Über vier Jahre ist es her, dass Michael Dietrich, Uwe Nonnenmacher und ich dem damaligen Bürgermeister Nagel und Vertretern der im Stadtrat vertretenen Gruppierungen mehr als 1000 Unterschriften übergeben haben – gegen einen Supermarkt im Pfortenstück. Schon damals empfahl die Wachenheimer Liste und der Kreis, in Abstimmung mit der Grundstückseigentümerin einen städtebaulichen Wettbewerb fürs Pfortenstück auszuschreiben.

Eine Bürgermeisterwahl und eine endgültige Abfuhr für den Supermarkt durch den Denkmalschutz später war es heute endlich soweit: im Ratssaal der Stadt Wachenheim wurden acht Entwürfe fürs Pfortenstück vorgestellt. Es sind dies die acht prämierten Arbeiten des „Studentischen Ideenwettbewerbs zur Bebauung des Pfortenstücks in Wachenheim“, den Bettina Bürklin von Guradze ausgelobt hatte.

Studenten der TU Kaiserslautern, allesamt Architekten kurz vor dem Abschluss, haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit Wachenheim und dem Grundstück beschäftigt. Begleitet wurde diese heikle Aufgabe von Christine von Strempel, einer Städteplanerin aus Berlin, und von Uniseite von Prof. Johannes Modersohn.

Die Studenten wussten um die Vorgeschichte und hatten drei wesentliche Vorgaben:
1. Die Weiterführung und Ergänzung der bestehenden Wohnbebauung
2. Die Freiraumsituation der Pforte aufzuwerten, ohne durch eine gewaltige Baumaßnahme die Maßstäbe zu sprengen
3. die vom geltenden Flächennutzungsplan vorgeschriebene 50%ige Nutzung für Fremdenverkehrszwecke

Vom Denkmalschutz bekamen sie dazu noch die Auflage, das Niveau des Grundstücks nicht anzutasten. Mehr Vorgaben etwa über Abstände zur Stadtmauer gab es vom Denkmalschutz nicht. Sehr schwach, denn so mussten die Studenten ihre Schlüsse aus der Ablehnungsschrift zum Supermarkt ziehen, hatten aber keine konkreteren Angaben, was nun aus Sicht des Denkmalschutzamts wirklich erlaubt sein wird.

Und wenn auch vor einiger Zeit viele das Wort Pfortenstück nicht mehr hören konnten – heute herrschte großer Andrang. Und alle waren auf die Entwürfe gespannt. Gezeigt wurden die ersten Drei des Wettbewerbs und fünf weitere ausgezeichnete. Dummerweise war der erste Entwurf, den ich unter die Lupe nahm einer mit einem gewaltigen Klotz an der Weinstraße. Ich gestehe, mein erster Gedanke war: Vielleicht wäre ein Supermarkt doch gar nicht so schlecht gewesen. Doch da waren ja auch noch andere Entwürfe…

Was allen gemein ist: Auf dem vorderen Teil des Grundstücks soll ein Hotel entstehen. Naturgemäß ist so ein Gebäude mit 40 Zimmern größer als ein Einfamilienhaus. Also ja, auf dem vorderen Teil an der Weinstraße wird – so ein Investor für eine der Ideen gefunden wird – ein recht großes Gebäude entstehen. Im hinteren Teil zeigen alle Entwürfe Einfamilienhäuser, also deutlich kleinere Einheiten als der letzte Versuch eines Bebauungsplans sie auswies.

Was auch allen Entwürfen ein Anliegen ist: Am Pfortenstück einen zentralen Platz für Wachenheim zu schaffen. Das geht natürlich mit so einem Hotel und Restaurants recht gut. Die Entwürfe hier im Detail zu beschreiben, macht wenig Sinn und irgendwann will ich ja auch mal schlafen. Nur soviel, sollte einer der drei Sieger-Entwürfe umgesetzt werden, entsteht etwas sehr modernes, ohne dass noch so ein hässlicher Klotz wie der Anbau ans Altenheim entsteht.

Der Siegerentwurf von Maryse Trautsch

Mit den Dimensionen und der Kantigkeit der Entwürfe schienen mir einige Wachenheimer so ihre Probleme zu haben. Auch bei der Fassadengestaltung wird wohl der Sichtbeton von Maryse Trautsch, der Gewinnerin, nicht auf allzu große Akzeptanz treffen. Was mir an ihrem Entwurf aber gefällt, ist die „Pforte“, die sie zwischen Hotel und Altenheim bildet und der Platz, den sie zwischen Stadtmauer und Hotel schafft.

Einer der Nachwuchsarchitekten, Maxilmilian Wienicke, hat sogar das Wchenheimer Weinfest mit in seine Überlegungen einbezogen und „seinen“ Platz auf dem Pfortenstück so angelegt, dass dort ein neues Zentrum des Fests entstehen kann, um so die Verbindung zur Burg (über den Fußweg) deutlicher zu machen.

Ich bin gespannt, wie die Entwürfe in Wachenheim ankommen. Die Atmosphäre bei der Vorstellung der prämierten Ideen war jedenfalls sehr gut. Natürlich wusste der ein oder andere schon ganz genau, warum dies oder jenes ganz und gar nicht geht, ansonsten beschreibt aber offenes Interesse die Annäherung an die Entwürfe am Besten.

Bis einer der Entwürfe umgesetzt wird, sind noch einige Fragen zu klären. Aber diesmal offen und transparent. Das ist sehr wohltuend. Ich finde es klasse, dass Bettina Bürklin von Guradze diesen Weg eingeschlagen hat, unvorbelastete Expertise von außen fürs Pfortenstück zu Rate zu ziehen. Denkmalschutz und Kreis sind von Anfang an auf dem Laufenden, der Stadtrat auch und jetzt auch die Bürger.

Ich habe gegen einen Supermarkt im Pfortensück Unterschriften gesammelt, war aber nicht gegen eine Bebauung. Ist ja schließlich nicht mein Grundstück. Aber eine sinnvolle und schöne Bebauung habe ich mir für diese Stelle gewünscht. Dafür stehen die Zeichen jetzt wirklich gut.

2. Platz von Silvia Köllner

3. Platz von Katja Gugler

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