Hier geht es nicht um die miteinander verheirateten Wachtenblogger, sondern ich möchte Sie kurz mal geistig  in die Hauptstadt enführen. So sehr ich in die Pfalz liebe – diese Woche wäre ich liebend gerne in Berlin. Dort findet gerade die re:publica statt, eine Veranstaltung, die sich vom Bloggertreffen zu einer Konferenz über die Wirkung des (Social) Web auf alle gesellschaftlichen Bereiche entwickelt hat. Gestern habe ich da schon einen Vortrag meines Netz-Philosophie-Helden Gunter Dueck verpasst. Dessen re:publica-Premiere zum Thema „Internet als Gesellschafts-Betriebssystem“ habe ich 2011 in Berlin erlebt, die Denkanstöße wirken bis heute nach (das Video ist nach wie vor online).

Eine zentrale Frage, die Dueck 2011 und auch gestern wieder aufgeworfen hat, lautet: „Wie schaffen wir es, dass die Schule unsere Kinder endlich auf die digitale Welt vorbereitet und nicht nur das eintrichtert, was vor 20 Jahren wichtig war?“ Dabei geht es nicht darum, dass die Jugend vor den Gefahren von falschen facebook-Freunden oder Online-Spielsucht gewarnt werden. Die Forderung ist, dass nicht mehr vor allem reproduzierbares Fakten-Wissen vermittelt wird (das sich immer einfacher im Netz nachsehen lässt), sondern dass Recherchieren, Bewerten, Zusammenhänge Erkennen, kritisch Hinterfragen etc. erlernt und gelebt werden.

Heute gab es auf der re:publica noch eine anderen, sehr beeindruckenden Auftritt. der das Thema noch deutlich weiter vorangetrieben hat. Tanja und Johnny Haeusler betraten die Bühne. Sie sind dem Publikum sehr gut bekannt als Blog-Pioniere (ihr 2002 gegründeter Blog „Spreeblick“ zählt zu den einflussreichsten Weblogs in Deutschland) und re.publica-Mitgründer. Angekündigt war, dass das bloggende Ehepaar einen Vortrag über sein Buch „Netzgemüse“ hält. Das Buch kenne ich nicht, aber nach den amazon-Rezensionen scheint es eine sehr lesenswerte, weil angstfreie Einführung für Eltern in die digitale Welt ihrer Kinder zu sein (habe es gerade auf meinen Wunschzettel gesetzt).

Den fertig ausgearbeiteten Vortrag haben die Haeuslers heute früh in die Tonne getreten und stattdessen einen Rant (Web-Slang, englisch für Schimpftirade) von der Bühne losgelassen. Am Anfang mäandern die beiden kurz zwischen kontroversen Themen hin und her (Pränataldiagnostik, Ritalin), aber dann entwickelt der Rant eine Kraft, die nicht nur mir eine Gänsehaut über den Rücken gejagt hat. Hier einige Ausschnitte (Urheberrechte liegen bei Tanja und Johnny Haeusler, die ich hier gemäß ihrer Creative Commons Lizenz und mit großem Respekt zitiere):

Dieser Staat ist wie sein Fernsehprogramm:
Von Alten für Alte gemacht.
Mit erhöhten Bildungsausgaben gewinnt man keine Wahl,
wenn die Wähler seit 50 Jahren
keine Schule mehr von Innen gesehen haben,
und die Stimmen derer, die drin sitzen, nicht zählen.

Das Bildungssystem von heute
basiert auf dem der industriellen Revolution:
Als man so viele Fakten wie möglich
in den kindlichen Kopf schüttete,
weil man nach dem Verlassen der Schule
kaum noch Zugang zu Wissen und Kultur hatte
und deshalb ein Leben lang von dem zehren musste,
was einem der Lehrer eingetrichtert hatte.
Doch wir leben im digitalen Zeitalter der digitalen Revolution.
Wissen ist ständig verfügbar.
Wir brauchen unsere Kinder nicht mit Fakten zuzustopfen,
sondern wir müssen sie lehren,
sich in gigantischen Wissensarchiven zurecht zu finden
und sich zu vernetzen,
damit sie selbst noch gefunden werden.

36 Wochenstunden geballte Faktenfütterung
in überfüllten Räumen,
20 Minuten Pause für Zerkochtes aus der Kelle.
Endlich zuhause: Hausaufgaben,
Am Wochenende: Lernen für Klausuren, üben für Referate.

Wir könnten viel Zeit sparen, würden wir das Bildungssystem von Heute
den Anforderungen des 21. Jahrhunderts anpassen.

Doch der öffentliche Fokus liegt hartnäckig
auf den Gefahren des Kulturraums Internet
und vereitelt den optimistischen Blick
auf die Chancen die er eröffnet.
Statt Netzkultur als Bereicherung zu begrüßen,
leitet man kulturellen Verfall von ihm ab
und warnt vor Gefahren
besonders für die Kinder!

Solange Kinder und Jugendliche als Opfer neuer Medien dargestellt werden,
können wir sie nicht zu Helden der neuen Technologien machen.
Die sie sind.
Und die sie sein müssen.

Die Jugend in Deutschland ist so behütet
wie in kaum einem anderen Land.
Doch kaum eine andere Jugend ist so unglücklich
wie die in unserem Land.

Diese Jugend wünscht sich
Par-ti-zi-pa-tion.

Und sie hätte viel zu bieten,
würde die Öffentlichkeit erkennen:
Das, wofür sie brennen,
ist sinnvoll erspieltes Können.

Lasst sie!
Lasst sie
Die Keller der Alten entrümpeln auf Ebay,
die Website der Kirchengemeinde bauen,
die Geschichte ihres Dorfes im Netz archivieren,
Opas Erinnerung auf YouTube raushaun,
bittet um ihre Hilfe, wenn der Schulserver streikt
und der Lehrer die Präse am Smartboard vergeigt,
zeigt, dass wir sie brauchen
und ihr technisches Können.
Lasst sie teilhaben, teilnehmen.

Aber lasst sie in Ruh.

Lasst ihr die Freiheit,
selbst zu erkennen.

Dass Freiheit die Freiheit des Anderen meint.
Dass Freundschaft Zeit braucht, die Facebook stiehlt.
Dass Liebe nicht das ist, was man in Pornos zeigt.
Dass Games nur Spiele sind, wenn man sie spielt.

Lasst ihr die Freiheit im Netz.

Den kompletten, sehr beeindruckenden Rant können Sie hier lesen oder direkt im Video ansehen.

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Mal wieder ein bisschen schamlose Werbung: Im Bestreben, die Welt von der Existenz unseres Kinderbuchs „Dschibonka“ zu unterrichten, haben wir ein zweites Video auf Youtube gepostet. Ein Mensch mit Hut beschäftigt sich unter diätetischen Gesichtspunkten mit der Rolle von Dschibonka bei einer gesunden Ernährung.

Hier geht’s zum Video

Viel Spaß!

Die modernen Zeiten sind angebrochen, manche sagen sogar die Götterdämmerung dieser ist auch schon da. Man kann sich und alles, wichtig oder unwichtig, notwendig oder nicht, posten, man kann es streamen, mann kann es rippen und was weiss ich noch alles.

Hierzu gibt es geteilte Meinungen, insbesondere an Facebook scheiden sich die Geister, insbesondere die Transparenz-Geister.

Transparenz, der gläserne Mensch, hat ja durchaus ein Gefährdungspotential, da jede Möglichkeit ja bekanntlicherweise zwei Seiten hat und immer findet sich jemand der auch die unangenehme Seite nutzt, Feuer ist Heizung und Waffe, Kernspaltung Segen und Fluch etc..

Jedoch gerade im öffentlichen Leben, POLIS oder Politik, d.h. der Dinge im Gemeinwesen, ist eine höchstmögliche Transparenz eines der höchsten und erstrebenswertesten Güter. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und darauf muss nicht eingegangen werden, falls doch, kann man gerne die Kommentarfunktion dazu nutzen.

Das Thema hier ist ein anderes. Die Trägheit, die zur Nicht-Transparenz führt und die durchbrochen werden könnte, das soll hier das Thema sein.

Eine Stadtratssitzung ist ja eigentlich eine öffentliche und transparente Angelegenheit! Eigentlich. Sie kennen die Geschichte vom Flug bei dem folgende Durchsage kommt:“Ich begrüsse sie auf dem Flug nach München. Mein Name ist Max Mustermann, ich bin der Kapitän und eigentlich bin ich Pilot!“ Klingt irgendwie nach Aussteigen.
Nun liegt bei der Stadtratssitzung die Trägheit ausnahmsweise nicht bei den gewählten Vertretern des Volkes, sondern eben bei diesem selbst. Ist doch schon weit zu laufen und Parkplätze gibt es auch keine, und so spät! Oops kurzer Abschweifer in ein anderes Thema, schnell wieder zurück!

Was den Vertretern nicht unbedingt unangenehm sein muss, aber auch direkt causal zu einer eigenen Trägheit in Folge der Fremd-Trägheit führen kann.

Und Trägheit ist eine biblische Todsünde.

Und mit Todsünden kann man so seine Probleme kriegen, fragen Sie mal einen Pfarrer oder Priester!

Tun wir doch also etwas für das Seelenheil unserer Verteter und vor allem für die politische TRANSPARENZ und erlösen Sie aus der publizistischen Lethargie.

Als ein Mensch, der sich durch seine Blogtätigkeit auch auf öffentlichem Terrain bewegt, biete ich dem Stadtrat, auf Kosten des Wachtenblogs, hoffentlich führt das nicht zu Diskussionen, an, die Statdratssitzungen auf Video auf dem Wachtenblog der breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Natürlich komplett und ungeschnitten, unparteiisch etc.. Man kann ja alles diskutieren. Da viele Menschen das Internet als Informationsinstrument nutzen, bin ich sicher, dass die zu einer aktiveren Politik, beim Politiker als auch beim Bürger beitragen kann.

Es wäre mir eine Freude gemeinsam mit dem Stadtrat diese spontane Idee, Live-Video-Blogging sozusagen, mit Leben zu füllen.