl.

Und dann findet sich da noch folgender lustiger Satz, der auch ein Zitat wert ist: „Der Stadtrat wird als demokratische Institution missbraucht…“ Pfui, den Stadtrat als demokratische Institution zu behandeln, das geht eindeutig zu weit.

Hoffentlich kommt es bald zu einer echten Gegenüberstellung der Pläne für Sanierung und Neubau – ohne unnötig abstruse Argumente.

Vor einigen Jahren haben die Wachenheimer über den Bau des Kurpfalzauditoriums im Oberstnest abstimmen dürfen – und waren mit Dreiviertelmehrheit dagegen. Aber das heißt ja nichts. Ist ja nur die Bürgermeinung. Und mit einem neuen Namen ist sicher auch ein neuer Bedarf und eine neue Akzeptanz verbunden, dachte man sich wohl für eine Weile im Rat, nachdem die bindenende Wirkung des Bürgerentscheids passé war und Herr Nagel das Projekt wieder auf den Tisch brachte.

Jetzt war es die Schule, die die Halle unbedingt brauchte – als Aula. Erinnern wir uns nicht alle an die vielen Stunden, die wir in der Aula unserer Schule verbrachten? Meine Schule hatte sogar zwei, die außerhalb von Abiturfeiern etwa die Funktion eines extravagant breiten Flurs hatten. Dumm nur, dass die Gesamtschule in Wachenheim keine Aula braucht. Und noch dümmer, dass die Halle drumherum 4 Millionen Euro kosten soll. Und am allerdümmsten, dass man bei maßgeblichen Stellen den Bedarf dafür nicht sieht und daher dreimal ablehnte, einen Zuschuss für eine neue Halle zu geben. Doch halt! Der ehemalige Bürgermeister hat wieder in die Zukunft geblickt. Wir brauchen Räume für die Schule, weil – aufgemerkt – Herr Nagel davon ausgeht, dass die Gesamtschule verplichtende Ganztagesschule wird.

Über den Sinn der freiwilligen Ganztagsschule kann man diskutieren – ich habe drei paar Jahre eine AG im Ganztagsangebot der Wachenheimer Grundschule geleitet und finde, dass Ganztagsschule nur Sinn macht,wenn der Unterricht und die Hausaufgaben über den gesamten Tag gestreckt werden. Davon abgesehen wollen beileibe nicht alle Eltern eine Ganztagsschule, die für die gewohnten Nachmittagsaktivitäten kaum Spielräume läßt. Und überhaupt geht das alles am Thema vorbei, denn wie Katrin Keller völlig richtig schreibt, ist die Raumplanung der Gesamtschule gar nicht Aufgabe der Stadt Wachenheim.

Wozu brauchen wir eine solche Halle also, wenn man ominöse Orakel außer Acht läßt?  Um neue Parkplätze zu haben? Da käme der Bau eines Parkplatzes ohne Halle billiger. Erfreulich, dass das Ganze jetzt noch einmal durchleuchtet wird und auch neue Ideen erwünscht scheinen.