„Logenplatz. Tolles Wetter. Kein Champagner, sondern ein leckerer erfrischender weißer Wein. Freunde.

Seit Jahren arbeiteten wir auf diesen Tag hin. Einmal live dabei sein. Dabei sein, wie das Feld der Boliden mit einer unglaublichen Lautstärke und Geschwindigkeit an uns vorbei zieht. Ein fast erotisches, ja metaphysisches Erleben des technisch Machbaren. Die Überlegenheit des menschlichen Geistes über die Natur. Den Fliehkräften trotzend. So sehr, dass diese Raketen auf vier Rädern kopfüber wie eine mystische Gottheit an der Decke fahren könnten.

Vettel zog als erster vorbei. So schnell und laut, daß die Gläser auf dem Tisch bedenklich wackelten.
Wie geil ist das denn?
Der Streckenposten konnte gerade noch während dieser Demonstration der Männlich- und Verwegenheit auf die Seite springen, ansonsten wäre das Rennen für Vettel und das Leben für den Streckenposten beendet gewesen.
Vettel gewann das Rennen souverän. Den Streckenposten hat es doch noch erwischt. Alonso nagelte ihn in die Begrenzung. Ah, das ist Motorsport.

Danach gab es noch ein Charity-Rennen der 1000ccm Motorradklasse. Das leider abgebrochen werden musste. Der Führende rutschte schon in der Aufwärmrunde bei Tempo 90 auf der Blutlache des zuvor verunfallten Streckenposten aus. Wir waren so nah dran am Unfallgeschehen, daß wir das Krachen hören konnten, das der Helm beim Aufprall an die Streckenbegrenzung machte.

Drama. Abenteuer. Kampf. Überholmanöver. Die wirklich beste Strecke im Formel 1 – Circus und die spektakulärste Kurve der Welt. Schliesslich hat Ayrton Senna mal gesagt, Formel 1 fahren in Monaco sei wie mit einem Hubschrauber im Wohnzimmer zu fliegen.

RECHT HAT ER!

Welch ein Renn-Abend…“

Frank? FRAANK?! Hallo! Sag mal, träumst du? Die Bedienung hat gerade gefragt, ob du noch eine Schorle willst!! Und wir sind schon beim nächsten Thema!!

Äh, was Achim? Tschuldigung, ich war abwesend, der Verkehr hier, hat mich ans Denken gebracht. Ah ja, Schorle, ja BITTE. Oh Christel, ich hab dich gar nicht gesehen, wie geht’s? Thema, ah ja, was denn? Verkehrsberuhigung der Weinstraße, das find ich gut und wichtig. Ganz wichtig!

Keine Sorge, trotz der Überschrift bleibt der Artikel jugendfrei. Der Wachenheimer Gewerbeverein hat die Meinung geäußert, dass eine weitere Verkehrsberuhigung nicht zu einer Belebung der Innenstadt führen würde. Das mag sein, zu mal dort gerade kaum noch etwas zu beleben ist. Steht ja so gut wie nichts mehr leer.

Klar, weniger Autoverkehr könnte natürlich dafür sorgen, dass mehr Leute erwägen würden, die Weinstraße zu Fuß zu erkunden. Das macht derzeit überhaupt keinen Spaß. Der Ruß an den Hauswänden der Arkaden gibt schon mal einen Anhaltspunkt, warum.

Belebt wird der Marktplatz durch das Schellack und die Vinothek. Die würden sicher auch nicht jammern, wenn ihre Gäste etwas weniger Abgase mit bekämen.

Im Zusammenhang der Innenstadtbelebung geht es auch immer wieder um Parkplätze. Braucht Wachenheim mehr Parkplätze? NEIN! Wachenheim braucht mehr Leute, die die vorhandenen Parkplätze benutzen.

Hinner der Kerch bekomme ich immer fast die freie Auswahl für einen Parkplatz, gleichzeitig drängen sich vor der Apotheke vier Autos und behindern den Verkehr. Das können nicht alles schwer gehbehinderte Menschen sein, deren Parkplatz um die Ecke in der Burgstraße gerade belegt ist und für die der lange Weg (ich schätze 80 Meter) vom nächsten Parkplatz die Burgstraße entlang unzumutbar ist.  Vielleicht wäre die Weinstraße schon ein Stückchen beruhigter, wenn mehr Wachenheimer innerorts unmotorisiert unterwegs wären.

Und ein Parkleitsystem wäre auch gut. Pompöses Wort für ein paar Schilder, die zu den Parkplätzen leiten. Aber der ortsfremde Durchgangsverkehr sieht das Chaos vor der Apotheke und fährt durch. Die Parkplätze Hinner der Kerch kennt ja kein Ortsfremder. Gut, ob Autofahrer bereit sind, mehr als 100 Meter zu Fuß zurück zu legen, ist dann wieder ein anderes Thema. Aber nur von durchfahrenden Autos hat niemand was, im Gegenteil, die verdrecken nur die Luft.

Der Gewerbeverein warnt, dass mehr Verkehrsberuhigung dazu führen könnte, dass Wachenheim zu einer Schlafstadt ohne Infrastruktur wird. So wie Deidesheim? Alle Einkaufsmärkte außerhalb, damit der Lieferverkehr nicht durch den Ort muss und die Innenstadt auf Vordermann gebracht – da könnte man vielleicht was abgucken.

Bestimmt ist seit dem Bau der Umgehung viel weniger Verkehr auf Wachenheims Weinstraße. Trotzdem ist es noch viel. Anders als Forst oder Deidesheim gibt es leider keine vernünftige Alternative zur Weinstraße. Dass eine weitere Beruhigung des Verkehrs dort die Infrastruktur gefährdet, glaube ich kaum. Mir ist dort zu viel Verkehr, deshalb meide ich sie zu Fuß oft (meint, ich nehme den Amalie-Helferich-Pfad oder die Bahnhofstraße). Ohne Verkehrsberuhigung sehe ich die Infrastruktur in größerer Gefahr. Was unterscheidet dann Wachenheim von einem Straßendorf? Vier, fünf Geschäfte und die Stadtrechte.

Neulich wurde ich auf den verengten Gehweg vor Amschlers Laden angesprochen. Bei der Instandsetzung der Weinstraße wurde auf ein paar Metern der Fußgängerweg zugunsten der Fahrbahn ein gutes Stück schmaler. Im Sinne der Verkehrsberuhigung des Weinstraße und der Belebung des Geschäftslebens in der Innenstadt hätte man hoffen können, dass die Maßnahme ein Vorbote von zwei Parkplätzen sein könnte.

Dem hat der Landesbetrieb Mobilität in Speyer einen Riegel vorgeschoben. Da half auch der Einsatz der Bürgermeisters nichts, an dieser Stelle wird einfach nur die Straße breiter. Ein Argument der Speyrer Bürokraten: Bei einer Vollsperrung der B 271 sollen LKWs leichter den Ort durchfahren können. Bullshit!

Ist ja schön, wenn der LKW in Höhe von Amschlers Platz hat. Aber wird er ein paar Meter weiter dann schmäler, um de Arkaden passieren zu können? Ganz davon abgesehen wird die B 271 nicht eben jede Woche und dann nicht immer ausgerechnet in Höhe von Wachenheim gesperrt. Da wäre für den Schwerlastverkehr eine Umleitung über die A 65, B 9 und A 650 ohnehin sinnvoller.

Gewöhnlich gut informierte Quelle munkeln, dass Wachenheim den Speyrern vom Landesbetrieb durch die vergangenen Jahre ein rotes Tuch ist. Schade, dass wir allem Anschein nach solchen vernagelten (kein beabsichtigtes Wortspiel) Sesseldurchsitzern hilflos ausgeliefert sind.