Gestern hat das Burg- und Weinfest 2012 mit einer Premiere begonnen: Max hat live aus dem Pfarrhof-Zelt gebloggt. Seinen Bericht vom Auftakt 2.0 und Kommentare zu Public Viewing und Vandalismus finden sie im Burg- und Weinfest-Blog.

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Die modernen Zeiten sind angebrochen, manche sagen sogar die Götterdämmerung dieser ist auch schon da. Man kann sich und alles, wichtig oder unwichtig, notwendig oder nicht, posten, man kann es streamen, mann kann es rippen und was weiss ich noch alles.

Hierzu gibt es geteilte Meinungen, insbesondere an Facebook scheiden sich die Geister, insbesondere die Transparenz-Geister.

Transparenz, der gläserne Mensch, hat ja durchaus ein Gefährdungspotential, da jede Möglichkeit ja bekanntlicherweise zwei Seiten hat und immer findet sich jemand der auch die unangenehme Seite nutzt, Feuer ist Heizung und Waffe, Kernspaltung Segen und Fluch etc..

Jedoch gerade im öffentlichen Leben, POLIS oder Politik, d.h. der Dinge im Gemeinwesen, ist eine höchstmögliche Transparenz eines der höchsten und erstrebenswertesten Güter. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und darauf muss nicht eingegangen werden, falls doch, kann man gerne die Kommentarfunktion dazu nutzen.

Das Thema hier ist ein anderes. Die Trägheit, die zur Nicht-Transparenz führt und die durchbrochen werden könnte, das soll hier das Thema sein.

Eine Stadtratssitzung ist ja eigentlich eine öffentliche und transparente Angelegenheit! Eigentlich. Sie kennen die Geschichte vom Flug bei dem folgende Durchsage kommt:“Ich begrüsse sie auf dem Flug nach München. Mein Name ist Max Mustermann, ich bin der Kapitän und eigentlich bin ich Pilot!“ Klingt irgendwie nach Aussteigen.
Nun liegt bei der Stadtratssitzung die Trägheit ausnahmsweise nicht bei den gewählten Vertretern des Volkes, sondern eben bei diesem selbst. Ist doch schon weit zu laufen und Parkplätze gibt es auch keine, und so spät! Oops kurzer Abschweifer in ein anderes Thema, schnell wieder zurück!

Was den Vertretern nicht unbedingt unangenehm sein muss, aber auch direkt causal zu einer eigenen Trägheit in Folge der Fremd-Trägheit führen kann.

Und Trägheit ist eine biblische Todsünde.

Und mit Todsünden kann man so seine Probleme kriegen, fragen Sie mal einen Pfarrer oder Priester!

Tun wir doch also etwas für das Seelenheil unserer Verteter und vor allem für die politische TRANSPARENZ und erlösen Sie aus der publizistischen Lethargie.

Als ein Mensch, der sich durch seine Blogtätigkeit auch auf öffentlichem Terrain bewegt, biete ich dem Stadtrat, auf Kosten des Wachtenblogs, hoffentlich führt das nicht zu Diskussionen, an, die Statdratssitzungen auf Video auf dem Wachtenblog der breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Natürlich komplett und ungeschnitten, unparteiisch etc.. Man kann ja alles diskutieren. Da viele Menschen das Internet als Informationsinstrument nutzen, bin ich sicher, dass die zu einer aktiveren Politik, beim Politiker als auch beim Bürger beitragen kann.

Es wäre mir eine Freude gemeinsam mit dem Stadtrat diese spontane Idee, Live-Video-Blogging sozusagen, mit Leben zu füllen.

Heute ist ein guter Tag für die Demokratie und die politische Kultur in Deutschland. Der Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg von seinen politischen Ämtern ist meiner Meinung nach die notwendige Konsequenz aus dem öffentlich sichtbar gewordenen Auseinanderklaffen von Selbstinszenierung und realem Tun des fränkischen (Lügen)barons.

In den Medien gibt es momentan eine lebhafte Diskussion, inwiefern das Internet zum Sturz des Ministers beigetragen hat. Spiegel online titelt zum Beispiel „Affäre Guttenberg: Netz besiegt Minister„, Focus online „Guttenberg Rücktritt: Das Internet als Untersuchungsausschuss„. Die Süddeutsche Zeitung, die am 16. Februar mit einem Artikel die Plagiatsaffäre ins Rollen gebracht hatte, schreibt heute „Der Sturz des CSU-Hoffnungsträgers Karl-Theodor zu Guttenberg wäre ohne das Internet kaum möglich gewesen„.

Gestürzt ist Guttenberg nicht über das Internet, sondern über seinen wissenschaftlichen Betrug und seine Unfähigkeit, dieses Vergehen umgehend und komplett einzugestehen. Beides passt so gar nicht zum inszenierten Bild von der Lichtgestalt, die mit klaren Worten und höchst anständigem Verhalten aus der Masse der bürgerlich-langweiligen Berufspolitiker herausragt.

Allerdings wäre sowohl das Fehlverhalten als auch die Diskrepanz von Bild und Realität ohne das Web 2.0 nicht in dem Maße und der Geschwindigkeit öffentlich geworden, wie es jetzt den Rücktritt unvermeidbar machte. Entscheidend waren nicht die sozialen Netzwerke wie facebook (wo es mehr „Likes“ auf Pro-Guttenberg-Seiten gab) oder Twitter (wo die Guttenberg-Gegner in der Mehrheit waren und heute mit dem Hashtag #Guttbye den Rücktritt feierten).

Ausschlaggebend war das GuttenPlag Wiki. Hier trugen Internet-Nutzer in freiwilliger Kleinarbeit zusammen, welche Passagen der Doktorarbeit aus welchen zuvor veröffentlichten Quellen anderer Autoren stammen. Nachdem die Universität Bayreuth nach der Erstveröffentlichung der Plagiatsvorwürfe angekündigt hatte, die Überprüfung werde viele Wochen dauern, konnte man im GuttenPlag Wiki der Zahl der plagiierten Stellen beim Wachsen zuschauen. Das war ein beeindruckendes Beispiel von Crowdsourcing (offene Vergabe einer Frage oder Aufgabe an die Allgemeinheit) und Collaboration (selbstorganisierte Zusammenarbeit).

Besonders gut zu sehen ist das Ausmaß  des Plagiats im „Interaktiven Guttenberg-Report“ der aus GuttenPlag automatisch erzeugt wird (oben ein Auszug aus Spiegel online). Hier sind alle Seiten mit ungekennzeichneten Zitaten hellrot (beim Abschreiben von mehreren Autoren auf einer Seite dunkelrot) dargestellt. Das Ergebnis erinnert an den Zahnbelags-Färbetest aus der Werbung der 80er: „Ist ja alles rot hier!“

Wer schon einmal wissenschaftlich gearbeitet hat (wie z. B. ich beim Erstellen meiner Biologie-Diplomarbeit), der sieht durch diese transparente Darstellung: Hier geht es nicht um ein paar vergessene Fußnoten oder eine kleine Schummelei. Hier wurde systematisch geistiges Eigentum anderer verwendet. Wenn alle Zitate als solche gekennzeichnet worden wären (und damit die gekennzeichneten Zitate ergänzt hätten), dann wäre klar geworden, dass die Arbeit kaum eigene wissenschaftliche Leistung enthält. Dafür hätte Guttenberg weder die Bestnote „Summa Cum Laude“ noch überhaupt einen Doktortitel bekommen. Wie einem so etwas unbeabsichtigt passieren soll, kann ich mir nicht vorstellen.

Diese Transparenz und die Geschwindigkeit, mit der sie hergestellt wurde, waren meiner Meinung nach ausschlaggebend dafür, dass sich eben nicht nur Oppositionspolitiker und „linke Medien“ gegen Guttenberg stellten. Süddeutsche und Frankfurter Allgemeine Zeitung stehen wohl nicht im Verdacht, den beliebtesten Unionspolitiker aus Missgunst abschießen zu wollen.

Die „Causa Guttenberg“ hat auch gezeigt, dass es nicht um die Frage „Traditionelle Medien oder Web 2.0?“ geht: Entscheidend war das Zusammenwirken. Der Blog „Netzpolitik.org“ beschreibt es als „spannendes Wechselspiel zwischen vierter und fünfter Gewalt“. Ich teile diese Ansicht: Blogs, Wikis etc. sollten die traditionellen Medien nicht verdrängen (zumindest die, die journalistische Grundsätze befolgen und sauber arbeiten), sondern ergänzen. Die neuen „sozialen“ Medien beeinflussen die Meinungsbildung in den traditionellen Medien, die wiederum die öffentliche Meinung beeinflussen.

Im Kleinen haben wir dieses Phänomen ja schon mehrfach beim Wachtenblog und der Rheinpfalz beobachten können. Immer wieder greift die Dürkheimer Redaktion Themen auf, die wir zuvor gebloggt haben. Das ist kein Diebstahl geistigen Eigentums, sondern ein legaler und erwünschter Vorgang.

Der Fall Guttenberg motiviert mich, in Wachenheim weiterhin genau auf das Verhältnis von Worten und Taten zu schauen. Im Moment werde ich zum Beispiel zunehmend irritiert darüber, dass CDU-Bürgermeister Torsten Bechtel zwar im Amtsblatt vom 11. Februar im Namen des Stadtrats zur Mitarbeit in der Burg-und-Weinfest-Community einlädt – dass es aber seit diesem Tag nur zwei Beiträge eines Stadtrats in der Community gab. Ich hoffe sehr, dass dort Ankündigung und Umsetzung bald wieder zusammenpassen.

Lieber Frank, dies ist ein Kommentar, der so lang wurde, dass ich ihn lieber als Blogbeitrag veröffentliche. Er bezieht sich auf Deinen heutigen Beitrag „Blog und Kommentar“. Ich bin mit dem Artikel in weiten Teilen einverstanden – und überhaupt nicht einverstanden mit dem vorletzten Absatz, in dem Du die Kommentierer ansprichst. Da schreibst Du:

„Unsere Kommentar-Funktion der Seite […] ist nicht als Blog-Ersatz für Personen gedacht, die keinen eigenen Blog […]  haben wollen. Es ist ein Forum zu Themen, die auf dem Wachtenblog diskutiert werden, […]. Dieses System fordert sowohl den Autoren, als auch den Kommentatoren[…] einiges ab, z.B. […] Selbstdisziplin. Die Disziplin zu haben, nicht alles und jeden zu kommentieren, nur damit irgendetwas geschrieben ist. Speziell für uns Autoren, aber auch für alle Beteiligten, sollte das Wort von Dieter Nuhr gelten: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!“

Ich weiß nicht, wie es unseren Lesern geht. Für mich liest sich das wie ein ziemlicher Schuss vor den Bug unserer Kommentierer. Das war, wie ich von Frank weiß, so nicht beabsichtigt. Doch wenn wir Pech haben, dann ist heute dem einen oder der anderen erstmal die Lust vergangen, im Wachtenblog einen Kommentar zu hinterlassen. Das fände ich schade, sehr schade sogar!

Ich bin doch froh, dass wir in den vergangenen Monaten viel mehr Kommentare auf unsere Artikel bekommen habe – und das von vielen verschiedenen Leuten. Das soll bitte so bleiben, denn das genau ist der Unterschied zwischen einem Blog und einer Webseite!

Den hohen Ansprüchen eines Dieter Nuhr würden unsere eigenen Beiträge übrigens auch nicht immer gerecht. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass meine Texte „Neue Wege der Stadtsäckelsanierung“ oder  „Der Fluch der Cordelia“ die Welt wirklich weiter bringen. Manchmal ist der Wachtenblog trivial – und von der Sanierung kommunaler Haushalte habe ich etwa so viel Ahnung wie von Schwarzer Magie.

Wir alle sind hier Amateure und schreiben nach bestem Wissen und Gewissen – und manchmal einfach nur so aus Blödsinn. Das erlauben wir uns, und das sollten wir daher auch unseren Kommentierern zugestehen. Auch wenn wir uns über die Menge der Kommentare beschweren würden, dann würden wir mit Steinen aus dem Glashaus werfen. Schließlich spammen wir bei unseren Live-Blogs die Mailboxen unserer Abonenten gerne mal mit 20 und mehr Nachrichten voll. Und ich war bisher immer positiv überrascht, dass uns deswegen niemand das Abo gekündigt hat.

Gerade habe ich mir unsere Blogstatistik angesehen: fast 300 Zugriffe heute, aber seit Deiner Veröffentlichung kein einziger Leser-Kommentar. Vielleicht sehe ich ja Gespenster, aber für mich fühlt sich das wie eisiges Schweigen an. Mist!

Ironie des Schicksals: Gerade heute wollte ich in einem Blogbeitrag den Rheinpfalz-Artikel aufgreifen, der die Stimmung in der FWG nach dem „FWG im Gespräch“ analysiert. Danach sind nicht nur wir, sondern auch viele FWG-Mitglieder unzufrieden mit dem aggressiven Ton und dem wenig konstruktiven Inhalt des Blattes. Gegenüber der Rheinpfalz hat sich sogar Nicola Räch, die FWG-Vorsitzende im Stadtrat, von dem Heft distanziert. Das fände ich sehr bedenklich, wollte ich bloggen, wenn die Agitation unter Federführung von Boris Morell gerade die Kräfte aus der FWG treibt, die konstruktiv arbeiten und wirklich am Wohl der Stadt interessiert sind.

Ja, und jetzt habe ich mich gerade von einigen Aussagen meines Mitbloggers Frank distanziert.  Geht es also bei uns gerade zu wie in der FWG? Nein, da sehe ich doch eine ganze Reihe von Unterschieden: Erstens würde ich Frank, selbst wenn er in Rage ist, nicht mit der destruktiven Kraft eines Boris Morell vergleichen. Zweitens ist bei uns dreien im Wachtenblog die Meinungsvielfalt Programm, wir verstehen uns gerade deshalb so gut (und anders als Nicola Räch denkt keiner von uns darüber nach, aus dem Team auszusteigen). Drittens habe ich meine Reaktion mit Frank abgestimmt. Und viertens  machen wir unsere internen Meinungsverschiedenheiten aus eigenem Antrieb transparent. Darum laden auch weiterhin unsere Leser dazu ein, ihren Senf dazu zu geben. Also Feuer frei!