Ganz Wachenheim soll Zone 30 werden. Das wäre fein. Allen, die da anderer Meinung sind, seien die unterschiedlichen Bremswege eines Autos bei 50 und bei 30 km/h noch mal in Erinnerung gerufen. Besser noch der unterschiedliche Weg, der bei diesen Geschwindigkeiten bis zum Stillstand zurückgelegt wird, also Reaktionszeit + Bremsweg.

Bei 30 km/h steht ein Auto nach 18 Metern.
Bei 50 km/ steht ein Auto nach 40 Metern.

Jetzt kann sich jeder leicht vorstellen, dass diese 22 Meter für das leibliche Wohl eines Kindes, das hinter einem Ball her auf die Straße rennt, einen vitalen Unterschied machen können. Die Bahnhofstraße und die Burgstraße also auch in 30er Zonen umzuwandeln, finde ich sehr gut. „Unnötiges Regulieren“, wie die SPD es im Stadtrat nannte, ist es meiner Meinung nach nicht.

Ganz Wachenheim soll Zone 30 werden. Ganz Wachenheim? Nein, denn eine kleine seltsame Behörde in Speyer wehrt sich tapfer gegen den gesunden Menschenverstand und sperrt sich kategorisch gegen Tempo 30 auf der Weinstraße. Die Rede ist vom Landesbetrieb Mobilität. Richtig, jene Behörde, für die erst schwere Unfälle an der B271-Einfahrt an der Villa Rustica passieren müssen, damit dort, wie an allen anderen Ortszufahrten, Tempo 70 eingerichtet werden kann. Jene Behörde, die in Wachenheim nichts außer Asphalt auf der Weinstraße zulässt, während in Deidesheim munter gepflastert werden darf.

Was soll das, lieber Landesbetrieb Mobilität? Was auch immer Dich auf Wachenheim sauer gemacht hat – sei nicht so verdammt nachtragend. Wenn das mit den Geschäften in der Weinstraße jemals was werden soll, dann sicher nicht, wenn Hobbyrennfahrer versuchen, mit 50 daran vorbei zu brettern. Und ganz nebenbei kannst Du ruhig auch mal davon ausgehen, dass Stadt und Verbandsgemeinde nicht mal eben Anträge stellen, nur um Dich zu ärgern.

Der Radwandertag der Deutschen Weinstrasse muss dieses Jahr leider ohne den Stand der Wachremer Schorlebuwe am REWE-Parkplatz stattfinden.

Durch Unfälle, Krankheit und Dienstreisen ist der Personalstand der Schorlebuwe, und Mädle, das muss mal gesagt sein, so drastisch reduziert,
daß es leider, auf Grund des hohen Organisationsaufwandes, nicht möglich ist den Stand so professionell und engagiert zu betreiben, wie es die zahlreiche Besucher der letzten
Jahre gewohnt waren.

Der Ausfall dieses Jahr ist als nicht zu vermeidende und nicht gewollte Unterbrechung anzusehen. Und nächstes Jahr gibt es sie wieder,

die Schorlebuwe und-Mädle!

Keine Sorge, trotz der Überschrift bleibt der Artikel jugendfrei. Der Wachenheimer Gewerbeverein hat die Meinung geäußert, dass eine weitere Verkehrsberuhigung nicht zu einer Belebung der Innenstadt führen würde. Das mag sein, zu mal dort gerade kaum noch etwas zu beleben ist. Steht ja so gut wie nichts mehr leer.

Klar, weniger Autoverkehr könnte natürlich dafür sorgen, dass mehr Leute erwägen würden, die Weinstraße zu Fuß zu erkunden. Das macht derzeit überhaupt keinen Spaß. Der Ruß an den Hauswänden der Arkaden gibt schon mal einen Anhaltspunkt, warum.

Belebt wird der Marktplatz durch das Schellack und die Vinothek. Die würden sicher auch nicht jammern, wenn ihre Gäste etwas weniger Abgase mit bekämen.

Im Zusammenhang der Innenstadtbelebung geht es auch immer wieder um Parkplätze. Braucht Wachenheim mehr Parkplätze? NEIN! Wachenheim braucht mehr Leute, die die vorhandenen Parkplätze benutzen.

Hinner der Kerch bekomme ich immer fast die freie Auswahl für einen Parkplatz, gleichzeitig drängen sich vor der Apotheke vier Autos und behindern den Verkehr. Das können nicht alles schwer gehbehinderte Menschen sein, deren Parkplatz um die Ecke in der Burgstraße gerade belegt ist und für die der lange Weg (ich schätze 80 Meter) vom nächsten Parkplatz die Burgstraße entlang unzumutbar ist.  Vielleicht wäre die Weinstraße schon ein Stückchen beruhigter, wenn mehr Wachenheimer innerorts unmotorisiert unterwegs wären.

Und ein Parkleitsystem wäre auch gut. Pompöses Wort für ein paar Schilder, die zu den Parkplätzen leiten. Aber der ortsfremde Durchgangsverkehr sieht das Chaos vor der Apotheke und fährt durch. Die Parkplätze Hinner der Kerch kennt ja kein Ortsfremder. Gut, ob Autofahrer bereit sind, mehr als 100 Meter zu Fuß zurück zu legen, ist dann wieder ein anderes Thema. Aber nur von durchfahrenden Autos hat niemand was, im Gegenteil, die verdrecken nur die Luft.

Der Gewerbeverein warnt, dass mehr Verkehrsberuhigung dazu führen könnte, dass Wachenheim zu einer Schlafstadt ohne Infrastruktur wird. So wie Deidesheim? Alle Einkaufsmärkte außerhalb, damit der Lieferverkehr nicht durch den Ort muss und die Innenstadt auf Vordermann gebracht – da könnte man vielleicht was abgucken.

Bestimmt ist seit dem Bau der Umgehung viel weniger Verkehr auf Wachenheims Weinstraße. Trotzdem ist es noch viel. Anders als Forst oder Deidesheim gibt es leider keine vernünftige Alternative zur Weinstraße. Dass eine weitere Beruhigung des Verkehrs dort die Infrastruktur gefährdet, glaube ich kaum. Mir ist dort zu viel Verkehr, deshalb meide ich sie zu Fuß oft (meint, ich nehme den Amalie-Helferich-Pfad oder die Bahnhofstraße). Ohne Verkehrsberuhigung sehe ich die Infrastruktur in größerer Gefahr. Was unterscheidet dann Wachenheim von einem Straßendorf? Vier, fünf Geschäfte und die Stadtrechte.

Beinahe hätte es bei uns am Wochenende nichts Frisches zu essen gegeben. Ich hatte geplant, am Freitag auf dem Weg von der Arbeit Obst und Gemüse einzukaufen. Doch statt in Beschers Markthalle Äpfel und Salat auszusuchen, stand ich im Stau.

Die letzten Meter der A 650 und die B 37 bis fast nach Bad Dürkheim rein waren dicht. Aus Langeweile habe ich mir die Kennzeichen der entgegenkommenden Autos angesehen: Mannheim, Heidelberg, Kaiserslautern, Darmstadt, Karlsruhe, Alzey, Mainz, … Auch die meisten Autos, die mit mir in der Schlange standen, hatten schon einen weiteren Weg hinter sich.

Der Grund dafür ist wahrscheinlich das Gastspiel des Circus Krone in Bad Dürkheim. Da kommen die Leute von weit her gefahren – nur um dann 20 Minuten im Stau an einer Baustelle vorbei zu schleichen. Ich finde es ja prima, dass die Frostschäden repariert werden. Aber muss die Baustelle ausgerechnet dann eröffnet werden, wenn das sechstägige Gastspiel des Circus‘ beginnt?

Keine gute Visitenkarte für Bad Dürkheim! Wusste da eine Stelle in der Stadt nicht, was die andere tut? Oder hat der Landesbetrieb Mobilität die B 37 aufgerissen und halbseitig gesperrt, ohne sich mit Bad Dürkheim abzustimmen? Würde mich nicht überraschen. Beim fehlenden Tempolimit an der Wachenheimer B 271-Ausfahrt und den zu groß geplanten Blumenrabatten vor den Wachenheimer Arkaden ging es ja auch nicht um die Bedürfnisse der Gemeinde.

Jedenfalls ist zu befürchten, dass in den kommenden Tagen noch einige Leute zu spät zur Zirkusvorstellung kommen. Wenigstens habe ich meine Einkäufe gerade noch erledigen können.

Neulich wurde ich auf den verengten Gehweg vor Amschlers Laden angesprochen. Bei der Instandsetzung der Weinstraße wurde auf ein paar Metern der Fußgängerweg zugunsten der Fahrbahn ein gutes Stück schmaler. Im Sinne der Verkehrsberuhigung des Weinstraße und der Belebung des Geschäftslebens in der Innenstadt hätte man hoffen können, dass die Maßnahme ein Vorbote von zwei Parkplätzen sein könnte.

Dem hat der Landesbetrieb Mobilität in Speyer einen Riegel vorgeschoben. Da half auch der Einsatz der Bürgermeisters nichts, an dieser Stelle wird einfach nur die Straße breiter. Ein Argument der Speyrer Bürokraten: Bei einer Vollsperrung der B 271 sollen LKWs leichter den Ort durchfahren können. Bullshit!

Ist ja schön, wenn der LKW in Höhe von Amschlers Platz hat. Aber wird er ein paar Meter weiter dann schmäler, um de Arkaden passieren zu können? Ganz davon abgesehen wird die B 271 nicht eben jede Woche und dann nicht immer ausgerechnet in Höhe von Wachenheim gesperrt. Da wäre für den Schwerlastverkehr eine Umleitung über die A 65, B 9 und A 650 ohnehin sinnvoller.

Gewöhnlich gut informierte Quelle munkeln, dass Wachenheim den Speyrern vom Landesbetrieb durch die vergangenen Jahre ein rotes Tuch ist. Schade, dass wir allem Anschein nach solchen vernagelten (kein beabsichtigtes Wortspiel) Sesseldurchsitzern hilflos ausgeliefert sind.

Wer vom Rhein kommt, kennt das Phänomen: Es gibt immer eine richtige und eine falsche Seite im Leben.  Für den echten, also linksrheinischen Kölner ist das die schäl Sick , auf hochdeutsch schlechte oder falsche  Seite. Das sind für den Kölner die rechtsrheinischen Viertel der Stadt. Schlimmer ist nur noch Düsseldorf. Von anderen Gegenden an Rhein und Mosel kenne ich das auch. Die schäl Sick Mannheims ist eindeutig Ludwigshafen. Und für die Bayern leben die Österreicher auf der falschen Seite der Grenze.

Gibt es die Unterteilung in richtige und falsche Seite auch im kleinen Wachenheim? Mal abgesehen von der Grenze, die unseren grillfreien Garten von Franks Carnivoren-Paradies trennt? Immerhin liegen diese beiden Grundstücke in Wachenheim II. Daneben gibt es noch – richtig – Wachenheim I. Als Demarkationslinie fungiert die Weinstraße. Sie trennt die Wachenheimer in Wessis (I, oberhalb der Weinstraße) und Ossis (II, unterhalb der Weinstraße).

Und was ist nun der Unterschied? Bei oberflächlicher Betrachtung fällt nur auf, dass der Müll an unterschiedlichen Tagen abgeholt wird.  Einen weiteren Hinweis gab uns die Rektorin der Kurpfalz-Grundschule bei der Einschulung unserer Tochter: Früher habe man die Klassen einheitlich aus Kindern von diesseits oder jenseits der Weinstraße bestückt. Für die Laufgruppen sicher praktisch. Allerdings sei man davon abgekommen, um eine ausgewogenere Zusammensetzung der Klassen zu erreichen.

Also scheint es doch mehr Unterschiede zwischen I und II zu geben, als die Müllabfuhr vermuten lässt. Eine Manifestation findet sich in den Ergebnissen der Bundestagswahl 2009. Bei der Wahlbeteiligung gibt es einen signifikanten Unterschied: Während in Wachenheim I nur 65,4 % zur Urne gingen, waren es in Wachenheim II 79,9%. Das kann nur zum Teil daran liegen, dass die IIer sich vielleicht eher auf den (kürzeren) Weg zum Wahllokal in der  Schule machen, während die Wachenheimer aus dem Westen stärker zur Briefwahl tendieren.

Deutlich ist der Unterschied bei den gewählten Parteien (Zweitstimme): In Wachenheim I schnitten SPD (22,4% gegenüber 18,9%) und Linke (6,6% gegenüber 3,0%) besser ab. In Wachenheim II gab Vorteile für die CDU (38,7% gegenüber 34,8%) und ein deutliches Plus für die FDP (23,5% gegenüber  17,5%).

Auch wenn es in beiden Wahlkreisen locker für die Wespen-Koalition gereicht hat, scheint das rote Herz Wachenheims stärker im  Westen zu schlagen. Oder ist das alles Quatsch, die Weinstraße ist nichts als eine Straße, und die schäl Sick Wachenheims liegt in Forst?

Um kulturelle Aufklärung von erfahrenen Wachenheimern wird gebeten!