Das erste Wurstmarkt-Wochenende bedeutet für Wachenheim ja immer auch das erste Wochenende ohne Schwimmbad. Vergangenen Sonntag war ich nochmal zum Abschieds-Schwimmen im Freibad – und war damit trotz des eher mäßigen Wetters in guter Gesellschaft. Wie jedes Jahr war ich ein bisschen traurig, dass es am ersten Septemberwochenende Schluss ist mit dem Badespaß. Gerade nach dem wettermäßig sehr bescheidenen August, so dachte ich, könnte eine Verlängerung in einen hoffentlich nochmal sonnigeren September doch Sinn machen.

Bestimmt war ich nicht die erste, die Bademeister Ralf Johanssen auf diese vermeintlich grandiose Idee ansprach. Er hat mir sehr geduldig erklärt, warum es eben keinen Sinn macht: Bei nicht wirklich idealen Bedingungen kommen vor allem die eingefleischten Fans in Schwimmbad. Die zahlen aber oft nicht pro Besuch, sondern kaufen sich schon früh eine Saisonkarte. Also bringen zusätzliche Öffnungstage nicht deutlich mehr Einnahmen, verursachen aber Kosten für Heizung des Wassers, Dusch- und Toilettenwasser, etc. „Freut Euch einfach über die Zeit, die das Schwimmbad geöffnet ist, weil die Stadt jedes Jahr das Geld hineinsteckt“, riet Johanssen.

Tatsächlich macht das Wachenheimer Freibad – wie eigentlich jedes öffentlich finanzierte Schwimmbad – Jahr für Jahr Verlust. Kostendeckend arbeiten nur private Spaßbäder, die allerdings deutlich höhere Eintrittspreise verlangen und daher für die meisten Familien nicht zum regelmäßigen Freizeitvergnügen taugen. Der Verlust des Wachenheimer Schwimmbads wird bei uns glücklicherweise durch die Gewinne der Stadtwerke aufgefangen. Ein guter Grund für Schwimmbad-Fans, zum Beispiel auch beim Strom auf den lokalen Anbieter zu setzen.

In anderen Kommunen ist es nicht selbstverständlich, dass die Bäder finanziert werden. In Grünstadt zum Beispiel ist das Allwetterbad bis auf weiteres geschlossen. Insgesamt fallen immer mehr Schwimmbäder den kommunalen Einsparmaßnahmen zum Opfer. Das ist nicht nur schade für die Freizeitgestaltung, sondern führt auch dazu, dass immer mehr Kinder überhaupt nicht oder nicht sicher schwimmen lernen.

Laut DRK-Wasserwacht Rheinland-Pfalz sind ein Viertel der Fünft- bis Siebenklässer im Land Nichtschwimmer. In Niedersachsen soll laut DLRG die Hälfte aller Viertklässler nicht in der Lage sein, sich selbständig über Wasser zu halten. Das ist nicht nur schade, sondern kann tödliche Konsequenzen haben, wie jedes Jahr die erschreckend hohe Zahl von Badeunfällen zeigt.

Auch in Wachenheim kann nicht jedes Grundschulkind sicher schwimmen, wie Bademeister Johannsen bei den jährlichen Besuchen der Drittklässler feststellt. Die Nichtschwimmer-Rate ist bei uns aber deutlich niedriger als die landesweit veröffentlichten Zahlen. Das liegt wahrscheinlich nicht nur am Vorhandensein des Schwimmbads, sondern auch daran, dass Kinder hier einen Schwimmkurs machen können ohne die in Großstädten üblichen Wartezeiten. Wenn Herr Johannsen mal in Pension geht, wird er wahrscheinlich nicht nur Dutzenden, sondern Hunderten von Wachenheimern das Schwimmen beigebracht haben.

Was auchmal geblogt werden muss: Mit seiner gelassen-souverän-humorvollen Art ist RalfJohannsen ein ebenso untypischer (zumindest in meiner Erfahrung) wie angenehmer Bademeister, was auch zur Wohlfühl-Atmosphäre in Wachenheims nassem Wohnzimmer beiträgt. Und so bin ich jetzt einfach nur froh, dass wir auch im September 2014 dem Schwimmbad nicht „Adieu“ sagen müssen, sondern „Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!“

Man muss das Leben von der virtuellen Realität, an sich ein Paradoxon, in die reale Realität, schöne Tautologie, bringen.

So heisst es jedenfalls immer. Daß sich dies nicht immer trennen lässt, bzw. ineinander verzahnt ist, konnte ich kürzlich am eigenen Leib erfahren.

Ich ging mit meiner Familie auf die sogenannte After Work Party im Isegrimm Hof in Ungstein. An einem Tisch, an dem zufälligerweise ein ehemaliger Kollege, den ich ewig nicht gesehen hatte, ebenfalls mit Familie, von mir saß, fanden wir noch Platz, und bei Schorle und Käseplatte, bei der man übrigens das Brot extra bezahlen musste!!, kamen wir so ins Reden.

Im Laufe des Gesprächs kam das Thema auf Wachenheim, Kommunalpolitik, Supermarkt usw. Auch wurde von der Ehefrau die Berichterstattung unserer Rheinpfalz bemängelt, die doch sehr eindimensional sei. Ich konnte dann natürlich nicht umhin, ohne mich vorerst zu outen, nach dem Wachtenblog zu fragen, ob der denn bekannt sei.

Na ja, die Antwort war nicht unbedingt so, wie ich mir das gewünscht oder vorgestellt hatte. Es gab die volle Breitseite. Provinziell, ahnungslos waren da noch die harmloseren Dinge. Ich versuchte dagegen anzudiskutieren, aber ich drang mit meinen Argumenten nicht gegen die Vehemenz der Ablehnung durch.

OK, das muss man schlucken. Kennen wir ja.

Im weiteren Verlauf kamen dann die typischen Fragen, wenn man sich jahrelang nicht gesehen hat. Ich stellte die Frage, nach dem Beruf, bzw. dem Job der Ehefrau meines Exkollegen.

Und da schloss sich der Kreis, Strom floss und meines Unverständnis wandelte sich, mit einem Lächeln, in Verständnis für die vehemente negative Beurteilung unseres kleinen Blogs.

Der Arbeitsplatz der Frau meines ehemaligen Kollegen ist bei den Pfalzwerken, 123 Strom oder so. Und man war sich schon ein Mal auf dem Blog begegnet, indirekt eigentlich, aber doch direkt. Bei der Diskussion um Strompreis und Schwimmbad war sie führend mit im Team der Pfalzwerke, das in der Pressearbeit gegen meinen lieben Mitblogger Achim argumentierte.

Es war dann noch ein schöner Abend, der mit einigen Schorle und der Erkenntnis zu Ende ging, daß auch Ablehnung eine Form der Wertschätzung sein kann. Und dass es eine Realität neben dem Netz gibt, in der man sich begegnet, in die Augen schaut, und trotz verschiedener Meinungen viel Spaß miteinander haben kann.

Streng genommen sucht natürlich nicht der Raum, sondern die Stadt oder die Stadtwerke einen Pächter für den Schwimmbadkiosk. Denn  – für uns nicht so gut wie für sie – die Pächterin von 2011 hat einen Ganzjahresjob gefunden.

Sollte unter den Wachtenblog-Lesern jemand Lust haben, den Sommer ausgiebig im Schwimmbad zu verbringen, oder jemanden kennen, der schon immer mal einen Kiosk betreiben wollte, dann meldet euch doch bei der Stadt.

Die Pfalzwerke wollen derzeit den Stadtwerken Wachenheim Kunden abspenstig machen. In einer Marktwirtschaft selbstredend ein legitimer Vorgang. Wechselt eine Familie mit Gas und Strom zu den Pfalzwerken, hier als 123energie, wechselt, spart nach deren Beispielrechnung knapp über 600 Euro. Das ist eine Menge Geld.

Garantiert wird der Preis aber nur bis zum 1. September 2011. Wie sich der Preis danach entwickelt, ist reine Spekulation. Aber schon bemerkenswert, dass der Pfalzwerke-Flyer schon ein paar Tagen vor dem Brief der Wachenheimer Stadtwerke in den Briefkästen lag, in dem sie ihren Kunden die Erhöhung der Preise erläutert.

600 Euro Ersparnis – wenn sie dann tatsächlich zuträfen – sind beträchtlich. 50 Euro im Monat. Aber da ist ja noch das Wachenheimer Schwimmbad. Das macht Jahr für Jahr Verluste von rund 140.000 Euro. Klingt viel, mindert aber auch die Steuerlast der Stadtwerke kräftig. Und die übernehmen den Verlust. Nur so können wir uns den Luxus Schwimmbad leisten. Angenommen, 100 Stadtwerkekunden wechselten zu 123energie – da fehlten bei den behaupteten 600 Euro Ersparnis den Wachenheimer Stadtwerken mal flott 60.000 Euro. Das läppert sich!

Nun sollte der Erhalt des Schwimmbad natürlich nicht der Hauptgesichtspunkt bei der Wahl des Energieversorgers sein, aber ich wollte den Zusammenhang nur mal erwähnt haben.

Der Haushalt ist beschlossen. Gegen die Stimmen der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG) und einer Stimme der Wachenheimer Liste (WL) bei zwei Enthaltungen. Das mal vorneweg. Wachenheim muss einen Batzen Schulden machen – etwa eine Million €  – und wird am Ende des Jahres mit 4,8 Millionen € in der Kreide stehen.

Hauptkostenfaktor ist in diesem Haushalt die Burg. Das neue Funktionsgebäude und die Sanierung der Vorburg kosten viel. Satte Zuschüsse, die beides überhaupt erst ermöglichen (neben der sensationellen Arbeit des Fördervereins natürlich), gibt es aber nur jetzt. Die Zuschussgeber hatten angedeutet, dass sie eine breite Zustimmung für den Haushalt, in dem die Maßnahmen enthalten sind, erwarten. Bleibt abzuwarten, wie sie die fünf Gegenstimmen werten.

Teuer auch die Sanierung des Friedhofs. Den betrachtet die FWG jedoch als sozialen Treffpunkt,  und sieht das Geld dort gut angelegt. Da sind die Geschmäcker vielleicht verschieden.

Obwohl der Haushalt den finanziellen Rahmen der Wachenheimer Kommunalpolitik in der unmittelbaren Zukunft vorgibt, ging es doch auch noch um die Grabenkämpfe der Vergangenheit. Da wurden etliche Pfeile verschossen, zum Beispiel wurde an die kostspielige Kunstrasensanierung des Sportplatzes ohne Zuschussantrag erinnert. Unerwartet und vielleicht nicht so gemeint auch die Kritik von Andreas Berger an der Haushaltsführung von Bürgermeister Bechtels Vorgänger Nagel. Er bezeichnete den Entwurf des Haushalts als einen Scheideweg: Weiter so oder anders. Er meinte, ein ‚weiter so wie früher‘ führe in den Abgrund – und der Entwurf des Haushalts sei ein weiter so.

Einiges an Kritik erntete auch der städtische Erwerb des Hauses Entengasse 1, um dort Parkplätze zur Belebung der Innenstadt einzurichten. Zugegeben, wenn ich es so schreibe, will sich der Zusammenhang nicht sofort erschließen.

Großes Sorgenkind – gemessen an der Zahl der Wortbeiträge – ist aber das Schwimmbad.  Andreas Berger und Arnold Nagel waren sich einig, dass sich Wachenheim das Schwimmbad so wie es jetzt getragen wird auf Dauer nicht leisten kann. Tatsächlich kann kein noch so heißer Sommer das Defizit deutlich dezimieren. 125.000 € Verlust plant der Haushalt jährlich ein. Mehr Bürgerengagement wurde als Möglichkeit erwähnt. Angesichts der gewaltigen Fehlsumme, die Jahr für Jahr zu Buche schlägt, sind tatsächlich Ideen gefragt. Sicher ausreichend Stoff für einen eigenen Beitrag.

Ein Punkt, den Andreas Berger ansprach, war der Zuschuss der Stadt zum Weinfest in Höhe von 13.000 €. Der sei kaum gerechtfertigt, da kaum noch Wachenheimer das Weinfest beschicken.

Und dann waren da ja noch die Dauerthemen Lebensmittelversorgung und Multifunktionale Wollmilchgebäudesau – diesmal als Kombiplatte fürs Oberstnest als Antrag der SPD. Eine Schokoriegelquelle direkt an die Schule? Auch sollen alternative Standorte für eine Lebensmittelversorgung untersucht werden. Das wäre allerdings mal eine gute Idee, da ja die Matrix, mit der das Pfortenstück als idealer Standort „gefunden“ wurde, etwa so ergebnisoffen war wie ein Prozess gegen einen Drogenhändler in China.

Natürlich gab es noch jede Menge Zahlen, die meisten stellten Verluste und Kosten dar. Tatsächlich erwirtschaften nur zwei Posten im Haushalt Gewinne: Der Bauhof und das Bestattungswesen. Aber wie sagte doch Michael Wendel von der Wachenheimer Liste so schön: “ Ich will nicht hoffen, dass das Bestattungswesen allzu sehr floriert.“

Ach, und eine Skater-Bahn steht wieder im Haushalt. Bürgermeister Bechtel bemerkte, dass die seit Jahren von Haushalt zu Haushalt geschoben wurde, und will jetzt möglichst schnell einen guten Standort dafür ausfindig machen.

Kurios noch: Die Wachenheimer Liste beantragte, im Themenkomplex Verkehrsberuhigung Weinstraße einen Gesamtverkehrsplan wieder in den Haushalt zu nehmen. Der Antrag wurde abgelehnt. Zwei Räte waren dafür, drei dagegen, 15 (!) enthielten sich.

Die Stadtratssitzung am vergangenen Montag hat eines deutlich gemacht: die Stadt braucht Geld.
Schon der letzte Haushalt wies ein heftiges Defizit auf und musste von höheren Stellen genehmigt werden, mit dem kommenden wird es ebenso. Also wird die Stadt angewiesen, durch die Kommunalaufsicht, wenn ich das richtig mitbekommen habe, alle Einnahmen und Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen.

In Berlin hält die große Koalition scheinbar daran fest, die Steuern zu senken. Die Kommunen werden also demnächst noch weniger Geld bekommen und ihre Gebühren für alles mögliche erhöhen müssen oder Serviceleistung einstellen. Fraglich, ob die Steuergeschenke uns wirklich genug Kohle bringen, um die Extrakosten zu tragen, die die von der Regierung ausgeplünderten Kommunen erheben müssen.

Aber was können wir Wachenheimer tun, um unser Städtchen finanziell besser auszustatten?

Hier mein Wachtenblog-5-Punkte-Plan:

1. Kauft eine Familien-Jahreskarte fürs Freibad. In den letzten beiden Jahren konnten wir unsere nie annähernd ausnutzen, aber im Wissen, dass das Schwimmbad mit seinem Defizit das Geld gut brauchen kann, kommt darüber kein Verdruss auf. Also, auch Nichtschwimmer und Singles: Kauft eine Familien-Jahreskarte fürs Freibad. Man kann dort auch einfach nur auf der Wiese liegen oder ein Bierchen trinken. Und wer weiß, vielleicht seid Ihr am Ende der Saison dann weder Single noch Nichtschwimmer.

2. Parkt mehr falsch. In Wachenheim kann man parken wie man will. Ob in Abbiegungen oder auf dem Gehweg – die Chance, ein Knöllchen zu kriegen, ist verschwindend gering. Also, parkt falsch und zeigt Euch selbst an. Allein durch abholende Eltern vorm Kindergarten könnte so ein schönes Sümmchen zusammenkommen.

3. Trinkt mehr Wachenheimer Wein. Ich weiß, mehr geht kaum. Nehmt auf die Leber Rücksicht, aber lasst uns das Haushaltsloch zu schütten. Denn gut verdienende Winzer zahlen mehr Steuern und kommen nicht in die Verlegenheit, exponierte Grundstücke an Investoren verscherbeln zu müssen. Also wichtig, mehr einheimischen Wein auf den Tisch.
Was für Wein gilt, gilt selbstredend auch für alle anderen Produkte und Dienstleistungen, die in Wachenheim angeboten werden. Wein verbraucht sich halt schneller als… sagen wir Staubsauger.

4. Werdet Vereinsmeier. Wachenheim hat viele Vereine, die Wertvolles für die Gemeinschaft leisten. Mehr Mitgliedsbeiträge macht die Vereine unabhängiger von städtischen Zuschüssen. Und bei Vereinstreffen gibt es Wachenheimer Weine…

5. Eintrittspreise für die Stadtratssitzungen. Der Unterhaltungswert der Stadtratssitzungen würde ein moderates Eintrittsgeld sicher rechtfertigen. Egal, welche Gruppierung die Welt durch Ihre Brille sieht: im Stadtrat können sie mitfiebern und auch unparteiische Beobachter kämen auf ihre Kosten. Vor dem Ratssaal könnte man natürlich lokale Produkte verkaufen, ganz im Geiste von Punkt drei.

Was kann man noch tun? Fügt dem 5-Punkte-Plan weitere hinzu! Kommentiert! Euch fällt nichts ein? Haltet Euch an Punkt 3, vielleicht sprudeln dann die Ideen? Bin gespannt.