Heute Abend kam Hoffnung auf im Wachenheimer Verbandsgemeinderat: Um bei der Planung der Supermärkte in Wachenheim und Friedelsheim/Gönnheim endlich voran zu kommen, hatten sich die gegnerischen Fraktionen im Rat angenähert. Vorab hatte Verbandsbürgermeister Torsten Bechtel (CDU) alle Gruppierungen zum interfraktionellen Gespräch geladen. Dort hatten die Fraktionsführer über einen Antrag beraten, mit dem endlich die lange diskutierten Zielabweichungsverfahren für die Supermarktstandorte in Wachenheim und Friedelsheim/Gönnheim angestoßen werden sollten. Es wurde um Worte gerungen, eine Aussage zugunsten eines Supermarkt im Wachenheimer Bischofsgarten wurde leicht abgeschwächt, dann war man sich einig. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

In der heutigen Sitzung des Verbandsgemeinderats lobten dann auch Redner aller Fraktionen Ergebnis und Atmosphäre des interfraktionellen Gesprächs. Allerdings brachten Vertreter von SPD und FWG neue Bedenken gegen den gemeinsam beratenen Antrag vor. Klaus Huter (SPD) hatte in seinen Unterlagen zur Supermarktdiskussion ein Schreiben von der Genehmigungsbehörde SGD Süd gefunden, in dem eine raumordnerische Prüfung angefordert wird. „Darüber haben wir noch gar nicht geredet“, so Huter. Arnold Nagel (FWG) forderte ein, dass zunächst die Einzelhandelskonzepte für die betroffenen Gemeinden, die seit einigen Jahren vorliegen, erst abschließend beraten und beschlossen würden, bevor über das Einleiten des Zielabweichungsverfahrens beschlossen werde.

Peter Fleischer als Fraktionsvorsitzender der FWG gab an, dass zwar ihm im interfraktionellen Gespräch detailierte Informationen gegeben worden, die Verwaltung die umfangreichen Unterlagen dann aber so spät an ihn geschickt habe, dass seine Fraktionskollegen sie zu kurz vor der Sitzung erhalten hätten. Gerade neu hinzugekommene Ratsmitglieder, die frühere Diskussionen nicht miterlebt hätten, wüssten so nicht genau, worüber sie abstimmen sollten.“Hier ist ein handwerklicher Fehler gemacht worden“, so Fleischer.

Die Kritik am späten Versenden der Unterlagen nahm Verbandsbürgermeister Torsten Bechtel an. Allerdings sollten die allermeisten Inhalte bereits bekannt sein. „Das Einzelhandelsgutachten ist hier im Verbandsgemeinderat bereits dreimal in Anwesenheit des Planers beraten worden“, so Bechtel. Die Forderungen, vor dem Zielabweichungsverfahren zunächst eine raumordnerische Prüfung oder die Verabschiedung der Einzelhandelskonzepte zu setzen, widersprechen laut Bechtel den Ansagen,die die Verbandsgemeinde von der SGD Süd bekommen habe. „Die weitere Behandlung des Einzelhandelskonzepts wäre auszusetzen, bis das Zielabweichungsverfahren abgeschlossen ist und seine Ergebnisse in das Einzelhandelskonzept eingearbeitet werden können“, so zitierte Bechtel ein Schreiben der SGD Süd, das später datiert sei als das von Huter aufgefundene. „Die SGD hat sich sehr klar ausgedrückt“, so Bechtel. „Sie wird nicht aktiv werden, bevor nicht die Ortsgemeinden und der Verbandsgemeinderat geschlossen auf sie zugehen.“

Marcus Scholz (CDU) wies darauf hin, dass man sich mit dem Anstoßen des Zielabweichungsverfahren noch nicht auf Standorte festlegen würde. Es gäbe dann viele Gelegenheiten, bei denen die Ratsmitglieder sich einbringen könnten. „Sie vergeben sich nichts, wenn Sie diesen ersten Schritt jetzt mitgehen und nicht weiter vertagen“, warb Scholz für eine Entscheidung.

Auffallend war, das anders als in früheren Debatten keine polemischen Angriffe geführt wurden. Auch die Ratsmitglieder, die im Konfliktfall zur scharfzüngigen Attacke neigen, hielten sich merklich im Zaum. Der Stil ist auf jeden Fall ein Fortschritt gegenüber bisherigen Debatten zum Thema Supermarkt.

Geholfen hat das alles heute leider nicht: Abgestimmt wurde zunächst über den Antrag, die Entscheidung zu vertagen. Er wurde angenommen – denkbar knapp mit 13 (SPD und FWG) zu 12 (CDU und FDP) Stimmen.

Das waren also zwei Schritte nach vorne (konstrutives interfraktionelles Gespräch im Vorfeld und sachliche Debatte) und zwei Schritte zurück (Suche nach Bedenken und Bestehen auf Vertagung). Beim Tanzen mag so eine Schrittfolge gut aussehen. Im politischen Ergebnis bedeutet das weiteren Stillstand bei der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Verbandsgemeinde.

Sehr schade.

Immerhin bemühten sich die Parteien um Schadensbegrenzung: „Da wir ja grundsätzlich im guten Einvernehmen waren, hoffe ich, dass wir zu einer Entscheidung kommen“, sagte Bechtel. Arnold Nagel bat, die nächste Sitzung möglichst bald anszusetzen. Vielleicht kann an dem Termin auch Bauamtsleiter Stefan Schneider teilnehmen. Er hat mit seiner ruhigen, kompetenten Art schon häufiger Klarheit in spitzfindige Verfahrensdiskussionen bringen können. Auf jeden Fall sollte es den Ratsmitgliedern bis zur nächsten Sitzung gelingen, die verschiedenen Schreiben und Aussagen der SGD in die korrekte zeitliche Reihenfolge zu bringen. Ob sie daraus auch dieselben Schlüsse ziehen? Wir werden es sehen.

St. Nimmerlein ist augenscheinlich der Schutzheilige der Bischofsgarten-Blockadefront FWG/SPD. Was ihnen im Wachenheimer Stadtrat als Minderheit nicht gelingen kann, nämlich die von der Mehrheit der Ratsmitglieder (CDU und WL) und der Bürger favorisierte Ansiedlung eines Lebensmittelmarkts in der Nachbarschaft von Gewerbegebiet und Stadion zu torpedieren, das versuchen sie starrsinnig mit ihrer Mehrheit im Verbandsgemeinderat. Der muss nämlich über die Änderung des Flächennutzungsplans entscheiden. Macht er aber partout nicht, zum x-ten Mal, wie am Dienstag wieder.

Wer bei dem Reizthema Marktstandort überhaupt noch durchblickt, dem wurde da offenbar, auf welcher Seite die Blockierer sitzen. Uneinsichtig, mutwillig, kompromissunfähig bis borniert arbeiteten FWG/SPD darauf hin, dass die Planänderung weiter in Richtung Jüngstes Gericht geschoben wird.

Obwohl der nur dem Regelwerk verpflichtete, in seiner Sachkunde unübertreffliche Bauamtsleiter unmissverständlich dargelegt hat, dass der VG-Rat zuallererst den Flächennutzungsplan ändern und sich auf EINEN Standort festlegen muss – und das kann nach Wachenheimer Beschlusslage nur der Bischofsgarten sein. Ansonsten wird die Genehmigungsbehörde SGD das Prüfverfahren, ob der ausgewählte Marktstandort von den Zielen der Raumordnung – Innenentwicklung vor Außenentwicklung – abweichen darf, nicht fortführen. Selbst die von der SGD gebaute goldene Brücke, dass die VG Wachenheim den Standort Bischofsgarten als Sonderbaufläche großflächiger Einzelhandel in das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes aufnimmt, „sofern das Zielabweichungsverfahren zu diesem Standort seitens der SGD positiv beschieden wird“, wollten die Blockierer nicht beschreiten.

Das also haben sie am Dienstag mit knappster Mehrheit erreicht: Stillstand. Sie dürfen weiter ihr persönliches Beleidigtsein darüber pflegen, dass die meisten Wachenheimer weder das stadtmauernahe Pfortenstück noch das der Schule benachbarte Oberstnest als Marktstandort gewünscht haben beziehungsweise wünschen.

Doch es glüht noch ein Hoffnungsfunken: Drei SPD-Ratsmitglieder aus den Unterliegergemeinden (darunter bezeichnenderweise zwei Frauen, die der Hahnenkämpfe offenbar überdrüssig sind) wollten sich wohl nicht länger von ihren Wachenheimer Genossen als Mehrheitsbeschaffer in die Arena führen lassen und haben sich bei der Abstimmung über den Absetzungsantrag enthalten. Dieses Vermögen zur Selbstbesinnung hat der Erste Beigeordnete Helmut Rentz (SPD) vermissen lassen. Der amtierende Ratsvorsitzende hat mit aller Macht auf eine Absetzung des Antrags hingearbeitet statt einen Kompromiss zu formulieren und die unselige Blockade in der Wachenheimer Marktfrage aufzubrechen.

Auf die Inhalte des öffentlichen Teils der heutigen VG-Ratssitzung einzugehen wäre eigentlich müßig.

Es ist das passiert, was jeder Wachenheimer Stadtbürger befürchten durfte, musste oder konnte und was alle anderen V-Gemeindebürger erwartet haben. Das Kapitel Supermarkt, inklusive Zielabweichungsverfahren und Flächennutzungsplanänderung mit gefühlten 100.000 Änderungen und Vorschriften geht in die nächste, auch hier gefühlte 100.001 Runde. Und das obwohl heute durchaus eine Lösung möglich war, die den Willen des Stadtrates Wachenheim und der Bürger Wachenheims auf eine schnellere Spur hätte bringen können.

Zugegeben der Weg der zu gehen gewesen wäre, insbesondere für FWG und SPD war ein weiter. Man hätte einem Antrag der CDU zustimmen müssen, der die Änderung- und Genehmigungsverfahren der einzelnen Ortsgemeinden verknüpft und auf einen Level gebracht hätte, somit wäre bei den Behörden ein Vorgang vorzulegen gewesen und nichts zwei. Fair enough.

Nun was bei diesem Tagesordnungspunkt an Drama und Schauspiel, und vor allem Ignoranz geboten wurde, hätte eigentlich eine eigene Kategorie bei den Oscars verdient.
Dass man Ausführungen des politischen Gegners nicht verstehen will oder kann, ok. Dass man von seinen bisherigen Positionen nicht abrücken möchte, o.k.

Dass man aber auf eindeutig vorliegende Erklärungen einer Behörde, die auch noch von einem Verwaltungsmitarbeiter glasklar erklärt wurden, und einen eindeutig vorliegenden Wählerwillen mit einer solchen Ignoranz reagiert, wie das grosse Teile des Verbandsgemeinderates getan haben, und zwar mit einer Hybris und Arroganz, die ihres gleichen Sucht, ist für die unbeteiligten Zuhörer ein besonderes Erlebnis gewesen. Dass dann auch noch ein völlig inkompetenter Vorsitzender massiv parteiisch und aus Zeitgründen demokratische Vorgänge kürzt und bewertet, ist einfach grandios.

Es gelang nicht einmal den Abgeordneten nach einer hitzigen Diskussion zu vermitteln über was genau denn nun abgestimmt werden solle, es wurden Namen zur Abstimmung aufgerufen, die nicht anwesend waren, oder Anwesende nicht aufgerufen.

Dies passt zu dem Bild, dass ein Teil des Rates nach Jahren der Beschäftigung mit einem Thema Supermarkt nicht weiss, wer welche Kompetenzen hat bzw. in diesem Fall habe ich meine dezidierte Meinung, NICHT wissen will, wer welche Anträge wo einzureichen hat. Und dann noch die Frechheit besitzt Fakten zu ignorieren.

Die Sachlage gem. CDU war eigentlich einfach:

Sachstand Bischofsgarten

Mit Schreiben vom 24.04.2014 hat die SGD auf das beantragte Zielabweichungsverfahren für den Bischofsgarten geantwortet. Die SGD fordert:
– Änderungsbeschluss des VG-Rates
– Überarbeitung des Antrags
– Raumordnerische Prüfung

Die Verwaltung hat bis heute keinen dieser 3 Punkte erledigt.

Sachstand Standort zwischen Friedelsheim und Gönnheim

Mit erstem Schreiben vom 30.04.2014 hat es die SGD zunächst kritisch beurteilt, ein Zielabweichungsverfahren für den Einzelhandelsstandort zwischen Friedelsheim und Gönnheim überhaupt zu eröffnen. Das Schreiben der SGD ist dem Rat noch vorzulegen.

Die Verwaltung hat erreichen können, dass die SGD grundsätzlich dazu bereit ist, ein Zielabweichungsverfahren für den Einzelhandelsstandort zwischen Friedelsheim und Gönnheim zu eröffnen.

Mit zweitem Schreiben vom 06.08.2014 hat die SGD darauf hingewiesen, dass die Gemeinden Friedelsheim und Gönnheim das Zielabweichungsverfahren nicht selbst führen können, sondern dass die VG das Zielabweichungsverfahren führen soll. Außerdem fordert die SGD:

– Änderungsbeschluss des VG-Rates
– Überarbeitung des Antrags
– Standortalternativenprüfung

Die Reaktion der Verwaltung auf dieses Schreiben ist nicht bekannt und für den VG-Rat nicht aktenkundig gemacht worden.

Mit drittem Schreiben vom 14.01.2015 hat die SGD erneut darauf hingewiesen, dass die Gemeinden Friedelsheim und Gönnheim das Zielabweichungsverfahren nicht selbst führen können, sondern dass die VG das Zielabweichungsverfahren führen soll. Außerdem fordert die SGD erneut:

– Änderungsbeschluss des VG-Rates
– Überarbeitung des Antrags

Erforderliche Beschlüsse:

Grundsatzbeschluss:

Der Verbandsgemeinderat bekennt sich zu den beiden Standorten (Bischofsgarten sowie zwischen Friedelsheim und Gönnheim), die von den Bürgern und dem Stadtrat in Wachenheim sowie den Ortsgemeinderäten Friedelsheim und Gönnheim festgelegt worden sind.

Die Verbandsgemeinde übernimmt die Durchführung beider Zielabweichungsverfahren. D.h. die VG beantragt beide Zielabweichungsverfahren.

Die Verbandsgemeinde beschließt die erforderlichen Änderungen des Flächennutzungsplans.

Die Verbandsgemeindeverwaltung überarbeitet die beiden Anträge, stimmt die überarbeiteten Anträge mit den Ortsgemeinden ab und leitet diese weiter an die SGD.

Dies ist die Originalstellungnahme der CDU. Sollte die anderen Parteien Interesse haben, dass ihr Antrag ebenfalls hier auf dem Blog veröffentlicht wird, stehen wir gerne dazu bereit.

Leider war die Erlangung eines Konsenses in unserem Verbandsgemeindeparlament nicht möglich. Aber immerhin hat der große Vorsitzende versprochen, sich zeitnah des Vorganges anzunehmen!!!

Wenn das mal kein Fortschritt ist!!

Mein persönlicher Eindruck ist doch der, der sich auch in den letzten Jahren leider nicht verändert hat. Auf VG-Ebene wird der eindeutige politische Wille einer Ortsgemeinde missachtet und unter mittlerweile fadenscheinigen Argumenten wider besseren Wissens mit Füssen getreten und ad absurdum geführt.

In Wachenheim gibt es einige Grundstücke, die das Potential haben bei kreativer Nutzung Wachenheim zu einer Perle der Weinstrasse zu machen. Beispiele hierfür sind das Bürklinsche Grundstück an der Ringstrasse, das Oberstnest an der Schule, die grossen unbebauten Grundstücke in der Bahnhofstrasse, klar das beabsichtigte Neubaugebiet am Neustück, das Gelände des Supermarktes(bestehend), das Bahnhofsgelände, eventuell je nach Bürklinscher Umorganisation der Kolb’sche Hof, etc. etc.

Wobei Perle der Weinstrasse sich in meiner Sichtweise auf die Innenstadt und deren Gestaltung bezieht. Eine Perle in der man von einem schönen Ort zum anderen flanieren kann, ein Kaffe in der Sonne trinken, kleine Einkäufe erledigen, Weine probieren, Häppchen essen etc..

Die Generation der vielen Kinder wird älter, die Kinder werden groß und verstreuen sich in alle Winde. So ist es doch wünschenswert, dass sich Wachenheim zwar seine Kinderfreundlichkeit bewahrt und optimiert(Spielleitplanung!), aber auch dem geänderten Freizeitverhalten und der sich verschiebenden demographischen Entwicklung Rechnung trägt. Das es von einem reinen Wohnstädtchen zu einem Erlebnisstädtchen wird.

Nicht weit von hier im Elsaß kann man diese Städtchen in Reinkultur erleben. Man geht durch kleine Parks, man kommt zu den ‚Halles‘ den kleinen Markthallen, in denen man regionale Spezialitäten geniessen und kaufen kann. Auf dem Marktplatz trifft man sich, redet spielt Petanque, mehrere kleine Restaurants und Bistros haben Tische draussen stehen etc. etc. etc.

Es sind doch Anfänge gemacht. Iris Diehl hat bei ihrem Blumenladen eines der charmantesten Cafés, die ich kenne, Metzger Hambel hat sein Restaurant, Gerümpelstube, Kapellchen und Schellack sind Orte der vitalen Begegnung usw..Von der Burg ganz zu schweigen!

Man sagt uns Pfälzern doch nach, daß wir mit die geselligsten Deutschen seien. Und wir Herzpfälzer schaffen es nicht gemeinsam Konzepte zu entwickeln, die unser Wachenheim für uns und andere attraktiver macht?

Ich habe das Gefühl, daß es an der Zeit ist, die kreativen Kräfte zu bündeln und zu befreien. Zu befreien von den alten Verkrustungen, von den Spinnweben der Vergangeheit.

Zwischen einem liebenswerten(!) Bahnhof , der einen freundlich empfängt, und der Burg, zwischen dem Kreisel und den Bürklinschen und Wolfschen Anwesen muss es doch möglich sein konstruktiv für Wachenheim zu wirken und Visitenkarten für uns zu schaffen. Das Seltsame ist, dass jeder engagierte Mensch, den ich hier in Wachenheim kenne, signalisiert dazu bereit zu sein. Viele haben die Meinung Wachenheim sei ein Wohnstädtchen und das sei veränderungswürdig.

Von der juristisch/politischen Seite her wissen alle Politiker und Bürger, wo der Hund begraben liegt, bzw. dass wir vor einem Gordischen Knoten stehen.

Ziehen wir das Schwert und durchschlagen ihn und bahnen unseren kreativen Kräften den Weg. Wir Wachenheimer werden sehr oft mit dem gallischen Dorf verglichen, dessen Bewohner sich prinzipiell in den Haaren liegen. Das ist aber nur die eine Wahrheit des gallischen Dorfes.

Der andere Teil der Wahrheit ist, dass das Dorf all seinen Feinden und Belagerern unbesiegbar trotzt. Und zum Schluss einer jeden Geschichte, gemeinsam auf dem Dorfplatz feiert…

Konrad Adenauer hat einmal gesagt: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“ Unter diesem Motto waren auch einige der Redebeiträge gestern Abend im Stadtrat zu betrachten.

Worum ging es? Genau, wieder mal um die Supermarkt-Standortfrage. Stopp, nicht wegklicken! Genauer gesagt ging es nämlich um ein Zielabweichungsverfahren. Damit will die Stadt von der relevanten Behörde prüfen lassen, ob im Bischofsgarten ein Supermarkt gebaut werden darf, obwohl er ein paar Meter außerhalb der geschlossenen Bebauung liegt.

Bei dieser Prüfung kann natürlich auch rauskommen, dass es nicht geht. Wer nun aber dachte, dass eine solche Klarstellung im Interesse aller sei, kennt den Wachenheimer Stadtrat schlecht. Die Stimme der Vernunft kam aus den Reihen der Wachenheimer Liste. Nach einem wortreichen Beitrag der SPD, die wieder die Standortdiskussion fortsetzen wollte – dazu gleich – erinnerte Lothar Sturm daran, dass es an diesem Abend um die Abstimmung geht, ob ein Zielabweichungsverfahren eingeleitet werden soll, dessen Ausgang offen ist, und bat um Abstimmung ohne Standortdebatte. Da hatte allerdings Rolf Kley für die SPD eben diese ermüdende und eigentlich auch erschöpfend abgehandelte Diskussion wieder eröffnet. Denn inzwischen findet die SPD es ganz prima, oberhalb des Kreisels einen zweiten Supermarkt zu bauen.

Die Idee an sich ist nahe liegend. EDIT: Dass sie jetzt allerdings von der SPD kommt, ist überraschend. Schließlich hat die SPD 2007 mit der FWG im Stadtrat beschlossen, dass dort weder Wohnbebauung noch ein Supermarkt gebaut werden dürfen. 2007 hat die Stadtratsmehrheit jegliche Bebauung abgelehnt. SPD, CDU und WL wollten die Eignung des Königswingerts untersuchen lassen. Noch etwas früher hat Rolf Kley von der SPD mit CDU und WL gemeinsam gefordert, einen Supermarkt im Gewerbegebiet rechts der Friedelsheimer Straße anzusiedeln – vielleicht ein paar Meter weiter draußen als der Bischofsgarten, aber wir wollen nicht kleinlich sein. Die SPD kümmert ihr Geschwätz von gestern jedenfalls nicht.

Zum Standort oberhalb des Kreisels sagt die SPD auch, dass da nicht einfach auf den Wingert gebaut werden soll. Das, so Rolf Kley, sei zwar die billigste Lösung, aber nicht im Interesse der Wachenheimer. Das stimmt. Nun gibt es zwar die Sozialdemokratie in Deutschland etwa 30 Jahre länger als die Betriebswirtschaftslehre (1898 an einigen Unis aufgenommen), deren Prinzipien scheinen der Partei vor Ort jedoch entweder verborgen geblieben zu sein, oder sie ignoriert sie. Das muss nichts Schlechtes sein. Wenn man jedoch einem Investor gleich sagt: „Hier kannst du bauen, aber du musst erst mal etliche Kubikmeter von dem Boden abtragen, den du ohnehin schon für ein Gewerbegrundstück sehr teuer kaufen musst“ – mag es sein, dass der sich dann doch lieber woanders nach einem Standort umsieht.

Es gibt einen Konsens zum Thema im Stadtrat. Ja, richtig gelesen, es gibt einen. Man ist sich einig, dass der bestehende Markt erhalten bleiben soll. Wenn jetzt neben den alten REWE ein neuer schicker Markt kommt (mal davon abgesehen, dass – soweit ich weiß – REWE die Optionen für die Grundstücke hat), darf doch getrost davon ausgegangen werden, dass nicht die Hälfte der Käufer brav in den alten Laden geht, damit er auch erhalten bleibt (womit der neue natürlich nicht wirtschaftlich wäre). In Punkto Erreichbarkeit wären zwei Märkte am Nordausgang auch nicht der Bringer für Leute – sagen wir mal aus der Burgstraße oder der Raiffeisenstraße.

Richtig lustig wurde es mit dem Statement der FWG. Auch die kümmert ihr Geschwätz von gestern nicht. Die hatten das Bauverbot oberhalb des Kreisels betrieben, damals natürlich noch, um die Chancen des Supermarkts im Pfortenstück zu verbessern. Das hielt Arnold Nagel natürlich nicht davon ab, jetzt auch für den Standort oberhalb des Kreisels einzutreten. Außerdem verdreht er im besten FWG-Postillen-Stil wieder Tatsachen und Sachverhalte, und stellte Behauptungen auf. Zum Beispiel, dass ein Supermarkt im Bischofsgarten gar nicht genehmigt werden darf. Ja, frage ich, warum stimmt die FWG dann nicht für das Zielabweichungsverfahren und lässt sich diese Sichtweise dann ganz offiziell bestätigen? Wohl, weil es eben mal wieder nur eine Behauptung ist, und sie natürlich auch befürchten müssen, dass beim Zielabweichungsverfahren rauskommt, dass es theoretisch möglich ist. Gut, dann kippt die FWG mit der SPD das Ganze wieder über den Verbandsgemeinderat.

Der hätte indes eigentlich ein solches Verfahren ankurbeln sollen. Doch herrscht beim Verbandsgemeindebürgermeister ein solches Maß ein öffentlicher Meinungslosigkeit zu diesem Thema, dass er es den Ortsgemeinden überlassen hat. Friedelsheim/Gönnheim haben ein solches Verfahren angeleiert.

Ach, Marcus Scholz zitierte ein relativ junges Schreiben des Kreises, der den Standort oberhalb des Kreisels für nicht integriert hält. Damit entspricht er wie der Bischofsgarten nicht den Vorgaben der Landesplanung. Den Planer des Kreises kümmert sein Geschwätz von gestern allerdings auch nicht. Scheinbar ist ihm jemand solange auf die Nerven gegangen, bis er seine Sichtweise geändert hat. Nimmt man das Ortseingangsschild als Maßstab, schenken sich die Standorte nichts.

Mit dem REWE und einem Markt im Bischofsgarten wären die Einkaufmöglichkeiten verteilt, viel Wachenheimer hätten es relativ nahe…nein, bloß nicht noch mehr Standortdiskussion.

Auf Antrag der SPD wurde darüber abgestimmt, ob der Königswingert, also oberhalb vom Kreisel, als Sondergebiet Einzelhandel in den Flächennutzungsplan aufgenommen werden soll. Diesmal stimmten FWG und SPD dafür (2007 haben sie gegen jegliche Bebauung dort gestimmt), CDU und WL dagegen – somit war der Antrag abgelehnt. Angenommen mit den Stimmen von CDU und WL wurde der Antrag, ein Zielabweichungsverfahren für den Bischofsgarten einzuleiten.

Damit wird sich also in Bälde klären, ob der Bischofsgarten als Standort genehmigungsfähig ist. Bleibt zu hoffen, dass die Menschen, die das zu entscheiden haben immun gegen Telefonberatungen aus Wachenheim sind. Und vielleicht auch ihr Geschwätz von gestern nicht ignorieren.

Heute wurde im Verbandsgemeinderat wieder einmal über das Einzelhandels-Gutachten beraten – eigentlich ein gesetzter Termin im Wachtenblogger-Kalender. Leider war der Zeitpunkt nicht nur angesichts der Herbstferien und des Mittwochs geschlossenen Schellack selten dämlich gewählt. Er beißt sich bei mir auch mit Dienstreise und Projekt-Deadlines  (ja, mein Broterwerb frisst gerade sehr viel Zeit, was man dem Wachtenblog anmerkt).

Wie erfahren wir nun, was auf der Verbandsgemeinderatssitzung passiert ist? Wer sich für die ausgetauschten Argumente interessiert, kann sich an den Blogbeitrag über die letzte Sitzung zum Thema Einzelhandelsgutachten/Supermarktstandort Wachenheim halten. Es würde mich sehr überraschen, wenn sich seitdem etwas geändert hätte an den festgefahrenden Positionen oder an der destruktiven Streitkultur.

Und wenn Sie, lieber Blogleser, den Ausgang der Abstimmung mitbekommen haben: Klicken Sie doch bitte auf „Hinterlasse einen Kommentar“ und teilen Sie Ihr Wissen mit uns. Merci!

Am Sonntag fand in Bad Dürkheim ein Casting für einen Film mit Daniela Katzenberger statt, ‚Frauchen‘ soll der Streifen heissen, der für die ARD prodziert werden soll. Der Film spielt in der Region und so wurden Leute aus der Region als Komparsen gesucht.

Als Geburtstags-Gag schnappten wir unsere Älteste und schleppten Sie zum Casting. Da wir, die Eltern, auch dabei waren, wurden wir gleich ‚mitgecastet‘, ein furchtbares Wort.

Als ich an die Reihe kam, mit Foto und so, sagte die Casting-Dame ich sei zwar ein guter Jäger, wobei ich doch eher einen perfekten Stadtrat darstellen könnte. Meine Familie Familie musste den ganzen folgenden Tag mein überhebliches Geschwätz aushalten.

Dann holte meine Frau aus dem Briefkasten, in den eigentlich keine Werbung eingeworfen werden darf, eine Werbeblättchen der Bürgerinitiativten Bürger für die Bürger Wachenheims heraus. Ich las es und fasste einen Entschluss.

Doch eher Stadtrat…