Vielleicht ist es dem ein oder anderen Stammleser des Wachtenblogs aufgefallen, dass ich in letzter Zeit seltener Beiträge geschrieben habe. Auch um die Weinfest-Community habe ich mit die vergangenen Wochen weniger intensiv gekümmert (ich hatte gehofft, dass sie stärker zum Selbstläufer wird, aber das ist eine andere Geschichte).

Glücklicherweise leide ich nicht unter Krankheit, Ideenmangel, Schreibblockade oder Unlust. Nur diese kleine Nebenbeschäftigung, der ich tagsüber nachgehe, schiebt dem Bloggen im Moment oft einen Riegel vor. Ich hab‘ einfach wahnsinnig viel um die Ohren im Job.  Nur gut, dass mein Beruf gerade nicht nur anstrengend ist, sondern mir auch einen Riesenspaß macht.

Was ich tue? Auf meiner Visitenkarte steht „Senior Enterprise Community Manager“. Mit Raumschiff Enterprise hat das nichts zu tun (schade eigentlich, wo ich doch ein glühender Star-Trek-Fan bin), sondern mit Enterprise 2.0, also dem Einsatz von Web 2.0-Plattformen in Unternehmen.  Ich bin bei der BASF für ein weltweites Online-Business-Netzwerk verantwortlich. So etwas wie unsere Weinfest-Community, nur vieeeeeel größer (wir haben schon mehr als 21.000 BASF-Mitarbeiter aus aller Welt als Mitglieder) – und quicklebendig!

Ich hatte das große Glück, von Anfang an bei dem Projekt dabei zu sein. So habe ich das Konzept mit entwickelt, Pilotphase und weltweite Einführung begleitet. Jetzt berate ich die Mitarbeiter darin, connect.BASF (so heißt das Netzwerk) etwa zum Aufbau von Expertengruppen, zur Projektarbeit oder zum Wissensaustausch zu nutzen. Diese Aufgabe stemmen wir in einem Team mit Kollegen in Ludwigshafen, Asien, Nord- und Südamerika. Unser Community Management ist so erfolgreich, dass wir von vielen BASF-Teams um Beratung für konkrete Projekte gebeten werden. Außerdem stelle ich das Netzwerk dieses Jahr noch an vielen BASF-Standorten in Europa vor.

Jetzt hat connect.BASF eine tolle Auszeichnung bekommen: Wir haben den Deutschen Preis für Onlinekommunikation in der Kategorie „Interne Onlinekommunikation“ gewonnen. Dazu mussten wir unser Projekt und die zugrunde liegende Strategie in einem Bewerbungsformular beschreiben. Ich hätte nie gedacht, wie aufwendig das ist, obwohl – eigentlich gerade weil – wir nur 2000 Zeichen hatten! Wir haben uns schon sehr gefreut, als wir für den Preis nominiert wurden – zusammen mit Siemens und Bosch. Jetzt galt es, connect.BASF bei der Endausscheidung in Berlin vor der Jury zu präsentieren. Genau 8 Minuten hatte man dafür, also habe ich den Vortrag mit der Stoppuhr geübt. Als ich das letzte Mal so aufgeregt vor einer Tür stand, hinter der ein Professor auf mich wartete, habe ich meine Diplomprüfung an der Uni gemacht!

Verliehen wurden die Preise dann abends auf einer Gala-Veranstaltung – und es wusste tatsächlich niemand vorher, ob er gewonnen hat. Wie bei den Oscars :-).  Hier ist das Beweisfoto, dass wir es wirklich geschafft haben:

Deutscher Preis für Onlinekommunikation

Mein Kollege Dr. CheeChin Liew und ich bei der Preisverleihung in Berlin - zusammen mit Kommunikationsprofessor Ansgar Zerfas (rechts) und den Gewinnern in der Kategorie Virale Kommunikation (links). Pressefoto: Helios Media

Letzte Woche war ich schon wieder in Berlin, um connect.BASF bei einem Internet Kongress vorzustellen. Wer sich für Details interessiert – hier ist die Präsentation.

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Begeben wir uns von den großen und schlimmen Tragödien, und den pseudophilosophischen Gedanken am Sonntag, und von den Hoteldiskussionen und Städtebaustudenten,  in die profanen Tiefen des Alltags. Wobei, es geht hier im weitesten Sinne um unsere Kinder, also im engsten biologischen Sinn um unseren Sinn des Lebens. Aber jetzt ab in den Alltag!

Heute ging ich bei mir auf den Speicher und suchte ein altes Röhrenradio. Gefunden habe ich es nicht.

Es herscht dort Chaos. Alleine der Inhalt des Speichers lädt einen kompletten 7,5 Tonner LKW. Aber mit welchem Inhalt!! Kinderklamotten, Kinderspielzeug, Kindermöbel. All das was sich im Laufe der Jahre mit drei Kindern so ansammelt, für erhaltenswert angesehen wird, und dann in den Höhen des Speichers in Vergessenheit gerät. Werte, die die Vorstellungskraft übersteigen und einem die Tränen in die Augen treiben, rotten so langsam vor sich hin.

Hierüber erzählte ich meiner Herzensdame, und am Samstag waren wir zufällig bei Freunden, die gerade den Keller ausräumten. Nun unsere Generation X ist hier in Wachenheim die Generation, die Kinder so im Alter bis 16 hat. Zudem waren wir ja durchaus fruchtbar, siehe Artikel über die Wachenheimer Luft, sodass schon eine Heerschar Halbwüchsiger auf unseren Mist gewachsen ist.

Was tun mit dem ganzen so wertvoll wertlosen Krempel?

Nun, unsere Kurzen sind ja auch permanent klamm an Taschengeld. So hatte meine Herzensdame die Idee, dass die Kinder einen Flohmarkt ausrichten könnten, da tun sie was, bekommen nichts geschenkt und lernen fürs Leben, und sagte der Wachtenblog könnte dafür das Feld bereiten. Als Ausrichtungsplatz kam uns der Rathausplatz oder der Kirchplatz in den Sinn. Wobei mir der Kirchplatz aus gewissen Gründen besser gefällt, das hat so was biblisches, Handel im Tempel…

Also hier mein Aufruf an alle Eltern: Gehet hin, lockt eure Kinder mit dem Mammon, der zu verdienen ist und gebt uns Meldung über eure Bereitschaft, euren Kindern bei der Organisation zu helfen. Der Blog trommelt dann und versucht Unterstützung für die Kiddies einzuholen.

Spontan kommen mir auch die Pfadfinder in den Sinn, bei denen viele Mitglieder in dieser Alterschneisse sind, und bestimmt viel auf dem Speicher, bzw. im Keller haben, denkt  an das Jamboree und die Kässchen, da kann was rumkommen! Und man kann doch auch den Hirten ansprechen wegen des Platzes, oder Jungs und Mädels? Nicht immer nur Weihnachtsbäume.

Es würde mich für die Kinder und Jugendlichen freuen, wenn da etwas zu Stande kommen könnte und so viele wie möglich sich an der eventuellen Organisation beteiligten! Los geht’s!

Lasst es uns probieren!!

 

 

 

Es war an einem staubigen Dienstag morgen als Big Mouth Powdermaker mit fürchterlichen Kopfschmerzen erwachte. Der fahle Geschmack in seinem Mund ließ die Erinnerungen wie einen Donnerschlag hervortreten. Erinnerungen, die im örtlichen Saloon spielten, dem Raging Monday, die örtliche Spelunke, in der sich alle Honoratioren, und diese die es sein wollten, seiner Stadt Awaken Hamlet, trafen und pokerten.
Powdermaker wollte eigentlich nur einen ruhigen Abend mit Kitty und seinen beiden Freunden, Ole Waggonmaker Sharp Tongue und der gefürchteten Calamity Hussy the Rope verbringen, und doch ging alles so schief und endete in einem Desaster. Kitty war übrigens seine Flasche Kentucky Bourbon mit einer Fassstärke von 110% einer Brennung der Hell Destille zwei Orte weiter, wo Powdermaker einmal in einem historischen Duell dem Ort Frieden brachte, indem er den gefürchteten Outlaw The Extinguisher zur Strecke brachte, aber das ist eine andere Geschichte. Seitdem hat er dort lebenslanges Recht auf eine Flasche  Bourbon pro Tag. Jede Flasche, die er bekommt, lässt er seitdem taufen. Heute war es Kitty, mit der er einen schönen Abend verbrachte.
Der Saloon, das Raging Monday, wurde vor langer Zeit auf einem Stück Land errichtet, dem Wicket Chunk, das der örtlichen Großgrundbesitzerin Betty the Red Lightning Rose  gehörte. Eigentlich war der Claim von einem Clan, der ‚uncontrolled pick alliance‘ mit Ihrem Clan Chef, Morris boring to Hell so called the mad calf biting jawsmith, abgesteckt, um darauf eine Viehverladestation mit Eisenbahnanschluss zu errichten, mit angeschlossenen Wohnungen für die Betreiber der Station, alles war geregelt, jeder der Freunde der Alliance, der geholfen hatte, war schon versorgt und zufrieden gestellt, wie es im Wilden Westen Sitte war.
Doch die Bürger Hamlets wurden von Sharp Tongue und seinen Freunden, den Neusiedlern aus dem Osten, aufgerüttelt. Sie zeigten, unter anderem in der örtlichen Kleinzeitung, ‚Pulp Squeezer‘, dass die Verladestation nur ein Vorwand war, um aus dem Grundstück 10 Jahre später ein Grab- und Denkmal für die Familie der Jawsmiths zu gestalten. Denn Sharp Tongue und seine Freunde, so auch Hussy the Rope, fanden im Keller des Sheriff-Büros Dokumente, die dies bewiesen, diese waren in einer Kiste mit Brandy versteckt, Brandy der Marke ‚Nailed‘. Durch Zufall stolperte die Putzfrau des Büros, Miss Kate Deepinthecellar, darüber und machte diese Intrige in der Grosszeitung ‚The immaculate Lard‘ öffentlich.
Aus Zorn über diese Dreistigkeit der Jawsmiths beschlossen die Bürger Hamlets in einem einzigartigen Vorgang, das Grundstück auf ewig als eine Stätte der Begegnung zu gestalten und bauten Ihren Raging Monday Saloon. Es wurde ein Vertrag mit Betty the Rose geschlossen, die die besten Saloonbauer einschaltete und so hatten die Hamlets Ihren Saloon.
Dies war also die Sitaution als Powdermaker, Kitty, Tongue und Rope dasaßen und ihren Bourbon tranken. Die Tür schwang auf und aufeinmal herrschte Totenstille im Monday. Morris boring to Hell selbst und der Senior Chef Arnie Youwillbenailed traten ein. Die Hände der Anwesenden zuckten zu den Hüften, die Hähne der Colts wurden unter den Tischen gespannt.
Die Stille und die Spannung war unerträglich. Jeder wartete, wer zuerst zöge, der als idealistischer Hitzkopf bekannte Powdermaker oder der eiskalte Jawsmith. Jener bewegte langsam seine Hand auf die Brusttasche seines wehenden Mantels. Langsam, ohne den Blick von den drei Freunden zu lassen. Youwillbenailed hielt die Menge in Schach.
Jawsmith holte ganz langsam ein Stück Papier hervor und knurrte die drei Pulp Squeezer an. Er presste die Worte förmlich aus den Tiefen seiner Seele mit einer Wut und einem Zorn, die das Blut in den Adern gefrieren liess. „Gebt Eure wirklichen und vollen Namen preis, oder Ihr werdet gelyncht werden!!! Dies ist das Urteil vom Friedensrichter Legalizeit!!“
Die Drei Squeezer standen auf, langsam, die Hände am Halfter und sagten:
„Du hast schon Humor Morris, wir sind die, die wir schon immer waren. Hört Leute, wir sind Big Mouth Powdermaker, Calamity Hussy the Rope und Ole Waggon Maker Sharp Tongue!!“
„Habt Ihr das gehört Leute, ich habe Euch die Wahrheit gebracht!!“ sagte Morris Boring to Hell, so called the mad calf biting jawsmith.
Und jedem wurde klar, wie er den Namen bekommen hatte.
Betty the Rose ließ den Pianospieler die Lieder ‚Dead or Alive‘ and ‚Bed of Roses‘ von Bon Jovi spielen, schmiss eine Lokalrunde nach der anderen und jeder war glücklich, insbesondere Jawsmith, der es den Leuten mal wieder so richtig gezeigt hatte, Powdermaker mit seiner Kitty, Hussy mit ihrem Waggonmaker und die Leute von Awaken Hamlet, die eine Whiskeyschorle nach der anderen fer umme reinhauten.
Doch dies hatte fürchterliche Folgen. Denn durch die ganzen Whiskeys wurde von allen überall hingepinkelt, sodass durch den Geruch in Hamlet die Pferde scheuten und es zu einigen Unfällen kam, was die Leute der Alliance zum Anlass nahmen eine neue öffentliche Bedürfnisanstalt zu bauen. Der Claim wurde gleich abgesteckt.
Aber das ist eine andere Geschichte!!!!!!

Heute ist ein guter Tag zu Heiraten – wenn man Schnapszahlen mag oder Angst hat, das Hochzeitsdatum zu vergessen. Der 10.10.2010 führte in vielen deutschen Städten zu einem Run auf die Standesämter, die eine Ausnahme von der Sonntagsruhe machten: In Köln hatten sich 60 Paare zur Trauung angemeldet, in Kassel 30. Die 24 Termine, die München angeboten hatte, waren seit Anfang August vergeben. Auf der Liste der heute geöffneten Standesämter, die von den Ländern Berlin und Brandenburg ins Internet gestellt wurde, finde sich auch viele kleinere Orte.

Und Wachenheim? In der Rheinpfalz hat Kathrin Keller in einer klugen Notiz „Am Rande“ offen gelegt, dass auch bei unserer Stadtverwaltung Heiratswillige angefragt hatten. Leider hat man sie abgewiesen – wie übrigens auch in Freinsheim. Nun kann ich gut verstehen, dass sich die städtischen Beamten nicht nach Sonntagsarbeit sehnen. Ich bin auch nie begeistert, wenn es mich „erwischt“. Heute hätte es der Stadt jedoch gut angestanden, eine Ausnahme zu machen. Damit hätten wir uns sogar von der Pfälzer Hochzeits-Hochburg Freinsheim absetzen können. Schade, dass Wachenheim diese Chance verpasst hat!

Komisch, alle im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen haben sich die Förderung des Tourismus‘ auf die Fahnen geschrieben. Man spricht von einem essentiellen Wirtschaftsfaktor (FWG), möchte den sanftem Tourismus voranbringen (Bürgermeister Torsten Bechtel, CDU), verspricht neue Ideen (FDP im Kreis Bad Dürkheim), möchte den Tagestourismus steigern (SPD) und die Altstadt mit ihren Geschäften und Gaststätten beleben (Wachenheimer Liste).

All das würde passieren, wenn Wachenheim attraktive Angebote für Brautpaare und ihre Hochzeitsgesellschaften machen würde. Die Gebühren für die Standesamtliche Trauung könnten die Stadt natürlich nicht aus ihrer finanziellen Misere retten. Wenn jedoch nach der Zeremonie in der Wachenheimer Gastronomie gefeiert wird, dann tut das den örtlichen Betrieben und damit auch dem Stadtsäckel gut. Und wer als Brautpaar oder Gast eine schöne Feier in Wachenheim erlebt hat, der kommt auch gerne wieder.

Genau an den maßgeschneiderten Angeboten für Hochzeiten mangelt es aber in Wachenheim. Das habe ich schon im April in dem Blogbeitrag „Mehr als die Burg – Heiraten in Wachenheim“ aufgegriffen. Ich habe damals auch viele Ideen für Hochzeitspakete vorgestellt – von der Altstadt-Hochzeit bis zur Winzerhochzeit. Und was wurde daraus?

Der Blogbeitrag liegt mit 437 Aufrufen auf Rang 2 unserer Artikel. Er wird nach wie vor häufig angeklickt. An den Suchbegriffen sehen wir, dass die Leser nicht zufällig kommen, sondern gezielt nach Angeboten zum Heiraten in der Pfalz suchen. Regelmäßig rufen sie dann auch die Links zu den Wachenheimer Gastronomie-Betrieben auf, die ich bei den einzelnen Hochzeitspaket-Ideen verlinkt habe. Es kann gut sein, dass die ein oder andere Hochzeitsgesellschaft so schon den Weg nach Wachenheim gefunden hat.

Wenn das alles ist, verkauft sich Wachenheim beim Thema Hochzeit aber immer noch weit unter Wert. Auf meinen Blogbeitrag kamen damals viele positive Reaktionen – bis hin zur Frage, warum ich so ein Konzept frei ins Netz stelle (gehört für mich zum „Geist des Web 2.0“). Nils Riebeling schlug sogar die Gründung einer Hochzeitsagentur vor, denn sonst werde es „wieder an der Umsetzung scheitern, da es wie vieles in Wachenheim ein sehr langwieriger Prozess ist“.

Im Moment sieht es so aus, als sollte Nils Recht behalten. Bei den Pauschal-Angeboten der Wachenheimer Tourist Information findet sich für 2011 viel Altbekanntes, aber kein Angebot zum Thema Hochzeit. Wie man so etwas professionell (und zugegebenermaßen in größerem Rahmen) macht, sieht man übrigens auf der Seite Berlinhochzeit.

Warum hat sich hier nichts in diese Richtung  bewegt? Warum verpasst Wachenheim seine Chancen – sei es die Umsetzung meiner Hochzeitsideen oder auch nur die Öffnung des Standesamts am 10.10.2010? Ist die Stadt trotz Finanzmisere noch zu satt, um die ausgetretenen Pfade zu verlassen?

Liebe Leser !

Als verantwortungsvoller Mit-Herausgeber des Wachtenblogs habe ich die Pflicht Sie, den Leser, zu informieren. Daher werde ich mich zu einem Selbstversuch heranziehen und werde über jeden WuMa-Besuch bloggen. Im Guten, wie im Bösen, d.h. selbst nach dem eventuellem Eigen-Genuss von mehreren Schorlen werde ich Sie über den Ablauf des vorherigen Abends, hoffentlich unterhaltsam, informieren.

Ihnen selbst wünsche ich viel Spass mit den Ihren auf unserem aller Worschdmargt!

Prost und viel Spass!

Und PS

Vielleicht sieht man sich, wäre schön!

Lieber Frank, dies ist ein Kommentar, der so lang wurde, dass ich ihn lieber als Blogbeitrag veröffentliche. Er bezieht sich auf Deinen heutigen Beitrag „Blog und Kommentar“. Ich bin mit dem Artikel in weiten Teilen einverstanden – und überhaupt nicht einverstanden mit dem vorletzten Absatz, in dem Du die Kommentierer ansprichst. Da schreibst Du:

„Unsere Kommentar-Funktion der Seite […] ist nicht als Blog-Ersatz für Personen gedacht, die keinen eigenen Blog […]  haben wollen. Es ist ein Forum zu Themen, die auf dem Wachtenblog diskutiert werden, […]. Dieses System fordert sowohl den Autoren, als auch den Kommentatoren[…] einiges ab, z.B. […] Selbstdisziplin. Die Disziplin zu haben, nicht alles und jeden zu kommentieren, nur damit irgendetwas geschrieben ist. Speziell für uns Autoren, aber auch für alle Beteiligten, sollte das Wort von Dieter Nuhr gelten: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!“

Ich weiß nicht, wie es unseren Lesern geht. Für mich liest sich das wie ein ziemlicher Schuss vor den Bug unserer Kommentierer. Das war, wie ich von Frank weiß, so nicht beabsichtigt. Doch wenn wir Pech haben, dann ist heute dem einen oder der anderen erstmal die Lust vergangen, im Wachtenblog einen Kommentar zu hinterlassen. Das fände ich schade, sehr schade sogar!

Ich bin doch froh, dass wir in den vergangenen Monaten viel mehr Kommentare auf unsere Artikel bekommen habe – und das von vielen verschiedenen Leuten. Das soll bitte so bleiben, denn das genau ist der Unterschied zwischen einem Blog und einer Webseite!

Den hohen Ansprüchen eines Dieter Nuhr würden unsere eigenen Beiträge übrigens auch nicht immer gerecht. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass meine Texte „Neue Wege der Stadtsäckelsanierung“ oder  „Der Fluch der Cordelia“ die Welt wirklich weiter bringen. Manchmal ist der Wachtenblog trivial – und von der Sanierung kommunaler Haushalte habe ich etwa so viel Ahnung wie von Schwarzer Magie.

Wir alle sind hier Amateure und schreiben nach bestem Wissen und Gewissen – und manchmal einfach nur so aus Blödsinn. Das erlauben wir uns, und das sollten wir daher auch unseren Kommentierern zugestehen. Auch wenn wir uns über die Menge der Kommentare beschweren würden, dann würden wir mit Steinen aus dem Glashaus werfen. Schließlich spammen wir bei unseren Live-Blogs die Mailboxen unserer Abonenten gerne mal mit 20 und mehr Nachrichten voll. Und ich war bisher immer positiv überrascht, dass uns deswegen niemand das Abo gekündigt hat.

Gerade habe ich mir unsere Blogstatistik angesehen: fast 300 Zugriffe heute, aber seit Deiner Veröffentlichung kein einziger Leser-Kommentar. Vielleicht sehe ich ja Gespenster, aber für mich fühlt sich das wie eisiges Schweigen an. Mist!

Ironie des Schicksals: Gerade heute wollte ich in einem Blogbeitrag den Rheinpfalz-Artikel aufgreifen, der die Stimmung in der FWG nach dem „FWG im Gespräch“ analysiert. Danach sind nicht nur wir, sondern auch viele FWG-Mitglieder unzufrieden mit dem aggressiven Ton und dem wenig konstruktiven Inhalt des Blattes. Gegenüber der Rheinpfalz hat sich sogar Nicola Räch, die FWG-Vorsitzende im Stadtrat, von dem Heft distanziert. Das fände ich sehr bedenklich, wollte ich bloggen, wenn die Agitation unter Federführung von Boris Morell gerade die Kräfte aus der FWG treibt, die konstruktiv arbeiten und wirklich am Wohl der Stadt interessiert sind.

Ja, und jetzt habe ich mich gerade von einigen Aussagen meines Mitbloggers Frank distanziert.  Geht es also bei uns gerade zu wie in der FWG? Nein, da sehe ich doch eine ganze Reihe von Unterschieden: Erstens würde ich Frank, selbst wenn er in Rage ist, nicht mit der destruktiven Kraft eines Boris Morell vergleichen. Zweitens ist bei uns dreien im Wachtenblog die Meinungsvielfalt Programm, wir verstehen uns gerade deshalb so gut (und anders als Nicola Räch denkt keiner von uns darüber nach, aus dem Team auszusteigen). Drittens habe ich meine Reaktion mit Frank abgestimmt. Und viertens  machen wir unsere internen Meinungsverschiedenheiten aus eigenem Antrieb transparent. Darum laden auch weiterhin unsere Leser dazu ein, ihren Senf dazu zu geben. Also Feuer frei!

Seit einiger Zeit mache ich mir kritische Gedanken über unseren Wachtenblog.“ Unser“ ist hier mit Cordelia, Achim und Frank eingegrenzt. Um Verständnis für meine Gedanken zu wecken, gehe ich mal zu den allerersten Anfängen.

Mein Nachbar Achim und ich hatten vor ca. 5 Jahren zum erstenmal die Idee einer gemeinsamen WebSite, die sich mit all den Dingen in Wachenheim auseinandersetzen sollte, allerdings war da eher eine Art Zeitung angedacht. Wir hatten einen lustigen lateinischen Namen, hatten sogar schon die Seite aktiviert, leider mangels Zeit, ist es uns nicht gelungen die damalige Seite mit Leben und Hirnschmalz zu füllen.

Dann, als wir schon nicht mehr an unser gemeinsames Projekt glaubten, kam unsere bzw. unser, spiritus rex, Cordelia mit der Blog-Idee. Die Zeit war reif, die Technik war reif und wir drei hatten mittlerweile soviel erlebt, dass wir uns mit unserer Idee an die Öffentlichkeit trauten. Zudem ließen uns unsere Kinder abends Zeit, da Sie schon alleine ins Bett gehen konnten, um noch ein paar Ergüsse  zu tippen, oder besser, Ideen umzusetzen.

Besonderer Charme hatte die Blogidee, da sie als Kommunikationsplattform konzipiert war, d.h. mit der größtmöglichen Leserfreiheit zum Kommentar, wir wollen ja in unserem Wachenheim etwas in Bewegung bringen, uns einmischen, andere zum Einmischen motivieren. Bisher gab es, Cordelia weiss das besser als ich, nur zwei Kommentare, die von uns zensiert wurden, und diese wurden bei unserer Mega-Diskussion bezüglich Feminismus, Maskulismus abgegeben und waren so niveaulos und frech, dass wir eingegriffen haben, indem wir diese löschten.

Dies zeigt auch die „Gefahr“, in die wir uns für unseren Blog bewusst begeben. Jeder darf. Jeder kann. Nicht jeder, aber viele wollen, viele, aber nicht Alle, trauen sich. Es gibt kein Sieb, keine Zensur, lediglich, wenn von Kommentatoren allgemeingültige ethische Grundsätze verletzt werden sollten, greifen wir ein. Wir liefern uns und unsere Inhalte dem Leser aus, dem wir verantwortungsvolles Partizipieren unterstellen, zutrauen und zumuten.

Jetzt habe ich darüber geschrieben, was unser Blog ist. Was soll er aber nicht sein?

Für mich ist der Blog keine zu instrumentalisierende Plattform. Was heisst das? Das heisst, siehe meinen Artikel über griechische Geschenke im Vorfeld unseres Live Blogs zum FWG-Fugblatt, dass ich, oder wir, es ablehnen als Trojanisches Pferd benutzt zu werden. Wir legen unsere Meinung dar, wir bringen unsere Sichtweisen, und geben denen Gelegenheit, die sich, zu unseren Blog-Regeln, beteiligen wollen. Explizit sage ich hier, dass wir nicht erwarten, dass unsere Meinungen bestätigt werden sollen, gerade das Gegenteil ist der Fall, wir wollen Vielfalt, wir wollen Diskussionen.

Unsere Kommentar-Funktion der Seite, und das ist der Kern meines Artikels, ist nicht als Blog-Ersatz für Personen gedacht, die keinen eigenen Blog, also Meinungsforum, haben, oder haben wollen. Es ist ein Forum zu Themen, die auf dem Wachtenblog diskutiert werden, und von den Wachtenbloggern sanft moderiert werden, die wiederum das Feedback brauchen, um neue Themen zu finden oder alte  in Erinnerung zu bringen, ein System von Actio und Reactio, im Wechsel. Dieses System fordert sowohl den Autoren, als auch den Kommentatoren, ergo Leser, einiges ab, z.B. den o.g. griechischen Versuchungen zu widerstehen, oder auch Selbstdisziplin. Die Disziplin zu haben, nicht alles und jeden zu kommentieren, nur damit irgendetwas geschrieben ist. Speziell für uns Autoren, aber auch für alle Beteiligten, sollte das Wort von Dieter Nuhr gelten: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!“

Ich bin stolz darauf, und damit auf unsere Leser, dass dieses System bisher ohne Probleme funktioniert und hoffe, dass dies, gerade wegen des Erfolgs des Wachtenblogs, so bleiben wird.

Ich bitte an dieser Stelle um Kommentare…